Böse Wohnungen in Berlin / @HeimatNeue #Mietenwahnsinn #wirbleibenalle #Verdrängung

Wir arbeiten derzeit am Zossen-Report, der unter anderem aus technischen Gründen mit mehr Zeitverzögerung kommen wird als üblich.

Um unsere Leser*innen nicht mit dem ganzen Mietenwahnsinn allein zu lassen, wollen wir, startend mit diesem Beitrag, ein paar böse Wohnungen in Berlin vorstellen:

Hier haben wir zum Beispiel eine Wohnung in Mitte für 38 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter. Es handelt sich um eine möblierte Wohnung, mit der man die Mietpreisbremse ganz legal umgehen kann. Nun fragen wir uns natürlich, wie es kommen kann, dass eine Mietpreisbremse so ausgestaltet ist, dass sie derlei krasse Schlupflöcher offen lässt.

Der Mietspiegel in der Boyenstraße liegt zwischen 6,42 und 12,24 Euro, bei einem Mittelwert von 8,43 Euro.

Niemand dürfte normalerweise eine Wohnung zum Preis wie nebenstehend anbieten. Auch nicht in Mitte, in 10115.

Wer aber mietet sowas? Böse Menschen mieten böse Wohnungen, könnte man denken.

So einfach ist es aber nicht ganz. Der IT-Nomade steht im Verdacht, an der Gentrifizierung besonders beteiligt zu sein, weil er für ein paar Monate in der Stadt ist und dann weiterzieht – in eine andere Stadt oder in ein ähnliches Wohnungsangebot in derselben Stadt. Er hat ja nur eine Laptoptasche und einen Kleidersack. Aber stimmt das? Wir meinen, 20 Quadratmeter lassen auf einen Beherbergungsbetrieb schließen, worauf auch der „Cleaning Service“ hindeutet.

Auf Deutsch, es riecht nach Zweckentfremdung, es geht also nicht nur um die legale Mietpreisbremsen-Umgehung durch mehrmonatige Vermietung möblierter Wohnungen. Auch die GEZ zahlen Mieter normalerweise selbst, falls damit die Rundfunkgebühren gemeint sind.

Möblierte Wohnungen waren immer schon teurer und eine Möglichkeit, mehr aus dem Mietraum herauszuholen. Aber 780 Euro für 20 m² sprechen genau davon, warum es die Mietpreisbremse und den kommenden Mietendeckel gibt: Um einen aus den Fugen geratenen Markt zu regulieren, auf dem nicht nur mit Grund und Boden, sondern auch mit möblierten Wohnungen regelrecht oder regelwidrig spekuliert wird: a.) Es wird darauf spekuliert, dass sich Menschen finden, die tatsächlich zu solchen Preisen anmieten, was nicht nur in Mitte derzeit nicht ausgeschlossen scheint, b.) es wird darauf spekuliert, dass niemand nachprüft, ob ein solches Angebot legal ist. Um dies zu überprüfen, müsste man lediglich solche auffälligen Inserate mit einem vorgeblichen Interessenten überprüfen, wie Medien das ab und zu tun, um den Mietenwahnsinn zu dokumentieren. Sie leisten damit Amtshilfe. Und wann kommen die Ämter selbst in die Pötte, um diese Form von Wohnraum-Misswirtschaft und Gentrifizierung zu unterbinden?

Alle Gesetze, welche immer auch kommen mögen, sind nur so gut wie die Überwachung ihrer Einhaltung. Und da sieht es in Berlin, wie üblich, untermittelplusgut aus. Bis das mal besser wird kann man sich an nicht weniger als 26 Fotos für ein 20 m²-Bude delektieren.

Das Foto hat uns die IG HAB @HeimatNeue zugesendet, danke für den Spaß am Morgen!

Aber wir wären ja kein dem Mietenwahnsinn zugeneigtes Netzmagazin, wenn wir nicht noch ein bisschen weiterschauen würden. Und da haben wir zu Beispiel dieses Appartement mit den psychedelischen Kissen in zwei Blaufarben mit Ocker-Eck-Dreiecken gefunden und dem Teppich, der ein Flokati in zeitgemäßem düstergrau werden will, wenn er die Fasern weiter wachsen. Die Nachttischlampe funktioniert und der Balkon ist privat, also nicht für Nachbarn zugänglich, die auf ne Hipsterparty per schnellem Außenweg vorbeischauen könnten.

Dieser Luxus ist ebenfalls in Mitte zu haben und kostet 1010 Euro kalt bei 17 Quadratmeter.

Da haben die Vermieter im oberen Beispiel offenbar die neuesten Entwicklungen verpasst, man kann jetzt auch 59,40 Euro / m² nehmen.

Nun fragen wir uns, wo das noch hinführen soll? Wir werden es sehen. Nach dem Sommerurlaubsloch werden wir vielleicht die ersten 70 Euro / m² Angebote sehen und im Verlauf des Jahres 2020 die Schallmauer von 100 Euro für einen Quadratmeter Berlin überschreiten. Falls jemand schon jetzt etwas in der Art erspäht oder andere schöne Beispiele dafür erspäht hat, dass in Berlin der Bär blechen darf, wir sind für jeden Hinweis dankbar. Wir geben auch einen Credit für Recherche im gehobenen Mietenwahnsinn.

TH

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