Update / Die Studentin Anna* siegt in zweiter Instanz gegen die Eigenbedarfskündigung der Anwältin, die in eine Substandard-Wohnung einziehen wollte // #annableibt #wirbleibenalle @HeimatNeue @BGemeinwohl #Gentrifizierung #IGHAB #Mietenwahinsinn_stoppen #Mieterproteste #Verdrängung #Neukölln

2018-06-24 MedienspiegelMedienspiegel 144 / Serie „Mieter!“

*Name von der Redaktion des „nd“ geändert.

Dieser Beitrag muss heute Abend noch sein.

Vor zehn Tagen berichteten wird ausführlich über die Studentin Anna und der Vermieterin V, welche Anna aus ihrer kleinen Neuköllner „Substandard-Wohnnung“ verdrängen wollte. 

Damals bezogen wird uns auf einen Artikel im „nd“ („neues deutschland“) und schilderten, wie Anna vor Gericht gegen eine Frau  verlor, die als Anwältin geltend machte, in einer kleinen Wohnung mit Küchendusche und Gangklo in Neukölln hausen bzw. dort einen zweiten Wohnsitz begründen zu wollen. An dem Tag hatten wir etwas Zeit, nicht nur  Spuren zu (ver-) folgen, sondern auch ein Statement über die soziale Dimension des Vorgangs abzugeben.

Heute berichtet das „nd“ wieder über Anna und die Eigenbedarfsklage ihrer Vermieterin.

Anna hat in zweiter Instanz endlich (ihr) Recht bekommen und darf im Schillerkiez wohnen bleiben, das ja auch wegen Institutionen wie dem „Syndikat“ im Moment eine populäre Verdrängungsgegend geworden ist. Besser: Durch das „Syndikat“ ist das, was dort abläuft, besonders in den Fokus der Stadtöffentlichkeit gerückt. Das Landgericht hat heute entschieden, dass Anna bleiben darf.

Wir haben in unserem Sonntagsbeitrag ein wenig anders für Anna argumentiert als jetzt das Gericht das offenbar getan hat, allerdings vor demselben Hintergrund: Der Plausibilität der Fahrten nach Karolinenhof hin und zurück. Der Unterschied kam auch dadurch zustande, weil einiges im damals bezogenen Beitrag des „nd“ anders zu lesen bzw. nicht enthalten war.

So fehlte uns die wichtige Information, dass der Immobilienkaufmann K, Mann der Vermieterin V, ein Homeoffice im Haus der Eheleute in Karolinenhof betreibt.

Andererseits nahm sich die wirtschaftliche Stellung der Eheleute V / K seinerzeit etwas oberschichtiger aus: Da war von ganzen Häusern als Eigentum der V die Rede, zu denen unter anderem das Gebäude in Neukölln zählen soll, in dem Anna lebt.

Das mag nun so oder so sein, auf jeden Fall hat die Anwältin V andere Möglichkeiten, sich in der Stadt eine Bleibe zu organisieren, als die Studentin Anna aus ihrer Wohnung zu schmeißen. Und plausibler als anhand unserer Überlegungen zu den Fahrzeiten von Neukölln bis Karolinenhof wird die Eigenbedarfsgeschichte aufgrund des vermutlichen Maklerbüros im Südosten der Stadt nicht.

Können wir diesen Fall zu unseren journalistischen Akten legen?

Oder kommt es wirklich so, dass die Vermieterin nicht nachlässt, obwohl es offenbar keine Revisionsmöglichkeit für sie geben soll? Bemerkenswert, dass es überhaupt zweier Rechtszüge bedurfte, bis Anna in einem so offensichtlichen Fall von missbräuchlicher Eigenbedarfskündigung obsiegen konnte.

Unsere Solidarität heute auch mit Anna, die zwar nicht so heißt, aber wir mögen den Namen und ihr Fall ist der erste, der während unserer Berichterstattung zum Mietenwahnsinn in Berlin zumindest einen vorläufigen und offenbar rechtssicheren Abschluss gefunden hat.

Mehrfach in den letzten Tagen, zuletzt hier, haben wir über die spektakuläre Schlacht um die 700 Wohnungen in der Karl-Marx-Allee berichtet, die von der Deutsche Wohnen geschluckt werden sollen – was der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und die Stadt Berlin verhindern wollen. Und nun wieder dieser Kampf eines einzelnen Menschen, der sich nicht beugen wollte.

Ob es um eine kleine Mietwohnung geht oder um eine Kaufsumme von mehr als 300 Millionen Euro, ob um das Schicksal einer einzelnen Person, die mit kaum Mitteln gegen ihre übermächtige Vermieterin antritt, welche ihr grundlos den Krieg erklärt hat oder um eine gut organisierte Gemeinschaft von Mittelständlern, die gegen das Großkapital zu Felde zieht: Immer ist es David gegen Goliath und immer geht es darum, die Soziale Stadt nicht aufzugeben, sie nicht den Profiteuren der Wohnungskrise zu überlassen.

Well done, Anna.

TH / Dank an Daniel Diekmann für die rasche Weiterleitung der Info.

Update: Im Moment ist Annas Sieg tatsächlich in Berlin ein Trending Subject, wie diese Tafel zeigt und war schon einige Stunden in Umlauf, bevor wir unseren Beitrag schreiben konnten – das Modul, mit dem diese Übersichten erstellt werden, war mir bisher nicht bekannt, auch dafür ein Dank an Daniel Diekmann:

2019-03-04 Annableibt - Schillerkiez

 

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