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Die Rente ist unweigerlich ein besonders sensibles politisches Thema. Was passiert nach einem langen Arbeitsleben? Darf man einen auskömmlichen Ruhestand genießen oder wird man zum Dank für seine Lebensleistung in die Armut getrieben?
Deutschland hat mittlerweile eines der schlechtesten Rentensysteme der EU. Länder, in denen die Geburtenrate auch kaum höher ist, stellen ihre Ruheständler viel besser. Die anstehende Rentenreform macht es aber kaum besser, vielleicht sogar noch schlimmer als bisher. Bevor die Vorschläge der Rentenkommission offiziell wurden, haben wir bereits zur Lage geschrieben, anhand einer Umfrage. Es kann ja derzeit kein Vorschlag absurd genug sein, deshalb war sie an einer besonders originellen Idee aufgehängt: Ausbildungszeiten verkürzen, um mehr Rentenbeiträge zu generieren? + Was die Rentenkommission vorschlägt (Umfrage, Kommentar, Fakten-Mehrwert). Dass diese Idee die Fakten nicht berücksichtigt, haben wir in dem Artikel dargelegt.
Heute macht Statista einen Aufschlag und prognostiziert in einer Grafik die Rentenbeitragsewntwicklung bis 2038, außerdem ist im Begleittext ein Link zu den Vorschlägen der Rentenkommission enthalten, wie sie nun detailliert auf dem Tisch liegen.
Infografik: Wie entwickeln sich die Rentenbeiträge? | Statista

Begleittext von Statista
Der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung in Deutschland dürfte in den kommenden Jahren deutlich steigen. Nach einer langen Phase stabiler Werte von 18,6 Prozent zwischen 2018 und 2025 zeigt eine Prognose des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales einen spürbaren Anstieg auf 22,3 Prozent im Jahr 2038. Damit würde der Beitragssatz ein Allzeithoch erreichen. Auch andere Berechnungen gehen von weiter steigenden Beiträgen aus. So erwartet das Institut der deutschen Wirtschaft Köln, dass der Beitragssatz langfristig sogar auf rund 23 Prozent steigen könnte. Dies könnte laut IW Köln dann passieren, wenn eine kapitalgedeckte Rente eingeführt werden sollte, für die ein zusätzlicher Beitragssatz erhoben werden könnte.
Historisch betrachtet war der Beitragssatz starken Schwankungen unterworfen. Von 14,0 Prozent in den 1950er und 1960er Jahren stieg er bis Ende der 1990er Jahre auf über 20 Prozent, bevor er sich in den folgenden Jahren wieder unter dieser Marke stabilisierte. Die aktuelle Entwicklung deutet nun auf eine erneute Trendwende hin, bei der die Belastung für Beschäftigte und Arbeitgeber wieder zunimmt.
Hintergrund dieser Entwicklung ist vor allem der demografische Wandel. Wenn die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer in Rente gehen, trifft eine wachsende Zahl an Rentenempfängern auf vergleichsweise weniger Beitragszahler. Ohne strukturelle Reformen könnte der steigende Beitragssatz langfristig sowohl die Lohnnebenkosten erhöhen als auch Auswirkungen auf Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit haben.
Für die Rentenfinanzierung verschärft diese Entwicklung die Ausgangslage erheblich. Wenn weniger Erwerbstätige in die Sozialkassen einzahlen, während gleichzeitig mehr Menschen Renten beziehen, gerät das Umlagesystem unter Druck. Ohne Gegenmaßnahmen könnten steigende Beitragssätze oder höhere staatliche Zuschüsse notwendig werden, um das Rentenniveau stabil zu halten
Die Rentenkommission empfiehlt daher ein Bündel an Reformen (PDF-Download), um das System langfristig tragfähig zu halten. Konkret spricht sie sich für eine schrittweise Ausweitung der gesetzlichen Rentenversicherung zu einer Erwerbstätigenversicherung aus, in die perspektivisch auch Selbstständige und bislang nicht einbezogene Gruppen einzahlen. Ergänzend sollen kapitalgedeckte Elemente gestärkt und Stellschrauben wie der Renteneintritt weiterentwickelt werden, um die Finanzierung breiter aufzustellen.
Kurzkommentar
Sie sollten angesichts der prozentual steigenden Rentenbeiträge aber nicht glauben, dass auch die Rentenprozente steigen werden (Prozent der Rente vom letzten Brutto- oder Nettogehalt). Die Beitragserhöhungen werden bestenfalls ausreichen, um ein System zu stabilisieren, das hinten und vorne im Grunde nicht mehr funktioniert. Unter anderem, weil ihm unzählige Biografien aufgehalst wurden, in denen keine Einzahlungen vorkommen. Die demografische Entwicklung ist nur eines von vielen Problemen, nicht alle werden so gerne kommuniziert wie dieses, weil es ja selbstverständlich wirkt: Wer keine Kinder kriegt, hat auch nicht viel Rente zu erwarten. Da die Geburtenrate insgesamt niedrig ist, sind wir also kollektiv zur Altersarmut verdammt.
Da kommt die neoliberale Idee der Aktienrente oder Staatsfonds-Rente gerade richtig, und einige Länder sind ja auch derzeit sehr erfolgreich mit solchen Modellen. Problem: In Deutschland wird man vermutlich zu einem Zeitpunkt in dieses System einsteigen, zu dem es nicht mehr die großen Renditen gibt wie in den letzten Jahren, die im Grunde von Fehlstellungen angetrieben wurden und immer noch werden. Wenn dieses System crasht oder sich bloß korrigiert, werden einige, die sich reich wähnten, darunter ganze Nationen, wieder bei Null anfangen dürfen.
Wirklich lachen mussten wir, als sich herausgestellt hat, dass die Rentenkommission tatsächlich doch ein paar Selbstständige zum Einzahlen ins System bewegen will. Man geht an das Kapital heran, wow. Das ist natürlich Unsinn, Großkapitalisten bestreiten ihren großzügigen Altersruhestand nicht vorwiegend aus Arbeit, sondern ziehen etwas von dem ab, was sie auf Kosten anderer akkumuliert haben, im Laufe ihres raubtierhaften Lebens.
Treffen wird es „kleine Selbstständige“. Trotzdem halten wir diesen Aspekt nicht für vollkommen falsch, denn oft war es bisher so, dass diese, wenn es nicht so gut lief, gar nichts für die Altersvorsorge zurücklegten oder zurücklegen konnten, im Grunde also auf Kosten der eigenen Zukunft und der von uns allen einen wichtigen Teil der Sozialbeiträge einsparten.
Lachen mussten wir aber nicht wegen des Umgangs mit Freiberuflern und kleinen Unternehmern. Sondern, weil sie im Zweifel doch eher an die Selbstständigen herangehen, die dieses Land mit am Laufen halten, als an den aufgeblasenen Beamtenstaat. Viele da draußen wissen gar nicht, welche unfassbaren Privilegien selbst „kleine“ Beamte haben. Wir schon, denn wir hatten jahrelang eine Freundschaft mit einer der führenden Beamten-Lobbyistinnen in Berlin gepflegt.
Wenn es also ein Symbol für die Verkrustung dieses Landes gibt, dann, dass man sich auch bei der neuesten Justierung des Rentensystems wieder einmal nicht mit der mächtigen Beamtenlobby anlegen will. Es trifft immer dieselben, bei dieser feigen Art des Klassismus, den die Merz-Regierung auch noch mit Bashing ohne Ende gegen fast alle anreichert, und es trifft immer dieselben nicht oder wenig.
Wir haben bisher immer geschrieben: Auffällig, haben Sie schon mal mitbekommen, dass diese Regierung irgendetwas gegen die Über-Krisengewinne der Reichen oder gegen das Missmanagement in vielen Unternehmen sagt, das die gegenwärtigen Krisenerscheinungen mitverursacht? Natürlich nicht. Jetzt ergänzen wir: Die Beamten, die sind auch komplett außen vor, inklusive derjenigen, die in kaum einem anderen Land der Welt verbeamtet würden. Dieses Land und seine Politik, aber auch seine Wähler, haben sich selbst in eine vorerst ausweglose Situation manövriert. Ein Argument, die Verbeamtungen sogar wieder auszudehnen, war zum Beispiel, dass sich kaum noch junge Studierende beruflich in heutige Schulen wagen wollten. Die Totalabsicherung durch Verbeamtung, auch und gerade im Fall des frühen Burnouts unter heutigen Bildungsvermittlungsumständen, sollte die Wende bringen, aber selbst dieses Lockmittel reicht nicht aus, um genügend Personal in den Bildungsnotstand hinein zu rekrutieren.
Dieser wiederum wird auf längere Sicht das Rentensystem erheblich belasten, weil er die Wettbewerbsfähigkeit des Landes und damit hochwertige Arbeitsplätze reduziert. Es hängt alles miteinander zusammen, aber wenn man eine Regierung hat, in der es keinen einzigen Strategen für das ganze Land gibt, dafür aber viele, die bisher nichts als Lobbyarbeit für kleine Gruppen gemacht haben, muss man davon ausgehen, dass alles viel, viel schlimmer werden wird. Und werden muss, denn auch die Wähler sind nicht besser: Welcher halbwegs gescheite Mensch, der an seine Zukunft und die seiner wenigen Nachkommen denkt und nicht von Geburt an oder durch einen Beamtenstatus hoch privilegiert ist, wählt die Parteien der kleinen GroKo oder die AfD?
Alles, was diese Regierung tut, trifft die Schwächsten oder diejenigen ohne starke Lobby, und vieles, was tatsächliche Politik wird, dürfte längst verfassungswidrig sein, auf verschiedenen Ebenen. Es sei denn, man drückt auch die Auslegung des Grundgesetzes immer mehr in Richtung rechts und menschenfeindlich und verschiebt es immer weiter weg von seinen Intentionen, nämlich ein gutes Leben für alle zu gewährleisten.
Eine miese Reform jagt die nächste, hingegen gibt es keinerlei tragfähige Zukunftserzählung mehr für dieses Land. Dafür haufenweise Politiker, die nichts anderes können, als alle gegeneinander aufzuhetzen. Und die überwiegend rechte Presse johlt dazu und feiert jeden menschenfeindlichen Move mit, natürlich nicht zu vergessen, dass vor über 20 Jahren schon der Menschenfeind Gerhard Schröder tolle Sachen gemacht hat. Die auf lange Sicht mit dazu beigetragen haben, dass nicht mehr innoviert, sondern nur noch gegeneinander gekeift und gekämpft wird. Sündenböcke für das Totalversagen lassen sich ja immer finden. Das wird die Demokratie vermutlich das Leben kosten, da sind wir mittlerweile ganz und gar pessimistisch.
TH
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