Filmfest 1413 Cinema
Alamo (Originaltitel: The Alamo) ist ein US-amerikanischer Spielfilm aus dem Jahr 1960. Das Drehbuch von James Edward Grant handelt von der Schlacht von Alamo um die zum Fort ausgebaute Mission Alamo in San Antonio im Jahr 1836.
Im Jahr 1960 hatte John Wayne unabhängigen Produzentenstatus erreicht und gleich einen sehr teuren und hochgradig ambitionierten Film selbst inszeniert. Was ist dabei herausgekommen? Dem gehen wir in der Rezension nach.
Handlung (1)
Die Geschichte spielt in San Antonio im Jahre 1836. Texas hat gerade seine Unabhängigkeit von Mexiko erklärt. Doch der mexikanische Diktator Santa Anna will in der neuen Republik die Herrschaft erlangen. Dazu hat er rund 7.000 Soldaten zur Verfügung.
General Sam Houston stellt in aller Eile Truppen gegen ihn auf. Um mehr Zeit für die Rekrutierung zu bekommen, sollen die mexikanischen Truppen aufgehalten werden. Colonel William Travis und Colonel James Bowie mit ihren Leuten übernehmen diese Aufgabe und verschanzen sich in der notdürftig zur Verteidigung hergerichteten ehemaligen Missionsstation Alamo. Auch einige Dutzend Männer aus Tennessee unter Colonel Davy Crockett treten der anrückenden mexikanischen Armee entgegen. Sie werden von Santa Anna belagert und überstehen zunächst einige Angriffe. Schließlich wird Alamo jedoch gestürmt und alle männlichen Verteidiger getötet.
Hintergrund (1)
1821 hatte Mexiko die Unabhängigkeit von Spanien erlangt. Im Zuge dessen kamen viele Siedler aus den Vereinigten Staaten nach Texas. Bald war San Antonio de Bexar die größte Stadt auf mexikanischem Gebiet, bis 1835 eine offene Revolte gegen Mexiko ausbrach. Diese führte dazu, dass wenige Monate später, beginnend am 24. Februar 1836, 13 Tage lang 189 Männer (die Zahlen sind historisch nicht eindeutig belegt) der Belagerung von Alamo standhalten mussten. Als schließlich am 6. März die Festung nach dreimaligem Sturm mexikanischer Truppen fiel, kamen alle Verteidiger um, getötet von den zahlenmäßig überlegenen mexikanischen Soldaten unter dem Befehl von General Antonio Lopez de Santa Anna. Verschont jedoch wurden alle Frauen und Kinder auf Befehl des Diktators, darunter auch die Witwe des Captain Almeron Dickinson, Susannah, und ihr nur wenige Monate altes Baby Angelina. Dabei waren nur wenige der Getöteten Texaner mexikanischer Abstammung, jedoch sehr viele Einwanderer aus Europa unter der Besatzung von Alamo; darunter zwei Männer aus Deutschland, Henry Courtman und Henry Thomas, und Deutschstämmige wie Jacob Darst.
Rezension
Ich bewundere diese Zeit im amerikanischen Kino, auch für ihren Gigantismus, ihre Kraft und die Emotionen, die in ihnen ausgelebt wurden. Ich glaube, nur „Ben Hur“, der kurz zuvor gedreht wurde, war damals noch teurer und allein die vielen echten Statisten in „The Alamo“ sind eine Show. Keine CGI, die geholfen hätte, ein paar animierte Männchen wie siebentausend und noch einmal 185 Soldaten und Kämpfer wirken zu lassen. Es war die Zeit der großen Epen und außerdem die Epoche, in der einige top-verdienende Schauspieler sich als Produzenten unabhängig machen und lediglich den Verleih in die Hände großer Studios mit angehängten Kinoketten geben mussten. Burt Lancaster, Kirk Douglas oder Gregory Peck waren Beispiele dafür und sie trauten sich alle an große Produktionen heran.
Wenn das Publikum die Filme mochte, mehrte sich der Reichtum der Stars noch einmal, wenn nicht, und das war nicht so selten, bei diesen sehr persönlichen Projekten, dann konnte es auch gefährlich für die Finanzen der Stars werden. Von den 12 Millionen Dollar, die „The Alamo“ kostete, spielte er zumindest in den USA nur 8 Millionen wieder ein.
Die meisten Stars, die sich damals bis zu einem gewissen Grad selbstständig machten, überließen die Regie in der Regel Profis des Fachs, während Wayne sich selbst gleichzeitig vor und hinter die Kamera stellte. Meist kommt dabei nicht das Optimale heraus, weil es nun einmal eine Rollenvermischung ist. Drehbuch und Regie in einer Hand, das geht manchmal auch gut, aber sich selbst die Befehle fürs richtige Spiel zu geben, erfordert einen gründlichen Abstand zum eigenen Ego, und den hatte John Wayne gewiss nicht.
Eine Ausnahme in neuerer Zeit ist John Waynes Bruder im Geiste Clint Eastwood, der erst als Regisseur-Darsteller oscargekrönte Filme machte.
Ihm passierte aber nicht, was in „The Alamo“ leider eine Schwäche ist: Elogen in Sachen Politik und Weltanschauung, reden anstatt zeigen, wobei Waynes erzkonservatives Weltbild häufig genug durchschimmert. Und dann passiert es, wenn man das alles weiß, dass man auch zur hollywood-typischen geschichtlichen Unkorrektheit bei historischen Stoffen eine andere Einstellung gewinnt, als wenn man weiß, dies ist ein Routineprodukt aus einem großen Studio, und darin wird etwas lässig und solchermaßen mit Fakten umgegangen, dass sie besser zur Dramaturgie und zur Anwendung der Filmtheorien passen, deren Hollywood sich bedient. Aber Waynes erste Regiearbeit war eben das gerade nicht, sondern seine persönliche Version und Vision von Amerika.
Und was er in diesem Fall alles zugunsten einer Horde von Milizen und gegen die Historie des Staates Texas und den Gründen für den Krieg mit Mexiko umgebogen hat, nimmt man ihm schlichtweg krumm, zumal in unseren Tagen, wo aggressiver Erzkonservativismus wieder besonders deutlich als American Way of Life verkauft wird. Dass es durch diese Falschdarstellungen auch zu fragwürdiger psychologischer Hinterlegung der Figuren kommt, versteht sich in der Folge beinahe von selbst. Ein begnadeter Regisseur im Verein mit hoch veranlagten Schauspielern hätte das vielleicht subtiler verkaufen können, John Wayne jedenfalls konnte es nicht.
Folgende historische Fakten sind falsch, umgedeutet, wirken verzerrt:
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Die Zahl der Verteidiger von Alamo dürfte zwar am unteren Rand der Wirklichkeit gelegen haben, aber die Zahl der Streiter von Jim Bowie und David Crockett war jeweils wohl zu hoch angegeben.
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Die Zahl der Truppen der mexikanischen Armee unter Santa Ana wird wesentlich zu hoch angegeben. In Wirklichkeit waren es nicht 7000, sondern 1500 bis 1800 Gegner. Immer noch eine erhebliche Überzahl, aber nicht dieses irrwitzige Verhältnis von etwa 50:1, das der Film suggeriert. Das ist auch insofern von Bedeutung, als schließlich der im Film zu sehende Sam Houston die Mexikaner schlussendlich besiegt hat. Wie hätte er das mit einem rasch zusammen gewürfelten und nur rudimentär ausgebildeten Haufen tun können, wenn die Mexikaner tatsächlich ein solches, für damalige amerikanische Verhältnisse riesiges Heer gegen ihn gestellt hätten?
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Die gesellschaftlichen Verhältnisse werden in mehrerer Hinsicht grundfalsch wiedergegeben.
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Die hier als Freiheitkämpfer dargestellten Amerikaner waren im Wesentlichen unterwegs, um ihre Pfründe zu verteidigen, insbesondere gilt das für Jim Bowie, der in Texas Grundstücksgeschäfte verstrickt war, die von der mexikanischen Regierung untersagt worden waren.
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Bowie wird zwar richtig als Sklavenhalter dargestellt, doch ob er seinem im Film zu sehenden Sklaven die Freiheit gab, als der Endkampf um Alamo stattfand, ist nicht belegt – und dieser hat sich keineswegs vor seinen früheren Herrn geworfen, um diesem das Leben zu retten, sondern wurde nach dem Kampf von Santa Ana mit einer Botschaft an die Sklavenhalter der Vereinigten Staaten geschickt.
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Im damaligen Mexiko war Sklavenhaltung verboten und das immer stärkere Einsickern von Sklavenhaltern aus den Südstaaten wie David Bowie war einer der Gründe für den Krieg, den Mexiko in Texas geführt hat.
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Nicht direkt falsch behauptet, aber durch Auslassung verzerrt wirkend: Die Amerikaner in Texas wollten damals einen eigenen Staat, nicht den Anschluss an die Vereinigten Staaten von Amerika.
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In der bekannten Tradition des klassischen Hollywoods werden also Sklavenhalter und Vigilanten heroisiert, während die Motive und Handlungen der Kriegsgegner geschmäht und verdreht werden. Wir haben uns daran als Kinogänger schon so gewöhnt, dass wir es in der Regel achselzuckend in Kauf nehmen, aber gerade bei diesem hochpolitischen Film, der auch Waynes Ansprache im Kalten Krieg an „das andere Lage“ beinhaltet, nämlich die Sowjetunion und auch den Kampf der Amerikaner im Zweiten Weltkrieg noch einmal reflektiert, wollte ich das eine oder andere richtigstellen.
Ist der Film denn wenigstens gut gemacht?
In mancher Hinsicht ja, in anderer nicht. Ich bin ein Fan von Dimitri Tiomkin und seinen smashigen Filmmusiken, die so wahnsinnig gut zu den pathetischen Filmen der 1950er gepasst haben, und die zu „Alamo“ ist eine seiner schönsten. Wunderbar vielschichtig und passgenau auf die Szenen zugeschnitten, lyrisch oder mächtig. Allein die Untermalung mit dieser Musik rettet fast jeden Film vor dem vollständigen Untergang und hilft natürlich auch dessen propagandistischem Eindruck auf die Sprünge.
Über die First-Rate-Musik hinaus merkt man dem Film natürlich seine Hochwertigkeit an, alles ist luxuriös, wirkt zeitgetreu, wenn auch nicht bei allen Hauptfiguren gleichermaßen, ist vor Ort gefilmt und suggerier dadurch Authentizität in einem Maße, die der Inhalt vermissen lässt.
Aber bei der Darstellung von John Wayne beginnen bereits die negativen Seiten. Ich gebe zu, dass ich zwar viele der John Ford-Filme und Howard Hawks-Filme sehr mag, mit denen er zum Star wurde, von „Stagecoach“ (John Ford, 1939), mit dem er zu einem 1A-Star wurde bis zu „Rio Bravo“ (Howard Hawks, 1959), dem vorherigen Film John Waynes, obwohl dieser schon ein bewusstes Gegenstück zu „High Noon“ darstellte, den Wayne verabscheute – wegen der Darstellung amerikanischer Bürger als Feiglinge im Angesicht des nahenden Verbrechens. Der Drang Waynes, seine politischen Ansichten in einem eigenen Film unterzubringen, kommt mir deswegen nicht seltsam oder unlogisch vor.
Wayne wurde, ohne ein herausragender Schauspieler zu sein, mit der Verwirklichung seines persönlichen Amerikanischen Traum gesegnet, hat im Filmbusiness mehr erreicht, als er sich selbst wohl als junger Mann, als er als Stuntman und Kleindarsteller angefangen hatte, dann fleißig billige Western drehte, je hätte träumen lassen, und aus seiner Position heraus alles zu verteidigen, was in den USA an guten und schlechten Verhältnissen vorhanden war, kann man ihm grundsätzlich nicht verübeln, deswegen sind seine patriotischen Darstellungen, auch in Kriegsfilmen und Western, auf das bezogen, was er im Film immer sein durfte: er selbst.
Aber deswegen konnte er es wohl auch nicht lassen, eine der langweiligsten und langwierigsten Darstellungen seiner Karriere abzugeben, in welcher er staatsphilosophische Weisheiten von schlimmer Banalität von sich gibt, wo er sonst vor allem durch seine Handlungen, seine Präsenz in Filmen wirkt. Er kann aber nicht den besseren James Stewart mimen, der auch konservativ war, aber dabei nicht so penetrant wirkte (und mit dem er in einem der letzten großen Ford-Filme, „The Man Who Shot Liberty Valance“ ein Jahr später zusammenwirkte). Außerdem konnte er es in „The Alamo“ nicht lassen, sich ein romantisches Verhältnis mit einer Frau ins Drehbuch schreiben zu lassen, das ihn als extrem rittlerlich, darüber hinaus aber zu alt für diese Liebe ausweist. Für dieses Verhältnis geht zu Beginn des zweiten Drittels des Films zu viel Zeit drauf – und dann führt dieses Verhältnis ins Nichts, in einen sang- und klanglosen Abschied.
Die Frauenfigur „Sue“ hingegen gab es wirklich, die Frau und dann Witwe eines Captains, die im Fort Alamo geblieben war und überlebte und von den Mexikanern freies Geleit bekam, in einer denkwürdigen, eindringlichen und langen, durchaus an John Fords Filme angelehnten Szene übrigens, die mich darauf hinleitet, kurz zu erwähnen, dass davon ausgeangen wird, dass John Ford Wayne bei diesem Film entweder direkt am Set unterstützt hat oder zumindest Waynes Schulung in Ford-Filmen eine erhebliche Rolle bei deren Anlage gespielt hat.
Nicht diese Szene lässt den Film zu gedehnt wirken, sondern der elegische Aufgalopp zur letztlichen Schlacht, das erwähnte Techtelmechtel oder Handlungselemente wie der zweimalige nächtliche Überfall der Alamo-Verteidiger im Lager der Mexikaner. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Mexikaner sich so einfach übertölpeln ließen, und das beim zweiten Mal, nachdem ein erster Überfall bereits funktioniert hatte.
Das ist purer Schmu, wie wir ihn aus vielen Western, Action- und Kriegsfilmen kennen, in denen eine Partei als ziemlich unterbemittelt dargestellt werden muss, damit die andere mit ihren Taten besser herausgehoben werden kann. Natürlich, es ist Heldenkino, aber wenn Wayne sich schon mit einem Film so dezidiert in die ideologische Kriegsführung begibt, darf ich auch ein wenig dagegen halten. Gottseidank habe ich nur die hierzulande handelsübliche 161-Minuten-Version gesehen, nicht die 174-Minuten-Variante, die in der IMDb genannt ist, oder gar das 192-minütige Original, das offenbar gerade restauriert wird, damit auch von diesem Werk ein Director’s Cut angeschaut werden kann.
In der Version dürfte es dann nicht mehr die vielen Abblendungen ins Schwarze geben, die in „The Alamo“ auffallen. Dadurch wurden Szenen gut erkennbar gekürzt, weil auch die musikalische Untermalung nicht zu Ende geführt ist. In vielen anderen Filmen, auch in deutschen gegenüber Originalversionen amerikanischer Filme, ist es ja eher so, dass Szenen komplett geschnitten wurden, weshalb die Handlungsübergänge manchmal ruckig sind und Inhalte verfälscht werden. In „The Alamo“ hat man dadurch nur die Tatsache zu verkraften, dass Johne Waynes vermutlich nicht der Schere zum Opfer gefallenen Ansprachen das Werk noch etwas mehr dominieren, als wenn es eine halbe Stunde länger wäre.
Wir wenden uns den Apachen zu. John Wayne hatte nach meiner Ansicht noch einen Fehler gemacht, nämlich den Wind der Zeit falsch interpretiert. Vielleicht wollte er auch rechtzeitig ein Gegenzeichen setzen. Aber Ende der 1950er kamen in den USA reflektierte Filme mit sozialem Anspruch auf, die schon auf die Kennedy-Ära hindeuteten, und da wirkt John Waynes Werk gegen den Zeittrend gestellt, die zeitgenössischen wie auch die heutigen US-Kritiker ließe bzw. lassen denn auch kaum ein gutes Haar an der politischen Substanz von „The Alamo“. Zu Recht, wenn man sieht, wie hier ein gar nicht so helles Kapitel der US-Geschichte heroisiert wird – und das aufgrund der vorgespiegelt engen Bindung an die Realität eine andere Bewertung erfordert, als wenn mit fiktiven oder eher legendenhaften Figuren der Westernmythos befeuert wird. Wobei auch der Western zu jener Zeit hinterfragt und mehr hinterfragend wurde und es zum Subgenre des Abgesang-Spätwesterns und zur Dekonstruktion des Genres in New Hollywood wenige Jahre später kam. John Ford beteiligte sich, wenn auch im Stil noch klassisch, mit „Liberty Valance“ selbst an der Tendenz, den Mythos kritischer zu betrachten.
Auch Wayne spielte, nicht nur unter Ford, in einigen dieser Filme mit, in denen Westernhelden nicht mehr so strahlend und vor allem moralisch sauber waren wie zuvor. Allerdings muss ich aus persönlicher Sicht diese Einordnung relativieren. Schon seit den frühen 1950ern waren die Protagonisten in wirklich guten Western recht differenziert gezeichnet. Viel differenzierter als die Hauptfiguren in „The Alamo“.
Finale
Gerade die Fähigkeit, emotional ganz hoch zu fliegen, welche die kraftvollsten Epen der 1950er oder 1960er hatten, fehlt diesem Film trotz all seines Patho, vielleicht wegen dessen Übertreibung, doch ab. Die Gefühlslage der Männer, die Alamo verteidigen, kam mir nie wirklich nah, selbst dann nicht, wenn Frauen als emotionale Anker eingesetzt wurden, denn mehr haben sie hier nicht zu tun, als alle Prinzipien, die wir sehen, noch einmal mehr zu verdeutlichen, sodass es an Überdeutlichkeit wahrlich nicht mangelt.
Weil der Film so seltsam mit den Fakten umgeht, erschließt sich auch nicht recht, warum Männer wie Crockett oder Bowie, die im Film als durchaus begabt im Umgang mit der Realität dargestellt werden, sich dann doch ohne Grund entschließen, sich massakrieren zu lassen. In Wirklichkeit hatten sie eigene, handfeste Interessen zu verteidigen und die Übermacht der Mexikaner war eben nicht so riesig wie im Film dargestellt.
Außerdem ist es möglich, aber da spekuliere ich jetzt auch ein wenig, dass sie eben nicht vorher wussten, dass keine Hilfe seitens einer anderen Truppe zu erwarten war. Bei Jim Bowie konnte ich seine letztliche Entscheidung noch nachvollziehen, weil er gerade alle seine Lieben verloren hatte, sodass ihm am ohnehin durch Krankheit und Alkoholismus gezeichneten Leben vielleicht mehr so viel lag, aber gerade John Waynes Crockett-Figur erschließt sich in dieser Hinsicht keineswegs, zumal Crockett gerade eine neue Liebe gefunden hat und immer wieder betont, wie viel Verantwortung er für seine Männer aus Tennessee hat – und sie dann doch zum Hierbleiben animiert, indem er sich als einer der ersten an die Seite von Captain Travis stellt, der qua Befehl in Alamo auszuhalten hatte.
Wenn man die wahren Begebnisse und Hintergründe zu sehr verbiegt, wird es auch schwierig, die Figurenpsychologie glaubwürdig zu gestalten, und so bleibt von „The Alamo“ nur die reiche Bebilderung, bleiben die Schauwerte, die Musik. Ich rechne es nicht negativ an, dass bei der gezeigten Ausstrahlung selbige nur in einem etwas flach wirkenden Mono-Ton wiedergegeben wurde, aber das Gesamtergebnis ist für ein so teures und ambitioniertes Werk zu wenig. Ich mag diese Großfilme, die ja immer auch ein Wagnis darstellen, denn dazu, dass sie einmal möglich werden, ist das Kino erfunden worden, sonst hätte ich vermutlich noch weniger Punkte vergeben.
50/100
Anmerkung anlässlich der Veröffentlichung der Rezension im Jahr 2025: Das Original wurde kurz nach der Wahl Donald Trumps zum Präsident der Vereinigten Staaten und vor seiner Amtseinführung im Januar 2017 geschrieben. So viel zum Hintergrund der obigen Anmerkung bezüglich des Revivals von John Waynes „Werten“. Ob John Wayne die Entwicklung noch gutgeheißen hätte, welche die USA neun Jahre später genommen haben? Wir wissen es nicht, aber die 50/100 entsprechen einer neueren und als Gegenhalten gegen diesen Trend auch bei uns gedachten Handhabe, Filme selbst dann, wenn sie gut gemacht sind, selbst, wenn sie älteren Datums sind, mit einem Punkteabzug zu versehen, sofern sie Rassismus und Diskriminierung zeigen. In diesem Fall geht es vor allem um die Verbiegung der Geschichte zulasten der Mexikaner, aber diese dürfte mit der obigen Bewertung „abgegolten“ sein, und wir ändern Bewertungen auch nicht ohne Neusichtung um mehr als zwei Punkte (hier haben wir sie belassen, wie sie war. Die IMDb-Nutzer:innen bewerten den Film im Zeitalter der Reaktion aktuell mit 6,8/10, Rotten Tomatoes kommt mit einem Score von 55 Prozent unserer Bewertung relativ nah.
2025 Der Wahlberliner, Thomas Hocke (Entwurf 2016)
| Regie | John Wayne |
|---|---|
| Drehbuch | James Edward Grant |
| Produktion | John Wayne |
| Musik | Dimitri Tiomkin |
| Kamera | William H. Clothier |
| Schnitt | Stuart Gilmore |
| Besetzung | |
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