Braucht Deutschland eine linke Bewegung? Diskussion Wagenknecht-Augstein-Kühnert-Nolte im Babylon Berlin (Teil 2) // #Aufstehen #Wagenknecht #Kühnert #Augstein #Bewegung #Lafontaine #BabylonBerlin

Hier zu Teil 1 der Analyse. Es geht weiter mit der Diskussion über verschiedene Formen von links sein und wie „Chemnitz“ zu bewerten ist. 

Kühnert insistiert darauf, dass man sich in Demonstration nicht instrumentalisieren lassen darf von den Rechten die dabei unterwegs sind.

Augstein hält dem entgegen, dies sei für einen Profi Politiker eine unpolitische Herangehensweise. Jetzt sei doch die Zeit gekommen, um nach den Ursachen zu fragen. Rechtsradikalismus sei keine Krankheit.

Widerrufe aus dem Publikum.

Das Publikum, das sich Karten für eine Livediskussion im Babylon, im Bauch von Berlin, leisten kann und auch daran interessiert ist, in solche Abende zu investieren, zählt nicht zu den Ausgegrenzten. Augstein fragt, was man mit den 17% AFD-Wählern in Deutschland machen soll (damalige Umfragewerte, derzeit 15-16 Prozent). Er plädierte für diejenigen, mit denen man reden kann, um sie wieder zu zivilisieren. Diese Ausdrucksweise. Man merkt, da redet doch einer von oben herab, wie so ein alter Kolonialherr. Großen Applaus gibt’s interessanterweise trotzdem. Weil diese Rückholung eine politische Aufgabe sei, und das stimmt für diesen Teil der Wählerschaft, in diese Richtung tendieren auch meine Beiträge zum Thema.

Das war eine politische Aufgabe. Großer Applaus. Moderator Flüchtlingspolitik von Merkel wird kritisiert, aber kein Wort zur ARD Frage an Nolte. Ist das ein Kritikpunkt?

Der Vorwürfe, der in dieser Sache gegen die Bewegung erhoben wird, der wird im Aufruf nicht entkräftet, das stimmt – formal.

Nolte sagt, wenn es für ihn eine Konsequenz aus Chemnitz gibt an, dass die liberale Mitte zusammenstehen muss.

Ersetzt Demokraten mit der liberalen Mitte gleich. Das sei doch kein Problem einer linken Minderheit die sich dagegen erheben muss. Hat aber auch niemand gesagt. Er fühle sich sogar als nicht Linker ausgegrenzt, weil er nicht sagen darf, dass er sich gegen Hitlergrüße wenden und sagen darf, dass die AFD endlich klein gekriegt werden muss. Den Eindruck habe ich nicht, dass die sogenannte liberale Mitte sich nicht äußert, aber wie die liberale Mitte so ist, vor allem die linksliberale Mitte, tut sie das auf eine herablassende und pauschalisierende Art, die kein einziges Problem löst. Das ist in der Tat ein Ansatz, den Linke nicht unterstützten sollten, wenn sie wirklich etwas zum Besseren bewegen wollen.

Wagenknecht antwortet denn auch, dass im Ausruf sehr deutlich steht, dass jede Art von Rassismus Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit abzulehnen, nichts hingegen speziell zur AfD, weil wie es leid ist, die AFD ständig in den Mittelpunkt zu stellen.

Sie, Wagenknecht?

Sehr guter Einwurf. Ich habe da auch aufgehorcht. Nicht wir, ich. Je länger so eine Diskussion dauert, desto schwieriger wird es,  Masken komplett aufrecht zu erhalten. Natürlich sie, wer sonst? Sie ist die Bewegung, sie ist der Aufruf, sie ist die Diskussionsteilnehmerin. Deswegen sind führende Mitglieder der Bewegung ja auch echte, langjährige Fans von ihr und nicht etwa kritische Begleiter, die mal bisschen eingecheckt haben, um zu gucken, was links geht. Ich meine damit nicht die Unterstützer oder nicht überwiegend, sondern diejenigen unter den Unterstützer_innen, die auch Politiker_innen der LINKEn und in der Bundestagsfraktion sind.

Wagenknecht weist noch einmal darauf hin, wie schon häufig, dass 40% der Bevölkerung auch nach jahrelangem Wirtschaftsaufschwung keinen persönlichen Aufschwung haben weniger reales Einkommen als in den Neunzigern.

40 % sind also Teil eines Abstiegs nicht eines Aufschwungs, damit haben wir ein grundsätzliches Problem. Der größte Teil von ihnen gehe gar nicht mehr zur Wahl und würden diese Nichtwähler alle rechts wählen, sähe es in diesem Land schon ganz anders aus.

Sahra Wagenknecht spricht auch drauf darauf an, was ich ebenfalls mehrfach geschrieben habe: Dass die AfD zum Glück noch keine wirkungsvollen Führungspersönlichkeiten hat. Und sie weiß ja, wie viel es ausmacht, ob man eine solche Persönlichkeit hat oder nicht.

Aber es gebe auch die Protestwähler, die mit ihrer Wahl die anderen Parteien ärgern wollen. Es geht nicht darum, dass diese Leute nicht kapieren, was die AFD darstellt und was der Höcke sagt, sondern um jenen Protest. Und diese Menschen möchte sie zurückgewinnen. Und sie freue sich über jeden der kommt und AFD gewählt hat und sagt er wählt sie jetzt nicht mehr und schließt sich womöglich gar der Bewegung an.  Applaus.

Ach Kühnert stellt daher rasch noch einmal klar, dass er nicht Millionen von Menschen abqualifizieren wollte es ging ihm um die Demonstrationen in Chemnitz Kühnert sagte die Mitglieder der AFD sind ebenfalls auszugrenzen. Er nennt übrigens hier die AfD eine Bewegung. Zufall?

Man soll, wenn man Mitglied in der Bewegung Aufstehen werden will, die Parteizugehörigkeit angeben, dort stünde auch die AfD, sagt Kühnert und dies würde ja bedeuten, dass auch AfD-Mitglieder erwünscht sind. 

Und er nimmt auch die Zahl von 30000, und auf die müsste man doch verzichten können. Gemäß den Angaben der Mitglieder die sich bisher dieser Abfrage unterzogen haben, sind es weniger als 0,2%, die aus der AFD kommen, sagt Wagenknecht und will AfD-Parteigänger nicht explizit ausschließen. Es kommt ihr wohl eher auf die Haltung in der Bewegung an, also, was Menschen dort zeigen. Ein Hinweis von mir: In einer schon länger bestehenden  inoffiziellen Facebook-Gruppen zur Bewegung achten die Moderatoren darauf, dass dort niemand rassistische oder ausländerfeindliche Äußerungen von sich gibt.

Auf eine demgemäß Frage des Moderators: Nolte glaubt zwar nicht an eine Unterwanderung durch die AFD, aber die Adressierung findet er etwas zu einfach.

Nolte weigert sich, die AfD-Wähler nur als materiell zu kurz Gekommene zu sehen. Er weist noch einmal auf den Anfang der AfD, also auf seinen Kollegenkreis hin. Wir weisen an dieser Stelle darauf hin, dass die Wählerschaft der AfD sich seitdem aber stark verändert / erweitert hat.  Die EuroSkepsis von Lucke und Co.  war alles andere als von der Hand zu weisen.

Nolte weist darauf hin dass die sozialen Fragen nicht vernachlässigt werden sondern die Debatten im Bundestag füllen und weiß dabei auf die Rentendiskussion hin. Anmerkung: Eine Diskussion macht noch keine gute Lösung, gerade im Deutschen Bundestag nicht. Angesichts des Ergebnisses das die Rente bei 48% des letzten Bruttolohns stehen bleiben soll, ist längst berechnet worden, dass dies bei niedrigen Lohngruppen Altersarmut bedeutet. Diese schwache und kleinteilige Lösung als sachgerechte Bearbeitung der sozialen Frage darzustellen, dazu muss man wohl Professor sein und in einer etwas anderen Gehaltsgruppe residieren.

Nolte weist aber auch noch einmal darauf hin dass der Populismus eben zwei Seiten hat.

Der Ansicht bin ich ebenfalls. Es geht nicht nur um primär monetäre soziale Aspekte. Sondern auch um Erfahrungen mit Modernisierung  und um gesellschaftliche Krisen. Nur, wer in dieser Krise und angesichts des Gesamtpanels ein Gewinner ist, der wird sich wahrscheinlich nicht abgehängt fühlen. Nolte sagt auch, Entwicklungen wie die Heirat für alle lösen einen rechten Protest aus. Erhebt die positive gesellschaftliche Liberalisierung hervor, von der man vor 15 Jahren nur hätte träumen können.

Das ist es aber, was Sahra Wagenknecht in ihrem Aufsehen erregenden Welt-Beitrag  vom Juni angesprochen hat, dass dieser Fortschritt eine Substitution für soziale Progression ist.

Augstein sagt, der Kern sei das Staatsversagen, der Rückzug des Staates nach dem neoliberalen Dogma. Zwischenerklärung: Dieses Dogma besagt,  dass jedes staatliche Handeln für sich bereits ein Problem darstellt und der Mart alles zu lösen hat, was an Verteilungskonflikten auftaucht.

Augstein sagt, die Menschen haben einen berechtigten Anspruch an den Staat, wenn sie Angst haben vor Mieterhöhungen, und auch, wenn Täter Straftaten begehen, die gar nicht mehr hätten in Deutschland sein sollen.

Idee: Menschen, deren Recht zum Aufenthalt bereits abschlägig beschieden worden ist, werden sich auch weniger rechtskonform verhalten, weil sie sich davon nichts mehr erwarten können.

Dieses Staatsversagen sei Menschen nur schwer zu erklären fährt Augstein fort.

Die AFD sei ja deshalb so erfolgreich, weil sie Probleme aufgreift, die tatsächlich vorhanden sind. Sie erfindet also nicht irgendetwas Abstruses. So, wie einst die Grünen mit dem Umweltthema, das ebenfalls in den 1980ern wörtlich gesprochen in der Luft lag, aber von den anderen Parteien nicht aufgegriffen wurde. Deswegen findet Augstein es richtig, wenn eine Bewegung kommt, die vorhandene Probleme ebenfalls adressiert, aber andere Lösungen bzw. überhaupt Lösungen anbietet.

Wenn jetzt jeder in dieser Bewegung mitmachen darf, fragt Moderator Dietmar Ringel vom RBB.  Moderator wie soll das Ganze dann eine Linie bekommen?

Er spricht die Internet Diskussion an und meint wohl auch Pol.is. Aber Wagenknecht stellt klar, der Kern soll die Soziale Frage bleiben. Diese ist wieder auf die Straße zu tragen damit sie nicht dem Rechtspopulismus überlassen bleibt. Und ein bisschen könnte es ja auch der Linken zu verdanken sein, dass ein Finanzminister Scholz aufs Rententhema eingeht. Darüber sei aber im letzten halben Jahr quasi nicht diskutiert worden, sondern nur darüber, ob jetzt in Bayern zehn Flüchtlinge an der Grenze zurückgewiesen werden sollen oder nicht. An diesem Thema habe sich beinahe die Koalition zerlegt.

Und es nerve doch jeden in diesem Land, außer denen die mit diesem Thema ihr Süppchen kochen können (also die AfD). Alle anderen fühlten sich, drastisch ausgedrückt, verarscht. Wagenknecht geht auf die früher stärker ausgeprägten Identitäten ein. Die einstige linke Identität, die milieubedingt war, sei weggebrochen.  Aber dies sei auch eine Folge dessen, dass linke Parteien Politik gemacht hätten, die sich gegen diese Menschen aus dem einstigen linken Milieu gerichtet habe.  Ein erheblicher Teil der Arbeiterschaft (und besonders der neu entstandenen  prekären Arbeitnehmerschaft) wähle eben nicht mehr links, sondern rechts.

Es geht hier eigentlich um klassische Milieus der Linken das ist ja auch das Thema von Didier Eribon (Anmerkung: „Rückkehr nach Reims“).

Die gesellschaftliche Linke verliere immer mehr den Anschluss an diejenigen, deren Interessen sie eigentlich vertreten sollte. Für diese Aussage großer Applaus von der überwiegend im Saal vertretenen gesellschaftlichen Linken.

An Kühnert geht nun die Frage, wie er als Juso-chef mit dieser neuen Bewegung umgehe (Anmerkung: oben bereits angesprochen).

Aufstehen sei nicht der politische Gegner und man kann sich am Ende im Wesentlichen Einigen und zu einer Regierungsbildung finden.

Eindruck: Kühnert denkt schon daran, die Bewegung zu sozialdemokratisieren. Er hält die Strategie von „Aufstehen“ aber für falsch und glaubt, dass sie in Bezug auf seine Partei zum Gegenteil des gewünschten Ergebnisses führen wird.

Wenn nicht am Ende die  Schere zwischen Arm und Reich sich ein Stück weit schließt, dann handelt es sich nicht um erfolgreiche Erneuerungspolitik für die, durch die SPD, im Sinne der SPD, sagt Kühnert.

Erinnerung:  Andrea Nahles hat schon Ähnliches gegenüber Schröder gesagt.  Doch wohl ein Trick des Establishments, solche jungen Leute wie den Kühnert immer sowas mal raushauen zu lassen, bevor sie wirklich Macht erlangen und dann natürlich eingenordet werden vom Kapital.

Kühnert will aber zuerst Fragen angehen, die man jetzt wirklich lösen könne, bevor eine große Generaldebatte über die Verteilung geführt wird.

Er macht damit sogar endlich mal einen Prozess sichtbar,  redet aber auch davon, dass die soziale längst nicht mehr die Sichtweise bei weiten Teilen von links denkenden Menschen. Er angesprochene Didier Eribon würde sich mittlerweile selbst dagegen verwahren, immer als Stichwortgeber für diese Verengung verwendet zu werden weil er ebenfalls der Ansicht sei, auch Arbeiterinnen und Arbeiter bekommen Kinder, die schwul oder intersexuell oder lesbisch sind. Und auch Migranten und Migrantinnen sind Arbeiter_innen. Diese gesellschaftlichen Fragen seien gleichermaßen Bestandteil der gesellschaftlichen Debatte und nicht abzutrennen vom links sein. Darauf schweigt Wagenknecht interessanterweise.

Der Moderator fragt Wagenknecht, wie man das in praktikable Politik überführt.

Noch mal kurz zurück von unserer Seite: Das ist ja auch ein Problem der beiden Strömungen in der linken, wo Kipping & Co. mehr  auf der Seite der jungen Hipster stehen und Wagenknecht mehr auf der traditionellen Seite.

Der Moderator verweist auf Labour, wo die Bewegung ja quasi eine Partei geworden bzw Momentum einen Kandidaten dieser Partei unterstützt hat.

Das ist gar nicht so dumm gefragt: Sollen jetzt die Leute auf die Straße gehen und immer zu Hunderttausenden solange trampeln, bis die Politiker sich bewegen?

Wagenknecht antwortet:

Momentum sei eine Bewegung, die eine Partei, die richtig neoliberal verkommen war und radikale Privatisierungspolitik unterstützt hat, unter Linksdruck gesetzt hat, sonst hätte Corbyn keine Chance gehabt, sich an deren Spitze zu setzen. Und den bei den jetzigen Vorstandswahlen der New Labour hätten sich wieder fast ausschließlich Kandidaten von Momentum durchgesetzt. Die Ausgangslage dort war, die Partei bekommt plötzlich einen linken Vorsitzenden, der vom gesamten Establishment bekämpft wurde. Und die Bewegung entsteht, um diesen Vorsitzenden zu stützen. Und natürlich bewegt Druck aus der Gesellschaft auch politisch etwas und hat letztlich zum Atomausstieg beispielsweise geführt (gemeint: in Deutschland).

Nun ja. Merkels energetischer Doppelsalto. Aber es gab vorher schon das rot-grüne Ausstiegsszenario, insofern richtig. Doch in letzter Zeit, führt Wagenknecht weiter aus,  sei der Druck gesellschaftlicher Seitz vor allem von rechts gekommen. Der Druck entstehe etwa durch rechte Portael im Internet oder durch Pegida.

Wagenknecht ist hundertprozentig davon überzeugt, dass ein Durck von außen, der die Soziale Frage wieder in den Mittelpunkt stellt, die Parteien bzw. deren Haltungen verändern wird. Sie glaubt dass dies die einzige Chance ist, bei den erstarrten Strukturen in bestimmten Parteien die Situation aufzubrechen (und erhält Applaus).

Nolte sagt, es gebe zwei Modelle, z.b. das nordamerikanische wo sich alles was links ist innerhalb der Demokraten bewegt wie z.b. Bernie Sanders, oder das südeuropäische wo Bewegungen anstelle von Parteien getreten sind.

Anmerkung: Die aber auch Parteien geworden sind. Aber die Bewegung sei nicht nur übers Internet zu machen. Zum Erfolg sei auch die Gründung lokaler Komitees nötig also Politik von der Basis aus. Unsere Einstellung dazu ist bekannt, aktuell zwischen dem Entwurf und der Veröffentlichung dieses zweiten Teils ist beizufügen, dass „Aufstehen“ sich nun so verfasst, dass es den Mitglieder konkrete Aktionen vor Ort vorschlagen will, wofür die Wohnort- und Interessenbestimmungen in der zweiten Runde des Beitrittsprozesses wohl notwendig waren.

Augstein wird gefragt wann es wohl wieder eine linke Regierungen in Deutschland geben wird. Augstein antwortet, bei seinen Zukunftsprognosen habe er fast immer falsch gelegen . Er meint, es wäre schon ein großes Glück, wenn die Bewegung es schaffen würde ,in die bestehenden Parteien Unruhe zu bringen.

Er ist der Ansicht, dass über das Verteilungsthema in in dieser Runde (er meint Kühnert und Nolte, selbstredend) etwas despektierlich gesprochen wurde und dieses Thema wieder ins Licht zu bringen, wäre ein riesiger Erfolg.

Nun startet die Publikumsrunde.

Der erste im Saal, der sich meldet, identifiziert, dass die SPD ein Problem mit Lafontaine und Wagenknecht hat und fordert dazu auf hier nicht spalterisch zu denken.

Anmerkung: So einfach ist das natürlich nicht. Lafontaine  ist ein Feindbild, welches in der  SPD seit Jahren gepflegt wird. Lafontaine und Wagenknecht werden ja nicht mehr alleine die Führungspersonen wenn viele andere sich der Bewegung anschließen.

Anmerkung: Das ist eine ganz einseitige Projektion  von Seiten der SPD. Natürlich müsste es so sein, dass die Generation Kühnert sich diesen Schuh nicht mehr anzieht.

Kühnert sagt, die Diskrepanzen seien vor allem inhaltlich bedingt, wenn Lafontaine von Fremdarbeitern etc. spricht – also geht es wieder darum was gehört zum links sein und was nicht. Ansonsten betont er die Möglichkeit, durch Kompromisse bei Positionen etwas zu bewegen. Aber Kühnert will nicht Konfliktfelder zugunsten anderer Konfliktfelder ausklammern. Wir haben vorher ja gesehen um was es geht.

Ein weiterer Zuschauer weiß zwar, nicht wer oben auf dem Podium gesessen hat, aber dass die Sowjets die Demokratie als Diktatur der Massen angesehen. Da regt sich dann doch im Publikum ein bisschen Widerstand. Und Gelächter. Aber es gibt dann auch Applaus, als  gesagt wird, dass sich Wagenknecht nicht an der Befindlichkeit der SPD orientieren soll, sondern an der Befindlichkeit ebenjener Massen.

Das war ein Verschwörungstheoretiker, der behauptet, die Konzerne haben die Flüchtlinge nach Deutschland importiert, mithin, die Politik habe sie im Auftrag der Konzerne importiert.

Eine Studentin und Jungsozialistin spricht an, wie Wagenknecht ist oder wie es verhindert werden soll, dass in der Bewegungs Stimmen laut werden, die nicht nur die Verteilungsfrage ansprechen, sondern auch den sozialen Fortschritt und die internationale Vernetzung und die Europa Freundlichkeit revidieren wollen.

Bezüglich einiger Fragen haben wir das in Beiträgen ebenfalls bereits thematisiert.

Wagenknecht, das nehmen wir vorweg, läuft jetzt zur ihrer besten Phase in der Diskussion auf du antwortet mit Nancy Fraser, die den Begriff des progressiven Neoliberalismus geprägt hat, und diesen kritisch verwendet. Es sei ja unstreitig, dass soziale Fortschritte wie Antidiskriminierungsgesetze und so weiter wichtig und zu verteidigen sind.

Doch die These von Fraser sei, dass diese Recht den Huckepack mit einer Politik gekommen sei, die ökonomisch die Gegensätze verstärkt. Frasers These sei, dass der Kern eigentlich das ökonomische abgehängt sein ist,  aber dass diejenigen die sich sich von dieser Politik abgestoßen fühlen, dass als ein Gesamtpaket ansehen: den gesellschaftlichen Progress und die ökonomische Marginalisierung. Anmerkung: Bei uns also Hartz IV wachsende Ungleichheit Altersarmut.

Wagenknecht hälft fest, das sei genau das Gefährliche, weil dieser schief hängende Prorgress dem autoritären reaktiven Neoliberalismus den Weg bahnt. Gerade, damit ein liberaler Umgang miteinander – gesellschaftlich liberal, nicht ökonomisch neoliberal  – in Zukunft möglich bleibt muss man alles dafür tun um die sozialen Verhältnisse zu verbessern. Donald Trumps Wahl sei dafür das schlagende Beispiel.

Er hat auf der einen Seite einen Wahlkampf gemacht, in dem er gegen das Establishment und eine von der Wall Street gesteuerte Hillary Clinton antrat, aber sie hat natürlich auch die liberalen Rechte und die Toleranz verkörpert. Er hat also mit der Ablehnung dieser Positionen zusätzlich gepunktet. Deswegen stelle sie, Wagenknecht, gerade keinen Gegensatz zwischen gesellschaftlicher Liberalität und sozialer Verbesserung her. Es sei also das Gefühl der Alternativlosigkeit der herrschenden Politik von CDU, CSU, SPD zu überwinden – denn in der Folge der wachsenden Ungleichheit werden wir auch unsere freiheitlichen Rechte verlieren.

Genau deswegen sei die soziale Frage die Kernfrage.

Anmerkung: Weil sie doch alles andere mehr oder weniger die terminiert und umschließt. Deswegen schrieben wir bereits, die soziale Frage muss bei der Bewegung in den Mittelpunkt.

Nolte weist noch einmal darauf hin, dass es nicht die einzige Möglichkeit sein, für eine linke Politik zu kämpfen, sich jetzt der Bewegung anzuschließen, sondern dass man damit auch die Menschen diskreditiert, die sich seit vielen Jahren für linke Politik engagieren.

Ich kenne ja diese Debatte auch von uns, dass damit quasi die Arbeit der vielen Aktiven vor Ort, die seit Jahren immer wieder einmal  Früchte trägt, entwertet wird.

Kühnert weist noch einmal darauf hin dass er nicht glaubt, dass die dass der Aufstieg der AFD nur ökonomische intendiert ist. Das Publikum im Saal ist auch etwas intolerant und lässt Kühnert nicht einfach mal so wie Sarah Wagenknecht zu Ende sprechen.

Ein weiterer kritischer Zuhörer dem als zweiten diese Debatte nicht so viel gebracht hat und der davon enttäuscht ist sagt nur Professor Nolte habe darauf hingewiesen, dass es keine europäische Vernetzung im linken Spektrum gibt.

Er erntet tatsächlich Lacher, als er sagt dass es auch aus russischer Richtung gesteuerte Medien gibt nicht nur solche aus amerikanischer Richtung. Sehr interessant, wie einige im Saals sich anhand ihrer Reaktionen outen, nämlich in der Form,  dass sie offensichtlich nicht verstanden haben, dass RT Deutsch, Sputnik und so weiter selbstverständlich Propagandasender sind. Es geht doch nichts über ein gesundes Maß an Naivität oder Wirklichkeitsverweigerung, vor allem bei Linken, das macht das Realpolitische bei ihnen ja auch schwierig. Die nächste Teilnehmerin, die selbst in Chemnitz war und sehr gegen das Bashing der Menschen dort plädiert, wird leider abgeschnitten, das Video endet an dieser Stelle.

Was haben wir also mitgenommen?

Selbstredend bin ich aufgrund meiner Mitgliedschaft in der LINKEn und wegen der Arbeit am Dossier „Aufstehen“ mit den Grundzügen der Argumentation für und gegen die Bewegung vertraut. Ich kann es  nicht ändern: Das einzig wirklich Neue ist gewesen, wie gut Wagenknecht die Verbindung zwischen dem Sozialen und dem Gesellschaftlichen zieht. Das war sehr souverän und daraus werde ich an paar Anleihen bei der Kommentierung künftiger Beiträge zu diesem Thema nehmen können. Im Grunde ist sie diejenige, die inklusiv argumentiert, nämlich, dass man nicht den gesellschaftlichen Fortschritt, der vor allem Gruppeninteressen betrifft befürworten, aber eine Mehrheit sozial hängen lassen kann, weil die Benachteiligten, die, nebenbei, auch keine starke Minderheiten-Lobby im Rücken haben, beide Entwicklungen zu etwas verdichten, was ihnen keine Zustimmung entlocken kann.

Damit haben wir natürlich nicht geklärt, wie „Aufstehen“ sich entwickeln wird und einige Grundfragen nur angerissen und kreative Aspeke wurden auch nicht sichtbar, aber es gibt einige Aussagen und Festlegungen, an die wir uns später erinnern können, wenn alles konkreter wird und sich mehr ausformt.

© 2018 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

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