Wir kriegen euch alle – Tatort 1073 / Vorschau 02.12.2018 DAS ERSTE 20:15 Uhr // #Tatort #München #TatortMünchen #BR #Batic #Leitmayr #Wirkriegeneuchalle

Titelfoto © BR / Tellux Film GmbH, Hendrik Heiden

Sie haben wirklich alle gekriegt

Sie sind die absoluten Helden. Im weiten Tatort-Land. Die beiden Münchner Ivo Batic und Franz Leitmayr. Als sie 1991 antraten, waren sie das erste gleichberechtigte Ermittlerteam und auf diese Weise haben sie bisher 79 Fälle in 27 Jahren gelöst, „Wir kriegen euch alle“ ist demnach die Nummer 80.

Aber die Cops in der Bayern-Hauptstadt haben nicht nur die meisten Tatorte inspiziert, sie sind auch qualitativ die größte Nummer. In der Rangliste des Tatort-Fundus stehen ihre vier besten Fälle auf den Plätzen 1 (mit uneinholbarem Abstand, wie es scheint, liegt „Nie wieder frei sein“ vorne, den wir hier bereits besprochen haben), dann folgt „Der oide Depp“ auf Platz 5 und weiter geht’s mit den Plätzen 16 und 18. Das ist eine einmalige Ansammlung von Spitzen-Tatorten für ein einzelnes Team, selbstverständlich befördert durch die hohe Zahl an Fällen, aber nicht nur.

Die ebenfalls sehr renommierten Kölner Ballauf und Schenk, mit denen sich Batic und Leitmayr gerade um Platz 4 in der Gesamt-Durchschnittswertung bewerben, halten zwar in der Gesamtrangliste derzeit die Plätz 6 und 8, aber deren „drittbester“ Fall folgt erst auf Platz 44. Die Kölner kommen bisher auf 71 Fälle, sind also mit den Münchenern bezüglich der Zahl an bisher gedrehten Filmen am besten vergleichbar.

Lena Odenthal, die Dienstälteste unter den Tatort-Kommissar_innen – sie startete bereits 1989 und liegt auf Platz 3 bei der Zahl der Fälle  (67) -, sieht die besten davon gegenwärtig auf Platz 32 und 33. Nicht wenige als sieben Tatorte von Batic und Leitmayr sind besser platziert.

Die Münchner sind eine Macht und irgendwie wird man den Eindruck nicht los, dass es den Bayern nun einmal liegt, Qualität zu produzieren, nicht nur Tatorte betreffend. Das haben sie sich über Jahrzehnte  hinweg erarbeitet. Ihr erster Ermittler Melchior Veigl war zwar eine der prägenden Persönlichkeiten der frühen Tatort-Jahre, aber sein bester Film kommt heute auf Platz 310 – anders als etwa die Tatorte des NDR-Kommissars Finke zählen sie nicht zu den Megaklassikern der 1970er.

Auch die ersten Film des heutigen Spitzenduos aus München waren nicht die Brüller. Die Aufstellung des Teams war schon sehr modern und die Art, wie ihre Filme inszeniert wurden, zumindest für 1991 fortschrittlich, aber bei den seinerzeit noch recht jungen Darstellern Nemec und Wachtveitl, die vorher überhaupt nicht bekannt waren, haperte es noch ein wenig an darstellerischer Statur. Das hat man alles hinter sich gelassen und durch kontinuierliche Arbeit etwas erreicht, was sich vermutlich niemals wiederholen lässt und vermutlich werden die beiden auch ihr 30jähriges Dienstjubiläum feiern dürfen.

So lange ist es ja nicht mehr hin, bis zum Jahr 2021. Werden sie auch das erste Team sein, das die 100er-Marke bei der Zahl der Tatorte knackt, also etwa so viele Filme für die Reihe gedreht haben wird, wie in 1970ern im Ganzen entstanden? Solange es mit der Spitzbubenleiter noch klappt, gibt es keinen Grund, die beiden für auserzählt zu  halten.

Die Kölner mit ihrer höheren Taktfrequenz tun ihr bestes, um das zu verhindern, aber nach einer Zeit, in der es aussah, als könnten sie die Münchner einholen, wirkt es im Moment, als ob Gleichstand herrscht – und damit der Vorsprung der Bayern erst einmal erhalten bleibt.

Das war heute mal eine ziemlich wettbewerbliche Vorschau, wir wollten aber angesichts des grausigen Themas auch nicht vorgreifen und über die Serienmörder reflektieren, die es bisher schon gab und dass sich die Vorschau liest, als hätte man wieder einmal bei Steven King Anleihen genommen, erwähnen wir an dieser Stelle nur kurz. Was sagen andere Kritiker schon vor der Ausstrahlung?

„Der sperrige, sensible Problemstoff und der schnittige, suggestive Horror sind über Strecken nicht vereinbar. Auch fehlt der Geschichte zuweilen das emotionale Zentrum, weil Opfer- und Täterschaft durcheinandergeraten. Was der smart kalkulierten Horrorwirkung dieses visuell ausgereizten Thrillers am Ende keinen Abbruch tut: Senta mit ihren kalten Kulleraugen und Santa Claus mit seinem Buschmesser sorgen für Frostschauer im Hochsommermünchen.“

– Christian BußSpiegel Online[2]

„Vieles stimmt nicht so recht an diesem Film, darunter auch viele Kleinigkeiten wie jene, dass in die meisten Münchner Haushalte gar nicht der Weihnachtsmann, sondern der Nikolaus und das Christkind kommen, und dass in Minute 24 ein halb volles Saftglas aus einer Hand übergeben wird, dann aber leer in der anderen Hand ankommt. Die Kommissare Batic und Leitmayr sind in den vergangenen 27 Jahren in vielen ganz wunderbaren Filmen zu sehen gewesen und in einigen ziemlich fürchterlichen. Der 80. Tatort aus München gehört zu den ziemlich fürchterlichen. Klarer Fall von schlechter Routine.“

– Katharina RiehlSüddeutsche Zeitung[3]

 

Beide Stimmen zitiert nach der Wikipedia
TH

 

Handlung

In einer Münchner Villa werden die Eltern eines kleinen Mädchens auf besonders brutale Weise ermordet. Die kleine Lena hat das Massaker überlebt. Sie wurde betäubt. Batic und Leitmayr finden sie schlafend in ihrem Schwebezelt im Garten.

Das chinesische Au-pair-Mädchen Chi Ling hat die Nacht durchgetanzt. Sie erzählt den Kommissaren, dass Lena vor dem Mord von einem Weihnachtsmann gesprochen habe, der in der nächsten Nacht komme. Und tatsächlich zeigt eine Überwachungskamera einen Weihnachtsmann im nächtlichen Garten. Doch wie kam der Mann ins Haus? Hat Lena ihm die Tür geöffnet? Und welche Rolle spielt dabei Lenas Smartpuppe Senta?


Besetzung und Stab

Hauptkommissar Franz Leitmayr – Udo Wachtveitl
Hauptkommissar Ivo Batic – Miroslav Nemec
Assistent Karl-Heinz „Kalli“ Hammermann – Ferdinand Hofer
Kommissar Ritschy Semmler – Stefan Betz
Gerichtsmediziner Dr. Matthias Steinbrecher – Robert Joseph Bartl
Kinderpsychologin Barbara Jenschura – Anne Werner
Oma Frida Braubacher – Rosemarie Krause
Theo, Leiter der Selbsthilfegruppe– Sebastian Weber
Hasko, Teilnehmer in der Selbsthilfegruppe – Leonard Carow
sein Nachbar Gonzo – Michael Kranz
Ralf, Teilnehmer in der Selbsthilfegruppe – Martin Feifel
Wolfgang Faber – Thomas Limpinsel
Danielle Faber, die Ehefrau – Daniela Jurgens
Tochter Lena Faber – Romy Seitz
Chi-Ling, Au-pair-Mädchen bei den Fabers – Jing Xiang
Volker Grein – Stephan Schad
Rose Grein, die Ehefrau – Elisabeth von Koch
Tochter Gretchen Grein – Lilly Walleshauser
Sohn Louis Grein, Verlobter von Maggie – Jannik Schümann
Maggie, Au-pair-Mädchen bei den Greins – Yun Huang
Rico Kastl – Herbert Schäfer
Sohn Jonathan Kastl – Oscar Vogt
Grossmann K15 – Martin Müller
u.a.

Drehbuch – Michael Comtesse, Michael Proehl
Regie – Sven Bohse
Kamera – Michael Schreitel
Schnitt – Dirk Göhler
Szenenbild – Christine Caspari
Musik – Jessica de Rooij

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