Die Kälte der Erde – Tatort 1224 #Crimetime Vorschau Das Erste, 29.01.2023, 20:15 Uhr #Tatort #Saarbrücken #Hölzer #Schürk #Heinrich #Baumann #SR #Erde #Kälte #Fußball

Crimetime Vorschau – Titelfoto © SR, Manuela Meyer

Das Ding mit der allseits bekannten und besonders berüchtigten Fußball-Hooliganszene des Saarlandes … what?

Es hätte für reinen Krimi mit diesem Thema sicherlich weitaus bessere Standorte gegeben. Denkt man spontan. Bei uns ruft es eher nostalgische Gefühle hervor. Aber, um gleich eine im Folgenden zitierten Kritik wenigstens aus historischer Sicht etwas entgegenzusetzen:

Der 1. Fußball-Club Saarbrücken e.V. (1. FC Saarbrücken) ist ein Sportverein aus der saarländischen Landeshauptstadt Saarbrücken. Die Fußballmannschaft des ursprünglich 1903 gegründeten Vereines, der zwischen 1909 und 1945 unter dem Namen FV Saarbrücken antrat, zählte ab den 1930er Jahren zu den deutschen Spitzenvereinen, wurde 1943 und 1952 Vizemeister und war 1963 eines von 16 Gründungsmitgliedern der Fußball-Bundesliga. Seit 1964 pendelt die Mannschaft zwischen der ersten und fünften Spielklasse, seit Sommer 2020 spielt sie in der 3. Liga.

Das Saarbrücker Ludwigsparkstadion kündet mit seinen fast 40.000 Plätzen noch von den besseren Zeiten, aber die heimliche Liebe vieler am Fußball interessierter Saarländer:innen  ist der 1. FC Kaiserslautern in der benachbarten Pfalz, der eine noch weitaus größere Geschichte vorzuweisen hat. Allerdings sind auch bei diesem Verein, gemessen an seinen einstigen Erfolgen, die Glanzzeiten vorbei. Der Südwesten Deutschlands wird heute eher vom FC Freiburg und von Eintracht Frankfurt vertreten, aber diese Städte sind ja doch vom Saarland eine gute Ecke weg. Der Abstieg des FCS im Laufe der Jahre ist wiederum eine Parallele zur negativen Entwicklung des Saarlands in Relation zu anderen Bundesländern, bevölkerungsmäßig und wirtschaftsmäßig. Die Drehorte Neunkirchen (Saar) und Völklingen sind Symbole für den Niedergang der einst mächtigen Stahlindustrie und der bisherigen Unmöglichkeit, sie in moderne Branchen zu konvertieren – ähnlich wie im Ruhrgebiet.

Das wirkt sich auch auf die Tatorte aus: Der SR ist der einzige Sender, der trotz seiner großen Tradition nur einen einzigen Film zur Reihe pro Jahr beisteuert. Der noch kleinere Sender Radio Bremen hingegen kommt auf zwei Tatorte jährlich. Welche Tradition? Der zweite Tatort überhaupt, „Saarbrücken, an einem Montag“ kam vom SR und der SR war immer in der Reihe präsent, anders als z. B. der Berliner SFB.

Das neue Team wurde zunächst gut aufgenommen und ein einziger anständig rezipierter Tatort („Das fleißige Lieschen“) reichte aus, um es an die Spitze aller Teams zu hieven – gemäß der damals noch aktiven Rangliste des Tatort-Fundus. Mittlerweile steht uns dieses Bewertungsbarometer nicht  mehr zur Verfügung, aber dass das aktuelle Saar-Team eine besserer Reputation hat als der schräge Vorgänger Stellbrink, dürfte derzeit als gesichert gelten. Wenn diese junge Crew anständige Drehbücher bekommt, funktioniert sie auch. Was uns bisher  negativ aufgefallen ist: Die beiden Frauen kommen zu klischeehaft rüber und schlicht zu kurz, im Vergleich zu den männlichen Teammitgliedern. Allerdings fehlt uns mindestens eine Sichtung, weil wir die Tatort-Premierentermine nicht mehr wahrgenommen haben. Derzeit versuchen wir, wieder ranzukommen, aber einfach ist das nicht.

Das tödliche Nachspiel eines Fußballderbys beschäftigt die Saarbrücker Kommissare Adam Schürk (Daniel Sträßer), Leo Hölzer (Vladimir Burlakov), Esther Baumann (Brigitte Urhausen) und Pia Heinrich (Ines Marie Westernströer) in ihrem vierten gemeinsamen Fall. Andreas Schneider, Fan eines Saarbrücker Fußballclubs, wurde nach dem Spiel brutal zusammengeschlagen. Ihre Ermittlungen führen die Kripo-Beamten in die Hooligan-Szene mit ihren ganz eigenen Gesetzen, lassen sie aber auch in familiäre Abgründe blicken.

Tatort Folge 1224: Die Kälte der Erde – Tatort Fans (tatort-fans.de)

 Und hier die Meinung zum Film von dieser Seite:

 Auch wenn das Saarland nicht gerade als Fußball-Hochburg gilt: Die Idee, einen Tatort in diesem Milieu spielen zu lassen, ist durchaus originell und auch größtenteils gut umgesetzt, was nicht zuletzt an den sorgfältig ausgewählten Schauplätzen liegt: Die brachliegenden Industrieflächen, auf denen die „Ackermatches“ stattfinden, geben eine beeindruckende Kulisse ab.

Großes Manko des SR-Tatorts bleibt das auf vier Kommissare aufgeblähte Ermittlerteam. Bei nur einer Folge pro Jahr bleibt jedem einzelnen sehr wenig Raum zur Profilierung, sodass die Hauptfiguren – vielleicht mit Ausnahme von Schürk – auch nach vier Episoden immer noch blass und konturlos wirken.

Doch, das Saarland war mal eine kleine Fußball-Hochburg, außer dem FCS gab es noch eine Phase, in welcher der FC Homburg in der Bundesliga vertreten war, vollkommen überproportional zur geringen Größe dieser Kreishauptstadt, wenn man so will.

Der Fußball-Club 08 Homburg-Saar ist ein deutscher Fußballverein aus dem saarländischen Homburg. Bundesweit bekannt wurde er durch seine Bundesligazugehörigkeit in den 1980er Jahren. Seit der Saison 2018/19 spielt er in der Regionalliga Südwest. Zu den bekanntesten ehemaligen Spielern zählen Werner Kohlmeyer, Mitglied der deutschen Nationalmannschaft, die 1954 Weltmeister wurde, und Miroslav KloseWeltmeister 2014.

Auch der heutige Erfolgstrainer  des FC Freiburg, Christian Streich, lief einst für die Homburger auf.

Allerdings scheinen sich die Fußballmatches eher nicht in der Folge dieser Tradition zuzutragen, die man im Film sieht, sondern eher eine Subkultur darzustellen. Wo sollte man für große Kulissen auch heute die Zuschauer hernehmen, wie etwa im Hannover-Bundesliga-Tatort „Mord in der ersten Liga“ aus dem Jahr 2011?

Auch in der obigen Kritik der Tatort-Fans wird darauf angesprochen, dass der SR-Tatort aufgrund der langen Pausen zwischen seinen Episoden Probleme damit hat, das Publikum mit seinen Teams vertraut zu machen und die Logik, dass das umso schwieriger ist, je größer ein Team ist und je mehr Figuren in den üblichen 88 Minuten Spielzeit herausgearbeitet werden müssen, ist nicht von der Hand zu weisen.

Kommissare überzeugen in ihren Rollen. In den 90 Minuten gibt es kein einziges Verhör in den Büros der Kripo. Alle Szenen spielen draußen. Die vier Kommissare wirken dadurch echt und spielen ihre Rollen überzeugend. Als Zuschauer sind wir bis zur letzten Minute ganz nah dran. Einziges Manko: Der Cliffhanger zum Schluss! Jetzt müssen wir ein Jahr warten, um zu wissen, wie es weitergeht. Trotzdem: Der Tatort „Die Kälte der Erde“ hat mich absolut gepackt. Deshalb 5 von 5 Elchen.

Tatort-Kritik: „Die Kälte der Erde“ in Saarbrücken – SWR3

Das ist ja nun noch gewagter: Ein Sender, der nur einen Tatort pro Jahr herausbringt, macht einen Zweiteiler. Krass, diese Saarländer und ihre Rundfunkanstalt. Dann hätte man es doch mindestens auch mal so spielen  können, dass man dieses Jahr zwei Filme kurz hintereinander bringt und nächstes Jahr pausiert. Aber es gibt ja noch die dritte Halbzeit, die in der obigen SWR-Kritik (außerhalb des zitierten Textteils) angesprochen wird. Da wird sich alles klären.

Das Quartett aus Saarbrücken ermittelt im Fall eines tödlich verletzten Hooligans. Da ist viel Bewegung im Spiel. Kämpfe werden mit der Faust ausgetragen, Wut und Hass bestimmen Stil und Tempo. Aber nicht allein der Hass unter Hooligans führt zum Motiv. „Tatort – Die Kälte der Erde“ (Bavaria Fiction) erzählt auf allen Ebenen auch von Zugehörigkeit und (ungewollter) Familienbande. Passend dazu zieht sich die Hassliebe zwischen den Kommissaren Hölzer und Schürk weiterhin durch den Fall. Mit neuer Autorin und neuer Regisseurin spielt der vierte „Tatort“ aus Saarbrücken mehr unter freiem Himmel als in Verhörräumen und gibt allen Agierenden verlässlich Raum, sich freizuschlagen. Schon die ersten Szenen machen klar, dass an diesem „Tatort“ eher die Gesetze des Western als eine kühle Beobachtung das Genre vorgeben. Die Gräben zwischen den ErmittlerInnen bilden dabei den Subtext. „Tatort – Die Kälte der Erde“ ist ein weiterer Baustein auf dem Weg zum schlagkräftigen Team und lässt sich dabei inszenatorisch einiges einfallen.

Tatort – Die Kälte der Erde – Kritik zum Film – Tittelbach.tv

Dafür gibt es die für Tittelbach-TV-Verhältnisse durchschnittlichen 4,5/6. Ohne Bezugnahme auf die gedehnte Taktung der SR-Tatorte und den Cliffhanger. Vermutlich werden sie es wegen dieser Zweiteiligkeit des Films so machen müssen, wie es vor ein paar Jahren erstmals in einem Berlin-Tatort mit Karow und Rubin zu sehen war: Damit das Publikum gedächtnisseitig den Anschluss nicht verliert und  für jene, die den ersten Teil nicht gesehen haben,  muss eine Einführung mit „was bisher geschah“ erstellt werden, die wiederum Spielzeit vom eigentlichen Fall abzieht und den Einstieg verlangsamt. Was bei Tittelbach-TV auch zu lesen ist: Die beiden Frauen im Team werden in „Die Kälte der Erde“ etwas präsenter als bisher.

„Ein wahrer Industriewestern“. „Für mich war es der erste ‚Tatort‘ überhaupt als Regisseurin“, erklärt Kerstin Polte. Zuletzt inszenierte die heute 47-Jährige unter anderem einige Episoden der ZDF-Dramaserie „WIR“ (2021). Nach der Lektüre des Drehbuchs sei ihr schnell klar gewesen, dass sie „stilistisch gerne in eine Western-Richtung gehen möchte, natürlich ohne Pferd und Wüste, aber dafür inmitten der alten, gewachsenen und stillgelegten Industrielandschaften des Saarlandes“: „Ein wahrer Industriewestern konnte so entstehen, in dem wir unter glatte Oberflächen tauchen sowie das Rohe, Verborgene, Unperfekte, Verletzliche in Menschen und Landschaften aufspüren.“

Tatort: Die Kälte der Erde: Kritik zum Saarland-Tatort (prisma.de)

Ja, ja. Wofür das Saarland nicht alles taugt, mit seinen verödeten einstigen Industriestandorten. Die Schilderung erinnert mich an einen „echten“ Western, in dem zwei alte weiße Männer sich in einer einstigen Goldgräber-Boomtown, jetzt Geisterstadt, das letzte Duell liefern. Solche Bilder hat man in den Zeiten des mehr generischen Saar-Tatorts mit Max Palü und anschließend mit Deininger, seinem Assistenten, der zum Kommissar aufstieg und seinem Ermittlungspartner und Vorgesetzten Kappl gezielt zu vermeiden versucht, sondern das Saarland als Hort der Gemütlichkeit, der landschaftlich-städtischen Idylle und der ebenso gehobenen wie alltäglichen Esskultur herausgestellt. Symbolisch: Das Kommissariat war in einem restaurierten Barockviertel nahe der Saarbrücker Ludwigskirche angesiedelt und nicht, wie schon unter Stellbrink, in einem verlassenen Bürogebäude janz weit draußen.

Damals hatte man wohl den Optimismus, dass aus dem Saarland noch einmal was werden kann und wollte keine abschreckenden Bilder präsentieren. In den Ruhrpott-Tatorten war das in den 1970ern und 1980ern schon anders, man konnte in manchen von ihnen die Probleme und den Abstieg der Region mitverfolgen.

Dieses Glück in den Augen, wenn das eigene Blut spritzt. Hooliganismus und Geschlechterparität: Nach männlich dominierten Folgen gelingt es dem Team des Saar-»Tatorts« ausgerechnet beim Thema Fußballgewalt, in die weibliche Offensive zu gehen.

»Tatort« aus Saarbrücken: »Die Kälte der Erde« über Hooligans – DER SPIEGEL

Was wäre eine Kritikenschau ohne Christian Buß vom Spiegel und die Titel, die er sich für seine Rezensionen ausdenkt? Nun ja, wir haben gerade „Crash“ gesehen, wir kennen uns aus mit dieser Art von Lust an der eigenen Zerstörung. Immerhin, Buß gibt 8/10, und das sollte ein Grund sein, mal reinzuschauen, in die postindustrielle und postlegalistische Saar-Welt. Ich muss unbedingt da mal wieder hinfahren, denn es scheint sich erheblich zu verändern, das Saarland. Vom Abstieg zum Untergang zur Dystopie ist es andererseits nicht so weit. Das kann ratzfatz gehen, vor allem im Film. Oh, in der ARD-Handlungsangabe (unten) habe ich gerade gelesen, es handelt sich zunächst um ein Saar-Pfalz-Fußballderby. Die Dystopie nimmt Formen und Farben an.

Und dann wird wohl auch noch das Ford-Werk in Saarlouis geschlossen werden, der größte industrielle Arbeitgeber im Saarland seit mehr als 50 Jahren. Gegen das Schicksal machst du nix. Vor allem, wenn du es zulässt, dass Typen wie Oskar Lafontaine Ministerpräsident werden, die lieber den Bund mit Stahl- und Kohlebeihilfen erpressen, anstatt den Wandel hin zu einer modernen Industriestruktur mit aller Macht voranzutreiben. Das mit den Fußball rüpelnden Gangs wird sich wohl auch bald erledigt haben, weil im Saarland niemand mehr wohnt. Vor allem keine jungen Menschen mehr, die sich noch austoben wollen.

TH

Handlung

Samstag. Spieltag. Ein Saar-Pfalz-Fußball-Derby hält sämtliche Einsatzkräfte in Saarbrücken in Atem, inklusive der Hauptkommissarinnen und Hauptkommissare Leo Hölzer, Adam Schürk, Esther Baumann und Pia Heinrich. Denn nach dem Spiel wird aus der Notaufnahme ein Todesfall gemeldet. Andreas Schneider brach mit Schädelfrakturen und einer Stichwunde in der Notaufnahme zusammen und konnte nicht mehr gerettet werden.

Schnell stellt sich heraus, dass er die „Dritte Halbzeit“ bei einem Ackermatch verbracht hat. Aber ob er dort auch die tödlichen Verletzungen erlitten hat, bleibt vorerst unklar. Denn so sehr die Hooligangruppen verfeindet sind, genauso sehr sind sie sich einig, dass der größte und gemeinsame Feind die Polizei ist. Daher konfrontieren sie das Saarbrücker Team mit Schweigen und klären ihre Kämpfe unter sich. Auch Adam Schürk verschweigt gewisse Wahrheiten. Als er jedoch bei sich zu Hause überfallen wird, weil jemand auf der Suche nach den Millionen aus dem Bankraub seines Vaters ist, muss er Leo Hölzer einweihen.

Besetzung und Stab

Leo Hölzer          Vladimir Burlakov

Adam Schürk     Daniel Sträßer

Esther Baumann              Brigitte Urhausen

Pia Heinrich        Ines Marie Westernströer

Alina Barthel      Bineta Hansen

Bastian Barthel Lorris Andre Blazejewski

Remy Pontier    Tamer Tahan

Andreas Schneider         Nils Bannert

Dr. Friedemann Lech      Till Butterbach

Carlos Lech         Alexander Prince Osei

Manuela Baron Ursula Berlinghof

Boris Barns         Stephan Bissmeier

Heide Schürk     Gabriela Krestan

Dr. Henny Wenzel           Anna Böttcher

Stella Barthel     Finja Leonie Meyer

Kira        Florence Adjidome

Jay-Lou Jing Xiang

Moritz Leimer   Michelangelo Fortuzzi

Elena     Hannah Müller

Schichtleiterin   Nina Schopka

Notärztin            Carmen Yasemin Ipek

FunktionsbereichName des Stabmitglieds

Musik:  Ephrem Lüchinger

Daniel Hobi

Kamera:              Christiane Buchmann

Buch:    Melanie Waelde

Regie:   Kerstin Polte

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