„Ein Drittel der Privathaushalte in Deutschland hat keine Ersparnisse“ (Handelsblatt) – und was das mit dem #Mietenwahnsinn zu tun hat / #Oben #Unten #Sparen // @HeimatNeue @Mieterproteste @SusanneHoppe2 @KiezinAktion @BGemeinwohl @BMieterverein @22Marion_Noiram @Kiez_Web_Team // #Berlin #DWenteignen #Gentrifizierung #Verdrängung #Milieuschutzgebiet #Mieter #Vertreibung #Milieuschutz #Mieterverein #Vorkaufsrecht #Mietpreisbremse #wirbleibenalle #stadtfueralle #Mietenwahnsinn_stoppen

2019-01-05 medienspiegel aktuelles formatGestern hat das Handelsblatt über eine Umfrage berichtet, in der 31 Prozent der Befragten angaben, über keinerlei Ersparnisse zu verfügen.

Von 13 betrachteten (europäischen) Ländern liegt der Anteil nur in Rumänien mit 37 Prozent noch höher. Allerdings liege das Vermögen derer, die doch welches bilden können, in der europäische Spitzengruppe, heißt es.

Unser Spiegel dazu:

  • Wir haben im Netz als Folgerung gelesen, dass 25 Millionen Menschen in Deutschland nichts sparen können. Das stimmt zwar formal, wenn man eine Umfrage solche zudem als exakt repräsentativ ansieht, aber alle unter 18-jährigen Personen sollte man herausrechnen, nur so ergibt die obige Quote einen Sinn.
    • Mindestens das Sparvermögen, das von den Verwandten Minderjähriger für diese aufgebaut wird, sollte man bis zur vollen Geschäftsfähigkeit der Bedachten den für sie Sparenden zurechnen.
  • Wir halten diese 31 Prozent für recht niedrig angesetzt, zudem gibt es große regionale Unterschiede. In Berlin kann mehr als die Hälfte aller Haushalte offiziell kein Vermögen bilden.
  • Das Medianvermögen in Deutschland ist erschreckend niedrig. Dass diejenigen, die etwas ansparen können, damit im europäischen Vergleich gut aufgestellt sind, dürfte vor allem daran liegen, dass die große Ungleichheit dazu führt, dass relativ wenige Menschen ziemlich viel ansammeln können. Deswegen liegt Deutschland beim Durchschnittsvermögen besser als beim Medianvermögen. Ersteres ist das Volksvermögen, durch die Zahl der Köpfe geteilt, Letzteres die Summe, die eine durchschnittliche Person an Vermögen erwirtschaftet hat.
  • „Sparen“ ist hier vermutlich als Geldvermögen zu interpretieren. Vermögen besteht aus vielen Bestandteilen, auch aus Immobilien oder aus Rentenansprüchen. Vermutlich sähe es bei deren Einbeziehung relativ zu den Einwohnern anderer Länder in Europa noch schlechter aus.
  • Es liegt auf der Hand, dass der Ruf der Deutschen als Sparweltmeister obsolet ist – zumal die Niedrigzinspolitik Sparen so unattraktiv macht, wie es von dieser Politik auch gedacht ist.
  • Selbstverständlich denken wir dabei an die Mieter_innen in Berlin, die meist ohnehin nichts zurücklegen können und nun mit rasant steigenden Ausgaben fürs Wohnen konfrontiert sind.
    • Der Mietenwahnsinn (reale Steigerung 2018 nach einer von uns hier ausgewerteten Quelle 7,7 Prozent) wirkt sich also negativ auf die Konsummöglichkeiten und damit auf die Infrastruktur der Stadt aus. Wenn dieser Entwicklung nicht bald Einhalt geboten wird, kommt eine Abwärtsspirale in Gang, die viele Jobs kosten und die Infrastruktur der Kieze weiter beschädigen wird.
    • Dass im Handelsblatt-Beitrag erwähnt wird, dass in Deutschland die Quote derer, die noch sparen können, schneller sinkt als in anderen Ländern, liegt daran, dass offenbar der Mietenwahnsinn langsam auf Teile des Mittelstands durchgreift, die bisher noch ein bisschen was zurücklegen konnten.
  • Werfen wir einen Blick auf das angesprochene Medianvermögen in verschiedenen Ländern nach OECD-Berechnung und geben wir das Narrativ vom reichen Deutschland endlich auf – für die allermeisten hier ist es ein Hohn, als „reich“ bezeichnet zu werden.
    • Auch an die Freunde & Genoss_innen gerichtet: Bitte nicht unbedarft glauben, was so über reiche und arme Länder in Europa erzählt wird. Die Leistungsbilanz einer Volkswirtschaft ist nicht die einzige und schon gar nicht die am meisten relevante Messgröße, wenn es zur Bewertung des materiellen Wohlergehens der einzelnen Menschen in einem Staat kommt.
    • Deutschland wird seit vielen Jahren sozial und bezüglich des allgemeinen Wohlstands geschliffen wie kein anderes Land in Europa, das Medianvermögen liegt mittlerweile unter dem in Griechenland, das nach allgemeiner Ansicht als Paradebeispiel für Verarmung gilt – und innerhalb der EU weisen mit Ausnahme Portugals nur die osteuropäischen Immer-noch-Konversionsländer eine geringere mittlere Vermögensbildung pro Person auf als Deutschland.
    • Das Land ist derzeit noch vergleichsweise gut ausgestattet mit Produktionsmitteln, aber die sind in wenigen Händen vereint und prunken zudem eher mit Beharrungsvermögen, bestenfalls mit Perfektionierung ausgereifter Produkte im Detail und nicht mit bahnbrechenden Innovationen.
    • Wenn diese Mittel sich in der nächsten Krise verringern, und das ist nicht unwahrscheinlich, wird es richtig eng vor für die Ärmeren, die nicht in aufstrebenden oder rohstoffreiche Ländern investieren und / oder auf fast jede denkbare Vermögensklasse, etwa auf Immobilien oder Unternehmensanteile, setzen können, um sich abzusichern.
    • Kleinere soziale Verbesserungen, die derzeit wenigstens in Rede stehen, dürften dann schnell wieder vom Tisch sein und auch diese Entwicklung trifft sicher nicht die Superreichen.
  • Wir haben diesen Beitrag unter „Mietenwahnsinn“ eingeordnet, weil erst die Armut weiter Bevölkerungskreise in Deutschland deutlich macht, welche Probleme auf uns zukommen werden, wenn nicht endlich mit voller Kraft gegen den Preisauftrieb am Wohnungmarkt gesteuert wird.
    • Weiterhin sieht man, dass man die Mietsteigerungen hier nur bedingt mit denen in Ländern vergleichen kann, in denen die Menschen wesentlich dickere finanzielle Polster haben (und die Eigentumsquoten im Wohnbereich höher liegen).
  • Berlin stellt innerhalb Deutschlands wiederum einen Sonderfall dar: A.) die höchsten Mietsteigerungen im Land seit Jahren, aber b.) ein nach wie vor sehr schwaches Durchschnittseinkommen (91,5 Prozent vom deutschen Durchschnitt nach GfK-Kaukfraftindex, Quelle s. o.) und c.) kaum Vermögen.
  • Aus a.) und b.) ergibt sich c.).
    • Das läuft auf einen Notstand hinaus und daher halten wir es für fraglich, ob bei den angedachten Großeingriffen wie Mietendeckel und Enteignung  das verfassungsrechtliche Übermaßverbot greift, mit dem in einem vergleichsweise fundierten Beitrag im Tagesspiegel, den wir kürzlich gelesen haben, (u. a.) argumentiert wurde, um die Enteignungsvariante als verfassungswidrig einzustufen.
    • Die Berliner_innen werden nicht über Nacht vermögend werden und die Immobilienwirtschaft hat nicht erkannt, dass sie bedenkenlos ein Pulverfass füllt, das bald explodieren könnte.
    • Teilweise Abhilfe durch noch mehr Neubau, der zudem bedarfsgerecht sein müsste, ist ebenfalls nicht in Sicht und würde nach unserer Ansicht auch nicht dazu führen, dass die zinsgetriebene Flucht des Kapitals in die Immobilien zum Ende käme.
  • Das Kapital kann nicht über seine kurzfristigen und partikularen Interessen hinausdenken, deswegen muss die Politik es endlich zum Wohl der Allgemeinheit tun. Zumal sie die gegenwärtige, in jeder Hinsicht prekäre Situation durch falsche makroökonomische, sozial- und arbeitsmarktpolitische Weichenstellungen verursacht hat.

TH

Medienspiegel 267

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