Wie geht es beim Solarausbau voran? (Statista + Kommentar) | Klima-Energie-Report

Briefing 609 Klima-Energie-Report (KER), Solarenergie, Solarausbau, Erneuerbare Energien, Energiewende, verlorene Jahre, Klimaziele 2030, CO2-Reduktion

Auf der Suche nach positiven Ergebnissen der aktuellen Politik sind wir tatsächlich fündig geworden. Es wird die Ampelkoalition nicht retten, aber die Energiewende kommt in der Tat voran. Das sieht man z. B. am Ausbau der Solarenergie in Deutschland. Und man sieht auch die Riesenfehler der vergangenen Jahre.

Infografik: Wie geht es beim Solarausbau voran? | Statista

Diese Statista-Grafik wurde unter einer Lizenz CC BY-ND 4.0 Deed | Namensnennung-Keine Bearbeitung 4.0 International | Creative Commons erstellt und wir geben sie unter gleichen Bedingungen wieder. Folgend der Statista-Begleittext dazu, dann weiter mit unserem Kommentar.

Im vergangenen Jahr ist die maximale Solar-Leistungskapazität in Deutschland um mehr als zehn Gigawatt (Nettozubau) gestiegen – das ist der höchste jemals erreichte Werte wie Daten des Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme zeigen.

Brutto wurden sogar Anlagen mit einer Gesamtleistung von 14,1 Gigawatt installiert. „Dies ist auf zahlreiche private Anlagen zurückzuführen. Ebenfalls gab es einen verstärkten Zubau von Solaranlagen auf gewerblichen Dächern und auf Freiflächen“, so die Bundesnetzagentur. Am Ende des vergangenen Jahres betrug die installierte Gesamtleistung in Deutschland 81,7 Gigawatt. Der Ausbau geht indes noch nicht schnell genug voran, wenn das Ausbauziel von 215 Gigawatt für Solar im Jahr 2030 erreicht werden soll. Dafür müssten jährlich Solaranlagen mit einer Leistungskapazität von 19 Gigawatt neu ans Netz gehen.

Welche Dimensionen der Ausbau dennoch schon jetzt erreicht hat, zeigt der Vergleich mit aktuellen Reaktor-Neubau-Projekten. So steht beispielsweise auf der finnischen Insel Olkiluoto einer der modernsten Atomreaktoren Europas. Der Block vom Typ Europäischer Druckwasserreaktor (EPR) hat eine Leistung von 1.600 Megawatt und wurde von 2005 bis 2022 gebaut. Der EPR im französischen Flamanville ist seit 2007 im Bau und soll bis Ende 2024 mit Brennstoff bestückt werden.

Indes hinkt dieser Vergleich, weil Solaranlagen je nach Tages- und Jahreszeit weniger oder gar keinen Strom produzieren. Atomkraftwerke sind aktuell eine Antwort auf dieses Problem. In Deutschland wird aktuell auf Kohle und Erdgas gesetzt, wie der Blick auf den Strommix zeigt. Eine Methode wäre das Speichern von erneuerbarer Energie. Der hierfür notwendige Durchbruch in der Akkumulatoren-Technik lässt allerdings noch auf sich warten.

Machen wir einmal ein Gedankenspiel. Sie sehen auf der Grafik die sogenannten verlorenen Jahre der Merkel-Ära, insbesondere die Zeit von 2013 bis 2019. Hätte man damals jeweils 8 Gigawatt zugebaut, wie es 2011 schon einmal fast erreicht war, anstatt nur knapp 2 bis 4 Gigawatt, stünde man heute bei ca. 120 Gigawatt, nicht bei 81,7. Es war, wie man sieht, gar nicht so leicht, den Zubau wieder in Gang zu bringen, deswegen ist die obige Rechnung eher konservativ.

In jenen Jahren ging auch die hoffnungsvoll gestartete deutsche Solarbranche in die Knie, und das war politisch gewollt, wie man der folgenden Darstellung entnehmen kann:

Der Einbruch des Zubaus an Solarenergie in Deutschland zwischen 2013 und 2019 lässt sich auf mehrere Faktoren zurückführen:

  1. **Änderungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)**: Ab 2012 wurden durch verschiedene Novellen des EEG die Rahmenbedingungen für die Photovoltaik in Deutschland erheblich verschlechtert. Dies führte zu einem drastischen Rückgang der Nachfrage nach Photovoltaikanlagen um etwa 80 % nach 2012[2]. Die Einspeisevergütungen, die zuvor einen großen Anreiz für Investitionen in Solarenergie darstellten, wurden stark gekürzt, was die Rentabilität neuer Projekte beeinträchtigte[5][6].
  2. **Einführung von Fördergrenzen**: 2012 wurde eine Obergrenze von 52 GW für förderbare Solarleistung eingeführt. Diese Begrenzung führte dazu, dass Investitionen in neue Solaranlagen unattraktiver wurden, da die Förderungen bei Erreichen dieser Grenze auslaufen sollten[3].
  3. **Marktbedingungen und wirtschaftliche Faktoren**: Die Preise für Solaranlagen sanken zwar, jedoch wurden die Förderungen im gleichen Zeitraum stark reduziert, was die wirtschaftliche Attraktivität von Investitionen in Solarenergie beeinträchtigte[5]. Zudem waren große Solaranlagen besonders von den Einschnitten betroffen, was zu einem Rückgang in diesem Marktsegment führte[6].
  4. **Politische Unsicherheiten**: Die Unsicherheiten bezüglich der politischen Unterstützung für Solarenergie und die Verzögerungen bei der Abschaffung der Förderobergrenze führten zu einem Rückgang der Investitionsbereitschaft in der Branche[3].

Diese Faktoren führten dazu, dass die von der Bundesregierung gesetzten Ausbauziele von 2,5 Gigawatt pro Jahr regelmäßig verfehlt wurden, und eine Erholung des Marktes begann erst ab 2018, als die Zubauraten wieder leicht anstiegen[2].

Quellen

[1] https://www.solarbranche.de/ausbau/deutschland/photovoltaik
[2] https://www.solarwatt.de/ratgeber/solarenergie
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Photovoltaik_in_Deutschland
[4] https://www.ise.fraunhofer.de/content/dam/ise/de/documents/publications/studies/aktuelle-fakten-zur-photovoltaik-in-deutschland.pdf
[5] https://www.iwr.de/news/solarmarkt-deutschland-bricht-2013-ein-news25364
[6] https://www.solarwirtschaft.de/2014/01/09/solarstrom-zubau-2013-mehr-als-halbiert-2/

Es waren die Jahre, als neue Gasheizungen massiv gefördert wurden und die Gasdeals geschlossen wurden, die eine erhebliche Abhängigkeit von russischem Erdgas bewirkt haben, gleichzeitig wurde der Atomausstieg beschlossen und wurde die Verbrennung fossiler Energie nicht im möglichen Maße zurückgefahren. Ein äußerst unguter Mix für die Entwicklung der „Renewables“, wie sich heute zeigt.

Die Stromerzeugung aus Photovoltaik in Deutschland hat seit 2019 eine deutlich positive Entwicklung erfahren:

## Steigerung der Stromerzeugung

2019 speisten deutsche Photovoltaikanlagen etwa 46,5 TWh in das öffentliche Netz ein[3]. In den darauffolgenden Jahren ist die Stromerzeugung durch Photovoltaik kontinuierlich gestiegen:

– 2023 erreichte die geschätzte Stromerzeugung aus Photovoltaik 61,1 TWh[1].

– Andere Quellen geben für 2023 sogar einen leicht höheren Wert von 61,2 TWh an[6].

Dies entspricht einer Steigerung von etwa 31% gegenüber 2019.

## Anteil am Bruttostromverbrauch

Der Anteil der Photovoltaik am deutschen Bruttostromverbrauch hat sich ebenfalls erhöht:

– 2023 deckte die Photovoltaik 12% des Bruttostromverbrauchs in Deutschland[1].

– Laut einer anderen Quelle wurden 2023 sogar 12,2% des erzeugten Stroms durch Photovoltaik produziert[5].

## Beitrag zu erneuerbaren Energien

Die Photovoltaik leistet einen wichtigen Beitrag zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in Deutschland. 2023 stammten insgesamt 56% der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energieträgern[4].

## Ausblick

Die kontinuierliche Steigerung der Stromerzeugung durch Photovoltaik seit 2019 deutet auf einen positiven Trend hin. Die Nutzung von Photovoltaikanlagen gewinnt in Deutschland immer mehr an Bedeutung[5], was auf eine vielversprechende Zukunft für diese Technologie im deutschen Energiemix hindeutet.

Quellen

[1] https://www.ise.fraunhofer.de/content/dam/ise/de/documents/publications/studies/aktuelle-fakten-zur-photovoltaik-in-deutschland.pdf
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Photovoltaik_in_Deutschland
[3] https://www.ise.fraunhofer.de/de/presse-und-medien/news/2019/oeffentliche-nettostromerzeugung-in-deutschland-2019.html
[4] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/03/PD24_087_43312.html
[5] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/250915/umfrage/anteil-der-photovoltaik-an-der-stromerzeugung-in-deutschland/
[6] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/13550/umfrage/stromerzeugung-durch-photovoltaik-seit-2001-in-deutschland/
[7] https://de.statista.com/themen/156/photovoltaik/

Schon unter der Regierung Merkel IV wurde also die Trendwende wieder eingeleitet und erscheint aufgrund der Klimaziele unumkehrbar. Der Sektor Energieerzeugung wird vermutlich nach der Aufhebung der Sektorenziele auch dafür sorgen müssen, dass die Gesamtbilanz stimmt, bis 2030 65 Prozent weniger CO2 zu verbrauchen als 1990, denn der motorisierte Verkehr und die Gebäude werden ihre Ziele nicht erreichen. Noch mehr Power kann man im wörtlichen Sinne bei der Windenergie erzeugen, wobei diese nie so unumstritten in allen Punkten für die Umwelt positiv sein wird wie die Solarenergie, unabhängig davon, ob man an Land oder offshore weiter ausbaut. Es ist im Prinzip eine in sich geschlossene Logik, den Klimawandel mit seinen eigenen Effekten zu bekämpfen, wie etwa dem sonnigeren, wärmeren Klima hierzulande, das den Solarausbau immer lohnender macht.

Geopolitisch kann das Setzen auf die Erneuerbaren gar nicht genug hervorgehoben werden, denn ein Land, das seine Energie aus Erneuerbaren weitgehend selbst herstellen kann, ist dort, wo es am wichtigsten ist, nicht mehr erpressbar: Mit der Energieerzeugung, mit der Verfügbarkeit von und den Preisen für CO2-neutrale Energie, steht oder fällt die gesamte nachhaltige Wirtschaftstätigkeit der Zukunft. Nun kann man bloß hoffen, dass das Haushaltschaos der Bundesregierung nicht dafür sorgt, dass auch hier die Ziele zurückgenommen werden. Das wäre ein weiterer Schlag gegen die Zukunftsfähigkeit des Landes. Einiges an dem Weg, wie man ihn bisher gegangen ist, war falsch, aber jetzt muss der Weg so weitergegangen werden, wie er eingeschlagen wurde, insbesondere durch den Ausbau von Solar- und Windenergie. Ob es wirklich Sinn ergibt, Atomstrom aus Frankreich zuzukaufen, wie im Jahr 2023, anstatt aus Grundlastsicherungsgründen hierzulande ein paar Atomkraftwerke laufen zu lassen, ist eine andere Frage. Diese Frage müssen sich vor allem diejenigen stellen, die Ideologie vor Logik gestellt haben. Wir werden in diesem Artikel nicht die Politisierung des Strommarkts in Europa und deren Auswirkungen bei weiterem Rechtstrend in der EU thematisieren, aber eines ist sicher: Die Anstrengungen beim Zubau erneuerbarer Energieerzeugung in Deutschland dürfen nicht nachlassen, sondern müssen weiter verstärkt werden.

Und sie müssen insofern technologieoffen sein, als weitere Energieträger, deren Einsatz nicht mit hohen Risiken verbunden ist, eines Tages einen klimaneutralen Beitrag leisten könnten, der aktuell technisch noch nicht möglich ist oder unwirtschaftlich wäre.

TH


Entdecke mehr von DER WAHLBERLINER

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Hinterlasse einen Kommentar