Schäuble, der Marxist, die Schwarze Null und warum die deutsche Wirtschaft etwas Besonderes ist (Teil 2) / #SchwarzeNull #WolfgangSchäuble #Austerität #Wirtschaftsgeschichte

Schäuble, der Marxist, die Schwarze Null und warum die deutsche Wirtschaft etwas Besonderes ist. Nachdenken über ein Interview von OXI mit Werner Abelshauser.

Analyse 6 / Teil 2

Es hat natürlich eher den Grund, der Analyseserie einen markanten Titel zu geben als dass Wolfgang Schäuble ein bekennender Marxist wäre, dass wir ihn so bezeichnen. Es geht vielmehr um einen Satz im zugrundeliegenden Beitrag von Werner Abelshauser, in dem er konstatiert, es gehöre zu Karl Marx‘ Theoriegebäude, dass alle anderen Länder dem am höchsten entwickelten Land folgen wollen, was in der Eurokrise bedeutet habe, Schäuble habe alle anderen dazu bringen wollen, Deutschlands Austeritätsmodell zu befolgen. Es gibt dafür einige Gründe, aber sicher nicht den, dass Schäuble dabei bewusst als Marxist gehandelt hat. 

Vielmehr geht es im Ganzen bei dieser Analyse um die deutsche Wirtschaftsgeschichte und warum sie die Ansicht herausgebildet hat, dass ein stabiles finanzielles, also fiskal- und währungspolitisches Umfeld, für die Entwicklung dieses Modells besonders wichtig war.

Hier zu Teil 1 der Analyse.

Schäubles (sicher nicht bewusste) Anlehnung an den Marxismus, nämlich, dass alle noch zurückstehenden Länder sich am höherstehenden Wirtschaftsmodell orientieren (sollten), ist also falsch, mithin steht aber Marx‘ Modellanordnung in diesem Bereich infrage? 

Ergänzung, warum eine stabile Währung wichtig ist: Langfristige Politik beim Verkauf von Anlagen etc., Service, Wartung.

 Sehr wohl orientieren sich Länder wie Griechenland an Deutschland, wenn es nämlich um den Wohlstand geht. Aber welch eine höchst ausgefeilte Wirtschaftsordnung dafür über 150 Jahre aufgebaut wurde, das wird natürlich nicht gesehen.

Deswegen ist eine maßvolle Ausgabenhaltung, derzeit nicht unbedingt die volle „Austerität“ bei gleichzeitiger strategischer Wirtschaftspolitik, ein Thema, das ich hier auch nicht vertiefen kann, für Deutschland okay.

Die Lieferung hochwertiger und großer Anlagen in alle Welt und der damit verbundene langfristige Service und die immer wieder vorzunehmende Aktualisierung, das „Update“ oder „Upgrade“ solcher Anlagen, ihre Erweiterung, die strategische Planung ihres Einsatzes in der Produktionskette, das ist die hochwertigste Form von Export überhaupt und für sie muss gewährleistet sein, dass sie in einer ziemlich stabilen Währung augeführt werden kann, damit Preisgarantieren über längere Zeit gegeben werden können. Diese sind notwendig, damit die Bezieher solcher Anlagen ihrerseits eine stabile Kostenplanung und Wirtschaftlichkeitsberechnng vornehmen können. Ein Konsumprodukt wird zu einem bestimmten Zeitpunkt einmal verkauft, seine Wartung findet vor Ort, durch lokale Werkstätten statt, wenn etwas daran zu tun ist und in der Regel bleibt es so bestehen, wie es geliefert wurde. Das gilt nicht für Investitiongüter,  die wiederum zur Güterherstellung gedacht sind. Deswegen ist die Stabilität für Deutschland immer ein entscheidender Wettbewerbsfaktor gewesen.

Aber nicht in dieser Form für ein Land wie Griechenland. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Schäuble nicht gemerkt hat, dass die Austerität für Griechenland ein Problem darstellt. Ich glaube, er war auch deshalb so übermäßig hart vor allem im Aufritt, sachlich hat er ja durchaus einiges  zugelassen, weil er das lange Zeit so erfolgreiche deutsche Modell durch den Euro gefährdet sah und weil er in einer Zwickmühle gefangen war. Und weil er der Tendenz vorbeugen wollte, jedes Nachgeben zieht weitere Forderungen der anderen Seite nach sich.

Trotzdem ist das, was wir hier analysieren, nicht retrospektiv, nur, weil die Eurokrise derzeit nicht virulent ist, denn seine Politik wird von Olaf Scholz weitgehend fortgesetzt. Mit einem Unterschied. Scholz ist kein so glühender, noch von der CDU-Traditionslinie von Adenauer bis Kohl geprägter Europäer, sondern eine hanseatische Kaufmannsfigur. Nicht so brillant wie Helmut Schmidt es vor allem rhetorisch war, aber ich sehe strukturelle Ähnlichkeiten mehr zwischen diesen beiden als zwischen Schäuble und Scholz. Wie auch immer, die Austerität wirkt nun europaweit fort.

Behaupten die Linken. Und sie ist für Deutschland schlecht, weil man versucht, sie zu exportieren. Es so darzustellen, klingt verführerisch, weil es ja wieder mal um einen Export geht und Deutschland ist ja so exportstark.

Dieser Export soll aber nach meiner Auffassung vor allem das Auseinanderfallen des Euros verhindern, daran möchte man sich in Deutschland nun wirklich nicht schuldig machen, weil er nun einmal ein Miterrand-Kohl-Vermächtnis darstellt und deswegen ist man geradezu erpressbar. Politiker wie Yannis Varoufakis wussten das, haben auf eine wirklich unfaire Weise versucht, diese Karte zu spielen und deshalb war Schäuble ihnen gegenüber auch nicht gerade zugänglich.

In einer Weise reden wir aber doch über das Gestern. In Wirklichkeit ist die Austerität für Griechenland und andere längst passé und ich finde, die Linken sollten das langsam auf die Pfanne bekommen und aufhören zu behaupten, Deutschland würde die Welt kaputtsparen. Wenn man mal etwas genauer hinschaut: Die Linkskeynsianer, auf die viele Linke sich beziehen, geben längst zu, dass es „pragmatischer“ läuft, tun aber so, als wenn Deutschland damit nichts zu tun hätte. Dabei hat es alles, wirklich alles damit zu tun, dass Deutschland es zulässt, dieses „Pragmatische“.

Stichwort 2012?

So ist es. Seit die EZB unter – möglicherweise zähneknirschender – deutscher Billigung die Niedrigzinspolitik mit ihrem Anleihekaufprogramm verbindet, kann den Staaten in Südeuropa nicht mehr viel passieren. Deutschland muss diese Politik aber mit seiner Hochbonität, seiner Stellung als einiges größeres Euro-AAA-Land ankern, sonst ist der Euro nicht stabil zu halten. Wir sehen deshalb fatale Allokationsverschiebungen in Deutschland, und das ist das hauptsächlich Negative, was ich oben angedeutet habe, neben den zu geringen Investitionen in  Zukunftsfelder. Auch Letzteres ist nach meiner Ansicht nicht ideologisch, denn wer sollte ein Interesse haben, das eigene Land so zu schädigen? Okay, bei Angela Merkel bin ichmir da nicht sicher, aber bei Schäuble schon. Vielmehr ist auch diese Investitionszurückhaltung ein Signal nach außen, dass die Lage in Deutschland fiskalisch absolut im Griff ist. Würde Deutschland investitionsseitig aber so vrfahren wie etwa die skandinavischen Länder, die wesentlich mehr durch niedrige Schuldenstände glänzen, gäbe es die Schwarze Null nicht, was nichts anderes belegt, als dass Deutschland schwächer aufgestellt ist.

Die Fehlallokationen hin zum Immobilienmarkt, die niedrigen Zinsen für andere Anlageformen, die mangelhafte Investitionsbereitschaft des Staates, die zusammen gefährdet nämlich den sozialen Frieden und wer den Beitrag von Adelshauer gelesen hat, weiß, warum das immer noch hocheffiziente deutsche Wirtschaftsmodell wie kaum ein anderes auf den sozialen Frieden angewiesen ist. Wir haben zwar keine großen Streikwellen, aber wir lassen immer mehr menschliches Potenzial liegen, gesellchaftlich ebenso wie arbeitsseitig und diese Menschen wenden sich von der herrschenden Politik ab und fangen an, sich selbst zu schaden und dem Ganzen obendrein, indem sie den falschen rechten Weg gehen.

Auch Adelshauser kritisiert Schröder mit seiner Agenda-Politik, allerdings mit einem anderen Ansatz als die Linken: Er hält den Niedriglohnsektor für eine falsche Idee, aber  vor allem deshalb, weil er eben nicht so augebaut werden kann, dass mehr Arbeit nur durch ihn selbst entsteht. Wir wissen auch, dass das stimmt. Die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden in Deutschland nimmt erst seit 2014/2015 wieder zu und das ist gewiss nicht auf Reindustrialisierungseffekte, sondern in erster Linie auf mehr Jobs im sozialen Bereich zurückzuführen.

Adelshauser sieht die Wirtschaftswunderzeit mit ihrer hohen Massenproduktion an Konsumgütern eher als atypisch fürs deutsche Modell an.

Das ist eine Zuspitzung, denn Deutschland hat auch immer Konsumprodukte hergestellt, „Made in Germany“ war für die Konsumenten in aller Welt sichtbar. Nur B2B -Export hätte Deutschlands Image als das eines besonders tüchtigen Landes nicht geschaffen, dazu ist die weite Verbreitung einer Sichtweise in der Bevölkerung der Länder notwendig, nicht nur das Wissen von Experten.  Auch zwischen den Kriegen war Deutschland ein Exporteur von Konsumwaren, auch von Autos, aber der Protektionismus aller, der die Wirtschaftskrise 1930 noch verschärft hat, der hat natürlich auch diesen Export beeinträchtigt. So viel übrigens zu Trumps gegenwärtigem Verhalten. Wenn deutsche Linke das schick finden, dann frage ich mich wieder einmal, wieviel sie von Wirtschaft verstehen. Aber das ist ja eben der „Erfolg“ einer Indoktrinierung mit plumpem Monetarismus und mit ungebremsten Nationalisierungsfantasien. Ich verwende das Wort „ungebremst“, weil wir noch darauf kommen werden, dass es selbstverständlich Bereiche gibt, in denen mehr regionale Produktion sinnvoll ist – aber aus Gründen der Nachhaltigkeit und der guten Arbeit vor Ort, nicht als eine Art „Wirtschaftspatriotismus“, der jeder bisherigen deutschen Erfahrung, wie man Wohlstand erzielt, zuwiderlaufen würde.

Nach Adelshauser war das deutsche Label also überwiegend die Erbringung herausragender Leistungen in der Hochtechnologie, gerade in jener Zeit und auf fast allen Gebieten. Die Chemie, der Adelshauser einen seiner Forschungsschwerpunkte gewidmet hat, sehen wir als Verbraucher gar nicht so, weil sie meist „B2B“ war und ist, wie man es heute nennen würde.  Aber nicht umsonst war die IG Farben, zu der damals die BASF gehörte, ein Unternehmen, über das Adelshauser viel nachgedacht hat, einer der mächtigsten Konzerne der Welt. Aber er hat die Welt nicht beherrscht, nebenbei gesagt, so waren die Verhältnisse damals nicht.

Ich bin ganz Adelshausers Ansicht, dass der deutsche Export von Konsumgütern durch die speziellen Konditionen nach dem Zweiten Weltkrieg aber extrem angeschoben wurde. Die Lohnkosten in der BRD waren noch Ende der 1950er niedriger als beispielsweise in England oder im benachbarten Frankreich und da die nach dem Krieg neu aufgebauten Produktionsanlagen waren das Beste, was damals erhältlich war und sie ließen an Effizienz nichts zu wünschen übrig. Dadurch entstand eine Exportlawine auf fast allen Sektoren. Sie wäre aber nicht möglich gewesen ohne die hervorragende Grundlage der technischen Exzellenz, die das deutsche Modell immer gekennzeichnet hat.

In jedem Radio von Grundig und in jedem VW Käfer steckte Ingenieurskunst, die summarisch den Produkten anderer Länder überlegen war. Wieso hat etwa der Käfer so viel mehr Verbreitung gefunden als die „Ente“ oder der Morris Minor? Weil alle die Deutschen so geliebt haben, nach 1945? Eher nicht. Das war sogar eine Art Kontra-Erfolg. Heute noch werden in vielen Ländern, auch in denen, die angeblich von der deutschen Wirtschaft vernichtet werden, viele deutsche Autos gekauft und das auch noch, obwohl sie nicht gerade zu den Billigprodukten am Markt zählen. Seltsam, oder? Ein „Makroskopianer“ hat dafür keine Erklärung, ich habe eine. Weil ich in der Industrie gearbeitet habe und weiß, wie unendlich viel Liebe zur Perfektion, Identifikation mit dem Produkt, an dem man arbeitet usw. dahinter steht, wie viele kluge Köpfe zusammenarbeiten, um das alles immer weiter zu verbessern. Ich bin ein Fan des kontinuierlichen Verbeserungsprozesses, der ja leider in die Politik nie implementiert wurde, weil dies eine strategische Ausrichtung über längere Zeit voraussetzen würde. Die Kontinuität der Außenpolitik in Deutschland über Jahrzehnte belegt genau das: Sie wurde von strategischen Überlegungen aus den USA bestimmt.

.Aber hinter der deutschen Industriekultur steckt eine große, sehr positive Tradition. Eine Tradition in großer Gefahr, leider. Warum das gefährlich ist, die Gene der deutschen Wirtschaftskraft zu negieren, das können herumfuzzelnde Freelancer, die nie ein anderes Industrieprodukt als ihren Apple-Laptop aus der Nähe gesehen haben, gar nicht erfassen. Das können linke Nur-Politiker mit ihren arbeitsfernen Biografien ebenfalls nicht erfassen.

Adelshauser sieht aber die überwiegende Rückkehr zur Ausrüstungsexportwirschaft nicht als so problematisch an, also die Gefahr für den Konsumprodukte-Export.

Ja, und am Ende begeht er für mich einen, sagen wir mal, halben Denkfehler. Als es um die E-Autos geht. Er will ja, dass die deutsche Autoindustrie nicht den Irrweg gehen soll, auf diesem Gebiet wettbewerbsfähig sein zu wollen. Ich sehe auch das Problem, dass die deutschen Autos einen ihrer Wettbewerbsvorteile verlieren, nämlich schlicht die beste Technik weltweit auf dem Gebiet der Verbrennungsmotoren. Der Dieselskandal hat vollkommen überlagert, dass dies tatsächlich so ist. VW baut Autos, die im V-Motoren-Bereich zu den saubersten überhaupt gehören – nur sind sie eben nicht so sauber, wie man es den Kunden und den Prüfern weismachen wollte, und das ist das Problem.

In anderen Ländern übrigens bei weitem nicht so diskutiert wie bei uns, VW hat vielerorts nicht wesentlich an Marktanteilen verloren. Aber: Das Auto ist ein Konsumprodukt, einer der letzten Mohikaner, wenn man so will, in Deutschland nur herstellbar, weil deutsche Autos ein Image haben, das es ermöglicht, sie etwas teurer zu verkaufen. Mir leuchtet aber nicht ein, wie V-Motoren emissionsfrei und zudem rohstoffneutral fahren sollen. Denn auf fossile Rohstoffe wären sie ja angewiesen, es sei denn, man lässt sie alle mit Biosprit fahren und dass dies auch problematisch ist, wegen der riesigen Anbauflächen für Raps, die dann benötigt werden, ist bekannt. Sehr pittoresk, der Raps, wenn er blüht, mehr als Weizen, aber er verdrängt natürlich ebenjenen und der sieht dann im Sommer eben herrlich aus, wenn er goldgelb wogt, währen der Raps dann eher ein unscheinbares Bild zeigt. Das ist keine Abschweifung, ich meine das auch symbolisch.

Nun machen wir uns mal Gedanken. Welche Technologie soll es denn sein? Ich sehe nur die Brennstoffzellentechnik als Alternative zum E-Auto und auch die verhindert nicht, dass wir uns Gedanken darüber machen müssen, inwieweit der Individualverkehr generell eingeschränkt werden muss, um die Städte zu entlasten. Die Deutschen haben aus einem weiteren Grund eine nicht leichte Aufgabe: Deutsche Automobile als vom Image angetriebene Luxusobjekte zu erhalten, obwohl Luxus bauen gar nicht so deutsch ist. Es gibt kaum deutsche Modelabels, die konkurrenzfähig sind, auch Luxus-Nahrungs- und Genussmittel kommen eher aus Frankreich und Italien. Es gibt in der gesamten Luxusbranche eine klare Ausrichtung der Menschen weltweit, französisch oder italienisch zu kaufen. Dass die anderen also durchaus ihre beinahe, zudem sehr langfristig wirksamen Vorteile haben, verschweigen die Monetaristen gerne, weil es nicht ins Bild von den deutschen Vampiren passt.

Frankreich kann seine Hermès-Täschchen noch ewig herstellen und muss nicht mal groß am Design etwas ändern, das sind ja alles Stilikonen. Deutschland muss sich was einfallen lassen, wenn seine Autos ohne die herausragenden Verbrennungsmotoren noch als weltweit führende Luxusprodukte anerkannt werden sollen. Das geht nur über fantastische Qualität und geniales Design. Leider verstehen das nicht alle Autofirmen bei uns oder leisten sich immer wieder Entgleisungen. BMW hat sich von einem britischen Designer dazu verleiten lassen, die plumpsten Autos zu bauen, die je die Straßen der Welt bevölkert haben, Mercedes ist von zeitloser Eleganz zu einem eher schwülstigen Outfit übergegangen – nur VW und vor allem Audi halten Kurs, obwohl dadurch die Nachfolgemodelle immer fast genauso aussehen wie die Vorgänger.

Ich finde diesen Weg trotzdem richtig, denn der „Formenterror“, von dem viele Autojournalisten angesichts der missgestalteten Blechberge unserer Zeit sprechen, der kann ja nicht immer weiter ins Extreme getrieben werden, weil die Funktion darunter irgendwann zu sehr leidet. Tut sie eh schon und zum Glück sind Autos ja immer mehr Lifestyle-Produkte, aber man muss noch in der Regel mit vier Personen drin sitzen und rausgucken können, autonomes Fahren hin oder her.

Ich finde es sehr tricky, sich als Hersteller auf diesem sehr im Wandel begriffenen Gebiet zu behaupten, das erfordert weitaus mehr Expertise als hin und wieder ein neues Duftwässerchen herauzubringen und wir sehen auch, dass die deutsche Autoindustrie aneteilsmäßig immer mehr im Ausland fertigt. Das ist unausweichlich und dafür muss es endlich zukunftsfähigen Esatz an hochwertigen Arbeitsplätzen geben. Ich sehe da viel zu wenig, aber – heute keine strategische Wirtschaftspolitik, das ist ein eigenes Thema.

Warum wird dann dieser deutsche Vampirismus so überbetont, auch im Ausland?

Die Regierungen in anderen Ländern stoßen gerne in jenes unsauber klingende Horn, um ein bisschen Verwirrung zu stiften und weil unser Selbstbewusstsein ja wegen der politischen Geschichte nicht das Beste ist und weil sie von Fehlern im eigenen Handeln ablenken wollen. Die eigene Bevölkerung würde aber, wenn sie das so richtig glauben würde, nicht weiterhin deutsche Produkte kaufen, wenn es welche gibt. Deutsch fahren und über Deutschland schimpfen, das geht durchaus, weil Menschen sich so gut abspalten können. Natürlich gehören die Käufer deutscher Autos in Frankreich nicht zu den besonders deutschfeindlichen Menschen, das ist schon klar. Und zudem produziert Mercedes auch dort und hat einen produktstrategischen französischen Partner, Renault-Nissan.

Aber es muss ja auch europäisch gedacht werden!

Wir sind doch schon längst dabei. Ich sehe in den Luxusprodukten für die Welt insgesamt die Stärke Europas. Sogar im Agrarbereich, Weine, Milchprodukte, Öle, hochwertige Biowaren allgemein. Sonst klappt es bei den von uns Linken erwünschten, gut bezahlten und Identität schaffenden Arbeitsplätzen, mit der Allokation nicht – die muss ja doch gewährleistet sein. Defizitäre Staatsbetriebe wären mir auch nicht lieber als private, die zu wenig reinvestieren und zu viel an die Aktionäre auszahlen. Ich habe daher für ein Europa, wie  auch Adelshauser es sieht, viel übrig: Eines, das die regionalen Stärken pflegt und nicht alles planieren will, da ist die EU-Kommission viel zu forsch. Die regionalen Gegebenheiten berücksichtigen, heißt aber auch, dass es weiterhin Unterschiede bei den Löhnen und Sozialleistungen geben wird. Da ist unvermeidbar, denn es versteht sich, dass Hochtechnologie ein anderes Lohnniveau  generieren kann als touristische Dienstleistungen oder Olivenbäume anbauen. Ein Stück weit kann man das über niedrigere Lebenshaltungskosten ausgleichen, aber dafür ist dafür wiederum ist währungsseitige Flexibilität vonnöten.

Warum zwingt Deutschland sein Modell anderen auf, zumal, wenn Schäuble wusste, dass das nie hinreichen wird? Ich denke, einen Teil der Antwort haben wir in Teil 2 gesehen, wir vertiefen dies und werfen auch einen blick auf Länder außerhalb Europas

im Teil 3 unserer Analyse am Donnerstag, den 09.08.2018.

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