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Die US-Staatsverschuldung hat am 19. August 2026 offiziell die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten – ein historischer Meilenstein, der nur fünf Monate nach dem Durchbruch der 39-Billionen-Marke im März erreicht wurde. Das US-Finanzministerium bezifferte die gesamte ausstehende Staatsschuld am Dienstag auf 40,047 Billionen Dollar, davon 32,266 Billionen Dollar in öffentlich gehaltenen Wertpapieren und 7,782 Billionen Dollar an Schulden, die sich der Staat selbst schuldet (etwa gegenüber dem Sozialversicherungsfonds). Damit hat sich die Verschuldung binnen weniger Jahre dramatisch beschleunigt: Während die erste Billion Dollar Schulden 192 Jahre lang aufgebaut wurde, dauerte die jüngste Billion gerade einmal fünf Monate.[1][2][3][4][^5]
Warum die Schulden so schnell wachsen
Die Ursachen der aktuellen Schuldendynamik sind vielschichtig und lassen sich nicht auf eine einzelne Regierung oder Partei reduzieren. Historisch betrachtet sind die Bush-Steuersenkungen von 2001, ihre Verlängerungen sowie die Trump-Steuerreform von 2017 (Tax Cuts and Jobs Act) für rund 57 Prozent des Anstiegs der Schuldenquote seit 2001 verantwortlich, beziehungsweise über 90 Prozent, wenn man die einmaligen Kosten der Finanzkrise und der Corona-Pandemie herausrechnet. Die jüngste Eskalation hat mit der von Präsident Trump im Juli 2025 unterschriebenen „One Big Beautiful Bill Act“ (OBBBA) einen neuen Schub erhalten: Das Gesetz verlängert die TCJA-Steuersenkungen dauerhaft, fügt neue Steuererleichterungen hinzu und erhöht zugleich die Verteidigungsausgaben, während es bei Medicaid und Lebensmittelhilfe kürzt. Das Congressional Budget Office (CBO) schätzt, dass dieses Gesetz die Schulden über zehn Jahre um 3,4 Billionen Dollar (inklusive Zinseffekte über 4 Billionen Dollar) erhöhen wird.[6][7][8][9][^10]
Für das laufende Fiskaljahr wird ein Defizit von etwa 1,8 Billionen Dollar erwartet, wobei die Einnahmen aus Zöllen die Ausfälle durch Steuersenkungen nur teilweise kompensieren. US-Finanzminister Scott Bessent nannte in einem Interview mit Newsmax mehrere zusätzliche Faktoren: die durch den Konflikt mit dem Iran verursachten höheren Militärausgaben und Energiepreise, die das Wirtschaftswachstum bremsen, sowie Rückerstattungen von zuvor als unrechtmäßig eingestuften Zöllen, die den Fortschritt bei der Defizitreduzierung untergraben haben. Hinzu kommen strukturelle Faktoren, die unabhängig von Tagespolitik wirken: die Alterung der Bevölkerung, steigende Ausgaben für Social Security und Medicare sowie eine seit Jahrzehnten wachsende Kluft zwischen Staatsausgaben und -einnahmen.[11][12][^13]
Der Zinseszins-Effekt als Beschleuniger
Ein entscheidender, oft unterschätzter Treiber der Schuldenexpansion ist der sogenannte „Schneeball-Effekt“: Wenn der effektive Zinssatz auf die Staatsschuld das nominale Wirtschaftswachstum übersteigt, wächst die Schuldenlast von selbst weiter, unabhängig von neuen Ausgabenprogrammen. Der durchschnittliche Zinssatz auf die Bundesschuld hat sich von rund 1,5 Prozent im Jahr 2021 auf mittlerweile über 3 Prozent im Jahr 2026 nahezu verdoppelt, getrieben durch höhere Inflation und einen erhöhten Leitzins. Die Folge: Im laufenden Fiskaljahr werden die Zinszahlungen auf die Staatsschuld erstmals die Marke von 1 Billion Dollar überschreiten und damit erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg die Verteidigungsausgaben übertreffen. Zinszahlungen machen inzwischen etwa 20 Prozent aller Bundeseinnahmen aus und gelten als am schnellsten wachsender Posten im gesamten Haushalt – noch vor Medicare.[14][15][16][17]
Diese „Crowding-out“-Dynamik hat konkrete volkswirtschaftliche Folgen: Weniger Mittel stehen für Zukunftsinvestitionen wie Infrastruktur, Forschung oder Bildung zur Verfügung, während gleichzeitig steigende Zinsen private Investitionen verteuern und so das Produktivitätswachstum bremsen. Das CBO projiziert, dass die Nettozinszahlungen bis 2036 auf jährlich 2,1 Billionen Dollar anwachsen könnten, sollte sich am gegenwärtigen Kurs nichts ändern.[18][15]
Die publikumsgehaltene Schuld übersteigt inzwischen erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg die gesamte jährliche Wirtschaftsleistung der USA: Das Verhältnis von Schulden zu Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag im Frühjahr 2026 bei rund 100 Prozent, gegenüber einem historischen Höchststand von 106 Prozent im Jahr 1946. Ökonomen betonen jedoch, dass es keine feste Schwelle gibt, ab der eine Schuldenkrise unausweichlich wird – die vielzitierte 90-Prozent-Marke aus einer früheren Studie von Reinhart und Rogoff erwies sich später als methodisch fehlerhaft.[19][20][^14]
Das gigantische Vermögen der USA im Vergleich
Der Frage, ob dieser Schuldenberg angesichts des amerikanischen Volksvermögens tatsächlich bedrohlich ist, lässt sich mit konkreten Zahlen nachgehen. Das Nettovermögen aller US-Haushalte und gemeinnützigen Organisationen erreichte im ersten Quartal 2026 einen Rekordwert von 183 Billionen Dollar, wie die jüngsten Daten der Federal Reserve zeigen. Damit steht der Gesamtschuld von rund 40 Billionen Dollar ein privates Vermögen gegenüber, das mehr als das Vierfache beträgt. Allein die rund 24 Millionen US-Haushalte mit einem Vermögen von mindestens einer Million Dollar halten schätzungsweise 95 Billionen Dollar dieses Gesamtvermögens.[21][22][^23]
Besonders auffällig ist die Konzentration an der Spitze: Die knapp 1.000 US-Milliardäre verfügten laut Forbes-Liste 2026 über ein kumuliertes Vermögen von rund 8,4 bis 9,2 Billionen Dollar, ein Zuwachs von etwa 30 Prozent allein im Vergleich zum Vorjahr. Allein die 16 reichsten Milliardäre des Landes steigerten ihr Vermögen innerhalb von 16 Monaten seit der Wiederwahl Trumps um über eine Billion Dollar. Im Juni 2026 wurde mit Elon Musk, dessen Vermögen über die Nasdaq-Notierung von SpaceX auf über 780 bis 800 Milliarden Dollar stieg, erstmals in der Geschichte ein „Trillionär“ erwartet.[24][25][26][27]
| Kennzahl | Wert (2026) | Quelle |
| Gesamte US-Staatsschuld | ca. 40,0 Billionen USD | [^2] |
| Nettovermögen aller US-Haushalte | ca. 183 Billionen USD | [^21] |
| Vermögen von Millionärshaushalten | ca. 95 Billionen USD | [^22] |
| Kombiniertes Vermögen der US-Milliardäre | ca. 8,4–9,2 Billionen USD | [24][27] |
| Vermögen der 15 reichsten Milliardäre | ca. 3,2 Billionen USD | [^28] |
| Auslandsbesitz von US-Staatsanleihen | ca. 9,3 Billionen USD | [^29] |
Rein arithmetisch betrachtet ist die USA also alles andere als „bankrott“ im Sinne einer fehlenden Vermögensdeckung: Das private Nettovermögen übersteigt die Staatsschuld um ein Vielfaches, und selbst das konzentrierte Milliardärsvermögen allein entspricht bereits mehr als 20 Prozent der gesamten Staatsschuld. Dieses Argument wird in der öffentlichen Debatte oft als Beruhigungsmittel angeführt: Ein Land mit derart hohem privatem Reichtum könne im Ernstfall nicht wirklich zahlungsunfähig werden.[2][24]
Warum das Vermögen die Schuldenlast nicht automatisch entschärft
Diese Rechnung greift jedoch aus mehreren Gründen zu kurz, sobald man von der reinen Bilanzsumme zur Frage der tatsächlichen Verwertbarkeit übergeht. Erstens ist der überwiegende Teil des Vermögens illiquide: Aktienbesitz, Immobilien, Unternehmensanteile und private Firmenbeteiligungen lassen sich nicht ohne erhebliche Marktverwerfungen kurzfristig in Bargeld umwandeln. Ein Großteil des Milliardärsvermögens, etwa bei Musk, Bezos oder anderen Tech-Gründern, besteht aus Unternehmensanteilen, deren Verkauf in großem Umfang die Aktienkurse selbst einbrechen lassen würde – wodurch der nominale Vermögenswert schrumpft, sobald man ihn tatsächlich zu realisieren versucht.[^22]
Zweitens ist der Zugriff des Staates auf privates Vermögen rechtlich und politisch stark begrenzt. Eine „Vermögensteuer“ nach dem Vorbild der von Senatorin Elizabeth Warren mehrfach vorgeschlagenen „Ultra-Millionaire Tax“ – zwei Prozent auf Vermögen über 50 Millionen Dollar plus ein Aufschlag für Milliardäre – wurde von unabhängigen Ökonomen wie Emmanuel Saez und Gabriel Zucman auf ein Aufkommen von rund 6,17 Billionen Dollar über zehn Jahre taxiert, während das konservativere Penn Wharton Budget Model lediglich 2,3 bis 2,7 Billionen Dollar über denselben Zeitraum für realistisch hält. Selbst die optimistischste Schätzung deckt damit über ein Jahrzehnt gerade einmal rund 15 Prozent der aktuellen Gesamtschuld ab – und dies nur unter der Annahme, dass eine solche Steuer verfassungsrechtlich und politisch überhaupt durchsetzbar wäre, was in den USA aufgrund verfassungsrechtlicher Hürden (Artikel I, Abschnitt 9 der US-Verfassung zu „direct taxes“) höchst umstritten ist.[30][31]
Drittens zeigen die Erfahrungen mit Steuervermeidung, dass reale Einnahmen deutlich unter den theoretischen Werten liegen können: Bei „extremer Vermeidung“ fällt die Schätzung des Penn Wharton Budget Model für Warrens ursprünglichen Vorschlag auf nur 1,4 Billionen Dollar über zehn Jahre. Vermögende Haushalte verfügen über Möglichkeiten zur legalen Steuervermeidung, zum Verlagern von Vermögen ins Ausland oder zur Umstrukturierung von Beteiligungen, die eine effektive Besteuerung erheblich erschweren. Die Tax Foundation weist zudem darauf hin, dass eine Vermögensteuer ausländische Kapitalzuflüsse anziehen könnte, die einheimische Milliardäre als Eigentümer von Kapital ersetzen, was die fiskalische Wirkung zusätzlich schmälert.[32][33][^30]
Viertens – und das ist konzeptionell entscheidend – handelt es sich bei der Staatsschuld nicht um eine Forderung gegen „die Amerikaner“ im Allgemeinen, sondern um eine Verbindlichkeit gegenüber konkreten Gläubigern: privaten und institutionellen US-Investoren, der Federal Reserve (die etwa 4,4 Billionen Dollar an Staatsanleihen hält) sowie ausländischen Regierungen und Anlegern, die zusammen rund 9,3 Billionen Dollar oder etwa 30 Prozent der öffentlich gehaltenen Schuld besitzen, angeführt von Japan, Großbritannien und China. Eine Vermögensabschöpfung bei Milliardären würde diese bestehenden Schuldtitel nicht automatisch tilgen; sie könnte höchstens künftige Neuverschuldung reduzieren, sofern die zusätzlichen Einnahmen tatsächlich zur Schuldentilgung statt zur Finanzierung neuer Ausgaben verwendet würden – ein politisch keineswegs garantiertes Szenario.[29][34]
Was im Ernstfall tatsächlich passieren würde
Sollte die Bonität der USA – etwa durch eine Herabstufung durch Ratingagenturen oder einen Vertrauensverlust der Anleihemärkte – ernsthaft gefährdet sein, stünden dem Staat mehrere Instrumente zur Verfügung, von denen eine Vermögensteuer nur eines und wahrscheinlich nicht das schnellste wäre. Die US-Notenbank könnte als „Lender of last resort“ durch Anleihekäufe intervenieren, wie sie es bereits mit einem Bestand von 4,4 Billionen Dollar an Staatsanleihen tut. Da US-Schulden in eigener Währung denominiert sind, kann die Regierung theoretisch nicht zahlungsunfähig im technischen Sinne werden, solange sie neue Dollar-Schulden zur Bedienung alter ausgeben oder die Notenpresse anwerfen kann – ein Weg, der jedoch mit dem Risiko von Inflation und einem Vertrauensverlust in den Dollar als Weltreservewährung einhergeht.[^29]
Realistischer als eine plötzliche, umfassende Vermögensabschöpfung wäre im Krisenfall eine Kombination aus höheren Kapitalertrags- und Erbschaftssteuern für sehr hohe Einkommen, dem Abbau von Steuervergünstigungen für Unternehmen und Vermögende, Ausgabenkürzungen bei Entitlement-Programmen sowie einer möglichen finanziellen Repression durch niedrigere Realzinsen. Diese Instrumente könnten in Kombination durchaus signifikante Beträge mobilisieren, jedoch eher im Bereich von einigen Prozentpunkten des BIP über mehrere Jahre als in Form einer einmaligen „Rettungsaktion“ durch Abschöpfung von Milliardärsvermögen.
Die Gegenüberstellung von 40 Billionen Dollar Schulden und 183 Billionen Dollar Nettovermögen zeigt, dass die USA über theoretisch enorme Ressourcen verfügen, die weit über die Schuldenlast hinausgehen. Praktisch verwertbar im Sinne einer schnellen, rechtssicheren und politisch durchsetzbaren Rettungsaktion ist davon jedoch nur ein kleiner Bruchteil: Selbst die ambitioniertesten Vermögensteuer-Modelle erreichen über ein volles Jahrzehnt bestenfalls einen niedrigen einstelligen Billionenbetrag, verteilt über zehn Jahre, während die USA allein in diesem Jahr über 2 Billionen Dollar neue Schulden aufnehmen. Der eigentliche Risikofaktor ist daher weniger die absolute Höhe der Schuld gegenüber dem Volksvermögen als die Fähigkeit und der politische Wille, das strukturelle Defizit – bestehend aus dauerhaften Steuersenkungen, wachsenden Sozialausgaben und explodierenden Zinskosten – überhaupt zu begrenzen, bevor der „Schneeball-Effekt“ der Zinseszinsen die Schuldendynamik weiter beschleunigt.[35][16][31][14][2][21]
Kommentar
Das ist eine interessante Analyse, der man ganz sicher Gegenmeinungen in manchen Bereichen gegenüberstellen könnte und die teilweise einer Kommentierung bedürfte, zum Beispiel bezüglich der wachsenden Sozialausgaben. Außerdem ist sie insofern spannend, als kein exakter Ausblick erstellt wird, ob es tatsächlich zu einer Zahlungsunfähigkeit der USA kommen könnte. Ein solcher würde nach unserer Ansicht eine Krise nach sich ziehen, gegen die die Bankenkrise von 2009 allenfalls eine Randnotiz in der Geschichte der Weltökonomie wäre. Wir lernen aber auch, dass es darauf ankommt, wie Schulden strukturiert sind, und das könnte auch eine Lehre für diejenigen sein, die jetzt in Deutschland massiv Panik verbreiten, weil die Schulden schneller steigen als gewohnt. Leider hat man Investitionen in Zeiten nicht getätigt, in denen es günstig gewesen wäre, neue Schulden aufzunehmen, jetzt ist es teurer und ob die plötzlich großzügigen Haushaltshandhabungen der Bundesregierung für die richtigen Ausgaben verwendet werden, auch darüber kann man sich sehr gut streiten. Viele Fachleute zweifeln an der Nachhaltigkeit der Investitionen, die gegenwärtig getätigt werden.
Das gilt aber auch für die USA, in denen eine reaktionäre Regierung ebenfalls versucht, das Rad zurückzudrehen und es zulässt, dass überholte, schädliche Technologien zunehmen wieder das Wirtschaftsgeschehen dominieren. Bei genauerem Hinsehen stellt man fest: Anders als gesellschaftspolitisch lässt sich das Land im ökonomischen Bereich nicht so schnell zurückdrehen, und vielerorts geht die Transformation weiter.
Eine weitere Lehre: Trumps Zollpolitik mag für das eine gut und das andere schlecht sein, jedenfalls führt sie nicht zu so hohen direkten Einnamen, dass der Auftrieb beim Schuldenwachstum dadurch sichtbar gebremst würde. Der eigentliche Effekt liegt, wenn es einen gibt, eher darin, dass die USA unzugänglicher für Importe, aber auch für Kapital aus dem Ausland werden. Die Simplizität von Trumps Politik übersieht in weiten Teilen komplexe ökonomische Zusammenhänge in Volkswirtschaften und über einzelne Volkswirtschaften hinaus, deswegen stellt sich die Frage, ob diese aufgeblasene Version von „America great again“, die wir akutell sehen, auch wirklich gut für die USA sind. Für uns in Europa ist dies ohnehin ein Desaster, aber vielleicht erwächst daraus mehr Resilienz einer zunehmend kontrollbefreiten und irrationalen US-Politik gegenüber.
Dass das Land eben nicht so gut dasteht, lässt sich an einem Punkt festmachen, der in letzter Zeit häufig benannt wurde: Gäbe es den KI-Boom nicht, der ganz sicher noch zu Rückschlägen und Bereinigungen am Markt führen wird, wären die USA in einer Rezession. Und diesen Boom hat nicht Trump angefacht, er hilft ihm lediglich, weil die Macher der KI ihm nahestehen – oder er ihnen. Das wirkt sonderbar, angesichts seines strukturell vordigitalen Wesens, das nicht dadurch progressiv wird, dass er Social Media kann. Denn diese Medien sind per se nicht progressiv. Aber er teilt mit den Tech-Milliardären neuer Prägung ein antidemokratisches Verständnis. Mit diesem Verständnis kann er gar nichts tun, um den immer schnelleren Anstieg des Schuldenbergs zu begrenzen, weil er gegenüber diesen Superreichen kein Argument hat, sie für Gemeinschaftsaufgaben heranzuziehen. Ob das rechtlich tatsächlich nicht möglich wäre, wagen wir übrigens zu bezweifeln. In Notzeiten wie der Great Depression und für die Führung des Zweiten Weltkriegs hat der amerikanische Staat seinen Reichen so tief in die Taschen gegriffen, wie kein kapitalistisches System es je zuvor und je danach wieder getan hat. Und haben sich die verfassungsseitigen Grundlagen danach so sehr verändert oder geht es nur um einfaches Recht, das auch wieder progressiver gestaltet werden könnte?
Es geht eher darum, dass es kein Narrativ mehr gibt, das bedeutet, dass Patriotismus, Amerika als Idee und Verheißung, ein Zusammenwirken aller für eine funktionierende Gesellschaft es lohnen, dass alle zur Gestaltung beitragen. Der Neoliberalismus seit den 1980ern hat diese Grundlage entscheidend geschwächt, und das lässt sich noch schwieriger zurückdrehen als ökonomischen Veränderungen: Die pompösen Selbstinszenierungen der Vereinigten Staaten täuschen darüber hinweg, wie tief gespalten dieses Land ist und wie wenig verschiedene Milieus einander noch verstehen. Gesellschaften, die in diesem Zustand sind, sind auch sehr unflexibel beim Reagieren auf Herausfordrungen, die alle gemeinsam bewältigen müssen. Wie zum Beispiel, den Schuldenstand des Staates wieder auf ein vernünftiges Maß zurückzuführen. Es wird wieder die Ärmeren treffen, wenn das Land richtig ins Schlingern gerät, denn das Kapital findet immer Ausweichmöglichkeiten, wie oben erklärt wird. Es wird den amerikanischen Traum vieler Menschen endgültig zerstören.
Es wird vielleicht aber auch zu etwas führen, was sich bereits abzeichnet: sozialdemokratische Ideen erhalten Aufwind, weil gerade jüngere Menschen merken, dass die von den Reaktionären, die dieses Land beherrschen, hinter die Fichte geführt werden, was ihre Zukunftsaussichten angeht. Vieles ist aus dem Ruder gelaufen und die ausufernden Staatsschulden sind ein Symbol dafür. Wir könnten in Deutschland viel aus dieser Entwicklung lernen, aber die hiesige Gesellschaft ist noch weniger resilient gegen Krisen und noch weniger zukunftsorientiert, also lernen wir erst einmal nichts daraus. Wir sind außerdem, wie immer, um Jahre zurück, das heißt, der Rechtsdrall, der in den USA schon immer häufiger als Irrweg erkannt wird, muss sich bei uns erst noch als solcher erweisen, und dabei geht wieder viel wertvolle Zeit für die Organisation der Zukunft verloren.
Wir sind gespannt, wie wir in einigen Jahren über diese vermutlich nicht zu stoppende Bewegung der USA in Richtung immer neuer Rekordschulden schreiben werden. Vielleicht erledigt sich der Imperialismus durch Überschuldung selbst. Vielleicht führt der Druck, der durch diese Entwicklung entsteht, aber auch zu noch höherer Kriegsgefahr, als wir sie derzeit sehen. Nach unserer Ansicht kann derzeit niemand konkret prognostizieren, wie sich die aktuelle Entwicklung auf unser aller Schicksal auswirken wird. Wir können nur darauf hinweisen, wie man es besser machen könnte und wie mehr Solidarität, mehr Maß halten, mehr Denken in kleineren und nachhaltigen Strukturen eine Befreiung sein könnte. Das behalten wir im Kopf für den Fall, dass dieses System an seiner eigenen Überdehnung erstickt.
TH
Transparenz
Die Einleitung und der Kommentar stammen von uns, mit der Analyse haben wir unter Berücksichtigung unserer Zugriffsfrage eine KI beauftragt, sie hat auch das Quellenverzeichnis und das Titelbild erstellt.
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