Von wegen deutsche Sparer leiden unter der EZB-Politik (Robert Häring – Geld und mehr) // #Draghi #MarioDraghi #EZB #Niedrigszinspolitik #NorbertHäring #Sparer #Sparzinsen

Medienspiegel 110

Wir veröffentlichen heute noch einmal einen Beitrag aus dem Vorgängerblog „Rote Sonne 17“, den wir Ende Mai 2017 geschrieben haben, weil EZB-Chef Mario Draghi gestern verkündet hat, dass er nun gedent, die Nullzinspolitik seines Instituts bis Sommer 2019 fortzusetzen – wir setzen damit unsere Berichterstattung von gestern fort.

„Die deutschen Sparer sind die Hauptleidtragenden der Niedrigzinspolitik der Notenbanken, heißt es immer wieder. Sie bekommen keine Zinsen mehr auf das Ersparte. Das stimmt, ist aber nur ein kleiner Teil der Wahrheit. Wer Vermögen hat, profitiert massiv von der EZB-Politik. Der Grund für die Kritik aus Deutschland liegt ganz woanders“, schreibt Robert Häring in seinem Wirtschaftsblog. Aufmerksam wurden wir auf den Beitrag durch einen Verweis der „Nachdenkseiten“, die den Beitrag verkürzt wiedergegeben haben. 

In dem Beitrag sind viele interessante Zahlen wiedergegeben, trotzdem ein paar Anmerkungen:

·        Im Wesentlichen läuft es gemäß bezogenem Beitrag darauf hinaus, dass die EZB mit ihrer an den Interessen der schwächeren Euroraum-Staaten orientierten Niedrigzinspolitik nicht die deutschen Sparer schwächt, sondern diejenigen mit großen Vermögen stärkt. Die von uns mehrfach beschriebene Fehlsteuerung von Kapitalanlage in Immobilien, welche diese im Wert stark steigen lässt, wird erwähnt und hilft vor allem dem oberen Mittelstand, starke Vermögenszuwächse zu erzielen, während „Habenichtse“ und kleine Vermögensbesitzer, die ihr Geld tatsächlich nur auf dem Sparbuch halten oder in festverzinsliche Wertpapiere stecken, durchaus benachteiligt sind. Der Beitrag steht unserer Ansicht nicht entgegen, dass hier wieder Politik ohne Rücksicht auf die niedrigen Einkommensschichten betrieben wird – freilich ist das nur für diejenigen relevant, die überhaupt die Möglichkeit haben, etwas anzusparen.
·        Ärgerlich finde ich deshalb die Überschrift, die suggeriert, deutsche Sparer würden eben nicht unter der EZB-Niedrigzinspolitik leiden. Es ist schlimm genug, dass 40 Prozent der Menschen gar kein Nettovermögen vorweisen können. Wir sind also weit von der einstigen Maxime „Wohlstand für alle“ entfernt.
·        Herausgestellt wird hingegen, dass das deutsche Bruttovermögen (und noch mehr wohl das Nettovermögen) im Wesentlichen eben nicht aus Sparguthaben besteht, was wiederum richtig ist, es für die Sparer, also für die Kleinanleger, keineswegs besser macht. Wer aber wenig auf der Seite hat, dies in klassische Niedrigzinsanlagen steckt und gleichzeitig etwa Verbraucherkredite bedienen muss oder sein Konto um ein paar Euro überzogen hat, die bei weitem nicht so an der Niedrigzinspolitik teilgenommen hat wie die Guthaben, siehe den mittlerweile riesigen Abstand zwischen Guthabenzinsen für Spar- und Girokonten (nahe Null oder Null) und für Dispo-Kredite (in der Regel zwischen 8,5 und 12,5 %), der wird durch die aktuelle Niedrigzinspolitik gleich doppelt geschädigt.
·        Dass die Versicherungswirtschaft unter der Niedrigzinspolitik leidet, ist bekannt – letztlich trifft dies aber auch wieder die kleineren Vermögensbesitzer, die ihr Geld z. B. in Kapital-Lebensversicherungen gesteckt haben und nun damit klarkommen müssen, dass Renditezusagen nicht eingehalten werden können.
·        Der Schlussabsatz sieht die Dinge zu linear. Insbesondere große, exportorientierte Unternehmen mit internationaler Präsenz finanzieren sich meist auch international, so können also durchaus Unternehmen anderer Länder auch bei deutschen Banken Kredite aufnehmen, außerdem sind die von der EZB vorgegebenen Refinanzierungskosten der Banken im Euroraum natürlich überall gleich.
·        Weiterhin beobachte ich nicht, dass deutsche Unternehmen z.B. in Frankreich massiv zukaufen, sondern eher Vorgänge in die andere Richtung. Das liegt auch daran, dass die Wirtschaftspolitik des Staates dort strategisch ausgerichtet ist, in Deutschland hingegen nicht.

Aus der Sicht von 2018 fügen wir noch folgende Überlegungen hinzu: Wortwörtlich würden wir den Beitrag heute so nicht mehr schreiben, aber eine Überarbeitung behalten wir uns aus Zeitgründen für später vor. Hingegen müssen wir unbedingt beifügen, dass die schwachen Zinsen zwar dem deutschen Staat beim Schulden abbauen helfen, dafür aber die Altersvorsorge, auch die staatliche, die ohnehin unter Druck steht, weiter belastet – und dass die Immobilienblase gefördert wird, die ja immer mehr zum Schwerpunktthema dieser Publikation wird, ist oben nicht stark genug hervorgehoben, weil es immer mehr zum Zentral-Fail dieser Niedrigzinspolitik wird. Richtig ist aber auch, dass die deutsche Sparbuch-Sparer in Wirklichkeit fast nie positive Realzinsen erwirtschaften konnten.

TH

© 2018, 2017 Der Wahlberliner, Thomas Hocke 

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