UPDATE – Die Meinung der SPD – Postscheckamt am Halleschen Ufer, Art Invest ersetzt CG-Gruppe // @BGemeinwohl @KiezinAktion @HeimatNeue @22Marion_Neuram @BMieterverein @Kiezerhalt #FlorianSchmidt #Mietenwahnsinn_stoppen #Berlin #Gentrifizierung #Kreuzberg #XBerg #ArtInvest #ZechGruppe #CG #ChristophGröner

2019-01-05 medienspiegel aktuelles format

Ja, das scheint so zu sein. Der Fall „Postscheckamt“ kommt zu einem Abschluss. Die Parteien im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg konnten sich offenbar nur schwer auf eine gemeinsame Linie einigen und nicht alle sind zufrieden.

Zumindest fühlte sich die SPD gestern aufgerufen, eine eigene Pressemitteilung herauszugeben, die klarstellt, dass man sich gegen die Grünen und DIE LINKE konzeptionell nicht durchsetzen konnte. Man hofft, das „jahrelange Gezerre“ ist nun endlich vorbei. Man will sich weiterhin für günstigen Wohnraum und langfristige Lösungen für Kleingewerbe und den Mittelstand einsetzen und hofft, die Art Invest schaut nicht nur auf den kurzfristigen Profit. Die SPD betont, als einzige Partei immer die Entstehung von günstigem Wohnraum bevorzugt zu haben, während von Jahr zu Jahr oder von Verhandlungsrunde zu Verhandlungsrunde der Gewerbeanteil des Projekts anwuchs.

Auf eine Weise deckt sich das, was die SPD hier schreibt, mit dem, was wir im Ausgangsbeitrag angedeutet haben: Dass die Art Invest im Grunde ein klassischer Gewerbentwickler ist und selbstverständlich ist sie in erster Linie profitorientiert, das geht bei den Dimensionen und Investitionen, in und mit denen sie unterwegs ist, gar nicht anders. Auf deren Webseite (Verlinkung im Artikel unten) kann man sehen, welch ein großes Rad hier gedreht wird und dass vor allem sehr zahlungskräftiges Gewerbe benötigt wird, um die hohen Investitionen dauerhaft abzusichern. Sollte das ausgerechnet im Postscheckamt ganz anders sein und es herrscht der hoch individuelle Kleingewerbetreibende mit künstlerisch-sozialem Anspruch vor, nicht der solvente Filialketten-Konzern und die üblichen Verdächtigen, die hohe Büromieten zahlen können? Wir lassen uns überraschen.

TH / Dank an Daniel Diekmann für die schnelle Weiterleitung der PM

Ausgangsbeitrag vom 11. Januar 2019:

Die CG-Gruppe ist offenbar raus aus dem Ex-Postscheckamt am Halleschen Ufer (Bezirksteil Berlin-Kreuzberg).

Im November hatten wir über das Hallesche Ufer 60, das berühmte ehemalige Postscheckamt, berichtet und über den interessanten Kompromiss zwischen dem Bezirk, der CG-Gruppe von Christoph Gröner, dem Bezirk und der Einbeziehung der DEGEWO in das Projekt. Demnach hätte Gröner den „Turm“ behalten und für Gewerbeentwicklung genutzt, hätte aber nichts mit dem auf dem Gelände entstehenden Wohnungsprojekt zu tun gehabt, darum hätte die städtische Degewo sich als Bauherr gekümmert. Diese Lösung ist nun offenbar wieder vom Tisch, wie in diesem Beitrag der Berliner Morgenpost nachzulesen ist.

Vielmehr hat der Spezialist für die Entwicklung für Kunst und Gewerbe „Art Invest“ nun übernommen, was wiederum den umtriebigen Bezirks-Baustadtrat Florian Schmidt zu freuen scheint. Die Firma heißt mit vollem Namen „Art Invest Real Estate GmbH & Co. KG“ und ist Teil der überregional und branchenübergreifend agierenden Zech-Gruppe, die nach unserer Einschätzung gegenüber CG der größere Player ist.

Das muss nicht negativ für das Entwicklungspotenzial des Geländes sein, aber man sollte dokumentieren, dass Projekte dieser Größenordnung in der Regel auch von bekannten privaten Marktteilnehmern betrieben werden und es hier nicht um eine Art von Kollektiv bzw. Zusammenschluss nach dem Motto „Kunstbetrieb in Künstlerhand“ unter dem Dach einer am Gemeinwohl orientierten, evtl. kommunalen Entwicklungsgesellschaft geht, sondern um einen kommerziellen Betreiber mit ebensolchen Zielen, der, anders als sein Name vermuten lässt, in seinen regelmäßig in  Toplagen angesiedelten Immobilien vor allem Büros und Einzelhandel beherbergt.

Wichtig ist diese Anmerkung nach unserer Ansicht deshalb, weil doch gerade in Kreuzberg  so viel Wert auf die selbstbestimmte Kiezkultur gelegt wird, auch beim Gewerbe – wie man am Fall Google sehen konnte. Politisch ist das  wirtschaftliche Dach der Art Invest ebenfalls kein unbeschriebenes Blatt, vor allem nicht am Heimatstandort Bremen.

Unseren letzten Beitrag haben wir angehängt, er befasst sich auch in knapper Form mit der Historie des Postscheckamtes / Postbankgebäudes.

Beitrag vom November 2018:

Vier Jahre lang dauerte das Tauziehen zwischen dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und dem Investor „CG“ (Christoph Gröner) um das ehemalige Postbankgebäude am Halleschen Ufer 60. Jetzt wurde eine Lösung gefunden.

623 Wohnungen, überwiegend mit freier Preisgestaltung, also hohen Kaltmieten von ca. 13 Euro / m²,  im „Turm“?

Das wollte der Bezirk  nicht und heraus kam nun dieser Deal: 311 Wohnungen, alle gefördert, werden von der städtischen DEGEWO neu erstellt. Auf Grund, den die DEGEWO von der CG kaufen muss, um das Vorhaben durchzuführen. Das Postbankgebäude bleibt ein Bürohaus, in dem die CG neue Firmen ansiedeln will.

Ist allen damit gedient? Ist das eine sogenannte Win-Win-Situation? Die Presse urteilte ein wenig unterschiedlich, hier und hier nachzulesen. Wie der Investor CG über das Verhalten des Bezirks dachte, bevor es jetzt zur Lösung kam, kann man am Haus selbst sehen, denn sein Ärger drückt sich in einem riesigen Plakat aus.

Daher wollten wir mit einer Meldung abwarten, bis die Politik eine offizielle Mitteilung zur Sache herausgibt. Das hat die SPD heute getan:

Die SPD Friedrichshain-Kreuzberg begrüßt, dass nach vier Jahren Stillstand beim Postscheckamt an der Möckernbrücke nun endlich die Perspektive für eine bedarfsgerechte Entwicklung des Areals eröffnet wurde.

Der Kreisvorsitzende Harald Georgii: „Seit Beginn der Planungen im Jahr 2014 haben wir uns stets dafür ausgesprochen, dass hier, zwischen dem Halleschen Ufer und dem einstigen Anhalter Bahnhof, bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden soll. Dies wird nun unter der Verantwortung der landeseigenen Wohnbaugesellschaft Degewo geschehen. Damit profitiert der Bezirk von 311 bezahlbaren Wohnungen, die auf Dauer erhalten bleiben. Gleichzeitig entsteht neuer Gewerberaum. Neben den wirtschaftlichen Impulsen, die davon für den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg ausgehen, entlastet dies die angespannte Situation bei Gewerbeflächen. Unsere Erwartung ist, dass davon auch Start-ups und kleinere Unternehmen durch günstige Flächen profitieren. Hier kann der Investor Christoph Gröner jetzt entsprechende Impulse setzen.“

Sebastian Forck, Vorsitzender der SPD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg (BVV): „Die Einigung zwischen dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg und der CG-Gruppe bietet eine Grundlage für weitere Gespräche. Aus unserer Sicht muss es nun darum gehen, nicht nur die Profitinteressen der Investoren zu bedienen, sondern die nachhaltige Entwicklung des Gemeinwohls im Blick zu behalten. Dabei sollte auch ein Angebot an Gewerbetreibende unterbreitet werden, die in unserem Bezirk von Verdrängung bedroht sind. Das neue Quartier benötigt aber auch eine angemessene soziale Infrastruktur, die über den Bedarf der reinen Wohnbebauung hinaus geht. Daran werden wir arbeiten.“

Harald Georgii (Kreisvorsitzender)

Sebastian Forck (Fraktionsvorsitzender BVV)“

Wie auch immer die Bewertung am Ende ausfallen wird, der Stillstand ist vorbei und eines der größten Bauvorhaben in Kreuzberg kann endlich starten. Allein dafür muss man im Grunde allen Beteiligten danken. Sicher wird es weitere Meldungen dazu geben und wir bleiben dran.

Auf ironische Weise spiegelt sich das Hin und Her der letzten Jahre schon während der Bauzeit:

War nun das Postbankhaus zum Zeitpunkt seines Entstehens das höchste Gebäude in Berlin? Als es 1965 begonnen wurde, wäre es das gewesen, nimmt man die endgültige Höhe von 88,77 Metern als Ist-Zustand an. Aber noch während der Arbeiten wurde sehr rasch das „Wohnhochhaus Ideal“ in der Gropiusstadt hochgezogen, Fertigstellung 1969, und kam auf eine Höhe von knapp über 90 Meter. Es wurde sogar von Bauhaus-Doyen Walter Gropius selbst entworfen, was man dem Klotz nicht ansieht.

Damit war das Postbankhaus zumindest nicht mehr das höchste Gebäude, aber noch das höchste Bürogebäude. Schon ein Jahr vor seiner Fertigstellung, 1970, wurde das „Park Inn“ am Alexanderplatz gebaut, das heute noch ein architektonischer Markstein im Ostteil der Stadt ist und mit 123 Metern Höhe noch immer das zweithöchste Haus in der Stadt. Das Postbankgebäude hatte offenbar eine sehr lange Bauzeit und wurde erst 1971 fertig. Der höchste Büroturm war es dennoch. Heute steht es auf Rang 14 der höchsten Häuser in Berlin. Funk- und Fernsehturm haben wir dabei selbstverständlich außen vor gelassen.

„Nach den Plänen des Oberpostdirektors Prosper Lemoine wurde das Gebäude des damaligen Postscheckamtes Berlin West von 1965 bis 1971 errichtet. Es hat 23 Geschosse und gehört mit einer Höhe von 89 Metern bis heute zu den höchsten Gebäuden in Berlin. Das Hochhaus besitzt eine Aluminium-Glas-Fassade und wurde im sogenannten „Internationalen Stil“ errichtet. Die Gestaltung des Gebäudes orientiert sich an Mies van der Rohes Seagram Building in New York.“ (Wikipedia)

TH / Dank an Daniel Diekmann für die schnelle Zuleitung der Presseerklärung und für das Update vom 11.01.2019

Medienspiegel 131, 132, 133, 209, 215
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