Housing 6 | Eigentum, Miete, Genossenschaften, Sozialwohnungen, Rückschrittskoalition von Berlin
Im Prinzip ist es logisch, dass ältere Menschen eher in Eigentum wohnen als jüngere, aber werden die heute Jüngeren sich Eigentum leisten können, wenn sie älter sind? Nicht, wenn die Entwicklung der letzten Jahre anhält, die besagt, dass immer weniger Menschen dazu genug verdienen.
Kein Ende des #Wohnungsmangels in Sicht (Statista + Kommentar) | #Housing 3 #Wohnreport | #Mietenwahnsinn #Wohnen #Wohnungsbau #Neubau #Berlin
Hier zu unserem letzten Artikel zum Thema Wohnen:
Berlin: Mehr möblierte als unmöblierte Wohn-Angebote = weiterer Extrem-Preistreiber +++ Wohnungsnot wächst schneller +++ wann kommen endlich Regulierungen? +++ Sozialstaat ist Verfassungsrecht ist Recht auf Wohnen | #Housing 5 #Wohnreport | #MöbliertesWohnen #Neubau #Bedarf #Marktverzerrung #Wohnfläche #Mietenwahnsinn
Goldene Zeiten für Vermieter und anhaltender #Mietenwahnsinn sind die Folge. Vielfach haben wir darüber berichtet, vorwiegend anhand von Einzelimmobilien und bestimmten Investoren. Derzeit sind wir eher so orientiert, dass wir die Probleme allgemeiner beschreiben, wie mit der folgenden Grafik:
Infografik: Ob alt oder jung: Deutschland wohnt primär zur Miete | Statista

Diese Statista-Grafik wurde unter einer Lizenz Creative Commons — Namensnennung – Keine Bearbeitungen 4.0 International — CC BY-ND 4.0 erstellt und wir geben sie unter gleichen Bedingungen wieder. Folgend der Statista-Begleittext dazu, dann weiter mit unserem Kommentar.
Der Immobilienmarkt in Deutschland ist seit Jahren angespannt, besonders an bezahlbaren Mietwohnungen in Metropolen herrscht ein deutlicher Mangel. Dies ist besonders vor dem Hintergrund bedenklich, dass nur eine Minderheit der im Rahmen unserer Statista Consumer Insights befragten Deutschen in Eigentumsimmobilien leben. Wie unsere Grafik zeigt, wohnt selbst die als kaufkraftstark angesehene Generation 60+ hauptsächlich in Miethäusern oder -wohnungen.
Rund 41 Prozent der Befragten aus dieser Alterskohorte geben an, aktuell in einer Eigentumsimmobilie zu wohnen, 59 Prozent mieten eine Wohnung oder ein Haus. Während sich die Zahlen für die Generation X und Millennials ähneln, gaben sieben von zehn Angehörige der Gen Z an, Miete für ihren Wohnraum zu bezahlen. Generationsübergreifend betrachtet leben nur 38 Prozent der Umfrageteilnehmer:innen in einer Eigentumsimmobilie.
Die fehlende Verfügbarkeit erschwinglicher Wohnungen zur Miete liegt neben makroökonomischen Faktoren wie steigenden Energiepreisen und damit auch höher angesetzten Mietpreisen auch daran, dass die Bundesregierung ihr 2022 gesetztes Ziel, 400.000 neue Wohnungen pro Jahr fertigzustellen, schon im ersten Jahr um knapp 100.000 verfehlt. Auch in den Jahren davor lag die Anzahl neu gebauter Wohnungen bei maximal etwas über 300.000.
100.000 der 400.000 von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck und Bundesbauministerin Klara Geywitz beim 13. Wohnungsbau-Tag der Bauwirtschaft angekündigten Neubauwohnungen pro Jahr sollen dabei auf öffentlich geförderte Sozialwohnungen entfallen.
Wie oft müssen wir und andere es noch schreiben, bis die Politik es kapiert? Selbst eine halbe Million neue Sozialwohnungen würde nicht viel nützen, weil die Wohnungen immer nach 20 Jahren aus der Preisbindung fallen. Ein Rattenrennen ohne Ende und der Effekt, dass die dann aus der Bindung fallenden Immobilien ja dämpfend auf den freien Teil des Marktes wirken können, hat sich in den letzten Jahrzehnten, spätestens aber seit 2010, nie bestätigt. Seit Beginn der 1990er ist der Bestand an Sozialwohnungen oder gebundenen Wohnungen um die Hälfte gesunken, weil 1989 die Wohnungsgemeinnützigkeit abgeschafft wurde, die dauerhaft günstigen Wohnraum allein hätte sicherstellen können. Lesen Sie dazu auch diesen Beitrag:
Der #Wohnungsmarkt wird immer unsozialer (Statista + Kommentar) | #Housing 2 #Wohnreport | #Mietenwahnsinn #Wohnen
Man konnte zwar nicht die Wende vorhersehen und die vielen Verschiebungen am Wohnungsmarkt, die seitdem, etwa durch Migration, eingetreten sind, durch Zuzug in die Städte, aber zum Beispiel eines der Hauptprobleme, die Tendenz zu kleineren und damit zu mehr Haushalten, war hingegen damals schon bekannt.
Es ging aber um etwas anderes: die im neoliberalen Deutschland alles andere überstrahlende oder in den Hintergrund drängende Eigentumsideologie. Wohlstand für alle war in den 1950ern sicher auch ein wichtiges Motiv, vor allem aber ging es der Politik und geht es immer noch um folgende Überlegung: Eigentum macht politisch träge und konservativ und genau das wollen wir.
Eigentum ist aber nicht per se besser, im Gegenteil. Ein eigenes Haus verursacht immer wieder Renovierungskosten, wenn man es auf dem neuesten Stand und in gutem Zustand erhalten will. Ist das Haus also abbezahlt, geht es mit den Renovierungskosten los. Außerdem sind politische Unwägbarkeiten stets zu bedenken. Vor ein paar Jahren war die Gasheizung noch das Maß aller Dinge, wurde gefördert, und jetzt? So war es schon in den 1970ern, 1980ern, mit der Dämmung, den Doppelverglasungen, die bei Häusern aus den 1960ern nachgerüstet werden mussten, wenn die Gebäude für damalige Verhältnisse einigermaßen energieeffizient sein sollten. Etwas besser fahren Wohnungseigentümergemeinschaften, weil sie sich die hohen Kosten für die Instandhaltung doch auf eine Weise teilen können, die etwas weniger aufwendig für die einzelne Partei ist.
Am besten aber ist nach wie vor genossenschaftliches Wohnen, denn es muss keine Gewinne für Vermieter generieren und die Genossen zahlen lediglich einen mietähnlichen Beitrag, haben also nicht, wie in einer WEG, zunächst viel zu investieren, um an der Gemeinschaft teilhaben zu können. Eine Einstiegsgebühr und Mitgliedsbeiträge gibt es, aber sie sind zu vernachlässigen im Vergleich zu den sinnvollerweise mindestens 10-15 Prozent Eigenkapital beim Kauf). In der Folge sind die Genoss:innen aber ähnlich gestellt wie Eigentümer und wir sehen in Berlin oft, dass Genossenschaftswohnungen das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bieten. Problem: Das haben die Mieter:innen erkannt und die Wartelisten für Genossenschaftswohnungen sind sehr lang. Manche Genossenschaften nehmen keine Mitglieder mehr auf.
Vor allem in dem Bereich müsste also mehr investiert werden und in zweiter Linie in kommunalen Neubau. Keine Wohnungsbewirtschaftungsform ist problemfrei, aber wach und aktiv, auch das haben wir auf Veranstaltungen gesehen, sind vor allem Menschen, die partizipieren, ohne alleine alles zu besitzen. Zu den Partizipationsformen für aktive Menschen rechnen wir auch Miethäuser-Syndikate und ähnliche Einzelfälle, die es in Berlin aber sehr wohl gibt.
Alles für wenige ist hingegen so etwas von veraltet, wird aber trotzdem immer weiter vorangetrieben. Wir hatten die Befürchtung, dass eine gewisse Frau Manja Schreiner, die sich in den sozialen Netzwerken immer für die Kapitalinteressen starkgemacht hat, als es um die Kämpfe der Mietenbewegung gegen den #Mietenwahnsinn ging, Bausenatorin der #Rückschrittskoalition Schwarz-Rot von Berlin wird. Die Rückschrittkoalition, das ist die neue Stadtregierung, die uns bei den letzten Wahlen reingedrückt wurde und die uns insbesondere die Kleinhäusle-Eigentümer in den Randbezirken, Menschen älteren Baujahrs, eingebrockt haben. Sie würden Berlin am liebsten ins 20. Jahrhundert, einschließlich der Jahre von 1933 bis 1945, zurückführen.
Jetzt ist die Frau Schreiner rückschrittliche Verkehrssenatorin geworden und versucht, die wenigen progressiven Verkehrswende-Ansätze der vorausgehenden Rot-Grün-Roten Koalition zu beseitigen, in der Friedrichstraße hat sie mit der Abschaffung der Fußgängerzone schon Fakten geschaffen. Der neue Bausenator Christian Gaebler sagt uns nicht viel, kommt aber von der SPD und musste zuvor als Staatssekretär zwei linke Bausenator:innen aushalten. Wenigstens hat er sich nicht permanent gegen die Mieter:innen in Stellung gebracht, das wäre uns aufgefallen. Vielleicht hat ihn seine Zeit unter der einzigen wirklich handfest an der Mehrheit in der Stadt orientierten Senatorin des vorletzten Senats (2017 bis 2021), Katrin Lompscher, positiv geprägt. Vielleicht hat er auf Anweisung ebenjener Senatoren aber bloß zurückhaltend agiert und rechnet zum CDU-SPD-Baufilz der Stadt. Vielleicht kann er unter der Ägide so rechtskonservativer Typen wie Kai Wegner (Regierender Bürgermeister, CDU) und Franziska Giffey (Wirtschaftssenatorin, SPD) gar nichts ausrichten, selbst, wenn er wollte. Wir werden uns sicher noch mit ihm und seiner Art, die Probleme anzugehen, befassen müssen, denn die Wohnungspolitik war in Berlin spätestens ab Mitte der 2010er das Thema Nr. 1 und wird neben der Umweltpolitik (Verkehr, Klima) weiterhin ganz wichtig bleiben.
Es ist eben in Berlin so, dass 80 Prozent der Menschen in Miete leben. Die Grafik ist zwar nach Altersgruppen unterteilt, bedeutend sind aber auch die regionalen Unterschiede. In Südwestdeutschland wohnt z. B. die Mehrzahl der Menschen in Eigentum, auch dort, wo wir herstammen. Berlin ist das extremste Gegenbeispiel. Deswegen muss hier Politik für die Mietenden gemacht werden und nicht in erster Linie für Eigentümer, die sich durch die Arbeit anderer und deren Mietbeiträge reich machen. Einige wichtige Weichenstellungen müssten allerdings auf Bundesebene fallen, damit wirksamer Mieterschutz endlich möglich wird. Haben Sie in dieser Sache von der Ampelkoalition schon etwas gehört? Wie gut, dass es immer neue Krisen gibt, hinter denen man seine antisoziale Politik verstecken kann, oder? Deswegen wird die Wohnungskrise wohl auch bleiben und zahlen muss dafür die Gemeinschaft, wenn immer mehr Menschen Wohngeld oder anderweitig staatliche Unterstützung benötigen, um die Mieten noch stemmen zu können.
TH
Entdecke mehr von DER WAHLBERLINER
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

