Wie hoch sind die Gewinne und Verluste der CDU bei Landtagswahlen? (Statista + Analyse der letzten Jahre, Einordnung, Kommentar)

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Die Wahlen in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern sind vorbei. Die CDU hat bei allen drei Wahlen dramatische Verluste erlitten. Aber stimmt der Eindruck, dass es bei den Schwarzen nur noch abwärts geht? Diese aktuelle Statista-Grafik gib mehr Aufschluss. Wir kommentieren im Anschluss, was die Grafik ausweist.

Infografik: Wie hoch sind die Gewinne und Verluste der CDU bei Landtagswahlen? | Statista

Begleittext von Statista

Die CDU ist bei den jüngsten Landtagswahlen tief in die roten Zahlen gerutscht. Besonders drastisch fiel der Verlust in Sachsen-Anhalt aus: Gegenüber der vorherigen Wahl büßte die Partei 19,9 Prozentpunkte ein. Auch in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern verlor sie am 20. September jeweils deutlich.

Damit hat sich das Bild gegenüber den vorherigen Wahlen stark gedreht. Im März hatte die CDU in Baden-Württemberg noch 5,6 Prozentpunkte hinzugewonnen, in Rheinland-Pfalz waren es 3,3 Prozentpunkte. Zuvor erzielte sie in Hamburg sogar ein Plus von 8,6 Prozentpunkten. Die jüngsten Ergebnisse markieren nun einen klaren Rückschlag.

Die Ergebnisse könnten die Debatte über ihre politische Aufstellung und regionale Wählerbindung weiter verschärfen. Viele politischen Beobachter sind sich einig darin, dass die Ergebnisse der letzten drei Landtagswahlen auch von der Bundespolitik beeinflusst worden sein dürften. So könnte die geringe Popularität von Friedrich Merz die Mobilisierung von CDU-Wählern erschwert haben. Neben bundespolitischen Stimmungen dürften allerdings auch regionale Themen, Kandidaten und die jeweilige Konkurrenz entscheidend gewesen sein.

Zwischenkommentar

Die Regierung Merz war nie wirklich beliebt, seit sie die Regierungsgeschäft im Bund übernommen hat – aber dass die CDU trotzdem Wahlen gewinnen kann, hatte sie vor nicht allzu langer Zeit noch bewiesen. Wir haben darüber berichtet, wie sie in Rheinland-Pfalz den bisherigen SPD-Ministerpräsidenten abgelöst hat und in Baden-Württemberg nur knapp den Grünen den Vortritt überlassen musste. Geschrumpft war dort vor allem die SPD, wohingegen die AfD auch im Westen stärker wurde, sodass man von einem klaren Rechtsruck sprechen kann. Bei den letzten Wahlen hingegen wurde die CDU beim Abdrehen nach rechts gleich außen vor gelassen und man wählte die Blauen, die, anders als die CDU mit ihrem irreführenden „C“ im Namen, den Leuten klar sagt, dass sie nicht deren Wohl im Sinn hat. Dass sie trotzdem gewählt wird, ist evident, aber wir kennen auch viele Menschen, die die CDU wählen, obwohl diese klar gegen die Interessen dieser Menschen handelt. Wir haben. Wir wollten aber eine Analyse anbieten, die frei ist von unserem Kopfschütteln darüber, wie ein Mensch, der seine eigene Würde achtet und zu den von der Merz-Regierung ständig beschimpften Arbeitsbevölkerung gehört, die CDU wählen kann:

Im Zeitraum 26. September 2016 bis 26. September 2026 fanden 31 Wahlen zu Landesparlamenten statt, wenn man Landtagswahlen, Bürgerschaftswahlen in Bremen und Hamburg sowie Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus gleich behandelt. Dabei ergibt sich für CDU und CSU kein geradliniger Trend: Auf eine ausgeprägte Schwächephase bis 2021 folgte 2022/23 eine deutliche Erholung; die Wahlen 2024 und besonders 2026 zeigen jedoch wieder starke regionale Verluste und eine wachsende Volatilität.

Abgrenzung und Lesart

  • Stichtag: 26. September 2026. Erfasst sind damit Wahlen vom 26. September 2016 einschließlich bis zum Stichtag.
  • Nicht enthalten: Berlin 2016 liegt acht Tage vor dem Zehnjahresfenster. Die Wahl vom 26. September 2021 ist enthalten; die Wiederholungswahl 2023 wird als eigenständiger Wahlgang aufgeführt.
  • Die Spalte „Veränderung“ misst jeweils den Abstand zur unmittelbar vorherigen regulären Wahl im jeweiligen Land. Bei der Berliner Wiederholungswahl wird zusätzlich der Abstand zur Wahl 2021 ausgewiesen, weil sie keine neue Legislaturperiode eröffnete.
  • Unter „Union“ ist landesweise CDU bzw. in Bayern CSU zu verstehen. Eine Addition zu einer bundesweiten Prozentzahl wäre methodisch falsch, weil die Länder unterschiedlich viele Wahlberechtigte und unterschiedliche Wahltermine haben.

Die Wahlchronologie und die jeweiligen Parteiergebnisse stammen aus dem Wahlarchiv der Tagesschau; die Einordnung als Wahlen zu Landesparlamenten folgt auch der Übersicht von Wahlrecht.de.[tagesschau][wahlrecht]

Alle Landesparlamentswahlen

DatumLandWahlCDU/CSUErgebnis im Land
26.09.2021BerlinAbgeordnetenhauswahlCDU18,0%
26.09.2021Mecklenburg-VorpommernLandtagswahlCDU13,3%
09.10.2022NiedersachsenLandtagswahlCDU28,1%
12.02.2023BerlinWiederholungswahl zum AbgeordnetenhausCDU28,2%
14.05.2023BremenBürgerschaftswahlCDU26,2%
08.10.2023BayernLandtagswahlCSU37,0%
08.10.2023HessenLandtagswahlCDU34,6%
01.09.2024SachsenLandtagswahlCDU31,9%
01.09.2024ThüringenLandtagswahlCDU23,6%
22.09.2024BrandenburgLandtagswahlCDU12,1%
02.03.2025HamburgBürgerschaftswahlCDU19,8%
08.03.2026Baden-WürttembergLandtagswahlCDU29,7%
22.03.2026Rheinland-PfalzLandtagswahlCDU31,0%
06.09.2026Sachsen-AnhaltLandtagswahlCDU17,2%
20.09.2026BerlinAbgeordnetenhauswahlCDU18,8%
20.09.2026Mecklenburg-VorpommernLandtagswahlCDU4,9%

Hinweis: Die Tabelle enthält nur Wahlen, die tatsächlich innerhalb des exakten Zehnjahresfensters liegen. Die in diesem Zeitraum nicht wiedergewählten Länder — etwa Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Saarland oder Baden-Württemberg bis zu ihren jeweiligen Wahlterminen — erscheinen deshalb nicht vor 2026.[tagesschau][wahlrecht]

CDU- und CSU-Ergebnisse

DatumLandParteiErgebnisGegenüber vorheriger regulärer WahlBewertung
26.09.2021BerlinCDU18,0%+0,4 Punkte gegenüber 2016leichter Gewinn, aber niedriges Niveau
26.09.2021Mecklenburg-VorpommernCDU13,3%−5,7 Punkte gegenüber 2016deutlicher Verlust
09.10.2022NiedersachsenCDU28,1%−5,5 Punkte gegenüber 2017deutlicher Verlust
12.02.2023BerlinCDU28,2%+10,2 Punkte gegenüber 2021sehr starker Gewinn; Wiederholungswahl
14.05.2023BremenCDU26,2%−0,5 Punkte gegenüber 2019nahezu stabil, leichtes Minus
08.10.2023BayernCSU37,0%−0,2 Punkte gegenüber 2018praktisch stabil, weiterhin stärkste Partei
08.10.2023HessenCDU34,6%+7,6 Punkte gegenüber 2018sehr starker Gewinn
01.09.2024SachsenCDU31,9%−0,2 Punkte gegenüber 2019nahezu stabil, aber klar unter früherem CDU-Niveau
01.09.2024ThüringenCDU23,6%+1,9 Punkte gegenüber 2019leichter Gewinn
22.09.2024BrandenburgCDU12,1%−3,5 Punkte gegenüber 2019deutlicher Verlust, historisch schwach
02.03.2025HamburgCDU19,8%+8,6 Punkte gegenüber 2020sehr starker Gewinn, aber nicht führend
08.03.2026Baden-WürttembergCDU29,7%+5,6 Punkte gegenüber 2021deutliche Erholung
22.03.2026Rheinland-PfalzCDU31,0%+3,3 Punkte gegenüber 2021klarer Gewinn
06.09.2026Sachsen-AnhaltCDU17,2%−19,9 Punkte gegenüber 2021außerordentlich schwerer Einbruch
20.09.2026BerlinCDU18,8%−9,4 Punkte gegenüber 2023; +0,8 Punkte gegenüber 2021Rückfall nach dem Sonderhoch 2023
20.09.2026Mecklenburg-VorpommernCDU4,9%−8,4 Punkte gegenüber 2021Absturz unter die Fünfprozenthürde

Die Ergebnisse von 2026 markieren einen deutlichen Kontrast: Die CDU konnte im März in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zulegen, verlor aber im September in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern massiv. In Mecklenburg-Vorpommern fiel sie laut Ergebnisübersicht von 13,3 auf 4,9 Prozent; in Sachsen-Anhalt sank sie von 37,1 auf 17,2 Prozent.[tagesschau][wahlrecht][wahlrecht]

Bilanz der Tendenz

KennzahlBefund
Betrachtete Wahlgänge16
Gewinne gegenüber vorheriger regulärer Wahl7
Verluste gegenüber vorheriger regulärer Wahl7
Nahezu unverändert2
Größter GewinnBerlin 2023: +10,2 Punkte gegenüber 2021; Sonderfall Wiederholungswahl
Größter regulärer GewinnHamburg 2025: +8,6 Punkte gegenüber 2020
Größter VerlustSachsen-Anhalt 2026: −19,9 Punkte gegenüber 2021
Schwächstes ErgebnisMecklenburg-Vorpommern 2026: 4,9%
Bestes ErgebnisCSU Bayern 2023: 37,0%

Rein nach der Zahl der Gewinne und Verluste ist die Bilanz ausgeglichen. Politisch ist sie jedoch keineswegs neutral: Die Union ist regional viel ungleichmäßiger geworden. Ihre Resultate reichen inzwischen von 4,9 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern bis 37,0 Prozent für die CSU in Bayern. Die Spannweite betrug 2026 allein zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz bzw. Baden-Württemberg mehr als 25 Prozentpunkte.[tagesschau][wahlrecht][wahlrecht]

Bewertung

Unsere Einschätzung: Der Wählerzuspruch für die Union hat sich im Jahrzehnt nicht dauerhaft nach oben oder unten bewegt, aber ihre Stellung als breit verankerte, verlässlich führende Volkspartei ist erkennbar schwächer und unsicherer geworden. Es gab klare Erholungsphasen, doch sie haben keinen bundesweit stabilen Aufwärtstrend erzeugt.

Dafür spricht: deutliche Erholungsfähigkeit

  • 2022 und 2023 zeigten eine ausgeprägte Gegenbewegung: Die CDU gewann in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein 2022 deutlich; 2023 folgten starke Zuwächse in Berlin und Hessen. Auch die CSU hielt 2023 mit 37,0 Prozent ihr Niveau in Bayern nahezu. Die Ergebnisse dokumentieren, dass die Union bei passenden Kandidaten, regionalen Themenlagen und einer günstigen Konstellation weiterhin mobilisierungsfähig ist.[tagesschau]
  • 2025 gewann die CDU in Hamburg 8,6 Punkte hinzu. 2026 verbesserten sich die Ergebnisse in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gegenüber 2021 um 5,6 bzw. 3,3 Punkte. Das widerspricht der These eines kontinuierlichen, flächendeckenden Absturzes.[tagesschau]
  • In Sachsen behauptete die CDU 2024 mit 31,9 Prozent trotz eines minimalen Rückgangs ihre Position als stärkste Kraft. In Thüringen legte sie gegenüber 2019 leicht zu.[tagesschau]

Dagegen spricht: Erosion und hohe Instabilität

  • Die Ergebnisse in Ostdeutschland zeigen eine besonders deutliche strukturelle Schwäche: Brandenburg 2024 mit 12,1 Prozent, Sachsen-Anhalt 2026 mit 17,2 Prozent und Mecklenburg-Vorpommern 2026 mit 4,9 Prozent. Besonders schwer wiegt nicht nur der Rückgang, sondern die fehlende Stabilität in Ländern, in denen die CDU früher vielfach dominierend war.[tagesschau][wahlrecht][wahlrecht]
  • Auch in den Stadtstaaten bleibt die CDU trotz einzelner Erfolge häufig unter 30 Prozent. Hamburg stieg 2025 zwar auf 19,8 Prozent, Berlin fiel 2026 nach dem außergewöhnlichen Wiederholungswahlergebnis 2023 wieder auf 18,8 Prozent zurück. Bremen blieb mit 26,2 Prozent im Mittelfeld.[tagesschau]
  • Die guten Werte beruhen stärker auf einzelnen Landesverbänden und Konstellationen als auf einem einheitlichen Unionstrend. Bayern mit der CSU, Hessen, Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen oder zeitweise Berlin stehen schwachen Ergebnissen im Nordosten und Teilen Ostdeutschlands gegenüber. Das ist weniger ein geschlossenes Comeback als eine regional fragmentierte Wählerbasis.

Zeitlicher Verlauf

  1. 2021: Tiefpunktphase. CDU-Ergebnisse von 13,3 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern, 18,0 Prozent in Berlin, 24,1 Prozent in Baden-Württemberg und 27,7 Prozent in Rheinland-Pfalz kennzeichneten ein schwaches Jahr. Ausnahme war Sachsen-Anhalt mit 37,1 Prozent.[tagesschau]
  2. 2022 bis 2023: kräftige Erholung. Die Union gewann wichtige westdeutsche Länder oder steigerte sich deutlich. Der Berliner Erfolg 2023 war besonders sichtbar, muss aber wegen des Charakters als Wiederholungswahl vorsichtig als allgemeines Trendmaß gelesen werden.[tagesschau]
  3. 2024 bis 2026: keine Verstetigung. In Sachsen blieb die CDU stabil, in Thüringen legte sie leicht zu, verlor aber in Brandenburg. 2026 folgte ein gemischtes Bild: Erholung im Südwesten, gleichzeitig drastische Verluste in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.[tagesschau][wahlrecht][wahlrecht]

Fazit

Die Union hat in den vergangenen zehn Jahren keinen durchgehenden Verlusttrend, aber auch keinen stabilen Wiederaufstieg erlebt. Die beste Kurzform lautet: Erholung in einigen Ländern, strukturelle Erosion in anderen — insgesamt zunehmende regionale Spaltung des Wählerzuspruchs.

Die CDU/CSU bleibt in mehreren Ländern konkurrenz- und teils führungsfähig, verfügt aber nicht mehr überall über die frühere stabile Bindungskraft. Besonders die jüngsten Einbrüche in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sprechen dafür, die Lage als volatil und regional asymmetrisch zu bewerten. Was vor allem ins Auge sticht, ist, dass die CDU erstmals seit dem Bestehen der Bundesrepublik nicht den Einzug in einen Landtag geschafft hat. Dieses historische Ereignis fand am 20.09.2026 in Mecklenburg-Vorpommern statt.

Was jedoch ebenfalls auffällt: Während der Zeit der Ampelregierung hatte die CDU sich deutlich erholen können. Dies wiederum bestätigt den langfristigen Trend, dass es nach Bundestagswahlen zu einer Korrekturbewegung auf Landesebene kommt. Während der langen Regierungszeit von Angela Merkel war dieser Trend in den 2010ern nicht mehr so eindeutig.

Transparenz

Die Einleitung und der Zwischenkommentar stammen von uns (TH), die Grafik und der Begleittext von Statista, mit der Analyse haben wir eine KI beauftragt.


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