Civey-Umfrage: Geringes Vertrauen in die Überlebensfähigkeit von #Aufstehen / #Wagenknecht #Lafontaine #DIELINKE #Partei #Wahlen #Civey

Umfrage & Ergebnis 19 

Dies ist die Zeit der Umfragen. Besser: der für uns interessanten Umfragen. So schnell hintereinander wie in den letzten Tagen haben wir uns noch nie mit Abstimmungen auseinandergesetzt, meist initiiert vom Berliner Institut Civey, dessen besondere Herangehensweise wir zuletzt hier erläutert haben. 

Am Wochenende bekamen wir nun diese Möglichkeit zum Votieren zugeleitet, die wir unbedingt besprechen müssen – wegen unseres Dossiers zu „Aufstehen“, der Bewegung von Sahra Wagenknecht, die morgen starten wird. Die Frage lautet:

Wird sich die linke Sammlungsbewegung „Aufstehen“ von Sahra Wagenknecht Ihrer Meinung nach langfristig in der Politik etablieren?“

Ja, auf jeden Fall 6,4% 6,9 %
Eher ja 12,9% 14,5 %
Unentschieden 17,7% 14,0 %
Eher nein 40,1% 42,5 %
Nein, auf keinen Fall 22,9% 22,1 %

 

Der Stand ist der 3. September 2018, 8:45 Uhr, abgestimmt hatten zu dem Zeitpunkt ca. 11.500 Personen.

Dieses Mal haben wir unser eigenes Abstimmungsverhalten nicht markiert.

Wir stecken da in einem Dilemma. Auf der einen Seite sind wir in der Partei verortet, aus der heraus „Aufstehen“ initiiert wird und haben bei unseren Beiträgen zur Sonntagsfrage auch kein Problem damit, die sich daraus ergebenden Präferenzen durch „blau“ oder „fett“ kundzutun – aber wie wir die langfristigen Überlebenschancen von „Aufstehen“ einschätzen, das möchten wir im Moment für uns behalten. Einen Hinweis geben wir aber: Wir zählen nicht zu den 40,1 Prozent, die mit „eher nein“ gestimmt haben.

Nur 6,4 Prozent aller Abstimmenden glauben also sicher, dass „Aufstehen“ eine Überlebenschance hat. Und nur weitere 12,9 Prozent sind dezent positiv. Das ist die Auswertung der Daten, wie Civey sie als repräsentativ darstellt. Wir haben uns auch die Rohdaten angeschaut und in einer dritten Spalte (rechts) vergleichend gezeigt. So groß ist der Unterschied dieses Mal nicht, dass man darauf eigens eingehen müsste.

Nun rufen wir uns eine Umfrage ins Gedächtnis, die vom Magazin „Focus“ am 10.08. publiziert wurde und merken: Es wären weitaus mehr Menschen bereit, „Aufstehen“ zu wählen, als an die dauerhafte Existenz der Bewegung glauben. Ist das eine Form von Abspaltung? Nicht unbedingt.

Ein wichtiger Aspekt ist, dass „Aufstehen“ derzeit nicht gewählt werden kann. Die Initiatoren betonen ja auffällig, dass damit keine neue Partei entstehen soll. Aber vielleicht ist es gerade dieser Umstand, der Menschen skeptisch macht, weil sie im Parteiensystem zu denken gewöhnt sind, also im Parlamentarismus. Die APO ist da eher eine schwache Erinnerung, die auch nur für eine kleine Minderheit mit der eigenen Biografie verknüpft ist. Dass sie in Form der Grünen Partei geworden ist, ist die gängige Erzählung, die zwar nicht vollständig richtig ist, aber doch belegt, dass es seitdem keine Bewegung im eigentlichen Sinn mehr gegeben hat, die sich mit Macht zum Parlamentarismus hin transformiert hat, um Mitwirkung zu ermöglichen. Wie fühlt sich also eine große außerparlamentarische Bewegung an? Das wissen wir alle nicht, sonst wäre die Gründung von „Aufstehen“ ja vielleicht gar nicht sinnvoll gewesen.

Außerdem ist eine nicht zu unterschätzende Grundskepsis der Politik gegenüber vorhanden. Eine Kraft probeweise wählen zu wollen und mal zu schauen, was daraus wird, ist heute nicht mehr so  ungewöhnlich wie in den Zeiten der überwiegend sehr festen Parteienbindung – in der es aber auch von Wahl zu Wahl größere Verschiebungen zwischen den „Big Three“, später dann „Big Four“ der alten BRD gab.

Und so hat die AfD auch angefangen.

Sehr viele politische Kommentatoren haben ihr zum Beispiel nach der Gründung 2013 kein langes Leben vorausgesagt – gerade, als sie bereits nach kurzer Zeit von einem speziellen, kleinen Sammelbecken von Euroskeptikern zu einer völkisch orientierten Kraft wurde. Eine Rechtspartei wie viele andere, sowas kommt und geht bzw. wird zu einer marginalen Randgruppe, hieß es häufig und gespeist aus Erfahrungen mit der NPD oder den Republikanern. Selbstredend kommt der AfD zugute, dass ihr Hauptthema, die Immigration, nicht aus den Schlagzeilen kommt und dadurch die massiven programmatischen Lücken auf anderen Gebieten verdeckt werden. Aber die AfD war eben auch von Beginn an als wählbare politische Partei aufgestellt.

Ein Urteil über die Lebensfähigkeit von „Aufstehen“ würde eher einem Glaubensbekenntnis als einer auf analytischer Basis erstellten Prognose gleichkommen und was ich Stand heute, auch beeinflusst von der speziellen Situation des morgigen Starts der Bewegung und den Wünschen, die sich damit verbinden, glaube, lasse ich in diesem Beitrag also mal weg.

TH

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