Grease (USA 1978) #Filmfest 922

Filmfest 922 Cinema

You’re the One That I Want!

Grease (engl. „Schmiere“ oder „Pomade“) ist ein Musikfilm aus dem Jahr 1978, der auf dem gleichnamigen Musical von 1971 beruht. Die Hauptrollen spielen John Travolta und Olivia Newton-John.

Handlung (1)

Im Sommer 1959 trifft Danny Zuko, Mitglied der T-Birds, am Strand Sandy Olsson, ein unschuldiges Mädchen aus Australien, und sie verlieben sich ineinander. Als der Herbst kommt, muss Sandy zurück nach Australien. Doch dann ziehen Sandys Eltern um und sie geht nun auf die Rydell High School, die auch Danny besucht. Sie trifft eine Gruppe von Mädchen, die Pink Ladies, und freundet sich schnell mit diesen an. Danny und Sandy erzählen ihren jeweiligen Freunden von ihrer Bekanntschaft.

Danny und Sandy werden einander von Betty Rizzo, der Anführerin der Pink Ladies, „vorgestellt“ und entschließen sich dazu, ihre Romanze wieder aufleben zu lassen. Dies geht natürlich nicht ohne ständige Einmischung der T-Birds und der Pink Ladies sowie einer rivalisierenden Gang, der Scorpions, vonstatten.

Danny und Sandy gehen gemeinsam zum Schultanzwettbewerb. Den T-Birds gelingt es jedoch, die beiden auseinander und Danny mit seiner Exfreundin Cha-Cha DiGregorio, einer hübschen Salsatänzerin, zusammenzubringen. Danny und Cha-Cha gewinnen den Wettbewerb. Sandy verlässt traurig die Veranstaltung.

Um Sandy zurückzugewinnen, fragt Danny sie, ob sie „sein Mädchen“ sein wolle, und bietet ihr einen Ring an. Sie akzeptiert zunächst, fühlt aber, dass er nur mit ihr schlafen möchte. Schließlich gibt Sandy ihm den Ring zurück und verlässt ihn. Die T-Birds arbeiten für ein Autorennen gegen die Scorpions an ihrem Wagen. Kenickie ist bereit für das Rennen, aber er bekommt von der Wagentür einen Schlag an den Kopf, so dass Danny das Rennen für ihn fahren muss und gewinnt.

Am Ende des Schuljahrs taucht beim Abschlussjahrmarkt eine neue, „verrucht“ aussehende Sandy auf, gekleidet in schwarzes Leder und High Heels. Sie scheint fest entschlossen, lockerer zu werden, um mit Danny zusammen zu sein. Unterdessen hat Danny eine Jacke des Laufclubs der Rydell High School bekommen, mit der er Sandy beeindrucken will. Nach der letzten Musicalnummer des Films fliegen Danny und Sandy Arm in Arm in einem Roadster in den Himmel.

Rezension

Bevor wir die Originalversion des Hitsongs aus „Grease“ kannten, haben wir an Fasching Didi Hallervordens undHelga Feddersens  Version „Du, die Wanne ist voll“ als Verballhornung von „You’re the one that I want“ gehört und das hat unser Verhältnis „Grease“ sozusagen vorgeprägt. Er reizt aber auch zur Parodie, das können wir aus heutiger Sicht klar bestätigen.

Er fängt an mit „Love ist a many splendored thing“, einem der schmalzigsten und rühendsten Liebeslieder der 1950er, dazu mit Wellen in der Abendsonne, tosende Brandung, zwei jungen Menschen am Strand. Den passenden Film gab es 1956 mit William Holden und Jennifer Jones, aber das war eben auch eine so melodramatische Zeit. Der Beginn suggeriert eine Stimmung, die der Film danach nie wieder bekommt, auch nicht in den ansatzweise romantischen Momenten. Vielleicht ist das gut so, aber wenn man dieses Melodram kennt, muss die einsetzende Stimmung sozusagen unmittelbar korrigiert werden.

Natürlich, die Urlaubsliebe. Die Menschen sind irgendwie anders als im Alltag, Romantik ist schnell herbeigezaubert. Das will der Film damit sagen, dass Danny als Schüler und Gang-Leader eher ein Macho ist und Sandy erst einmal vor den Kopf stößt, als sie unbedarft an seiner Schule Rydell eincheckt, die irgendwo in Südkalifornien liegt und vermutlich nicht weit weg vom Strand, den man aber nur in besagter Anfangsszene sieht. Daraus entwickelt sich ein Konflikt, am Ende hat sich Danny die Sportjacke seines Schulclubs übergezogen, während Sandy übergangslos als Femme fatale auftritt und sie fahren in einem zum Hot Rod hergerichteten alten Auto himmelwärts.

Wenn uns nicht alles täuscht, gebührt „Grease“ die Ehre, das erste High-School-Musical zu sein, aber es ist weder der erste Schülerfilm mit Jugendlichen und ihren Problemen im Mittelpunkt, denn der wurde wirklich in den 1950ern gedreht, die später immer wieder zitiert wurden als eine goldene Zeit voller wunderschöner Jugenderinnerungen. Erst jetzt kommt das langsam zum Erliegen, wo die Menschen nicht mehr im Filmbusiness sind, die in den 1950ern groß wurden. Ach ja, der Originalfilm ist „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ (1955) von Nicholas Ray und mit James Dean in der Hauptrolle. Auch Kultfiguren wie James Dean und Elvis Presley haben dazu beigetragen, dass die 1950er eine besondere Magie behielten.

Das erste Retro-Movie ist „Grease“ allerdings auch nicht, die Ehre gebührt George Lucas‘ „American Graffiti“ aus 1973. Der Film geht zwar nur zehn Jahre zurück, aber er wirkt noch sehr 1950er-mäßig und der durchaus ernste Hintergrund ist, zu zeigen, wie sich die Jugendlichen, entsprechend ihrem oder entgegen ihrem Typ, den sie in „AG“ verkörpern, entwickelt, beruflich entschieden haben und durch die Vietnamkriegszeit gekommen sind, die 1973 langsam zu Ende ging. Ganz sicher ist „American Graffiti“ der tiefgründigste Film, den George Lucas gemacht hat, bevor er „Star Wars“ erfand.

Mit „American Graffiti“ kann der auf einem Broadway-Musical aus 1971 beruhende „Grease“ in beinahe keiner Weise konkurrieren, selbst die in „AG“ gespielten Originalsongs schaffen logischerweise mehr Atmosphäre als die Hits in „Grease“, die für die Discos der späten 1970er konzipiert wurden und dort ungeheuren Erfolg hatten. Auch diesbezüglich gab es ein Vorbild: „Saturday Night Fever“ aus dem Jahr zuvor, der allerdings wirklich in den 1970ern spielte und John Travolta auf eine Weise zum Star machte, dass man ihm für „Grease“ gleich wieder die Hauptrolle anbot. Also liegt es nah, dass er wieder einen Tänzer spielt.

Mit der weiblichen Besetzung war’s wohl etwas komplizierter und man entschied sich für die bisherige Folk-Sängerin Olivia Newton-John, die tatsächlich Australierin ist, nicht nur im Film. Das leitet uns gleich zu einer Schwäche des Films. Besonders in der Nachtszene im Autokino sieht man, dass Newton-John kein 16 oder 17-jähriges Teenie ist. Wir dachten, vielleicht war die Szene ziemlich zum Schluss gefilmt worden und sie war erschöpft von den Tanzdrehs, aber als wir lasen, dass sie bereits 29 Jahre alt war, fanden wir das stimmig – obwohl sie sich alle Mühe gibt, die Mimik einer unbedarften, dazu noch als Landei geltenden Schülerin anzunehmen. Durch ihre erst am Ende sichtbare, sehr jugendliche Figur und die Ausstaffierung als Lady in Black wirkt sie dann kurioserweise wieder jünger. John Travolta war immerhin „nur“ 23 Jahre alt, aber auch einige weitere Teenies waren schon um die 30.

Klar ist es einfacher, mit langjährigen Profis zu drehen, als Jungschauspieler zu Höchstleistungen zu treiben, außerdem müssen die Schüler ja auch tanzen können – trotzdem geht nichts über den Charme, der daraus entsteht, dass mit Filmen über Jugendliche echte Jugendliche zu Stars werden und später große Karrieren machen. Okay, James Dean war auch 25, als er den 17jährigen in „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ spielte und hatte eine so intensive Schauspielausbildung genossen, dass er zuweilen überagiert.

Das kann man John Travolta so nicht sagen. Wenn man bedenkt, was heute unter „cool“ verstanden wird, ist Danny mit seinen T-Birds, ebenso wie die gegnerischen Scorpions, Lachnummern. Schon in den 1980ern hat man jugendliche Gangs der 1950er mit „The Outsiders“ und ähnlichen Filmen mehr geschärft. Ob die parodistische Wirkung gewollt war? Wir sind uns nicht sicher. Travolta ist ein intelligenter Mann, wenn auch Mitglied von Scientology – vielleicht hat er seine Rolle mit Augenzwinkern angelegt, ohne dass es dem Regisseur Randal Kleiser aufgefallen war. Grease war erst dessen zweiter Film, folgen sollte „Die blaue Lagune“. Eben haben wir nachgelesen, dass Kleiser sich auf dem College ein Zimmer mit George Lucas teilte. So klein ist die Welt – ob Kleiser sich hat von „American Graffiti“ inspirieren lassen, wissen wir nicht, um zusätzliche Elemente zum Musical einzubringen, aber da schon die ironische Ausrichtung des Musicals auf Travoltas Darstellung verengt wird, wird der Einfluss nicht überragend gewesen sein.

Dass Kleiser kein Meister des Visuellen ist oder Filmischen insgesamt ist, zeigt sich in vielen Details und gibt dem Film den Charme des Unvollkommenen, das sich in einfallslosen Szenenübergängen mit manchmal recht harten Schnitten am besten dokumentiert, dann sind manchmal die physischen Aktionen zu den Liedern sehr rudimentär, man beachte die Szene, in der Travolta und Newton-John beinahe unbeholfen von einem Fahrgeschäft heruntersteigen. Gerade ein Musical sollte einen mehr fließenden Rhythmus haben, um beim Publikum wirklich eine Gesamtstimmung aufkommen zu lassen, und mehr choreografischen Einfallsreichtum. Und selbst die klischeehaften Figuren hätte man ein wenig einprägsamer und unterscheidbarer machen können, vor allem die Jungs. Auch wenn’s nicht ganz gerecht ist, hier wieder der Verweis auf „American Graffiti“ mit seinen hervorragend gezeichneten Charakteren.

Die hat sich für uns zumindest nicht so herausgebildet, dass wir uns in die 1950er zurückversetzt gefühlt hatten. Wir tun uns damit allerdings zugegebenermaßen nicht so leicht, weil wir immer das Gefühl haben, man kann die alten Zeiten nicht vollständig wieder aufleben lassen, ohne dass es künstlich wirkt. Wenn die Frisuren und Klamotten, die Häuser und technischen Gegenstände mal wirklich passen, dann liegt es an den Dialogen, die wir aus den Originalfilmen der 1950er anders kennen (zu diesem Thema auch unsere Rezension zu „Dem Himmel so fern“).

Roger Ebert schrieb in seiner Kritik, auch wenn John Travolta heute als anerkannter Schauspieler usw. gilt, in den 1950ern, als die echten Musicals bei MGM gemacht wurden, wäre er der Sidekick, nicht der Star gewesen. Das stimmt, wenn man ihn mit Fred Astaire oder Gene Kelly vergleicht und die ganz großen Musicals wie „Singin‘ in the Rain“ (1952, Rezension) als Grundlage der Gegenüberstellung heranzieht, es stimmt aber nicht für die etwas kleineren Produktionen, in denen etwa Peter Lawford oder Howard Keel die Hauptrollen innehatten, oder, auf die frühen 1940er bezogen, Mickey Rooney. Und in der Metro-Traumfabrik hätte sich Travolta unter strenger Aufsicht durch Louis B. Mayer vielleicht wer weiß wohin entwickelt.

Viele Musicals hatten aber auch zu den klassischen Zeiten keinen besonders intelligtenten Plot, das gilt sogar für die großen MGM-Filme. Schönste Ausnahme auch hier wieder: „Singin‘ in the Rain“, der auch eine grandiose Satire auf die frühe Tonfilmzeit ist. Wir tendieren dazu, „Grease“ nicht für eine gewollte Satire zu halten, dazu ist er zu affirmativ gegenüber dem, was er uns zeigt. Sicher, die Art, wie die Schüler in den 1950ern sich dem Sexualleben annäherten, hat eine Komik, die auch gewollt ist, wie die gesamte Initialisierung ja immer etwas Tragikomisches aufweist – oder aufwies, als die Zeiten noch etwas weniger abgezockt waren als die heutigen, und das waren ja alle früheren Zeiten, dank des immensen Informationsvorsprungs heutiger Jugendlicher, mehr qua Internet und schon vor der Sexualerziehung in der Schule. Man muss also schon so viel Fantasie mitbringen, dass man sich in die Zeiten hineinversetzen kann, in denen Information noch weitgehend steuerbar war.

Der Film hat trotz all seiner Macken und seiner inkonsequenten Positionierung diese Art von Charme, die keine mächtige inhaltliche Grundlage braucht, denn Charme ist ja nun einmal etwas Leichtes und strickt zu trennen von dem, was er möglicherweise verdeckt. Charmant können auch Filme mit Botschaft oder Figuren in Filmen mit Botschaft sein, aber manchmal steht Charme auch für sich selbst und nichts weiter.

Finale

Kurz, nachdem MGM mit seinen erfolgreichen Retrospektiven „That’s Entertainment“ und „That’s Entertainment 2“ (1974, 1976) die Kinogucker auf die schönen alten Zeiten eingestimmt hat, wagte man sich also daran, die alten Zeiten wirklich auferstehen zu lassen. Auch wenn das nur teilweise gelingt, ist „Grease“ nicht nur sehenswert, sondern auch wichtig, weil er bereits vorausweist. Er hat viele Elemente kommender High School-Filme, die ihn teilweise auch zitieren und in den frühen 1980ern gab es ja auch ein Musical- oder Musikfilm-Revival mit„Fame“ (1980), „Flashdance“ und „Footloose“ (beide 1983) und einige weitere. Die 1979er Verfilmung von „Hair“ klammern wir aus, weil sie auf eine ganz andere Art nostalgisch den Summer of Love reflektiert, das Musical dazu aber (beinahe) zeitgenössisch ist.

75/100

© 2023 Der Wahlberliner, Thomas Hocke (Entwurf 2014)

(1), kursiv, tabellarisch: Wikipedia

Regie Randal Kleiser
Drehbuch Allan Carr,
Bronte Woodard
Produktion Allan Carr,
Robert Stigwood
Musik John Farrar,
Barry Gibb
Kamera Bill Butler
Schnitt John F. Burnett
Besetzung

T-Birds

Pink Ladies

Erwachsene

Weitere Teenager


Entdecke mehr von DER WAHLBERLINER

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Hinterlasse einen Kommentar