Tiere der Großstadt – Tatort 1066 / Crimetime 74 // #Tatort #TierederGroßstadt #Karow #Rubin #RBB #Berlin

Crimetime 74 - Titelfoto © RBB / Degeto / Conny Kleinonline.de

Berlin, Animal World

Wie schnell man alt wird, sieht man am Berliner Tatort-Team Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke). Für mich sind die beiden noch ungewohnt.  Subjektiv gesehen nicht integriert in die Gesellschaft der Ermittlerteams der deutschen Premium-Krimi-Reihe. Dabei ist „Tiere der Großstadt“ schon ihr achter Film und sie sind seit 2015 dabei, Start war „Das Muli“, zuletzt lief „Meta“ als Wiederholung, der letzte Tatort der beiden vor dem heutigen. Und „Ätzend„, die Nr. 2 von 8.

Aber die beiden sind auch nicht als Identifikationsfiguren gedacht. Kein anderes Team ist so aufgestellt worden wie die neuen Berliner – Großstadt = maximal unsympathisch. Vielleicht ist das Ganze ein Langfristprojekt, in dem sich die Figuren entwickeln dürfen, was beim Tatort eher die Ausnahme ist oder doch dezent gehandhabt wird. Wir zeigen den

ARD-Trailer und im Anschluss -> Inhaltsbeschreibung, Besetzung, Stab

Handlung

In dem neuen Berlin-„Tatort“ mit Rubin und Karow geht es parallel um zwei Fälle – Polizeialltag nicht nur in der Hauptstadt: Kurz hintereinander werden die Ermittler an Tatorte in der City und am Stadtrand gerufen. Mitten auf dem Kurfürstendamm liegt Tom Menke, Betreiber des „Robista“ Coffeshops, tot in seinem Kiosk. Der Roboter, der hier statt eines Menschen Kaffee ausschenkt und verkauft, steht still.

Im Grunewald ist eine junge Frau unterwegs, die über das erste Grün in der noch winterlichen Natur bloggen will. Zu ihrem Entsetzen entdeckt sie eine leblose Joggerin. Gerichtsmedizinerin Nasrin Reza findet Wildschweinhaare in der großen Wunde des Opfers. Nina Rubin übernimmt die Ermittlungen im Fall der toten Carolina Gröning, Karow konzentriert sich derweil auf den Fall Tom Menke. Er muss bei der Wartung seines Barista-Roboters umgekommen sein. War das ein Unfall? Kathrin Menke scheint sonderbar unberührt vom Tod ihres Mannes, sie interessiert sich mehr für ihre Katzen.

Auch ein alter Mann erregt Karows Aufmerksamkeit: Albert kann aus seinem Fenster genau auf den Platz des Tatorts sehen. Aber stimmen die Geschichten, die er erzählt? Schließlich geraten in beiden Fällen die Ehen der Opfer in den Fokus. Denn auch bei Reno Gröning und seiner Frau Carolina gab es Spannungen, ein großer Verlust überschattete die Beziehung.

Mit interessanten Charakteren und Darstellern, starker Bildsprache und einem ungewöhnlichen Soundtrack eröffnet dieser Film eine sehr emotionale Sicht auf Berlin, diesen „Zoo“ einer Millionenstadt. Beim achten Einsatz von Rubin und Karow gerät sogar ein Roboter unter Mordverdacht – zum ersten Mal in einem „Tatort“ (Eigenwerbung ARD).

Rezension (enthält Angaben zur Auflösung)

Wie schnell man alt wird, sieht man am Berliner Tatort-Team Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke). Für mich sind die beiden noch ungewohnt.  Subjektiv gesehen nicht integriert in die Gesellschaft der Ermittlerteams der deutschen Premium-Krimi-Reihe. Dabei ist „Tiere der Großstadt“ schon ihr achter Film und sie sind seit 2015 dabei, Start war „Das Muli“, zuletzt lief „Meta“ als Wiederholung, der letzte Tatort der beiden vor dem heutigen. Und „Ätzend„, die Nr. 2 von 8.

Aber die beiden sind auch nicht als Identifikationsfiguren gedacht. Kein anderes Team ist so aufgestellt worden wie die neuen Berliner – Großstadt = maximal unsympathisch. Vielleicht ist das Ganze ein Langfristprojekt, in dem sich die Figuren entwickeln dürfen, was beim Tatort eher die Ausnahme ist oder doch dezent gehandhabt wird.

Der achte ist auch der bisher kälteste aller Rubin-Karow-Tatorte. Die Wildschweine, die Katzen, die Roboter, die Kaffee ausschenken oder Fußball spielen, irgendwo zwischen einer Natur, die zurückkehrt in die Städte und künstlich geschaffenen Wesen dümpelt der Mensch vor sich hin und atomisiert sich emotional. Dass Karows Freundin irgendwann Alexa heißen würde, das war sowas von zu erwarten. Aber von wem stammt der Brief? Von ihr sicher nicht, denn die war in einer Berliner Schule und kann nicht lesen und schreiben. Aber sie erkennt Stimmungen, das ist doch auch was. Und Rubin hat auch ein Beziehungsleben, das mit ihrem Sohn. Und dessen Fahrübungen – nun ja. Wenn Roland Suso Richter und Kameramann Max Knauer nicht so gute Bilder liefern würden, dann würde man erst merken, wie Old School in Wirklichkeit vieles an diesem Tatort 4.0 ist.

Polisten, welche einsame Wölfe sind, also auch Tiere der Großstadt, gibt es schon lange. Wäre Karow nicht noch so auf Krawall und Mobbing gebürstet, wäre er nicht so weit weg von Max Ballauf und Rubins Dasein als Ex-Familienmensch ist auch ein Klassiker des Großstadtlebens. Die Frage ist jetzt, verhebt sich „Tiere der Großstadt“ an seiner Parabel über die Vereinsamung der Menschen in dieser Zeit, die sich sogar dadurch materialisiert, dass Karow und Rubin zwei komplett voneinander getrennte Fälle bearbeiten, zwischen denen es am Ende abera auch gar nicht den erhofften Zusammenhang gibt, das, worauf wir Zuschauer über viele Jahre eingestimmt wurden: So abstrus es scheinen mag, alles hat miteinander zu tun. Hier nicht. Hier bleibt auseinander, was nichts miteinander zu tun haben sollte. So auch Karow und Rubin, die dem unzugänglichen Kollegen doch so gerne etwas näher käme. Aber – man kann noch etwas entwickeln. Dann, wenn die Welt gut geworden ist. Wenn wir alle wieder miteinander sind und die Roboter auch ein paar Vorteile haben, dann wird auch alles gut werden zwischen Karow und Rubin.

Wenn man vom Robista, also vom Barista-Roboter als Tatwerkzeug absieht, sind die Todesfälle eher unspekakulär und die Spielzeit muss ja auch zwischen ihnen aufgeteilt werden. Die Aufklärung ist dann aber doch recht einfach und lässt genügend Raum füs Atmosphärische, das hier schon in Richtung große Oper der Einsamkeit getrieben wird. Die Bilder und die Musik sin sehr gut, wo auch soll die Harmonie herkommen? Man muss gar nicht so furchtbare Typen inszenieren wie die vollkommen unempathischen Kids, die den Toten an der Barista-Maschine entdeckt haben, um zu begreifen. Aber das zeitweise ziemlich aufs Plakative setzende Drehbuch will es so, also wird es so gefilmt. Vielleicht will man solche Leute auch einfach nicht sehen und findet die Szenen mit ihnen deshalb beinahe unerträglich. Dafür entschädigen die süßen Katzen. Hätte mein Lebenspartner die kleine Weiße verschenkt, hätte ich ihn auch von einem Roboter ermorden lassen. Erinnerungen an Blofeld werden wach: Es ist immer die Person mit der weißen Katze.

2018-10-23 Tatort 1066 Tiere der Großstadt - Katze von Tom KleinDie besten Zeugen sind vielleicht Raben, sie sehen alles, aber sagen nichts, während alte Männer in Zeitreisen gefangen sind und dann doch den richtigen Hinweis geben. So wickelt man den Kriminalfall en passant ab, um mehr Zeit fürs Wesentliche zu haben: Die Großstadt und wie sie immer unmenschlicher wird.

(Foto links: Twitter)

Finale

Vielleicht ist es doch an der Zeit kundzutun, dass die Welt, die hier gezeigt wird, so subjektiv ist wie jede andere, nur etwas mehr gestylt. Diesbezüglich herrscht mittlerweile geradezu ein Überbietungswettbewerb und man kann nicht sagen, dass der Film bei der Entwicklung der Bildsprache schon am Ende ist. Dahinter kommen jedoch Urängste und Verhaltensweisen zum Vorschein, die wir schon lange kennen. Seit Jahrzehnten gibt es alles, was wir in „Tiere der Großstadt“ sehen, außer vielleicht Schweine auf dem Kudamm. Gerade heute ist wieder ein sonniger Berliner Tag. Ein Kampftag auch, aber da geht es immer um Menschen und um echte Gefühle und echte Leidenschaft.

© 2018 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Hauptkommissarin Nina Rubin – Meret Becker
Hauptkommissar Robert Karow – Mark Waschke
Kommissaranwärterin Anna Feil – Carolyn Genzkow
Assistent Mark Steinke – Tim Kalkhof
Gerichtsmedizinerin Nasrin Reza – Maryam Zaree
Tom Menke – Martin Baden
Kathrin Menke – Valery Tscheplanowa
Reno Gröning – Kai Scheve
Carolina Gröning – Tatiana Nekrasov
Zeuge Albert – Horst Westphal
Entwickler Klaas Andresen – Frank Leo Schröder
Bloggerin Charlie – Stefanie Stappenbeck
Knut Jansen – Daniel Krauss
Tolja Rubin, Sohn von Nina – Jonas Hämmerle
u.a.

Drehbuch – Beate Langmaack
Regie – Roland Suso Richter
Kamera – Max Knauer
Schnitt – Patrick Wilfert
Szenenbild – Detlef Provvedi
Musik – Nils Frahm

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