Online-Dienste überflügeln klassisches Telefonieren (Statista + Kurzkommentar)

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Heute haben wir eine Grafik für Sie, die Statista schon vor einigen Monaten erstellt hat, die aber kürzlich noch einmal im Newsletter gesendet wurde oder in einer dort gesendeten Nachricht als „ähnliches Thema“ enthalten war. Uns hat diese Grafik zunächst sehr erstaunt und wir wollten schon einen etwas ungläubigen Kommentar dazu schreiben, aus dem Begleittext erklärt sich aber einiges. Den Kommentar halten wir dieses Mal kurz.

Infografik: Onlinedienste überflügeln klassisches Telefonieren | Statista

Begleittext von Statista

150 Jahre nach seiner Erfindung ist das Telefon wichtiger denn je, wenn auch in veränderter Rolle. Aus dem Festnetzgerät im Flur wurde das Mobiltelefon in der Tasche – und aus einem reinen Kommunikationsmedium wurde ein ständiger, multifunktionaler Begleiter: Kalender, Kamera, E-Mail, Navigationsgerät und Unterhaltungsmedium – das Telefon, genauer gesagt das Smartphone, ist heutzutage die digitale Schnittstelle in unserem Alltag. Telefoniert wird auch noch, aber immer weniger.

Laut Zahlen der Bundesnetzagentur ist das Gesprächsvolumen im deutschen Festnetz seit 2010 um 70 Prozent gesunken, von 193 Milliarden auf 57 Milliarden Minuten. Gleichzeitig stieg zwar das Gesprächsvolumen im Mobilfunk um 45 Prozent – jedoch nicht genug, um den Rückgang der Festnetztelefonie auszugleichen. In Summe wurde 2024 31 Prozent weniger telefoniert als noch 2010. Gesprochen wird jedoch weiterhin, allerdings auf anderen Kanälen, nämlich bei WhatsApp, FaceTime und Co.

Diese seit 2022 von der Bundesnetzagentur erfassten und regulierten sogenannten nummernunabhängigen interpersonellen Telekommunikationsdienste, kurz NI-ICS, spielen eine immer größere Rolle in der sprach- und textbasierten Telekommunikation und haben dem Telefonieren mittlerweile den Rang abgelaufen. Für 2024 schätzt die Bundesnetzagentur das Gesprächsvolumen für Sprach- bzw. Videotelefonie mit solchen Onlinediensten auf 197 bzw. 184 Milliarden Minuten und damit mehr als Festnetz- oder Mobiltelefonie. Dazu gilt zu sagen, dass diese Daten auch Nutzungsszenarien beinhaltet, die über die simple Telefonie weit hinausgehen. Die Bundesnetzagentur schreibt dazu: „Insgesamt ist zu berücksichtigen, dass sich in den Nutzungszahlen von NI-ICS auch die vielfältigen Anwendungszwecke dieser Dienste widerspiegeln. Enthalten sind nicht nur die Kommunikationsanlässe im Privatbereich, etwa mit Familie und Freunden, sondern auch berufliche Anlässe und spezielle Zwecke, wie Sprach- und Videotelefonieanlässe im Bereich Gaming.“

Kommentar

Es spricht nach unseren Recherchen heute nicht mehr viel dafür, einen Festnetzanschluss zu behalten. Wir hatten einmal gelernt, dass das zum guten Ton gehört, dass es seriöser wirkt, auch übers Festnetz erreichtbar zu sein, sozusagen eine verlässliche Größe mit Wohnsitz und Adresse darzustellen. Aber damals haben auch noch sehr viele Menschen Extrakosten bezahlen müssen, wenn sie auf Handys telefoniert haben, heute sehen wir Festnetz-Anschlüsse eher noch für Unternehmen als relevant an, nicht für den privaten Bereich. Wenn es hingegen im Internet-zu-Hause-Vertrag nicht mehr kostet, warum abschaffen? Vielleicht, weil nur noch nervende Werbeanrufe oder Meinungsforschungswünsche eingehen, keine privaten Gespräche mehr, und man die betreffenden Nummern nur über Einwahl ins Router-Menü unterdrücken kann, nicht mehr am Telefon selbst.

Was hingegen den Smartphone-Nutzungseinsatz in den letzten Jahre so boostet, trotz des Rückgangs an mittlerweile schon klassischer Mobiltelefonie, nutzen wir eher unterdurchschnittlich.

Die Grafik nutzt in der Darstellung einen Trick: Die Bodenlinie ist nicht bei Null angesetzt, sondern bei 50 (Milliarden Gesprächsstunden jährlich). Angesichts der Gesamtübersicht bis 300 Milliarden wäre ein Start bei 50 kein Problem gewesen, aber mit Festnetz nahe der Bodenlinie wird dramatischer suggeriert, dass es quasi tot ist. Man kann es auch als Verdeutlichung der Tendenz ansehen, was man sieht. Nach dem Lesen des Textes konnten wir uns aber einigermaßen erklären, was uns auf den ersten Blick merkwürdig vorkam. Denn schon vor 2022, als die Bundesnetzagentur eine Art Schätzung für „nicht nummernbasierte“ Nutzung von Smartphone-Diensten begonnen hat, dürfte die Nutzung dieser Dienste zulasten der schlichten Telefonie mit der eigenen Handynummer zugenommen haben – die Alltagsbeobachtung, dass die Menschen garantiert nicht weniger am Mobiltelefon hängen als vor zehn Jahren, deckt sich insofern mit der Grafik, als die zunehmenden Chatdienste etc. erst seit kurzer Zeit erfasst werden.

TH


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