Syndikat lässt Syndikat auffliegen // @Mieterproteste @KiezinAktion @BGemeinwohl @HeimatNeue / @syndikat44 #Mietenwahnsinn #Mitte #Berlin #Gentrifizierung @derjochen #Vorkaufsrecht #Umwandlung #Verdrängung #Milieuschutz #Kiezkneipe #Syndikat #PearsGlobal #Kurfürstendamm #Wilmersdorf #Schillerkiez #Neukölln #Synidkatbleibt

2018-06-24 Medienspiegel

Wie ist es, wenn ein Syndikat ein Syndikat enttarnt und öffentlich macht? 

Dieser Frage ging der Tagesspiegel nach – und hat dazu heute einen Artikel korrigiert, der bereits  vor ein paar Tagen erschien.

Für uns die passende Gelegenheit, in den Fall „Kiezkneipe Syndikat“ in Neukölln einzusteigen. Das haben wir nämlich leider – nicht verpasst, aber aus Kapazitätsgrenzen bisher auslassen müssen, weil zu diesem besonderen, aber nicht untypischen Fall von Kiezkultur-Verdrängung doch in kurzer Zeit viele Nachrichten kamen und alle schreibenden Finger mit News zu Vorgängen beschäftigt waren, die wir bereits eng verfolgen, wie etwa den spektakulären Kampf Deutsche Wohnen gegen 700 Mieter_innen im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg.

Aber auch das Syndikat ist medial im Fokus. Die Initiative „Syndikat bleibt“ / „Syndikat 44“ hat über 800 Follower auf Twitter und ist damit eine der am meisten beachteten Mieterinitiativen in Berlin.

Bis vor kurzem waren die Aktivisten von „Das Syndikat“ aber eine von vielen Kiez-Initiativen, die gegen Verdrängung kämpfen.

Bis ihnen ein Recherche-Coup gelang: Sie schafften es, durch Insistieren, durch hartnäckiges Forschen immerhin die Firma ausfindig zu machen, die ihnen das Lebenslicht ausblasen wollte: Pears Global. Das hat geradezu Correctiv-Charme.*

Offenbar ein Investor, der auf besondere Diskretion Wert legt und, anders als etwa die Deutsche Wohnen, nicht auf höchst offensive Weise gegen die Mieter_innen vorgeht. Was ist schlimmer? Der Angriff mit offenem kapitalistischem Visier oder der diskrete, böse Charme der Briefkastenfirmen? Die Antwort: Beides sind Auswüchse eines fehlgesteuerten Wirtschaftssystems, das massive Ungleichheit produziert und Mieter_innen zu Geiseln der Immobilienmafia gemacht hat.

2018-09-14 Social Media HotspotAm 22. November kam es dann zur Aktion vor Ort. Wer den Kudamm und seine Immobilienfirmen ein wenig kennt: Wie überaus peinlich ist ihnen sowas. Nun gut, nicht allen, aber doch einigen.

Zum Beispiel denen, die sich durch ihren Verband GdW ein Neusprech-Deckmäntelchen über die Profitgier hängen wollen und nicht durch diesen netten Herrn von Haus & Grund vertreten werden, dessen Aussagen wie dafür geschaffen sind, um in einer vom Mietenwahnsinn gequälten Stadt antikapitalistische Pogromstimmung zu fördern. Hier gibt es ein Video zur Kundgebung:

Das Syndikat mit seinem großen kreativen Potenzial (bitte den Twitter-Account etwas zurückblättern)  und seinem extrem guten Story-Telling gibt uns das etwas ungewöhnliche Gefühl,  eher von der etwas zu bürgerlichen Seite zu kommen, obwohl wir befreundete Genoss_innen im Schillerkiez haben. Jedenfalls waren wir mit denen noch nicht im Syndikat, weder vor der Kündigung des Mietvertrages, noch danach.

Aber wer ist nun „PearsGlobal“? Na, eben ein Syndikat. Ein Sammelsurium von Briefkastenfirmen mit Sitz in Luxemburg, also einem territorialen Steuervermeidungstatbestand und damit einer Form von großflächig organisiertem Verbrechen gegen die Allgemeinheit. PearsGlobal betreibt

  • 6000 Einheiten in Berlin (nicht 6000 Häuser, wie ursprünglich gemeldet, dann wäre die Pears Global vermutlich größer als die Deutsche Wohnen),
  • besteht, soweit bisher bekannt, aus 76 Briefkastenfirmen,
  • die Namen der Eigentümer konnte das Syndikat durch einen Einblick ins dänische (!) Handelsregister ermitteln,
  • die „Property“-Firmen von Pears Global kündigen sehr gerne a.) alteingesessene Kiezläden und das b.) durch eine Hausverwaltung, die gar keine Vollmacht dazu hat, das steht so im Tagesspiegel.

In manchen Fällen müssen die Kündigungen allerdings rechtmäßig gewesen sein, sonst wären sie nicht zum Politikum geworden. Dass auch das Syndikat einen Ersatzvertrag angeboten bekam, wie etwa der Blumenladen „Pusteblume“, ist uns bisher nicht bekannt geworden. Hier noch ein aktueller Veranstaltungshinweis:

In diesem Sinne heute unsere Solidarität mit dem Syndikat in Neukölln, nicht mit dem am Kudamm, in Luxemburg oder wo auch immer.

TH

Medienspiegel 148 / SMH 109-111 / Serie „Mieter!“

*Das Recherchekollektiv correctiv_org hat die Cum-Cum- und Cum-Ex-Geschäfte in ihrer ganzen Dimension publik gemacht.

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