Briefing Sport, Fußball-WM 2026, FIFA, FIFA-Fußballweltmeisterschaft 2026, Marktwert, Frankreich, Spanien, England, Portugal, Deutschland, Brasilien, Argentinien, Curacao, Wettquoten, Chancen auf den Titel, WM 1990, WM 2014, Festlegung, Deutschland wird nicht Weltmeister
Statista-Marktwerte-Grafik WM 2026

Begleittext von Statista
Bei einer Fußballweltmeisterschaft treten die besten Teams der Welt gegeneinander an und die allerbeste Mannschaft wird Weltmeister. So war es zumindest bei der überwiegenden Mehrheit der Turniere seit 1930. Bei der 1994 in den USA ausgetragenen WM waren beispielsweise 24 Mannschaften dabei. Bei der FIFA-Weltmeisterschaft der Herren 2026 in Mexiko, Kanada und den USA sind es dagegen doppelt so viele. Dadurch können sich zwar auch kleinere Verbände, wie beispielsweise der Karibikstaat Curaçao, auf der großen Fußballbühne zeigen, dafür steigt aber das finanzielle Gefälle. Im Ergebnis ist das etwa so, als ob Mannschaften der 1. und 2. Bundesliga sowie der 3. Liga ein Turnier austragen würden. So ist beispielsweise der Kader des zweimaligen Weltmeisters Frankreich 70 Mal so viel Wert wie der von Jordanien oder Katar. Diese Teams mögen trotzdem Außenseiter-Chancen haben, aber ein Turnier auf Augenhöhe ist das nicht.
Auch unser erster Artikel zur WM drehte sich um Geld, in noch direkterer Form als bei den geschätzten Marktwerten der Nationalmannschaften:
Kommentar
Manchmal sind uns die Begleittext von Statista zu wenig kritisch und wir ergänzen sie auf der Meinungsseite, einen Mehrwert erhalten Sie häufig auch dadurch, dass wir auf Basis der gezeigten Grafik weiterrecherchieren. Hier allerdings verstehen wir den Ansatz von „nicht auf Augenhöhe“ nicht ganz. Es ist klar, dass Länder, die den Weltfußball dominieren, Mannschaften mit hohen Marktwerten haben. Man kann die Marktorientierung generell in Frage stellen, aber hat im Jahr 2026 (geschätzt) 185.000 Einwohner. Damit ist es das bevölkerungsmäßig kleinste Land, das je an einer WM teilgenommen hat und wir werden sehen, wie gut sie die Deutschen in deren erstem Spiel ärgern können. Vielfach wird darauf hingewiesen, dass nur ein einziger Spieler im Kader wirklich auf der Insel geboren ist und die meisten in den Niederlanden, zum Curacao als autonomes Gebiet zählt, geboren wurden und dort auch eine erstklassige fußballerische Ausbildung erhielten. Im Vergleich zur Größe des Landes ist der Marktwert der Spieler sogar sehr hoch. Einfach gerechnet:
Deutschland: 84 Millionen Einwohner, Marktwert 947 Millionen Euro = 11,27 Euro pro Einwohner.
Curacao: 185.000 Einwohner, Marktwert 26 Millionen Einwohner = 140,54 Euro pro Einwohner.
Die Logik ist natürlich nur eine von vielen. Würde man den Marktwert der deutschen Mannschaft auf chinesische Verhältnisse hochrechnen, käme man auf ein Soll von 15,8 Milliarden Euro. Größere Länder sind im Nachteil.
Deutschland ist allerdings auch im Nachteil, und zwar gegenüber vergleichbaren Nationen, wie wir sie oben auf der Grafik finden. Portugal (10,4 Millionen Einwohner) bringt eine Mannschaft mit in die USA, die mehr Marktwert besitzt als die deutsche. Spanien ist schon lange vorne dabei und Frankreich hat sich hier in den vergangenen Jahrzehnten gründlich etwas aufgebaut. England liegt ebenfalls besser, obwohl es viel weniger Einwohner hat als Deutschland, ebenso wie Spanien. Worauf wir hinauswollen: Der DFB ist der größte Fußballverband der Welt. Offenbar läuft bei uns mit der Nachwuchsförderung nicht zum Besten, wenn sich das nicht im Marktwert der Nationalmannschaft niederschlägt. Und die Wettbüros bilden es ab:
| Rang | Mannschaft | Einordnung durch Buchmacher |
|---|---|---|
| 1 | Spanien | Europameister, niedrigste Quoten um 5,5–7,0.tipico+3 |
| 2 | Frankreich | Vize‑Weltmeister, ähnliche Quoten wie Spanien.tipico+3 |
| 3 | England | Starker Kader, Quoten meist im Bereich 7–10.tipico+3 |
| 4 | Argentinien | Titelverteidiger, Quoten etwa 5–11 je nach Anbieter.tipico+4 |
| 5 | Brasilien | Rekordweltmeister, Quoten grob zwischen 6 und 13.tipico+4 |
| 6 | Deutschland | Heim‑EM‑Rückenwind, Quoten um 9–15.tipico+5 |
Dabei fällt noch etwas auf: Der deutsche Kader underperformt noch auf eine andere Weise: Die Mannschaften Argentiniens und Brasiliens haben niedrigere Marktwerte, sind aber bei den Wettbüros mehr favorisiert. Die Schwankungen bei den europäischen Wettanbietern sind bezüglich der südamerikanischen Mannschaften allerdings auffällig groß, was andeutet, dass die Einschätzung schwieriger ist als bei den allseits bekannten Favoriten vom „alten Kontinent“.
Allerdings zeigt die Statista-Grafik, und das hätte man ruhig dazuschreiben können, nur eine von vielen Auswertungen zu den Marktwerten der Mannschaften. Andere zeigen Brasilen zum Beispiel mit einem Wert von über einer Milliarde durchaus auf Platz 4, Argentinien schafft es allerdings nicht unter die Top 6, die Berechnungen zeigen einen Wert von etwa 550 bis 850 Millionen Euro. Das hat unter anderem damit zu tun, dass Lionel Messi mit 40 Jahren keinen Top-Marktwert mehr erzielt. Das gilt natürlich auch für Portugals Ronaldo, aber trotzdem ist dieser Kader so teuer. Respekt vor dem kleinen Land an der Südwestecke Europas, das sich in den letzten Jahren immer von einer stabilen, resilienten Seite gezeigt hat und viel aus seinem Möglichkeiten macht.
Was wir oben sehen, ist übrigens auch in etwa unser Tipp. Wir meinen, Frankreich oder Spanien müssten es schaffen, wobei die Spanier in Turnieren traditionell sehr schwer zu besiegen sind, wenn sie eine grundsätzlich funktionierende Mannschaft haben, wie sich im EM-Finale 2024 gezeigt hat, als die Franzosen gegen die Iberer seltsam gelähmt wirkten (was wir von deutschen Mannschaften ja auch kennen, siehe WM 2010, EM 2012). U
Sollten wir Südamerika nicht auf der Rechnung haben? Wir haben das gleiche Problem, wie es bei den Profis offenbar der Fall ist, wir haben zu diesen Mannschaften kein solchermaßen exaktes Bild, das neben Fakten wie der aktuellen Weltmeisterstellung Argentiniens auch „weiche“ Faktoren abbildet, die sich aus vielen Informationen und Stimmungen speisen, wie man sie bezüglich europäischer Mannschaften auch dann mitbekommt, wenn man nicht hauptamtlich Fußballwetten abschließt und sich deshalb täglich stundenlang informiert. Wir haben aber einen Mini-Account bei einem Wettanbieter. Er hat uns gerade eine kleine Gratiswette zur WM angeboten. Wir müssen mal schauen, gegen wen Spanien demnächst spielt. Bei den Deutschen weiß man nie, wie sie in ein Turnier starten, da gab es schon höchst unangenehme Überraschungen. Eine solche wäre zum Beispiel ein gewürgtes Unentschieden gegen Curacao. Die einzige WM, die Deutschland wirklich souverän gewonnen hat und in dem sie unbestreitbar die beste Mannschaft waren, war das Turnier von 1990. Der damalige Trainer Franz Beckenbauer sagte, Deutschland sei nun auf Jahre hin unbesiegbar. Wie man sich im Hochgefühl der damals bevorstehenden Wiedervereinigung irren kann. Die Rechnung war schlicht: Die besten aus beiden deutschen Staaten, das Weltmeisterteam plus einige DDR-Stars wie Matthias Sammer, bilden eine unbesiegbare Mannschaft.
Diese Rechnung hat auch bei der Medaillienausbeute im Rahmen von olympischen Spielen nicht funktioniert. Und heute? Der DFB bleibt weit unter seinen theoretischen Möglichkeiten, weil auch bei ihm der berüchtigte Wurm drin ist, der sich durch die Leistungsfähigkeit des gesamten Landes frisst und von dem keiner weiß, wie man die immer größeren Schäden, die er im Deutschland-Nutzgarten anrichtet, stoppen kann. Warum sollte der DFB beim Abstieg von der Exzellenz zur Mittelmäßigkeit eine Ausnahme bilden? Es gab immer wieder diese Ausnahmen. Wie das Turnier 2014, das eine wirklich harte Angelegenheit war. Damals wurde Deutschland noch einmal durch eine Willensbekundung Weltmeister, aber nur, weil die Mannschaft dem eigensinnigen Trainer Grenzen aufzeigte, der zuvor ein Turnier (die EM 2012) verzockt hatte, bei dem die Chancen eigentlich besser standen.
Dass so etwas noch einmal klappt, sehen wir aktuell nicht. Es gibt nicht mehr Typen wie Lahm, die es managen können und Schweinsteiger, die sich so schinden, dass man Angst um sie bekommt. Der aktuelle Kader ist auch zu unausgeglichen besetzt, und das wirkt sich auf die mannschaftliche Geschlossenheit aus. Der Trainer ist nicht schlechter als der von 2014, aber er kann nicht zaubern. Natürlich können wir uns irren, aber wir legen uns in einer Sache fest: Deutschland wird 2026 nicht Fußball-Weltmeister.
TH
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