Kompromiss um Groß-Bauvorhaben in Kreuzberg: Postbankgebäude bleibt Bürohaus, DEGEWO baut 311 städtische Wohnungen // #Mieterproteste #IGHAB @HeimatNeue #MietenVEberlin #Mietenwahnsinn_stoppen #Berlin #Gentrifizierung @BGemeinwohl #Kreuzberg #XBerg

2018-08-31 Dossier 2 Mieter, kämpft um diese Stadt!Medienspiegel 131-133 / Serie „Mieter!“

Vier Jahre lang dauerte das Tauziehen zwischen dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und dem Investor „CG“ (Christoph Gröner) um das ehemalige Postbankgebäude am Halleschen Ufer 60. Jetzt wurde eine Lösung gefunden.

623 Wohnungen, überwiegend mit freier Preisgestaltung, also hohen Kaltmieten von ca. 13 Euro / m²,  im „Turm“?

Das wollte der Bezirk  nicht und heraus kam nun dieser Deal: 311 Wohnungen, alle gefördert, werden von der städtischen DEGEWO neu erstellt. Auf Grund, den die DEGEWO von der CG kaufen muss, um das Vorhaben durchzuführen. Das Postbankgebäude bleibt ein Bürohaus, in dem die CG neue Firmen ansiedeln will.

Ist allen damit gedient? Ist das eine sogenannte Win-Win-Situation? Die Presse urteilte ein wenig unterschiedlich, hier und hier nachzulesen. Wie der Investor CG über das Verhalten des Bezirks dachte, bevor es jetzt zur Lösung kam, kann man am Haus selbst sehen, denn sein Ärger drückt sich in einem riesigen Plakat aus.

Daher wollten wir mit einer Meldung abwarten, bis die Politik eine offizielle Mitteilung zur Sache herausgibt. Das hat die SPD heute getan:

Die SPD Friedrichshain-Kreuzberg begrüßt, dass nach vier Jahren Stillstand beim Postscheckamt an der Möckernbrücke nun endlich die Perspektive für eine bedarfsgerechte Entwicklung des Areals eröffnet wurde.

Der Kreisvorsitzende Harald Georgii: „Seit Beginn der Planungen im Jahr 2014 haben wir uns stets dafür ausgesprochen, dass hier, zwischen dem Halleschen Ufer und dem einstigen Anhalter Bahnhof, bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden soll. Dies wird nun unter der Verantwortung der landeseigenen Wohnbaugesellschaft Degewo geschehen. Damit profitiert der Bezirk von 311 bezahlbaren Wohnungen, die auf Dauer erhalten bleiben. Gleichzeitig entsteht neuer Gewerberaum. Neben den wirtschaftlichen Impulsen, die davon für den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg ausgehen, entlastet dies die angespannte Situation bei Gewerbeflächen. Unsere Erwartung ist, dass davon auch Start-ups und kleinere Unternehmen durch günstige Flächen profitieren. Hier kann der Investor Christoph Gröner jetzt entsprechende Impulse setzen.“

Sebastian Forck, Vorsitzender der SPD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg (BVV): „Die Einigung zwischen dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg und der CG-Gruppe bietet eine Grundlage für weitere Gespräche. Aus unserer Sicht muss es nun darum gehen, nicht nur die Profitinteressen der Investoren zu bedienen, sondern die nachhaltige Entwicklung des Gemeinwohls im Blick zu behalten. Dabei sollte auch ein Angebot an Gewerbetreibende unterbreitet werden, die in unserem Bezirk von Verdrängung bedroht sind. Das neue Quartier benötigt aber auch eine angemessene soziale Infrastruktur, die über den Bedarf der reinen Wohnbebauung hinaus geht. Daran werden wir arbeiten.“

Harald Georgii (Kreisvorsitzender)

Sebastian Forck (Fraktionsvorsitzender BVV)“

Wie auch immer die Bewertung am Ende ausfallen wird, der Stillstand ist vorbei und eines der größten Bauvorhaben in Kreuzberg kann endlich starten. Allein dafür muss man im Grunde allen Beteiligten danken. Sicher wird es weitere Meldungen dazu geben und wir bleiben dran.

Auf ironische Weise spiegelt sich das Hin und Her der letzten Jahre schon während der Bauzeit:

War nun das Postbankhaus zum Zeitpunkt seines Entstehens das höchste Gebäude in Berlin? Als es 1965 begonnen wurde, wäre es das gewesen, nimmt man die endgültige Höhe von 88,77 Metern als Ist-Zustand an. Aber noch während der Arbeiten wurde sehr rasch das „Wohnhochhaus Ideal“ in der Gropiusstadt hochgezogen, Fertigstellung 1969, und kam auf eine Höhe von knapp über 90 Meter. Es wurde sogar von Bauhaus-Doyen Walter Gropius selbst entworfen, was man dem Klotz nicht ansieht.

Damit war das Postbankhaus zumindest nicht mehr das höchste Gebäude, aber noch das höchste Bürogebäude. Schon ein Jahr vor seiner Fertigstellung, 1970, wurde das „Park Inn“ am Alexanderplatz gebaut, das heute noch ein architektonischer Markstein im Ostteil der Stadt ist und mit 123 Metern Höhe noch immer das zweithöchste Haus in der Stadt. Das Postbankgebäude hatte offenbar eine sehr lange Bauzeit und wurde erst 1971 fertig. Der höchste Büroturm war es dennoch. Heute steht es auf Rang 14 der höchsten Häuser in Berlin. Funk- und Fernsehturm haben wir dabei selbstverständlich außen vor gelassen.

„Nach den Plänen des Oberpostdirektors Prosper Lemoine wurde das Gebäude des damaligen Postscheckamtes Berlin West von 1965 bis 1971 errichtet. Es hat 23 Geschosse und gehört mit einer Höhe von 89 Metern bis heute zu den höchsten Gebäuden in Berlin. Das Hochhaus besitzt eine Aluminium-Glas-Fassade und wurde im sogenannten „Internationalen Stil“ errichtet. Die Gestaltung des Gebäudes orientiert sich an Mies van der Rohes Seagram Building in New York.“ (Wikipedia)

TH / Dank an Daniel Diekmann für die schnelle Zuleitung der Presseerklärung

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