Bahn frei für Schwarz-Grün in Bayern! #Bayernwahl #CSU #Schwarz-grün

2018-06-28 SpottlightKommentar 47 / Spottlight

Jetzt gibt es Menschen, die glauben, die Grünen und die CSU seien doch gesellschaftspolitisch zu weit auseinander, um eine Koalition an- und einzugehen.

Aber erinnern wir uns, bevor die FDP die Sache hat platzen lassen, war doch sogar eine Vierer-Koalition im Bund im Gespräch, bei der ja die CSU auch mit am Tisch gesessen hätte. Das hätten sich die Grünen ja was eingebrockt, mit dem Innen- und Heimatminister Seehofer – deswegen schrieb ich neulich, sie sollen froh sein, dass es die SPD ist, die sich weiter an der Union abarbeiten darf.

Aber jene SPD steht in Bayern bei den neuesten Umfragen vor der Oktober-Landtagswahl gerade auf 12 Prozent, die Grünen hingegen immerhin auf 14. Und da die CSU ja offenbar die 40er-Marke nicht mehr überwinden kann, muss sie einen Koalitionspartner suchen, der ein sicheres Regieren ermöglicht. Ich kann der SPD auch dieses Mal nur raten, die Finger davonzulassen. Ich bin nämlich ein Fan davon, dass es weiterhin eine SPD gibt, und sei es nur als abschreckendes Beispiel für eine einst fast linke Partei, die sich dann eine Agenda 2010 gegönnt hat. Wenn die SPD und die CSU aber zusammengehen, dann wird das der nächste Abnutzungsprozess. Für die SPD.

Natürlich, im Bund verlieren im Moment Union und SPD und früher gab es ja nicht die AfD, die jetzt der CSU so etwa 12 Prozent abknöpfen oder von ihr abschöpfen wird, wenn die Lage bleibt, wie sie ist. Aber ich finde, die Grünen sollten sich jetzt doch mal eine CSU antun, denn dieses sehr hoch fliegen auf der Welle der Rassismusdebatte, das könnte man mal durch etwas Zwang zur Realpolitik einhegen, welche die Grünen ja mittlerweile fast nirgends mehr machen müssen. An führender Stelle wohl aber in Baden-Württemberg und da führt in der Debatte nicht der Ministerpräsident Kretschmann das Wort, sondern der Boris Palmer. Ich hab jetzt wirklich mal nachgeschaut, ob er nicht Landesvorsitzender ist, also Aufgabenteilung mit Kretschmer, weil man eben so viel von ihm  hört. Ist er aber nicht, er ist nur OB von Tübingen. Da kann man sehen, wie man als Kommunalpolitiker bekannt wird, indem man nämlich immer wieder die eigene Partei ein bisschen zum Kochen bringt, wo es ja sonst dort so harmonisch zugeht (anders als in meiner eigenen Partei). Und wie man als Außenstehender eine falsche Wahrnehmung bekommt, weil ein eigentlich gar nicht so wichtiger Mensch so profilsüchtig ist. Oder heißt es profilierungssüchtig? Ah ja.

Aber wenn die Grünen und die Schwarzen in Bayern zusammen Regierung machen, dann wird wohl ein Typ oder eine Type mit dem Gemüt von Palmer gebraucht werden, damit das klappt. Oder? Keine Ahnung, ob das mit Eike Hallitzky und Sigi Hagl auch geht. Die bayerischen Landesvorsitzenden der Grünen heißen wirklich so, das ist kein Hoax oder Spottlight-Detail von mir.

Ach nee, nicht so viel typischer Berliner Pessimismus. Das wird schon. Auch Grüne nehmen im Ernstfall an Kriegen teil und drücken Hartz IV durch, da geht auch eins tiefer das Abschieben wie bisher, nämlich eher stockend.

Dabei ist es doch im Moment eine richtige Richtungswahl. Eine Polarisierungswahl. Viele wählen doch Grün aus humanistischen Gründen – und wenn nicht ein ganz böser Palmer-Spruch dazwischenkommt, der jahrelanges vorsichtig sein in allem noch kaputtmacht, werden sie dieses Jahr ihr bisher bestes Ergebnis in Bayern (9,4 Prozent in 2008) locker übertreffen. Viele wählen die doch als Gegenmodell zur CSU. Dass DIE LINKE nicht als Gegenmodell gesehen wird, sieht man daran, dass sie im Moment zwischen 3 und 4 Prozent erreicht, in den Umfragen – und das, obwohl sich die Partei mit der Migrationspolitik befasst wie keine andere. Allerdings mehr intern als publikumswirksam mit Macht nach außen, wie etwa bei #MeTwo und dessen Grundlage, dem Özil-Rücktritt, wo man sich doch so super mit selbst hypen kann, wenn man ein voll hippes, aber keinesfalls weiterführendes und die Solidarität aller mit allen stärkendes Statement abgibt.

Allerdings ist DIE LINKE ja wirtschaftlich eben doch mehr links, also bisschen auf Veränderung ausgerichtet als die Grünen und in Bayern läuft die Wirtschaft, so, wie sie ist, ganz gut, da beißt keine Maus einen Faden ab. Deswegen wird übrigens auch die FDP nicht gebraucht (gegenwärtig 5 Umfrage-Prozentpunkte), noch mehr wirtschaftliberal kann man Bayern gar nicht machen, als es schon ist und warum soll es dabei noch so extrem unsozial werden, wie die FDP es immer gerne hat? Sowas kann ja aufs Gemüt gehen.

Perfekt ist es in Bayern auch nicht (die Zersiedelung des ländlichen Raums etc.), aber was ist schon perfekt. Für deutsche Verhältnisse ist es Weltklasse, wie Bayern aufgestellt ist. Dank der CSU natürlich und dem alten Amigo-System, aber Schwamm drüber, der Erfolg heiligt vielleicht nicht, aber heilt doch die alten Strauß-Affären. In so einem Wohlfühl-Freistaat könnten die Grünen doch auch mal regierungsmäßig einchecken und noch so a bisserl das Naturgefühl der Naturbayern stärken. Vielleicht heißt ja dort tatsächlich das, was  wir hier in FailBerlin als ökologisch oder nachhaltig oder so bezeichnen und eh nicht auf die Pfanne bekommen, dort einfach naturnahes Wirtschaften und schon, schwupps, haben sich alle auch terminologisch geeignigt, ohne die PoC zu verletzen. Es sei denn, das Wort „Natur“ ist jetzt auch schon komplett verfemt, ich muss das mal im PoC-Knigge 20*18 nachsehen. Weil „Heimat“, also etwas, wo man sich vertraut fühlt, was Erinnerungen weckt und Farben und Töne und etwas in der Seele auslöst, was nicht immer gleich sein muss, also Heimat, das ist nämlich eines der ganz roten Wörter auf der Redlist des PoC-Knigge, daher hat der Heimatminister Seehofer eh schon ein Problem, nicht qua Funktion gedizzt zu werden. Wir in Berlin, vor allem wir Zugezogenen, wir stolpern ja eh lieber im Grunde unbehaust durch die Gegend, uns kann man mit Heimatgewäsch nicht kommen, auch nicht mit „Neue Heimat“, der Terminus war schon futsch, lange bevor die PoC geboren wurde. Und wer hat ihn verraten, den Begriff? Sozialdemokraten. Gewerkschaftler! Nieder mit der SPD! Hab ich oben was anderes geschrieben? Egal. Was kümmert mich mein Geschwätz von vor ein paar Minuten, sagte schon der Alte aus Röhndorf, und der wusste nun wirklich gut Bescheid, wie es in den Menschen aussieht und wie man sie alle kriegt.

Ich würde mich echt auf ein schwarz-grünes Bayern freuen. Denn dass die CSU mal jemanden braucht, der sie fordert, ist offensichtlich, nach 174 Jahren Alleinregierung mit ein paar lässlichen Tagen des Donners als Unterbrechung. Und wenn die Grünen dann doch bei der Wahl 2023 nur noch 10 oder 8 Prozent bekommen, dann ist das halt der übliche Verschleiß, den alle Unions-Regierungspartner hinnehmen müssen. Der dingsnahe Landbau, der ist bis dahin aber sicher wieder ein Stück weiter und darauf kommt’s doch an. Und natürlich auf die PoC, wir nochmal darauf zu sprechen kommen.

Die AfD darf derweil am rechten Rand also das abgrasen, was die CSU letztlich doch liegen lassen muss, weil sie sich in der Zusammenarbeit und durch einen zwangsläufig auch die interne Kommunikation modernisierenden Umgang mit den Grünen eine leicht mehr an der PoC orientierte Sprache angewöhnen wird und bei den echten Rechten bestimmt ja auch die Sprache besonders stark das Bewusstsein (wie auch bei den echten Linken, nur mit anderen Begriffen und bei den echten PoC-Fans mit vielen neuen Begriffen); da geht ebenjene PoC gar nicht, weil nicht genug pralle Feindbilder drin sind, sondern nur solche Ausschlüsse, die sich hinter allerlei vorgeblich das Respektvolle und Zugewandte im Menschen fördernden Neologismen verstecken.

Also ist die PoC ja auch ein bisschen Verarsche für Leute, die dem Sprachterror nicht gewachsen sind und das geht – genau, auch wieder nicht, denn der Rassist also solcher nimmt sich ja ernst und will auch ernst genommen werden, ohne (sich) die Zunge (z)erbrechen zu müssen und die Weißwurst (bei uns im Big B die Curry) gleich mit.

Metasprachlich gesehen werden die Zeiten eh immer schwieriger, aber diese schlechten Zeiten, dieses dezent Dauerkrisenmäßige ist auch eine Chance für neue Wege: Also los, macht Bayern grüner! Schwärzer geht ja eh nicht. Und reinigt es endlich von diesen komischen Zusammengehörigkeitstraditionen, diesem seltsamen, gruseligen, sozusagen in sich selbst ruhenden Selbstbewusstsein und dem Sinn fürs wirklich Wichtige im Leben, was alles dafür sorgt, dass die Menschen dort zufriedener mit allem sind als anderswo in Deutschland, dass sie mehr Kaufkraft haben, dass sie älter werden als wir in Berlin, dass der Umgang mit den Geflüchteten, von denen es dort bekanntlich weitaus mehr gibt, als Bayern nach dem Königsteiner Schlüssel hätte aufnehmen müssen, dass also dies alles dort viel stressfreier abläuft und überhaupt. Es wird Zeit, Bayern ein wenig mehr zu integrieren und an uns Failprofis hier oben im Norden oder Osten anzupassen. Das wird die CSU nie allein schaffen, dafür braucht sie eindeutig die Grünen.

TH

 

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