Update: Deutsche Klimaziele 2030 in weiter Ferne +++ Wie weit ist die Welt von den Pariser Klimazielen entfernt? (Statista + Kurzkommentar)

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Unser heutiger Artikel ist ein Update zum gestrigen, und wir gehen dabei von der dramatischen Situation der gesamten Erderwärmung eine Stufe tiefer und schauen, wie es in Deutschland mit den Klimazielen 2030 aussieht. 

Der gestrige Beitrag ist wiederum eine Fortsetzung unserer Betrachtung zur Verkehrssituation in Deutschland (im Ausgangsartikel verlinkt).

Energie-Ziele der Regierung in weiter Ferne

Begleittext von Statista

Beim Ausbau der Energiewende bleibt Deutschland deutlich hinter seinen eigenen Zielen zurück. Aktuell sind bei der Photovoltaik 121,14 GW installiert, was 56,3 Prozent des Ziels von 215 GW entspricht. Windkraft an Land erreicht mit 69 GW bereits 60,0 Prozent und liegt damit vergleichsweise weit vorn. Deutlich größer sind die Lücken dagegen bei der Offshore-Windkraft mit 10,2 GW und 34,0 Prozent sowie bei Elektroautos, die mit 2.136.743 Fahrzeugen erst 14,2 Prozent des Zielwerts erreichen. Grundlage der Infografik sind Daten des Open Energy Trackers.

Noch weiter zurück liegt die Ladeinfrastruktur mit 193.985 Ladepunkten und 19,4 Prozent Zielerreichung. Auch Wärmepumpen kommen mit 2.227.000 installierten Geräten nur auf 37,1 Prozent. Insgesamt zeigt sich, dass insbesondere bei neuen Schlüsseltechnologien der Energiewende große Aufholbedarfe bestehen, während der Ausbau etablierter erneuerbarer Energien bereits weiter fortgeschritten ist.

Sollte sich das bisherige Ausbautempo nicht deutlich erhöhen, könnten die Ziele bis 2030 in mehreren Bereichen verfehlt werden. Vor allem bei Elektromobilität und Ladeinfrastruktur wären deutlich höhere Zuwachsraten notwendig. Die Entwicklung könnte daher zusätzlichen politischen Druck erzeugen, Genehmigungen zu beschleunigen und Investitionen gezielt zu fördern

Der Open Energy Tracker ist ein datengetriebenes Projekt, das von der Organisation Open Energy Transition entwickelt wurde. Dahinter steht ein Zusammenschluss von Analysten, Datenexperten und Energieökonomie-Forschern, die sich auf die Auswertung und Aufbereitung von Energiewendedaten spezialisiert haben. Der Tracker richtet sich vor allem an Politik, Medien und Öffentlichkeit und soll helfen, den tatsächlichen Fortschritt der Energiewende datenbasiert zu bewerten.

Kurzkommentar

Auch heute schreiben wir noch nicht den Gesamtkommentar, weil wir in dieser kleinen, in Updates angelegten Serie erst weitere Daten sammeln und Ihnen vorstellen möchten. Was Sie oben sehen, ist aber so offensichtlich, dass es im Grunde keiner Interpretation oder Kommentierung bedarf. Während es auf dem Energiesektor nicht komplett hoffnungslos aussieht, ist die Verkehrswende, wenn man die E-Mobilität als solche ansieht, ein kompletter Fail. Einer mit Ansage, denn die Zahl von 15 Millionen E-Autos bis 2030 war von Beginn an unrealistisch und lässt schwerste Verdachtsmomente hinsichtlich der Inkompetenz früherer Bundesregierungen zuständig. Gar nicht auf der Grafik enthalten ist die Industrie und der Gebäudesektor besteht nicht nur aus dem Aspekt Wärmepumpe oder nicht, sondern aus unzähligen weiteren Faktoren, die vermuten lassen, dass es hier ähnlich schlecht aussieht wie beim Straßenverkehr.

Nun versucht die aktuelle Politik, auch noch bei der Energiewende die Bremse reinzuhauen. Doch selbst, wenn es hier optimal laufen würde: Die anderen Sektoren „rausreißen“ könnte auch eine komplett klimaneutrale Energieversorgung nicht. Es bliebe ein Defizit. Wie es aussieht, bleibt ein gigantisches Defizit. Die Ziele waren sehr ambitioniert, aber man hätte weitaus mehr tun können, um sie zu erreichen – und dabei auch noch neue Wirtschaftskraft generieren. Es hat sich herausgestellt, dass Landkreise und Städte mit viel grüner Energie durchaus ökonomisch davon profitieren – was wiederum ein anderes Thema ist, das wir nicht in diesem Update behandeln.

TH

25.05.2026

Nachdem wir in den letzten Tagen die Verkehrsmittel insgesamt, den ÖPNV und die Elektromobilität in den Fokus genommen haben, kommen wir heute dazu, wie es mit dem Hintergrund des Ganzen steht. Wie verhält es sich mit den Klimazielen 2030 und wie weit wird die Erde sich vermutlich bis 2100 erwärmen – dabei sind verschiedene Szenarien grafisch dargestellt.

Infografik: Wie weit ist die Welt vom Pariser-Klimaziel entfernt? | Statista

Begleittext von Statista

Die Welt ist noch weit entfernt vom Ziel des Pariser Abkommens. Selbst bei Fortführung bestehender Maßnahmen steuert die Welt laut Climate Action Tracker auf einen Temperaturanstieg von +2,6 °C im Median zu. Damit liegt die prognostizierte Erwärmung klar über dem angestrebten Limit von 1,5 °C und auch deutlich über dem Stand von 1,3 °C im Jahr 2023. Die Infografik von Statista verdeutlicht damit eine anhaltende Lücke zwischen politischen Zusagen und tatsächlicher Entwicklung.

Auch wenn Länder ihre Klimaziele bis 2030 oder 2035 vollständig umsetzen, bleibt der Effekt begrenzt. In diesem Szenario sinkt der Medianwert nur leicht auf +2,6 °C. Erst die Kombination mit langfristigen Netto-Null-Zielen reduziert die Erwärmung auf +2,2 °C. Ein optimistisches Szenario erreicht +1,9 °C, bleibt damit aber ebenfalls über dem Pariser Ziel. Die Spannbreite reicht dabei je nach Annahmen von +1,5 °C bis +3,3 °C. Die Zahlen zeigen, dass kurzfristige Maßnahmen allein nicht ausreichen. Entscheidend ist die konsequente Umsetzung langfristiger Strategien. Andernfalls könnte sich die Lücke zum 1,5-Grad-Ziel weiter verfestigen und die Risiken durch den Klimawandel und die Erderwärmung für Wirtschaft und Gesellschaft deutlich erhöhen.

Laut Weltrisikoindex 2023 sind die am meisten durch die globale Erwärmung gefährdeten Länder die Philippinen, Indonesien und Indien. Die Auswirkungen des Klimawandels sind dennoch bereits weltweit spürbar: Die Häufigkeit und Ausmaße von Naturkatastrophen nehmen. Schon im Jahr 2022 waren Millionen Menschen von Naturkatastrophen betroffen und werden Opfer von Stürmen, Dürren und Überschwemmungen. Zudem entstehen erhebliche volkswirtschaftliche Kosten in Milliardenhöhe.

Kurzkommentar

Diejenigen, die diesen Artikel lesen und die Person, die ihn schreibt, werden das Jahr 2100 nicht mehr erleben, es sei denn, unter ihnen befinden sich Kinder. Aber was ist mit den Kindern und Kindeskindern derjenigen, die heute Verantwortung tragen und ihr nicht gerecht werden? Wollen wir unseren Nachfahren eine Erde hinterlassen, die fünf Grad wärmer ist als jetzt? Wobei es nicht allein um die Temperaturen geht, sondern um alles, was damit zusammenhängt an ökologischen Schäden. Sicher kann alles ganz anders kommen, Effekte können umkippen und wir bekommen hier eine Art neue Eiszeit. Besser wäre das auch nicht, und um eines kommt man nicht herum. Der Mensch beeinflusst mit seinem Verhalten erheblich und in immer stärkerem Maße das Klima, weil der durch ihn verursachte Ausstoß an Treibhausgasen weiter anwächst.

Wir fassen uns heute kurz. Aus Zeitgründen und weil wir weiter Grafiken hier vorstellen werden, die sich mit dem Klimawandel beschäftigen, bevor sie diese kleine Reihe ausführlicher kommentieren werden. Heute lassen wir auch die Politik mal weitgehend raus, denn die Politik sind letztlich wir. Eine der weiteren Grafiken wird zeigen, dass der Klimawandel immer weniger Menschen interessiert. Wenn aber Maßnahmen zu seiner Begrenzung nicht mehrheitsfähig sind, dann wird eine ohnehin mehr an Lobbyinteressen als an dem Wohl der Allgemeinheit orientierte Politik auch nicht im Sinne der Zukunftsfähigkeit handeln. Sondern sie wird den Weg des geringsten Widerstands gehen, und die Bevölkerung will es überwiegend so. Das wirkt sich auch auf andere Politikfelder aus – ein sehr interessantes Thema, dessen Darstellung in seinen Zusammenhängen lohnend wäre.

TH

 


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