Letzte #Computer/herstellung Deutschlands in #Augsburg wird dicht gemacht, aber wir haben ja #Fachkräftemangel (AA, DER SPIEGEL) // #Fujitsu #Wirtschaftsboom #Wirtschaftsstandort #Industriequote #BIP #Reindustrialisierung


2018-06-24 MedienspiegelMedienspiegel 108-109

„Das Fujitsu-Werk in Augsburg gilt als Exot. Noch immer werden am Standort in Schwaben Computer hergestellt. Bald nicht mehr“, titelt die Augsburger Allgemeine.

„Der japanische Computerkonzern Fujitsu macht ein Werk in Augsburg mit 1500 Beschäftigten dicht. Deutschlandweit sind weitere 300 Stellen gefährdet. Nun wird über einen Sozialplan verhandelt“ (DER SPIEGEL).

Warum ein Sozialplan? Sind nicht längst Auktionen angesetzt, bei denen sich andere Firmen meistbietend um die frei werdenden Mitarbeiter_innen balgen? Bei dem eklatanten Fachkräftemangel, der in Deutschland angeblich herrscht, wäre das doch die logische Konsequenz der Werksschließung in Augsburg, angesichts des jahrelangen „Wirtschaftsbooms„.

Mit dem Beitrag in der AA ist eine Umfrage von Civey verbunden, in der man sich entscheiden kann, welche Unternehmensgrößen für die deutsche Wirtschaft am wichtigsten sind. Knapp 9 Prozent der Abstimmenden haben sich für die kleinen Unternehmen entschieden, über 80 für die mittleren, fast 6 für die Großunternehmen und 3,5 Prozent wissen es ehrlicherweise nicht. Ich war bei den 80, von wegen innovativer industrieller Mittelstand und sowas. Fujitsu gehört auf jeden Fall zu den Großen, mit weltweit 140.000 Mitarbeitern, Tendenz offenbar abnehmend, nicht nur in Deutschland.

Aber die Großunternehmen bieten immer noch die meisten Arbeitsplätze an, deswegen heißen sie ja Großunternehmen und die Tendenz ist auch hier: genau, abnehmend. Dieses Bashing der Exportindustrie, Automobilsektor, ist vollkommen unsinnig, denn sie verlagert ohnehin immer mehr Anteile ihrer Produktion ins Ausland. Andere, wie die Roboterfirma Kuka, die als Kooperationspartner von Fujitsu erwähnt wird, werden gleich komplett nach China verscherbelt. Niemand greift ein und schützt Technologieführer wie diesen oder stellt zumindest Reziprozität in der Form her, dass die Chinesen nur einen Anteil von unter 50 Prozent erwerben dürfen, wie es umgekehrt auch der Fall ist.

Werke entstehen, Werke werden geschlossen. Deutschland hatte 2017 einen Industrieanteil am BIP von 25,7 Prozent, Statista weist beinahe exakt den gleichen Anteil aus, das ist einer der höchsten in der EU und von allen klassischen Industrieländern, die allerdings längst zu Dienstleistungsländern geworden sind. Die Zielvorgabe der EU lautet hier nur auf 20 Prozent und wird von den Euro-Ländern, welch Zufall, aufs Zehntel genau eingehalten. Aber Deutschland hat auch anspruchsvolle Sozialaufgaben zu bewältigen und eine besonders ungünstige Altersstruktur, die erhebliche Belastungen in der Zukunft mit sich bringen wird – von Unwägbarkeiten ganz abgesehen, die seit der Bankenkrise neu hinzugekommen sind. 1989, vor der Wende, lag der Wert für Westdeutschland aber noch bei beinahe 40 Prozent.

Diesen Wert wieder zu erlangen, ist ebenso unrealistisch, wie die Zahl von 60 Prozent um 1960 herum außergewöhnlich und dem Wiederaufbau-Boom geschuldet war, verbunden mit relativ niedrigen Löhnen. Aber das Ziel kann nicht sein, einen weiteren Abstieg hinzunehmen, sondern den Wert zwischen 25 und 30 Prozent zu halten, um auch weiterhin Arbeitsplätze mit hoher Wertschöpfung zu gewährleisten. In Teilen bedeutet das, sich endlich über eine strategisch angelegte Reindustrialisierung Gedanken zu machen, wie sie in den USA versucht wird – freilich auf die protektionistische Art und nicht erst, seit Donald Trump Präsident geworden ist.

Habe ich schon erwähnt, dass mein erster, in Deutschland  hergestellter Laptop von Fujitsu Siemens stammte und noch heute bei mir eingelagert ist? Die Verabeitungsqualität war um Längen besser und auf längere Nutzungsdauer ausgelegt als bei meinem aktuellen Gerät vor mir auf dem Tisch, das von ebenjener Firma stammt, mit der Fujitsu 2017 eine „Kooperation“ eingegangen ist.

TH

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