#Berlinwahl #MVWahl Berlin: Die Spitzenkandidat:innen und ihre Positionen + hohe Wahlbeteiligung zeichnet sich in Berlin ab +++ Berlin und Mecklenburg-Vorpommern wählen – wir berichten.

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20.09.2026, 15 Uhr

In Berlin und Mecklenburg-Vorpommern werden heute das Abgeordnetenhaus bzw. der Landtag neu gewählt, in Berlin findet zusätzlich die Kommunal zu den Bezirksverordnetenversammlungen statt. Zur Mittagszeit zeichnet sich in Berlin eine höhere Wahlbeteiligung ab als 2023 (die „Wiederholungswahl“), um 12 Uhr hatten 27,9 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimmen abgegeben.

In Berlin zeichnet sich in den Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der CDU und der Linken ab, gefolgt von der AfD und den Grünen mit etwa 2-3 bzw. 4-5 Prozentpunkten Abstand, die SPD dürfte ihr schlechtestes Wahlergebnis seit Gründung der BRD einfahren, die Umfragen zeigen etwa 12-13 Prozent. In Mecklenburg-Vorpommern ist es ebenfalls sehr spannend, jüngste Umfragen zeigen etwa gleiche Werte um 35-37 Prozent für SPD und AfD – wenn dies eintritt, bleibt für die übrigen Parteien nicht viel Raum.

In beiden Bundesländern wird sich der Vorgang von Sachsen-Anhalt vermutlich nicht wiederholen, dass die AfD in die Nähe einer Regierungsmehrheit kommt. In Mecklenburg-Vorpommern muss allerdings abgewartet werden, wie valide die Umfragen waren.

Wir waren später wählen als üblich, gegen 11 Uhr, aber es war relativ ruhig, zunächst in dem Wahllokal, zu dem wir einen Freund begleitet hatten, dann im eigenen noch ruhiger. Dieser Eindruck könnte aber täuschen, denn die Briefwahl ist immer mehr – genau, das Mittel zur Wahl. In Berlin vielleicht besonders beliebt nach dem Chaos von 2021, das zur Neuwahl 2023 geführt hatte. Nach Angaben unserer KI lagen hingegen zur Wahlbeteiligung in Mecklenburg-Vorpommern noch keine Zahlen vor. Das ist ungewöhnlich, meist wird eine 12- und 14-Uhr-Tendenz gemeldet.

Wahlberechtigt sind in Berlin ca. 2,79 Millionen Menschen, in Mecklenburg-Vorpommern etwa 1,3 Millionen. 2021 hatten in Berlin 70,8 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben, in Mecklenburg-Vorpommern 75,4 Prozent. Bei der Wiederholungswahl 2023 in Berlin sank die Beteiligung auf 62,9 Prozent. Wir erwarten heute wieder ein Ergebnis über 70 Prozent in beiden Bundesländern.

Der Zuwachs in Berlin gegenüber 2023 deutet aufgrund der damals relativ niedrigen Wahlbeteiligungen allerdings nicht zwangsläufig auf ein Rekordergebnis. Um 12 Uhr geringere Beteiligung in den innerstädtischen als in den äußeren Bezirken von Berlin deuten möglicherweise auf hohe Briefwähler:innen-Anteile in der Innenstadt oder: auf Mobilisierungseffekte nach rechts am Stadtrand.

Unser Mehrwert ist, während die Wahllokale noch geöffnet haben, eine kurzem, prägnante Vorstellung der Positionen der Spitzenkandidat:innen derjenigen Parteien in Berlin, die Chancen haben, ins Abgeordnetenhaus einzuziehen.

Hinweis: Falls wir zu zeiteng sind, um über beide Wahlen gleichermaßen berichten zu können, priorisieren wir Berlin, wo wir selbst an der Wahl teilgenommen haben.

Wie wir selbst tendieren, können Sie in unseren Beiträgen zu den Wahl-O-Maten von Berlin und Mecklenburg-Vorpommern nachlesen.

Die Spitzenkandidierenden der Berliner Wahl: Profile, Programme, Konfliktlinien

Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus entscheidet sich nicht nur die Zusammensetzung des Landesparlaments, sondern auch, welche politischen Antworten Berlin auf Mietendruck, Wohnungsbau, Verkehr, innere Sicherheit und die Funktionskrise der Verwaltung gibt. Aussicht auf den Einzug haben nach den jüngsten Umfragen CDU, Linke, AfD, Grüne und SPD; das Bündnis Sahra Wagenknecht bewegt sich um die Fünfprozenthürde. Die FDP liegt in den jüngsten Erhebungen dagegen deutlich darunter und wird deshalb hier nicht berücksichtigt.[bpb][stern]

Stefan Evers: CDU

Stefan Evers steht für eine CDU, die sich als Ordnungs-, Wirtschafts- und Verwaltungspartei positioniert. Der Finanzsenator trat kurzfristig an die Stelle von Kai Wegner, nachdem dieser im Juli 2026 auf eine erneute Kandidatur verzichtet hatte. Wegner war nach Kritik an seinem Krisenmanagement und an Angaben zu seinem Tagesablauf im Zusammenhang mit dem Brandanschlag auf die Berliner Stromversorgung unter Druck geraten. Evers, bislang eher ein Politiker der internen Steuerung und Haushaltsführung, wurde damit zum Gesicht eines Wahlkampfs, den er nicht langfristig hatte vorbereiten können.[bpb][tagesschau]

Der CDU-Spitzenkandidat verbindet eine wirtschaftsnahe Sprache mit dem Versprechen eines handlungsfähigen Staates. Im Mittelpunkt stehen Sicherheit, Ordnung, schnellere Genehmigungen, Investitionen in Digitalisierung und Infrastruktur sowie bessere Rahmenbedingungen für private Unternehmen. Evers’ Profil ist weniger das eines charismatischen Lagerkämpfers als das eines Verwaltungs- und Finanzpolitikers, der Funktionsfähigkeit zur zentralen politischen Kategorie macht.

In der Wohnungspolitik setzt die CDU auf beschleunigten Neubau, eine Ausweitung des Angebots und Mieterschutz innerhalb des bestehenden Systems. Eine Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne lehnt sie ab. Beim Tempelhofer Feld wirbt die CDU für Randbebauung, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. In der Verkehrsfrage will sie die Mittel für den Straßenbau erhöhen und zugleich das Radwegenetz verbessern – allerdings ohne den Vorrang des Autos grundsätzlich infrage zu stellen.[bpb][t-online]

Markant ist an Evers weniger ein einzelner zugespitzter Satz als das politische Grundversprechen: Berlin müsse wieder „funktionieren“. Damit greift er eine verbreitete Unzufriedenheit mit Verwaltung, Infrastruktur und öffentlicher Ordnung auf. Seine Herausforderung liegt darin, zugleich Kontinuität zur schwarz-roten Regierungszeit und einen glaubwürdigen Neuanfang zu verkörpern.

Elif Eralp: Die Linke

Elif Eralp führt Die Linke mit einem klaren sozialpolitischen Profil in die Wahl. Die Juristin und stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus steht für einen Wahlkampf, dessen Dreh- und Angelpunkt die Wohnungsfrage ist. Die Linke lag vor dem Wahltag in mehreren Umfragen mit 20 bis 23 Prozent an der Spitze oder knapp vor der CDU. Eralp erzielte zudem unter den Spitzenkandidierenden den höchsten Zufriedenheitswert: In einer Infratest-dimap-Erhebung bewerteten 27 Prozent ihre politische Arbeit positiv.[bpb][rbb24]

Ihr Programm setzt auf einen starken Eingriff des Landes in den Wohnungsmarkt. Die Linke verlangt, Mieterhöhungen bei landeseigenen Wohnungsunternehmen auf höchstens ein Prozent jährlich zu begrenzen, jährlich 7.500 kommunale Wohnungen zu bauen und den Volksentscheid von 2021 zur Vergesellschaftung großer Immobilienunternehmen umzusetzen. Die Umsetzung dieses Volksentscheids hat Eralp zur Koalitionsbedingung erklärt.[bpb][t-online]

Damit verknüpft Eralp die Diagnose, dass der Berliner Mietmarkt nicht allein mit Neubau und Anreizen zu korrigieren sei. Wohnraum werde als soziale Infrastruktur verstanden, nicht vorrangig als Anlageobjekt. Die Zuspitzung lautet: Enteignung großer Wohnungskonzerne sei kein Tabu, sondern ein demokratisch legitimierter Auftrag. Diese Haltung macht Eralp für viele Mieterinnen und Mieter zur glaubwürdigen Gegenfigur zu einem marktliberalen oder investorenorientierten Kurs – sie begrenzt aber zugleich Koalitionsoptionen, vor allem mit der CDU.

In Verkehrs- und Sozialpolitik vertritt Die Linke einen Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, mehr sichere Radwege und die Ablehnung eines weiteren Ausbaus der Stadtautobahn A100. Beim Tempelhofer Feld will sie die Freifläche erhalten. Eralps Kampagne verbindet damit Mietenpolitik, soziale Gleichheit und eine stärker gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung.[t-online]

Kristin Brinker: AfD

Kristin Brinker tritt bereits zum dritten Mal als Spitzenkandidatin der Berliner AfD an. Die Landes- und Fraktionsvorsitzende verkörpert Kontinuität in einer Partei, die bei der Wahl 2023 noch 9,1 Prozent erreichte und vor der aktuellen Wahl in Umfragen bei etwa 17 bis 18 Prozent lag. Damit konnte sie auf erhebliche Zugewinne hoffen, ohne dass daraus eine realistische Regierungsoption entstand: Alle anderen im Abgeordnetenhaus relevanten Parteien schließen eine Zusammenarbeit mit der AfD aus.[bpb][stern][tagesschau]

Brinker setzt auf ein klassisches AfD-Profil aus Migrationsbegrenzung, Innerer Sicherheit, Kritik an Klimaschutzauflagen und Widerstand gegen eine aus ihrer Sicht bevormundende Stadtpolitik. Der Berliner Landesverband fordert eine deutlich restriktivere Migrationspolitik, mehr Abschiebungen und strengere Strafen für verschiedene Delikte. In der Wohnungspolitik soll geförderter Wohnraum bevorzugt Menschen zugutekommen, die ihren Lebensmittelpunkt bereits lange in Berlin haben.[bpb][t-online]

Markant ist bei Brinker der Versuch, soziale Verteilungsfragen mit einer restriktiven Zugehörigkeitslogik zu verbinden: Wohnungsnot, knappe Plätze in Kitas und Belastungen der Verwaltung werden nicht primär als Folge von Marktversagen oder unzureichenden Investitionen dargestellt, sondern eng mit Migration verknüpft. Damit erreicht die AfD Wählergruppen, die staatliche Überforderung und Kontrollverlust als zentrale Probleme empfinden.

Politisch bleibt die Partei zugleich isoliert. Das Bundesamt für Verfassungsschutz führt die Bundespartei seit 2021 als rechtsextremistischen Verdachtsfall; eine weitergehende Einstufung war zum Zeitpunkt der Wahl gerichtlich noch nicht abschließend entschieden. Selbst ein starkes Ergebnis Brinkers würde daher voraussichtlich eher die Koalitionsbildung der übrigen Parteien beeinflussen als ihre eigene Regierungsbeteiligung ermöglichen.[bpb]

Werner Graf: Bündnis 90/Die Grünen

Werner Graf führt die Grünen als Co-Fraktionsvorsitzender und Vertreter eines bewusst moderateren Kurses in die Wahl. Seine Strategie zielt darauf, die Grünen trotz Verlusten gegenüber 2023 als unverzichtbare Kraft für mögliche Regierungsbildungen zu positionieren. Vor der Wahl lag die Partei in den Umfragen meist bei 15 bis 16 Prozent.[bpb][stern]

Graf verbindet Klimaschutz mit sozialer Stadtpolitik. Berlin soll nach dem Willen der Grünen bis 2040 klimaneutral werden. Als konkrete Maßnahmen nennt die Partei unter anderem eine Million zusätzliche Bäume, eine Solarpflicht auf öffentlichen Gebäuden und den Ausbau klimaverträglicher Mobilität. Auch die Bildungspolitik soll stärker auf Gemeinschaftsschulen, Ganztag und Teilhabe ausgerichtet werden.[bpb]

Beim Wohnen stehen die Grünen zwischen marktliberalem Neubau-Fokus und radikaler Vergesellschaftungsforderung. Sie wollen leerstehende Büroflächen zu Wohnungen umnutzen und unterstützen die Umsetzung des Volksentscheids zur Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen. Auf dem Tempelhofer Feld lehnen sie eine Bebauung ab. In der Verkehrspolitik setzen sie auf sichere Radwege, mehr Tempo-30-Abschnitte und den Widerstand gegen den Ausbau der A100.[t-online]

Die markante politische Aussage lautet weniger ein kurzer Slogan als ein strategisches Signal: Klimaschutz dürfe nicht als Nebenfrage behandelt werden, sondern müsse Stadtentwicklung, Wohnungsbau und Verkehr zugleich prägen. Graf versucht damit, grüne Kernpositionen zu verteidigen, ohne sich ausschließlich über kulturelle Polarisierung zu definieren. Seine moderatere Tonlage soll Gesprächsfähigkeit sichern – vor allem gegenüber SPD und Linken.

Steffen Krach: SPD

Steffen Krach will das Rote Rathaus für die SPD zurückerobern, tritt aber aus einer schwierigen Ausgangslage an. Der Co-Vorsitzende der Berliner SPD kam aus Niedersachsen nach Berlin und war zuvor Regionspräsident der Region Hannover. Er ersetzt die frühere Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey als Spitzenfigur. Die SPD, 2023 noch bei 18,4 Prozent, lag vor dieser Wahl nur noch bei etwa 10 bis 12 Prozent und drohte damit auf Platz fünf zurückzufallen.[bpb][tagesschau][ad-hoc-news]

Krach steht programmatisch für eine sozialdemokratische Mischung aus Investitionspolitik, öffentlichem Wohnungsbau und sozialstaatlicher Absicherung. Seine Partei fordert mehr Investitionen in die städtische Infrastruktur, den verstärkten Bau von Kommunal- und Sozialwohnungen, bessere Personalschlüssel in Kitas sowie mehr Inklusion und Ganztagsangebote an Schulen. Gegen Mietwucher setzt die SPD auf eine „Mietenpolizei“, die Verstöße konsequenter verfolgen soll.[bpb][t-online]

Diese Formel ist zugleich Krachs markanteste programmatische Zuspitzung: Der Staat solle nicht nur Wohnungen bauen, sondern Mietrecht im Alltag wirksamer durchsetzen. Anders als Die Linke lehnt die SPD allerdings die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne ab. Beim Verkehr unterstützt sie zusätzliche und sicherere Radwege, lehnt den Ausbau der A100 ab und versucht, soziale, ökologische und praktische Mobilitätsinteressen zu verbinden.[t-online]

Belastet wurde Krachs Wahlkampf durch Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hannover im Zusammenhang mit einer Spende von 9.900 Euro an die Berliner SPD. Unabhängig vom Ausgang dieser Ermittlungen schwächte der Vorgang seine ohnehin schwierige Position. Seine politische Aufgabe besteht deshalb darin, die SPD als gestaltende Mitte zwischen CDU, Linken und Grünen zu behaupten – und zugleich zu erklären, warum die Partei nach Jahren wechselnder Berliner Regierungsbeteiligung noch als glaubwürdige Erneuerungskraft gelten soll.[de.euronews]

Michael Lüders und Alexander King: BSW

Das BSW tritt in Berlin erstmals mit einem Spitzenduo an: dem Publizisten und Nahostexperten Michael Lüders sowie dem Co-Landesvorsitzenden Alexander King. King sitzt bereits im Abgeordnetenhaus, nachdem er von der Linken zum BSW gewechselt war. Die Partei bewegte sich in den letzten Umfragen zwischen drei und fünf Prozent; ihr Einzug war damit offen.[bpb][stern]

Inhaltlich will das BSW soziale Mietenpolitik mit einer scharfen Kritik an der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik verbinden. Es fordert mehr öffentlichen Wohnungsbestand, einen bundesweiten Mietendeckel und eine Begrenzung der Zweckentfremdung von Wohnraum. Wie Linke und Grüne unterstützt es die Umsetzung des Berliner Volksentscheids zur Vergesellschaftung großer Immobilienunternehmen.[bpb][t-online]

King steht besonders für den außenpolitischen Flügel der Partei. Die Berichterstattung beschreibt ihn als engen Anhänger Sahra Wagenknechts, der im Wahlkampf auf Friedenspolitik und gute Beziehungen zu Russland setzt. Lüders bringt als Publizist und langjähriger Nahostkenner ein außenpolitisch geprägtes Profil ein. Gerade diese Verbindung – soziale Intervention im Inneren, „Friedenspolitik“ nach außen – soll Wählerinnen und Wähler ansprechen, die sich weder von der Linken noch von SPD oder AfD vertreten sehen.[tagesschau]

Ob das BSW ins Abgeordnetenhaus einzieht, kann die Mehrheitsbildung erheblich verändern. Der Unterschied zwischen drei und fünf Prozent entscheidet nicht nur über Mandate, sondern darüber, ob mehrere Dreierkoalitionen rechnerisch notwendig oder vermeidbar werden. Die Wahl findet zudem erstmals mit einem Wahlalter ab 16 Jahren statt; gewählt werden Abgeordnetenhaus und die Bezirksverordnetenversammlungen der zwölf Bezirke.[bpb]

Die Wahllokale sind noch etwa drei Stunden lang geöffnet. Diejenigen, die noch nicht gewählt haben, können sich noch an den Profilen der Kandidat:innen orientieren, wenn sie möchten.


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