Townhouses und #Aktiendeutsche – kleiner Flug von Brooklyn nach Berlin im Privatjet von Friedrich Merz // @BGemeinwohl @HeimatNeue / #Mietenwahnsinn #Mietenwahnsinn_stoppen #Berlin #Brooklyn #Townhouse #Privatjet #FriedrichMerz #Merz #Vermögen #Kapitalismus #Neoliberalismus #Verdrängung #Gentrifizierung #Ungleichland #unten

2018-06-24 Kommentar

Wir in Berlin mit unserer Gentrifizierung – Kleinkram. Und überhaupt: Wir sind sowas von Nachzügler. Oder?

Heute stellen wir mal einen Beitrag aus dem STERN ins Schaufenster, der den Vorzug hat, dass die Tagesaktualität bei ihm nicht die große Rolle spielt. Dafür ist er sehr grundsätzlich.

In dem Beitrag wird beschrieben, wie in Stadtteilen New Yorks nicht mehr bisherige Mieter durch andere ersetzt werden oder durch eine Eigentümergemeinschaft, sondern ganze Gemeinschaften weichen müssen, damit eine einzige Familie oder gar nur ein einzelner Mensch sich auf 1.300 Quadratmetern ausbreiten kann. 1.300 Quadratmeter, das ist auch die typische Fläche für ein komplettes Berliner Jahrhundertwende-Haus oder zumindest für einen von mehreren Bauteilen, wenn das Haus auch Seitenflügel etc. aufweist.

Wir stellen uns also vor, aus 20 Mietwohnungen von 70 oder 80 m² wird einfach ein Haus für eine Partei von Superreichen. Undenkbar? In Berlin wurden schon viele Häuser komplett „entmietet“ und dann konnte man darin nach Herzenslust Investorenträume verwirklichen. Inklusive Änderung der Wohnungsaufteilung. Ist dieses Vorgehen, wie es im STERN beschrieben ist, also prinzipiell denkbar? Selbstverständlich, wenn man die Entmietung hinbekommt. Es steht  nicht so im Text, aber denkbar ist ja bei solchen Profitaussichten, wie sie hier beschrieben werden, dass Mieter herausgekauft, also abgefunden werden. Und viele ahnen ja nicht, dass die Summen, die man ihnen anbietet, lächerlich sind.

Hypergentrifizierung – Blick in die Zukunft

Der Preis dafür und fürs Ganze wäre in Berlin niedriger als in New York, das ist der   Unterschied. Teile Brooklyns sind mittlerweile bekannt für ihre Tendenz zur Hypergentrifizierung, aber ein solches Vorgehen ist natürlich die Krönung von allem, viel mehr geht nicht, es sei denn, man legt mehrere Nachbarhäuser zusammen oder es ist zufällig mal Platz für die Erstellung eines hippen Anbaus. Auch diese Variante gibt es in Berlin.

Das wäre doch auch zu reizvoll, sowas in Berlin zu verwirklichen. Ein FDP- oder  zwei CDU-Wähler anstatt des ganzen roten Volks, das in  manchen Bezirken noch so zahlreich ist. Wohnraum vernichten und alles, was gemäß Haus & Grund kein Recht mehr auf Wohnen in der hypergentrifizierten Stadt hat, irgendwo in die Pampa abdrängen. Das Kapital will dieses Volk aus den Augen haben, das dafür sorgt, dass das Kapital überhaupt existieren darf. Diejenigen, die das Kapital füttern, werden dafür verdrängt.

Und wer glaubt ernsthaft, man könne sich die 32 Millionen Dollar, die das beschriebene Haus in Brooklyn kostet, erarbeiten? Vielleicht, indem man im Showbusiness eine ganz große Nummer darstellt oder im Sport. Aber sonst nur dadurch, dass man von denen profitiert, die man verdrängt. Nein, Berlin ist nicht New York, aber die Relationen zwischen Durchschnittsverdienst und dermaßen Auswüchsen von Dekadenz sind ähnlich gelagert: Ein Ungleichland macht vor, wie andere  Ungleichländer bald auch aussehen könnten.

Wir können nicht beeinflussen, wie sich die USA entwickeln, aber wir können uns dem Modell verweigern, das dort mittlerweile für immer mehr Menschen zur Lebenslüge wird, genau wie in Europa. Und wir können uns anschauen, wie es bald hier auch zugehen könnte, denn die USA sind uns ja immer noch in fast allem ein Stück voraus. Auch beim neoliberalen Kurs. Wenn wir zulassen, dass Typen wie Friedrich Merz in Deutschland das Sagen haben, wird es noch schlimmer werden als bisher.

Oder doch lieber Aktien?

Ach ja, der Herr Merz wieder. Zuletzt haben wir uns dazu geäußert, wie er ein Herz für Obdachlose hat. Es geht aber auch etwas höher. In einem heutigen FAZ-Beitrag empfiehlt er allen Ernstes, die Deutschen zu Aktionären zu machen. Die Deutschen! Oder die gar die Bevölkerung in Deutschland?

In Berlin kann sich fast niemand ein Stadthaus zum allein wohnen leisten. In Berlin können sich nur wenige aus redlich verdientem Geld Luxuswohnungen im Millionenbereich leisten.

In Berlin können zwei Drittel aller Menschen überhaupt kein Vermögen bilden.

Diese Tendenz verschärft sich durch die stark steigenden Miet- und Kaufpreise weiter, die von den Neoliberalen angeheizt werden, so gut es geht. Und wenn jemand wirklich mal ein paar Euro auf die Seite schafft, empfiehlt Merz die Anlage in Aktien. Nur zehn Jahre nach dem letzten Finanzcrash. In einem Wirtschaftssystem, das immer krisenanfälliger wird?

Weite Teile Europas haben heute noch nicht die Folgen von 2008 verdaut und der DAX, der deutsche Börsen-Leitindex, fällt gerade, obwohl durch die Niedrigzinspolitik der EZB das Geld sowohl in den Immobilien- als auch in den Aktienmarkt strömt.

Nur Großverdiener können heute am Aktienmarkt so operieren, dass sie einen guten Risikomix  erzielen können – oder sie müssen sich auf die Weisheit von Fondsmanagern verlassen. Und die haben fast alle die Krise von 2008 nicht vorhersehen können.

Blöd für jemanden, der gerade in Rente geht, sich auf ein paar zusätzliche Euro fürs monatliche Budget aus seinem kleinen Aktienvermögen freut und das Geld dann braucht, wenn sich der Wert des Portfolios aufgrund einer Krise gerade halbiert hat. Solche Abschwünge sind am Aktienmarkt selbst dann keine Seltenheit, wenn damit keine Krise der Realwirtschaft einhergeht. Das Großkapital kann sich gegen solche Schwankungen mit Derivaten in Form von Gegenwetten und anderen Maßnahmen absichern, aber der Durchschnittsanleger, meist noch von ebenso ahnungslosen wie provisionsgierigen Beratern in irgendwelchen Bankfilialen auf die falsche Spur gesetzt, durchblickt dieses Spiel nicht.

Richtig gute Vermögensberater, die das können, die hat aber – genau, das Kapital. Diese hochbezahlten Spezialisten für bestimmte Anlageklassen, die wissen, wie man wirklich Geld macht. Beispielsweise dadurch, dass man Steuervermeidung für die Mandanten organisiert.

Bei Friedrich Merz gewinnt man wirklich den Eindruck, der Mann hat keine Ahnung von diesem Land, das er mal führen will und wie es heute hier aussieht.

Aber zum Glück sind viele Menschen in einer Sache nicht ganz so naiv wie teilweise anderswo: Sie himmeln nicht jeden Kapitalisten an, nur, weil er reich ist und fragen nicht nach dem „Wie konnte es dazu kommen?“ Trotzdem wählen sie CDU oder FDP – ich muss mich abrupt korrigieren.

Bloß kein Neid, es ist alles organisch

Was einige interessierte Propagandisten des Kapitals gerne als Neiddebatte diskreditieren will, ist jedoch nichts als gesunder Menschenverstand, also das, worauf die Konservativen ja so viel Wert legen. Was manche Menschen an Kapital angehäuft oder geerbt haben, ist Ausdruck nicht von Erfolg durch Leistung, sondern der Beweis des Gegenteils. Die größten Gauner und die größten Erben, die drehen das große Rad. Dazu zähle ich explizit auch diejenigen, die uns viele Jahre lang schrottige Computertechnik für Überpreise verkauft haben und dann hingehen und ihr Vermögen durch Stiftungen der Allgemeinheit entziehen, damit sich sich als Scheinphilantropen ein paar elitäre Projekte heraussuchen können, in die sie das Geld stecken, das sie weltweit erbeutet haben.

Friedrich Merz wird sich vermutlich kein Townhouse in New York für 32 Millionen Dollar leisten können, obwohl er die neoliberale Transatlantikbrücke von deutscher Seite betreibt, ein Netzwerk von Kapitalisten und dem Kapital dienlichen Politker_innen und natürlich auch der Mainstream-Presse. Aber so ein schnuckeliges Aädquat in Berlin für fünf oder sechs Millionen? So viel kostet ein Privatjet nämlich auch. Mindestens. Und so viel sollte gute Lobbyarbeit für die Reichen doch einbringen. Sonst frustriert dieser Job ja nur und man kommt nie über den gehobenen Mittelstand hinaus.

Habe ich schon erwähnt, dass nicht die New Yorker Hyper-Hyper-Gentrifiziere und ihre deutschen  Lobbyisten wie Friedrich Merz die Avantgarde und die Typen von morgen sind, sondern die solidarischen Aktivist_innen in den Mieterbewegungen? Sie sind keine Nachzügler im Wettrennen um einen Zipfel vom Kapitalismus, sie tragen dazu bei, dass wir alle zumindest das Gefühl haben, wir sind nicht komplett machtlos. Sie helfen der Demokratie beim Überleben.

© Der Wahlberliner, Thomas Hocke

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