„Die Musik stirbt zuletzt“ – Vorschau Tatort 1063 DAS ERSTE 05.08.2018 / 20:15 Uhr / Team Flückiger-Ritschard – Ausgabe 1 #Tatort #Flückiger

Titelfoto (c) SRF, Daniel Winkler

Die Beiträge zum Film auf „Tatort-Fundus“.

Wir haben da nie mitgemacht und fühlen uns mittlerweile bestätigt. 

Kein Team wurde insbesondere von den Fans so heruntergeschrieben wie Flückiger-Ritschard, allerdings auch bedingt durch den ersten Flückiger-Fall „Wunschdenken“ (Tatort 809), in dem Sofia Milos noch Partnerin von Stefan Gubser war. Eine Zeit sah es so aus, als wolle der SRF diesen Film wegen „Qualitätsmängeln“ gar nicht senden.

Doch nun ist Reto Flückiger seit sieben Jahren dabei und kommt jedes Jahr mit zwei Filmen. Nach den Frankfurtern Steier-Mey war Flückiger der zweite Ermittler, den wir beim Wahlberliner von Beginn an begleitet haben und er is noch da. Anders als die Frankfurter, die als eines der am höchsten veranlagten Gespanne überhaupt galten.

Sicher ist der Schweizer Tatort durch die Synchronisierung ins Hochdeutsche gehandicapt, das wirkt ziemlich dröge. Man stelle sich vor, bei den Wienern Eisner und Fellner würde auch so verfahren, drei Viertel vom Charme wären weg. Oder doch die Hälfte.

So konservativ, wie man denken mag, sind die Filme aus Luzern gar nicht, insbesondere hat Dani Levy, der auch für „Die Musik stirbt zuletzt“ verantwortlich zeichnet, mit „Schmutziger Donnerstag“ schon einen stilistisch recht eigenwilligen Film inszeniert und obwohl die ARD weniger „Experimentaltatorte“ will als zuletzt gezeigt wurden, ist nun „Die Musik stirbt zuletzt“ genau ein solcher. Der erste „One-Take-Tatort“, der also zumindest suggeriert, dass er in einer einzigen langen Einstellung gefilmt ist.

Das Vorbild dazu ist selbstredend Alfred Hitchcocks kurzer Thriller „Cocktail für eine Leiche“ (1948), aber auch bei dem Film wurde doch ein wenig geschnitten. Musste wohl auch bei „Die Musik stirbt zuletzt“ so sein, obwohl die Drehzeit mit vier Tagen außergewöhnlich gering angesetzt war (üblich sind etwa 21 bis 23 Tage), denn bisher gab es meines Wissens keinen Film, der wirklich wie ein Theaterstück „durchgespielt“ worden wäre – von abgefilmten Theateraufführungen natürlich abgesehen und auch dort kommt es, seit die Technik es zulässt, also schon sehr lange, zu Wechseln der Kameraperspektive.

Warum ich mich besonders freue, dass ich die Flückiger-Filme fast durchgehend höher bewertet habe als viel ein der „Community“? Weil ich den seriösen Typ einfach mag. Klar, die Schweizer Tatorte sind eine Lachbomben, aber davon gibt es ja nun mittlerweile genug, von den Klamaukkönigen in Münster bis hin zum bisherigen Gipfel der Infantilisierungstendenz, Lessing-Dorn in Weimar („Die robuste Roswitha„), die wir uns nächste Woche wieder antun dürfen. Aber das ist eben der Unterschied: Der SRF zieht, nachdem er sich einmal dazu entschlossen hat, seine Linie durch, während der MDR seit dem Ende von Ehrlicher-Kain caine (Gruß an den Blogger S.) mehr findet.

Durch das eher seriöse Layout der Schweiz-Tatorte ist es auch  möglich, Themen wie Sterbehilfe und andere heikle Angelegenheiten so anzupacken, dass sie glaubhaft und intensiv dargestellt werden können, der SRF hat auch einen der besten Tatorte über Geflüchtete gemacht.

Und hier geht’s nun zum Film. Der Rezensent hat eine Bewertung von 7,5/10 vergeben, was für unsere Wahlberliner-Verhältnisse leicht überdurchschnittlich ist. Das erinnert mich aber auch daran, dass den Schweizern bei aller Sympathie für Gubser / Flückiger noch etwas fehlt: Der Kracher. Der Ausnahmetatort. Vielleicht ja mit dem Konzept von „Die Musik stirbt zuletzt“, das ja außer dem „One-Take-Merkmal“ auch einen Narrator beinhaltet. Dafür gibt es allerdings ein Vorbild. Den vielfach preisgekrönten und auch von uns sehr geschätzten Murot-Tatort „Im Schmerz geboren“, der kürzlich wieder lief und dessen Rezension bereits im „zweiten Wahlberliner“ nachzulesen ist.

TH

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