2018-346 Zwangsweise smart wohnen oder zur Tafel müssen oder doch AirBnB? Was alles mit der Deutsche Wohnen machbar ist und wie es sich liest, wenn besorgte Hailobbyisten Angst davor haben, dass Haie Haie fressen // @HeimatNeue @Mieterproteste @SusanneHoppe2 @KiezinAktion @Mieterproteste @BGemeinwohl @HeimatNeue / @BMieterverein #DWenteignen #DeutscheWohnen #Mietenwahnsinn #Mitte #Berlin #Gentrifizierung #Vorkaufsrecht #Verdrängung #Milieuschutz #Milieuschutzgebiet #Straßenliste

2018-06-24 Medienspiegel

12. Dezember 2018.

Heute & hiermit erscheint der erste Beitrag unserer neuen Rubrik „Ein Tag in Miet-Berlin.“

Gestern haben wir dazu einen Einführungsbeitrag geschrieben.  Und womit beginnen wir heute das Eigentliche? Nicht mit der Karl-Marx-Allee, obwohl dazu andauernd neue Meldungen kommen. Vielleicht gerade deswegen nicht. Aber mit der Deutsche Wohnen können trotzdem anfangen und damit bleiben wir ja ziemlich im Thema.

Und nun zu etwas vollkommen anderem: smart wohnen!

Immer, wenn man von der DW liest, geht es um Verdrängung, Enteignung und solche furchtbaren Sachen. Deswegen dachten wir, heute muss mal was Positives zu dieser Firma sein. Man kann nämlich mit der DW nicht nur überteuert, sondern auch smart wohnen, dazu erschien jüngst ein Beitrag in „Der Freitag“. Was für ein zukunftsorientiertes Unternehmen die DW ist, kann man dort nachlesen. Sie hat nämlich ein anderes Unternehmen namens GETEC übernommen und will nun mit diesem zusammen intelligente Gebäudesteuerung entwickeln. Wer jetzt glaubt, darunter sei zu verstehen, dass Gebäude intelligent an Plätze gesteuert werden, wo besonders dringend Wohnraum benötigt wird und sich dort preislich von selbst so anpassen, dass die Milieus erhalten bleiben, liegta aber nicht ganz richtig.

Vielmehr geht es um das Übliche, was wir schon kennen: Smarte Telefone, smarte Fernseher, Kühlschränke, die selber einkaufen gehen, Alexa, mit der wie  nie allein sind, Saugroboter für den Schaum der Tage, was eben heute das Leben erträglich  macht, das ansonsten kaum noch zu ertragen wäre. Das, was nun die DW und die GETEC entwickeln, heißt Mia und ist in der Lage, Alexa eifersüchtig zu machen. Mia ist derzeit einer der beliebtesten Namen für Mädchen,, 2016 war er sogar der allerbeliebteste. Die DW ist also am Puls der Zeit, mit ihrer „Meine intelligente Assistenz“, wenn man davon absieht, dass die Abkürzung für einen deutschen Begriff steht. Vielleicht fühlt sich eine Firma, die Deutsche Wohnen heißt, dazu aber auch verpflichtet. Deutsche Wohnen, das klingt ja fast wie „Das Auto“. So selbstverständlich. Wer will schon anders als deutsch wohnen, in Deutschland? Und der Service erst.

In der Carl-Legien-Siedlung am Prenzlberg, lesen wir, haben Mieter_innen schon Post erhalten, in der die Installation von Bewegungsmeldern angekündigt wird, das ist das Basis-Paket von MiA. MiA für Anfänger. Damit wird Licht in Bad und Flur automatisch kontrolliert, damit wir nicht mehr vergessen, unsere 11-Watt-Energiesparlampen auch schön auszumachen, wenn wir den Raum verlassen. Wieso wir? Wir wohnen doch gar nicht in der Carl-Legien-Siedlung? Wir Mieter eben, wir fühlen uns immer solidarisch.

„(… ) Was in den Informationen für die Mieter fehlt, sind Informationen über die Höhe von Folgekosten, Wartung und Reparatur, darüber, wie Service-Prozesse bei Dienstleistern aussehen, die an MiA beteiligt sind, und was überhaupt mit Datenschutz, Systemsicherheit, Haftung und daraus folgenden Mieterumlagen ist. Wenn ich die „Deutsche Wohnen“ wäre, würde ich dazu auch lieber nichts sagen.“

Ist das jetzt wieder fitzelig und technikfeindlich? Die Deutschen und die Deutsche Wohnen, das ist eine schwierige Kiste, vor allem, wenn diese Deutschen a.) Mieter, b.) Journalisten, c.) Politiker_innen sind. Damit endet der Beitrag im Freitag auch schon. Habe ich erwähnt, dass sie bei uns noch nicht die Rauchmelder eingebaut haben, aber letztes Jahr die Fernabfrage für die Heizungen und den Wasserstand? Bei wohnungsinternen Überflutungen von mehr als 1,2 Meter Höhe, wenn also die Unterkante des Messsensors im Zähler erreicht ist, wird jetzt automatisch Alarm ausgelöst und wer mehr als 2.000 BE Heizung pro Körper verbraucht, wird kaltgestellt. Irgendwann gibt es sicher auch Kameras von den Vermietern zwangsweise geschenkt, die dann wirklich jede Bewegung beobachten und auch genau hingucken, ob wir nicht etwa am Schreibtisch sitzen und vermieterkritische Artikel verfassen.

Andererseits geben wir so viele Daten freiwillig preis, wie es eigentlich nur Vollidioten tun, aber das ist der Deal: Daten zum Verwerten für alle, also für die Werbung und die Geheimdienste gleichermaßen, gegen das günstige Internet und das kommende günstige Internet der Dinge. Habe ich 2. schon erwähnt, dass ich nicht glaube, dass sich der ganze Aufwand lohnen würde, wenn es wirklich nur um die Ausforschung der Konsumgewohnheiten der mit Smart-Lösungen Beglückten ginge? Die meisten, die heute in Berlin und anderswo enorme Mieten zahlen müssen, haben doch kaum noch Konsumgewohnheiten.

Und damit zu etwas vollkommen anderem: kein Konsum. Tafeln.

Wer heute in einer Wohnung lebt, welche z. B. der Deutsche Wohnen gehört und künftig auch noch nette Freundinnen wie MiA verpasst bekommt, der kann häufig nicht mehr wirklich Geld für den Konsum ausgeben, dessen Kaufkraft strebt also in großen Schritten gegen Null. Dafür hat er ja dann eine smarte Wohnung, aber MiA kann  man nicht essen, das ist der Nachteil, den sie gegenüber Haustieren aufweist, die man zu sich nehmen könnte, wenn mal wieder, danke der angemessenen Mieten der DW oder anderer freundlicher Vermieter, am Ende vom Geld noch viel Monat übrig ist. Schon gut, war ja nur eine Überlegung, mit den Haustieren. Müssen auch nicht die eigenen sein.

Wer vor lauter Miete nichts mehr zum essen kaufen kann, der hat ja bei uns noch andere Möglichkeiten. Darüber berichtete kürzlich der STERN. 940 Tafeln gibt es in Deutschland, gefühlt die Hälfte davon in Berlin. Im Stern hat sich der Vorsitzende dieser Tafeln besorgt darüber geäußert, dass immer mehr Rentner_innen bei ihm bzw. den vielen Ehrenamtlichen aufschlagen, die das Essen an den Tafeln ausgeben. Das ist kein findiges Schnäppchenjagen oder „Ich mach heute mal einen sozialen Desaster-Tag“, man muss nämlich  nachweisen, dass man bedürftig ist, wenn man bei den Tafeln Essen fassen will.

Lassen wir mal die wie immer oberflächliche Betrachtungsweise im STERN über die Wirtschaftskraft des Landes und die Arbeitslosenzahlen beiseite, weil sie den Beitrag teilweise unlogisch wirken lässt, sondern kümmern wir uns ums Wesentliche. 1,5 Millionen Kund_innen oder Abonnent_innen oder Gäste zählen die Tafeln mittlerweile, besonders die Renter_innen, die früher schon aus Scham nie dorthin gegangen wären, kommen immer häufiger vorbei. Deshalb fordert der Tafel-Vorsitzende einen Armutsbeauftragten für den Bund für jedes Bundesland einen weiteren. Vermutlich, weil damit wieder 17 Personen einen Job hätten, der einigermaßen krisenfest und tafel-abwesenheitssicher wäre, denn die Armut wird nicht so schnell verschwinden und um sie zu verwalten, braucht man auf jeden Fall ein abgeschlossenes Studium, das zum Eintritt in den Höheren Dienst berechtigt.

Möglich wäre auch die Anhebung des Mindestlohns, aber das würde ja doch mehr kosten als 17 Beamt_innen und seit die neoliberale Religion mehr Anhänger hat als der Islam und das Christentum zusammen, werden ja Gewinne immer privatisiert, die Kosten und Schieflagen, also die Folgen dieser Privatisierung hingegen sozialisiert. Zum Beispiel in Form der Tafeln. Dort finden viele Menschen, die Zeit und noch etwas Energie übrig haben, eine ehrenamtliche Beschäftigung, die mit über 200 Millionen Euro zu vergüten wäre, würden die Privatisierungsfans ihre eigenen Ansichten ernst nehmen. Dann wäre das Essen an der Tafel fast so teuer wie das nicht mehr leistbare Essen aus dem Aldi.

Der Tafelchef meint übrigens, man solle doch etwas vorsichtig mit der Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 80 Jahre sein, sonst hätten die jetzigen Ehrenamtlichen ja in seiner, also unserer Generation keine Nachfolger mehr. So richtig nachgedacht hat er da aber auch nicht, denn wenn das Renteneintrittsalter so hoch festgesetzt wird, gibt es ja auch nicht mehr so viele Rentner_innen, die lange Schlangen an der Essensausgabe der Tafeln verursachen können. Die Rentner_innen abzuschaffen, wäre überhaupt die nachhaltigste Lösung zur Verringerung der Armut der Rentner_innen.

Wir haben an anderer Stelle schon darüber geschrieben, dass dank freundlicher Vermieter wie der Deutsche Wohnen auch immer mehr Menschen ihre Bleibe verlieren, besonders natürlich wiederum ältere, ärmere Menschen. Besonders betroffen sind übrigens auch Alleinerziehende und selbstredend deren Kinder. Interessant ist, dass es vom STERN-Beitrag auch eine kürzere Version im Focus gibt, wo die Beschwerde des Tafel-Vorsitzenden über den Umgang mit dem Kollegen von der Essener Tafel nicht erwähnt ist. Besser so. Man soll gerade in einer Stadt wie Essen nicht so viel Politik mit dem Essen machen.

Bitte keine feindliche Übernahme!

Auch die Deutsche Wohnen hat aber ein Gewissen. Deswegen unterstützt sie ganz, ganz viele soziale Projekte. Kann man hier nachlesen. Für Kinder. Für Frauen. Für Frauen und  Kinder. Sind die Bilder nicht süß? So einen Vermieter müsste man haben, der so viele Projekte unterstützt, das würde doch gleich auf die eigenen sozialen Fähigkeiten abfärben. Deshalb hat die Deutsche Wohnen auch Fürsprecher. Zum Beispiel bei der B. Z Dort macht man sich ernsthaft Sorgen, die DW könnte von der Vonovia übernommen werden. Da wäre was los im Haifischbecken, wenn die Nummer Eins die Nummer vier oder fünf am privaten Wohnungsmarkt mit einem Haps verschlingen würde. Und mit diesem Hai vermutlich auch gleich alle seine sozialen Projekte. Die würden dann umgehend in Magensäure aufgelöst. weil Haie, wie sie halt so sind, auch eine besonders aggressive Verdauung haben.

„Die Deutsche Wohnen hat auch Kritiker unter den Mietern auf den Plan gerufen, gilt aber unbestritten als Unternehmen, das sich um Berlin kümmert und vor allem die denkmalgeschützten Gebäude liebevoll instand setzt.“ 

Ah ja, es gibt Kritiker_innen? Wieso das denn. Bei dem Engagement doch nicht! Vermutlich gibt es wissenschaftlich erstklassig gemachte Studien, in denen belegt ist, dass alle außer die DW ihre denkmalgeschützten Bestände komplett verkommen lassen. Gut, wir geben es jetzt zu. Das war etwas unfair, denn der Beitrag stammt aus dem Jahr 2015 und die Vonovia ist zwar längst mit der DW via BlackRock (der Arbeitgeber eines 39-Tage-Politikers namens Friedrich Merz) verflochten, aber sie ist immer noch eine eigene S. E. mit Sitz irgendwo im Nirgendwo, in dem Fall sogar in Berlin. Aber da sieht man, wie eine Stadt in Schieflage kommen könnte, wenn man die DW zu sehr angreifen würde. Aus dieser Perspektive müsste man über die Aktion „DW & Co. enteignen“ nochmal ganz neu nachdenken.

Zum Beispiel so:  Dies alles und noch mehr wäre nicht notwendig, wenn die Mieten etwas niedriger lägen und die Menschen sich selbst ermächtigen könnten, soziale Ideen und Projekt ein die Tat umzusetzen. Schade, dass nicht dabei seht, wie viel vom Umsatz die DW in ihre Projekte investiert und das in Vergleich zur Rendite gesetzt ist, die es bekanntlich bei städtischen und genossenschaftlichen Wohnungsformen gar nicht gibt und die in ihren Anlagen ähnliche Angebote bereithalten. Habe ich schon erwähnt, dass an der Rechnung der DW also irgendwas falsch ist, wenn sie suggerieren soll, sie könnte sich besser ums Soziale kümmern als Menschen, die nicht von ihr mit Höchstmieten ausgequetscht werden, das selbst könnten? Wäre es möglich, dass diese sozialen Engagements eine Art Feigenblatt darstellen sollen, weswegen man möglichst lichte, möglichst weibliche und kinderreiche Bilder verwendet? Fällt uns ja auch richtig schwer, solche Fragen zu stellen. Dann denken wir wieder an die Tafeln und das Bild der sozialen Wirklichkeit erhält wieder schärfere Konturen.

Ein Tipp für Härtefälle.

Für diejenigen, die durch Praktiken, wie sie von der Deutsche Wohnen durchgeführt werden, ihre Wohnung ersatzlos verlieren, haben wie einen super Tipp: Bei der Tafel erst mal und sich via AirBnB unregistriert und gerne zahlungsfrei zurück in den eigenen Kiez mieten. Und dann mal so richtig die Sau rauslassen und der Welt zeigen, was ein Ex-Mieter, jetzt enthauster Nomade, so drauf hat (an dieser Stelle keine Details – habe ich schon erwähnt, dass wir strikt legalistisch sind?). Am besten dafür ein Haus aussuchen, das der DW, der Vonovia oder so gehört. Dabei hungrig geworden? Kein Problem, die nächste Tafel ist sicher nicht weit. Dort trifft man sicher viele nette Rentner_innen. Und  allein erziehende Mütter mit Kindern. Wenn es Mädchen sind, diese Kinder, die seltsam traurige Blick an die Welt senden, heißt vielleicht das eine oder andere von ihnen Mia.

© 2018 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Medienspiegel 170-174

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