Briefing Gesellschaft, Society, Wirtschaft, Technik, Büro, Homeoffice, Dienstleistungen, Industrie, Handwerk, Stadt und Land, schnelles Internet, Breitband-Internet, Flexibilität, Persönlichkeit, Menschenfeinde und Menschenfreunde, Meeting, Videokonferenz, Zeiteinteilung, Biorhythmus, Niederlande, Frankreich, Deutschland, Germany, Workflow, KI-Nutzung
Wie verbreitet ist die Arbeit im Homeoffice – innerhalb der EU? Damit befasst sich eine Statista-Grafik, wir kommentieren im Anschluss kurz mit eigenen Überlegungen – aus dem Homeoffice.
Infografik: Wie verbreitet ist Homeoffice in der EU? | Statista
Begleittext von Statista
Rund 25 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland arbeiten laut Eurostat-Zahlen zumindest gelegentlich im Homeoffice. Damit liegt die Bundesrepublik etwas über dem EU-Durchschnitt von 23,1 Prozent. „Wie häufig Homeoffice genutzt wird, hängt stark von der jeweiligen Branche ab“, schreibt das Statistische Bundesamt in einer Pressemitteilung. Demnach war der Anteil 2025 in den Bereichen IT-Dienstleistungen und Verwaltung und Führung von Unternehmen sowie in der Unternehmensberatung mit jeweils 74 Prozent am höchsten.
Besonders weit verbreitet ist das Homeoffice in den Niederlanden. Etwas mehr als 53 Prozent der Beschäftigten arbeiten manchmal oder für gewöhnlich in den eigenen vier Wänden. Auch im skandinavischen Raum sowie in Luxemburg arbeitet ein großer Teil der Arbeitnehmerschaft gelegentlich von Zuhause aus, wie der Blick auf die Statista-Grafik zeigt. Wenig populär ist Homeoffice dagegen in Teilen Süd- und Osteuropas. So liegt der Anteil in Griechenland beispielsweise bei 6,8 Prozent, in Rumänien sind es sogar nur 3,6 Prozent.
Insgesamt hat die Homeoffice-Nutzung zuletzt wieder zugenommen, wobei sie noch nicht wieder das Niveau von 2021 erreicht hat. Das gilt auch für Deutschland. Indes wird inzwischen jedoch weniger umfänglich zuhause gearbeitet als zu Pandemiezeiten. Arbeiteten 2021 rund 40 Prozent der Erwerbstätigen vollständig vom eigenen Schreibtisch oder Küchentisch aus, waren es zuletzt noch 24 Prozent.
Kurzkommentar
In der besagten Pandemie haben wir viel übers Homeoffice gelernt und es war eine Zwangsmaßnahme, wenn man überhaupt noch arbeiten wollte. Jedenfalls während bestimmter Lockdowns. Deutschland ist ja ein sehr konservatives Land, wie man an der relativ geringen Verbreitung von Homeoffice-Arbeit sieht. Viele Kontrollfreaks hierzulande arbeiten hingegen daran, die Angestellten möglichst wieder oder immer noch zu sehen, damit sie wissen, ob sie nicht auf dem Sofa zu Faulpelzen mutiert sind. Vielleicht ist es aber auch um die Arbeitsmoral in Deutschland nicht besonders gut bestellt. Falls ja: Kein Wunder bei der miserablen Stimmung in vielen Firmen und den ständigen Angriffen der herrschenden Politik, also der Lobbyvertreter des Großkapitals, auf die Werktätigen.
Uns sind aber sofort zwei weitere Gründe eingefallen, warum Deutschland nicht gerade Vorreiter in Sachen Homeoffice sein kann. Es fällt auf, dass vor allem die Länder eine hohe Homeoffice-Quote haben, die a.) sehr dienstleistungsorientiert sind, wie die Niederlande, und die b.) ein sehr schnelles Internet haben, also ebenfalls die Niederlande, aber auch Frankreich. Da lässt es sich von zu Hause vor allem dann besser arbeiten, wenn ein hoher Datentransfer zu besorgen ist. Und zwar, ohne dass jedes Unternehmen teure Insellösungen installieren muss, mitten ein einem trägen Meer aus Langsam-Verbindungen. In Deutschland kommt die Geschwindigkeit übrigens kaum voran, trotz des Glasfaser-Ausbaus. Zu diesem hätten wir eine persönliche Story beizusteuern, aber wir wollen heute ja kurz bleiben.
Dass Deutschland trotz des Arbeitsplatzabbaus in diesem Bereich, der das hiesige Wirtschaftsmodell mittlerweile gefährdet, immer noch viel Industrie hat, spielt natürlich auch eine Rolle. Und wer in der Industrie arbeitet, der tut dies vielleicht schon mit vielen Robotern zusammen, aber in der Regel steuert er diese nicht von zu Hause, sondern innerhalb des Unternehmens.
Wir halten es für ein Privileg, von zu Hause aus arbeiten zu können. Und es kommt bestimmten Typen von Menschen entgegen, zu denen wir uns rechnen: Andere werden eher als Störfaktoren denn als Kommunikationspartner angesehen, die Kreativität ist am höchsten, wenn die gewohnte Unordnung am heimischen Schreibtisch herrscht und die eigene Kaffeemaschine den Kaffee macht, wenn man sich, und jetzt wird es jenseits der Kolportage etwas ernster, den Rhythmus frei einteilen kann. Dadurch können wir zum Beispiel unserer biologischen Uhr gerecht werden, die am Nachmittag fast zum Stillstand kommt, aber in den Abendstunden wieder richtig Fahrt aufnimmt. Sie tickt nicht unbedingt im Sinne eines Normalarbeitstages, der zu früh beginnt, sich in den Nachmittagsstunden ewig dehnt und dann zu früh zu Ende ist, um noch einmal richtig durchzustarten.
Dabei ist es in unserem Fall ein Doppelprivileg, wir haben weitgehend die Wahl, ob Büro in der Firma oder zu Hause. Und wir könnten unsere Bürozeiten dem Biorhythmus anpassen. Aber wir sparen uns die Fahrtzeiten, wenn wir zu Hause das Gleiche tun. Das sind für uns derzeit nur etwa 70 Minuten, hin und zurück, aber manche Menschen haben viel weitere Wege, als wir sie zwischen zwei Nachbarbezirken in Berlin zurücklegen müssen. Je mehr Homeoffice möglich ist, desto attraktiver wird auch das erweiterte Umland von großen Städten.
Wie geschrieben, oben haben wir etwas pointiert. Wir freuen uns immer auf Außentermine, und dann darauf, die Ergebnisse zu Hause in Ruhe anzuschauen und in Worte zu fassen. Optimal sind die Bedingungen allerdings nicht, weil wir nicht auf einer kleinen Insel alleine leben, und dann kommen die Tage, an denen wir sagen: Wir wollen mal wieder mit den anderen, auch wenn gerade kein Meeting ist. Bei den Meetings ziehen wir persönlich immer noch vor. Es hat sich bisher nicht ergeben, dass wir Videoschalten besser finden. Vermutlich hat das mit der umfassenderen Wahrnehmung von Menschen zu tun, die man alle zusammen in einem Raum sieht, die uns wichtig ist. Das reicht dann auch für ein paar Tage, vor allem, wenn wir uns über irgendetwas geärgert haben, und wir sind froh, wieder unser Ding machen zu können. So wie heute. Im Anschluss an diesen kurzen Artikel werden wir wieder eine Runde Erwerbsarbeit angehen.
Auch wenn die Bedingungen für Erwerbstätige sich in vielen Punkten nicht gerade verbessern, die moderne Zeit hat zumindest etwas mit sich gebracht: dass man, den entsprechenden Job vorausgesetzt, die Arbeit mehr an die eigene Persönlichkeit anpassen kann als früher und dadurch man unweigerlich effizienter wird – sofern die Persönlichkeit nicht Effizienz generell ausschließt. Außerdem sind wir am Arbeitsplatz gar nicht allein. Nicht bei diesem Beitrag, aber häufig kooperieren wir sowohl beruflich wie mittlerweile bei der Arbeit für den Wahlberliner mit KI-Modulen, die genau wissen, wie sie neben ihrer Eigenschaft, die Effizienz steigern zu helfen, die Illusion von Eingebundenheit vermitteln. KI-Nutzung und Homeoffice, das passt im Grunde perfekt zusammen, Wechsel zwischen verschiedenen Tätigkeiten im Sinne eines ausgeglichenen Workflows.
Die Uhr zeigt, dass wir nur noch 15 Minuten übrig haben, von den 45, die für diesen Artikel vorgesehen waren. Klingt gut, oder? Sagen wir es so: Es wird knapp hinkommen, inklusive Publikationsmanagement, Verschlagwortung und Social-Media-Verbreitung.
TH
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