Kein Mindestlohn in Forschung und Lehre – wer Erkenntnis will, muss für umsonst arbeiten

Medienspiegel 24

Unter dem Titel „Willkommen im Elfenbeinturm“ ist im Politikmagazin Rubikon weiter zu lesen:

„Wo sind sie eigentlich geblieben — die kritischen Intellektuellen im Land? Im Interview mit Professor Günter Fröhlich ist Ralf Wurzbacher den Befindlichkeiten des Homo Academicus auf der Spur.“

Ich hatte mich auf einen supertollen Beitrag zu dem Thema eingestellt, warum sich die Intellektuellen nicht mehr politisch zu Wort melden und dies natürlich auf kritische Ar tund Weise. Ein wenig kann man es schon herauslesen: Die Ökoomisierung von Studium,, Forschung und Lehre verändert Prioritäten, verändert Handhabungen, verändert Menschen. Im Wesentlichen geht es in dem Beitrag aber um den persönlichen Feldzug eines gar nicht mehr so jungen Akademikers für eine pekuniäre Mindest-Anerkennung seiner erzwungenen Lehrtätigkeit und der vieler Kolleg_innen, weshalb die Klage, die hier beschrieben wird, nicht als Individualklage, sondern als Popularklage eingereicht wurde. Ich muss gestehen, ich wusste gar nicht, dass das im deutschen Recht, dazu noch Verwaltungsrecht und beim Recht der Unis möglich ist. Schon zivilrechtlich kenne wir ja eigentlich das Instrument der Sammelklage nicht, das US-Verfahren manchmal so spannend und gigantisch macht. Lediglich die Verbandsklage als Instrument der Interessenbündelung vor Gericht war mir bekannt. Aber dazu lese ich ja, um dazuzulernen und dieses Wissen weiterzugeben.

Dadurch, dass der Beitrag inhaltlich anders ausgerichtet ist als erwartet, passt er aber wiederum sehr gut zu unserem gestrigen Beitrag über die prekären Zustände in der Kreativbranche. Wenn DIE LINKE wirklich will, dass „gute Arbeit“ meint, dass Arbeit gerecht und auskömmlich bezahlt wird, muss sie ihren Blick auch auf die Berufe richten, die nach Meinung der Bevölkerung hip oder elitär sind, in denen aber mittlerweile ebenfalls eine unfassbare Marginalisierung hochqualifizierter Personen stattgefunden hat. Da gewinnt der neue Begriff vom Akademikerprekaritat eine ganz eigene Bedeutung: Es geht nicht nur um die, die nach dem Studium, wo auch immer, keine vernünftige, das Leben planbar machende Anstellung draußen in der Welt finden, sondern sogar um diejenigen, die genau jeden Studierenden ausbilden sollen. Was ist dass mittlerweile anders als zu „meiner Zeit“, als Lehrstühle eigene kleine Betriebe an der Uni waren, zumindest in meinem Fabereich und man deutlich merkte, wie fett die Professoren in jeder Hinsicht aufgestellt waren. Ich gendere nicht, weil es an meiner Fakultät keine Professorin gab. Damals, das dürfte heute auch anders sein. Hoffe ich wenigstens, was nicht bedeutet, dass ich Frauen wünsche, dass sie ähnliche Erfahrungen machen müssen wie der Interviewte in diesem Rubikon-Artikel.

So tief wie gestern steige ich nicht ein, deshalb ist dies nur ein „Medienspiegel“, kein Kommentar. Ich höre eher von Dritten, vor allem von Eltern, was ihre Kinder auf dem steinigen Weg durchs Hochschullehrer_innen-Nachwuchs-Leben erdulden müssen und wie Existenzangst den Forscherdrang hemmt – mit der Kreativbranche oder einem der drei gestern beschriebenen Teile von ihr kenne ich mich persönlich etwas besser aus.

Wie dieses Land nicht nur mit einfachen Arbeiter_innen, sondern auch mit denen umgeht, die seine Kultur bereichern und seine wissenschaftliche Zukunft sichern sollen, ist mehr als bedenklich. Es wirkt, als ob die Traumata der Vergangenheit sich wieder mehr und mehr ausbreiten: Kulturlosigkeit und die Entwicklung von Lehrer_innen zu Universalgelehrten und damit  zum Denken in Zusammenhängen befähigten Vorbildern zerstörende Ökonomisierung der Wissenschaft als eine von mehreren Formen der Selbstbestrafung für das, was noch immer schwer zu begreifen ist, etwa 80 Jahre danach.

Dabei hat doch niemand, der heute an einer Uni was werden will, Schuld daran.

TH

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