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Sie haben sicher schon davon gehört, dass wir alle den Gürtel enger schnallen müssen, dass in Deutschland alle zu faul, zu krank, zu alt, zu jung, zu gut oder wenig gut gebildet, mit der falschen Einstellung ausgestattet oder sonst irgendwie nicht maximal für die Reichen finanzialisierbar sind. Die Politik, allen voran Kanzler Friedrich Merz, sagt es uns: Wir sind Mängelexemplare, vor allem im Vergleich zu ihm selbst natürlich, wenn wir nicht mindestens als Lobbyisten für das Kapital arbeiten.
Trotzdem steigt in diesem Land die Zahl der Superreichen, die offenbar ganz gut von dem leben können, was andere erarbeiten können, immer schneller an.
Selbstverständlich wird aus dieser Erkenntnis keine Steuergerechtigkeit erwachsen, denn Menschen, die für ihr Geld arbeiten müssen, sind ja selbst schuld, dass sie nicht zu den Investoren gehören. In Deutschland hat das einen besonderen Hautgout, wie wir im Januar dargestellt haben: in keinem anderen auf der Grafik gezeigten Land ist Vermögen in so hohen Teilen ererbt, also beruht nicht einmal auf klugen Investments oder Entrepreneurship desjenigen, dem das Kapital jetzt gehört (Update: Unternehmermilliardäre weltweit vs. deutsche Erbmilliardäre +++ Wie stehen die Menschen zur Steuergerechtigkeit? (Statista + Kommentar) – DER WAHLBERLINER). Warum ist das gerade bei der Grafik, die Sie unten sehen, relevant? Hier geht es ums Finanzvermögen, also überwiegend jenen den Teil des Vermögens, auf den in Deutschland nur 25 Prozent Kapitalertragsteuer zu entrichten sind, während Arbeit viel höher besteuert wird.
Der Mehrwert für unsere Leser resultiert aber nicht aus diesem kleinen Kommentar, sondern aus der Sachdarstellung, die auf den Statista-Begleittext folgen wird: Das reine Finanzvermögen, wie es auf der Grafik ausgewiesen ist, stellt nicht das Volksvermögen darf, denn Immobilien und andere Sachwerte sind darauf nicht erfasst, und diese machen in Deutschland einen hohen Anteil an den Vermögenswerten aus (über 50 Prozent). Das stellen wir im Anschluss etwas genauer dar.
Infografik: Zahl der Superreichen steigt sprunghaft an | Statista

Begleittext von Statista:
Die Zahl der Deutschen mit einem Finanzvermögen von mehr als 100 Mio. US-Dollar ist 2025 sprunghaft auf ungefähr 5.000 angestiegen. Das sagte die Boston Consulting Group Mittwoch zum Anlass der Veröffentlichung ihres Global Wealth Reports. Die Beratungsfirma begründet den Anstieg mit den Gewinnen, die Reiche im letzten Jahr an den Börsen und mit anderen Anlagen erwirtschaften konnten. Das Finanzvermögen beschreibt, wie viel eine Person an Geldmitteln, Anlagen und anderen Investitionen besitzt.
2024 waren in Deutschland noch 3.900 solcher Superreicher oder Ultra-High-Net-Worth-Individuals gezählt worden. Der Anstieg vergangenes Jahr von über 1.000 neuen Superreichen war zuvor über einen Zeitraum von fünf Jahren passiert – zwischen 2019 und 2024 waren ebenfalls ca. 1.000 Menschen zur Gruppe hinzugekommen. 2022 sank die Zahl der Superreichen in Deutschland und der Welt sogar leicht. Grund dafür waren die Kurseinbrüche an Börsen in der zweiten Hälfte der Coronavirus-Pandemie.
Deutschland bleibt trotz des Vorstoßes das Land mit den drittmeisten Superreichen der Welt. Hier liegen China mit ca. 11.100 Superreichen und die USA mit 37.000 Superreichen weit vorn. Weltweit schätzte Boston Consulting Group die Gruppe der Superreichen auf 97.000 Personen – 0,001 Prozent der Weltbevölkerung. In Deutschland machte die Gruppe 0.006 Prozent der Bevölkerung aus.
Interpretation und weitere Informationen
Die Grafik zeigt, dass die Zahl der Menschen in Deutschland mit einem Finanzvermögen von über 100 Mio. US-Dollar laut Global Wealth Report der Boston Consulting Group (BCG) innerhalb eines Jahres deutlich auf rund 5.000 gestiegen ist und dass weltweit nur eine sehr kleine Elite einen erheblichen Teil des Finanzvermögens hält.[de.statista]
Was im Global Wealth Report als Finanzvermögen gilt
Der zugrundeliegende Global Wealth Report unterscheidet zwischen Finanzvermögen (Geld- und Kapitalanlagen), Sachvermögen (z.B. Immobilien) und Verbindlichkeiten (Schulden). Konkret umfasst das Bruttogeld- bzw. Finanzvermögen der privaten Haushalte:[allianz]
- Barmittel (Bargeld) und Bankeinlagen (Sichteinlagen, Spar- und Termineinlagen).[wiwo]
- Forderungen gegenüber Versicherungen und Pensionskassen, z.B. Lebensversicherungen und kapitalgedeckte Rentenansprüche.[allianz]
- Wertpapiere wie Aktien, Anleihen und Investmentfondsanteile.[wiwo]
- Weitere finanzielle Forderungen, etwa bestimmte Darlehensforderungen oder sonstige Ansprüche.[allianz]
Parallel betrachtet der Bericht auch Verbindlichkeiten der Haushalte, also Kredite und Schulden (z.B. Hypotheken, Konsumentenkredite), um Nettovermögen ableiten zu können. Sachwerte wie Immobilien oder Edelmetalle werden als eigenes Segment ausgewiesen und gehören streng genommen nicht zum Finanzvermögen, werden aber für das Gesamtvermögen der Haushalte zusätzlich analysiert.[bcg]
Für die internationale Vergleichbarkeit werden Daten aus 57 Ländern genutzt, die rund 91 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung und 72 Prozent der Weltbevölkerung abdecken. In vielen Fällen basieren die Zahlen auf volkswirtschaftlichen Finanzierungsrechnungen; wo diese fehlen, werden Bank-, Versicherungs- und Haushaltsdaten kombiniert, um das Finanzvermögen zu approximieren.[allianz]
Vermögensklassen im Global Wealth Report
Der Global Wealth Report definiert globale Vermögensklassen anhand des Pro-Kopf-Geldvermögens der Haushalte in Relation zum weltweiten Durchschnitt. Dabei werden drei Hauptgruppen unterschieden:[allianz]
- Low Wealth: Personen mit einem Pro-Kopf-Finanzvermögen unter etwa 11.000 Euro (Wert für 2024), also unterhalb der Schwelle, ab der nennenswerte Vermögensbildung beginnt.[allianz]
- Middle Wealth: Globale Vermögensmittelschicht mit einem Pro-Kopf-Finanzvermögen zwischen ca. 11.000 und 65.900 Euro.[allianz]
- High Wealth: Vermögensoberklasse mit einem Pro-Kopf-Finanzvermögen oberhalb von rund 65.900 Euro.[allianz]
Diese Grenzen werden aus dem Zusammenhang zwischen Einkommen und Vermögensbildung abgeleitet, der in empirischen Studien belegt wurde. Haushalte mit sehr niedrigen Einkommen besitzen typischerweise kaum Finanzvermögen, während mit steigenden Einkommen die Vermögensakkumulation deutlich zunimmt.[allianz]
Vermögensverteilung weltweit
Der Global Wealth Report und ergänzende Analysen zeigen eine stark ungleiche Verteilung des weltweiten Vermögens. Wichtige Muster sind:[zdfheute]
- Die reichsten 10 Prozent der Weltbevölkerung besitzen den Großteil des weltweiten Netto-Finanzvermögens; Berichte nennen Größenordnungen von deutlich über 70 Prozent, teils um 80–85 Prozent.[zeit]
- Die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung verfügt zusammen nur über rund 1 Prozent des globalen Vermögens.[zdfheute]
- Regional konzentriert sich Vermögen vor allem im Globalen Norden; obwohl etwa 80 Prozent der Menschen im Globalen Süden leben, entfallen nur rund 30 Prozent des weltweiten Vermögens auf diese Länder.[zdfheute]
Weltweit stiegen die Nettovermögen der privaten Haushalte zuletzt kräftig und erreichten laut BCG 2025 rund 550 Billionen US-Dollar, wobei die Finanzvermögen mit einem Plus von etwa 10–11 Prozent besonders stark wuchsen. Gleichzeitig betonen die Berichte, dass trotz dieses Wachstums keine grundlegenden Fortschritte bei der Verringerung der Vermögensungleichheit erkennbar sind.[zeit]
Vermögensverteilung in Deutschland im Kontext
Für Deutschland zeigt der Global Wealth Report ein stark konzentriertes Finanzvermögen. Einige zentrale Befunde:[private-banking-magazin]
- Rund 5.000 Superreiche mit mehr als 100 Mio. US-Dollar halten etwa 27,3 Prozent des gesamten Finanzvermögens in Deutschland, das sich auf etwa 12,4 Billionen US-Dollar beläuft.[handelsblatt]
- Etwa 700.000 weitere Multimillionäre zusammen mit diesen Superreichen vereinen mehr als die Hälfte (52,8 Prozent) des Finanzvermögens auf sich.[private-banking-magazin]
- Dem gegenüber stehen etwa 66 Millionen Menschen mit einem Finanzvermögen von unter 250.000 US-Dollar, die zusammen rund 35,9 Prozent des Finanzvermögens besitzen.[zeit]
Damit ist Deutschland ein Beispiel für ein wohlhabendes Land, in dem ein kleiner Teil der Bevölkerung einen sehr großen Anteil am Finanzvermögen hält, während die große Mehrheit deutlich weniger Anteile an Finanzmärkten und Kapitalanlagen besitzt.[zeit]
Im Finanzvermögen im Sinne des Global Wealth Report (GWR) sind Immobilien und produktive Unternehmen nicht enthalten; sie werden als eigene Kategorie „Sachwerte“ separat erfasst und müssen für das Gesamtvermögen hinzugerechnet werden.[wiwo]
Was genau als Finanzvermögen gilt
BCG definiert das private Finanzvermögen als Geld- und Kapitalanlagen der Haushalte. Typischerweise umfasst es:[handelsblatt]
- Bargeld und Kontoguthaben (Sicht-, Spar- und Termineinlagen).[wiwo]
- Wertpapiere wie Aktien, Anleihen und Investmentfonds.[welt]
- Versicherungs- und Pensionsansprüche (z.B. Lebensversicherungen, kapitalgedeckte Renten, betriebliche Pensionszusagen).[bcg]
Diese Definition ist bewusst auf „financial assets“ im engeren Sinne beschränkt, also Ansprüche gegen Finanzinstitutionen, Unternehmen oder den Staat, die sich in Geldwerten ausdrücken. Die Zahl der „Superreichen mit mehr als 100 Mio. US-Dollar Finanzvermögen“ bezieht sich daher ausschließlich auf diese Finanzanlagen, nicht auf Immobilien oder Unternehmensbeteiligungen als Sachwerte.[facebook]
Rolle von Immobilien und Unternehmen
Neben dem Finanzvermögen analysiert der GWR explizit die Sachwerte der privaten Haushalte. Dazu zählen:[bcg]
- Immobilien (insbesondere eigengenutzte und vermietete Wohn- und Geschäftsimmobilien).[bcg]
- Sonstige Sachwerte wie z.B. Edelmetalle oder bestimmte Formen von produktivem Vermögen, sofern sie im Privatvermögen der Haushalte verbucht sind.[focus]
BCG weist in seinen Berichten regelmäßig aus, dass die Sachwerte – vor allem Immobilien – in vielen Ländern mehr als die Hälfte des Gesamtvermögens der Haushalte ausmachen. In Deutschland etwa liegt der Sachwertanteil (insbesondere Immobilien) laut Berichten bei über der Hälfte des gesamten privaten Vermögens.[capital]
Wie produktives Vermögen in Familienhand erfasst wird
Produktivvermögen in persönlicher oder Familienhand (z.B. ein mittelständisches Familienunternehmen) taucht in der GWR-Systematik je nach Struktur an zwei Stellen auf:
- Als Sachwert, wenn es bilanziell eher einer unternehmerischen Beteiligung/Sachanlage zugeordnet ist und nicht als frei handelbare Finanzanlage im Sinne eines börsennotierten Wertpapiers verstanden wird.[bcg]
- Als Finanzvermögen, wenn es sich um klar definierte, finanzielle Beteiligungstitel handelt, die in den Finanzstatistiken als Aktien oder sonstige Beteiligungen geführt werden (z.B. bei börsennotierten Familienbeteiligungen oder formalen Beteiligungstiteln).[welt]
Die öffentliche Kommunikation, die Grafiken wie der von Statista zugrunde liegt (z.B. „5000 Deutsche mit über 100 Mio. Euro Finanzvermögen“) bezieht sich jedoch immer auf den engeren Finanzvermögensbegriff, also ohne die addierten Immobilien- und sonstigen Sachwerte. Wer wissen will, wie hoch das „gesamte“ Vermögen einer Person oder Gruppe ist, muss zu diesem ausgewiesenen Finanzvermögen die Sachwerte (Immobilien, Unternehmensanteile als Sachwert) hinzurechnen.[bcg]
Für die Interpretation der Statista-Grafik und des GWR bedeutet das:
- Die Schwelle von 100 Mio. US-Dollar bezieht sich auf Finanzvermögen im engeren Sinne, nicht auf das Gesamtvermögen inklusive Immobilien und produktiven Unternehmen.[facebook]
- Immobilien sowie nicht als Finanzanlage geführtes Produktivvermögen in persönlicher oder Familienhand werden in der Kategorie Sachwerte geführt und kommen zusätzlich zum Finanzvermögen hinzu, wenn man das gesamte Vermögen betrachten will.[bcg]
Wenn man also die reale wirtschaftliche Macht bzw. das gesamte Vermögen dieser Superreichen abschätzen wollte, müsste man rechnerisch die (oft beträchtlichen) Sachwerte – insbesondere Immobilien und direkt gehaltene Unternehmensanteile – zum ausgewiesenen Finanzvermögen hinzuzählen.[capital]
Schlusskommentar
In einem Punkt ist Deutschland also weiterhin weltweit die Nummer drei: Die Zahl der Superreichen betreffend, zumindest im Bereich Finanzvermögen. Dass China immer stärker aufkommt, versteht sich aus der Logik einer riesigen Bevölkerung von 1,4 Milliarden Menschen (Deutschland 84 Millionen, USA 335 Millionen), die gerade erst auf dem Weg zur Bildung von Großvermögen ist. Deswegen tendiert die Zahl der Milliardäre in China, die ihr Vermögen ererbt haben, gegen Null, während es in Deutschland unschlagbare 75 Prozent sind – der konservativste oder auch am meisten von Verkrustung der Vermögensstrukturen zeugende Anteil weltweit.
Transparenz
Die Grafik und der Begleittext stammen von Statista, der kurze Eingangskommentar und der ebenfalls kurz gehaltene Schlusskommentar sind von unsgeschrieben (TH), mit der Mehrwert-Recherche zur Aufteilung der Vermögensklassen haben wir eine KI beauftragt.
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