Meuterei am Schlangenfluss (Bend of the River, USA 1952) #Filmfest 37

Filmfest 37 A

2019-01-25 filmfest - neue version mit mittiger schrift

Wir beginnen mit dem Trailer für den Film. Trailer sind große Unterhaltung, weil sie, ebenso wie die Filme, für deren Ankündigung sie gefertigt wurden, aber in konzentrierter Form, ein Licht auf ihre Zeit werfen. Mittlerweile gibt es diese Medien auch häufig in sehr guter Qualität, so wie hier. 

Die Trennung nach Prinzipien nimmt ihren Lauf

Die späten 40er und die 50er Jahren waren nicht nur die hohe Zeit der Western, die immer mehr veredelt und mit Psychologie und Symbolik aufgeladen wurden, sie waren auch eine besonders pathetische Zeit. Wer „High Noon“ und die Filme von John Ford mit John Wayne, insbesondere die Kavallerie-Trilogie kennt, weiß, was wir meinen. Dann gab es noch die Pionier-Filme über den Weg der Trails nach Westen, die sich  besonders gut anboten, um die Geschichte der USA überhöht darzustellen und damit dem Land seine finale Identität als Nation der Hoffnung und Erneuerung zu geben.

Mit „Karawane der Frauen“ haben wir jüngst einen solchen Film rezensiert (Wiederveröffentlichung er Kritik im  „neuen Wahlberliner“ ist noch nicht erfolgt). Eine andere Variante des Themas stellt „Bend of the River / Meuterei am Schlangenfluss“ dar, der ein Jahre später gedreht wurde.

Es handelt sich dabei um die erste erfolgreiche Zusammenarbeit des Schauspielstars James Stewart und des Regisseurs Anthony Mann. Insgesamt fünf Western kamen dabei heraus und alle gelten als überdurchschnittlich – und einige weitere Filme, die sehr ansehnlich waren und in anderen Genres angesiedelt. Den zweiten Stewart-Mann-Western, „Nackte Gewalt“, hatten wir zuletzt im Rahmen des Filmfests vorgestellt.

Was uns an „Bend of the River“ besonders gut gefallen hat: Der Kampf des Individuums gegen seine eigene Vergangenheit, kompromisslos gefilmt und für James Stewart eine Erweiterung des Rollenspektrums, das bislang solche Ambivalenzen nicht kannte (sieht man von seiner großartigen, aber ungewöhnlichen Rolle in Hitchcock’s „Cocktail für eine Leiche“ (1948) und seiner frühen Mörder-Rolle im zweiten „Dünner Mann“-Film ab).

Die Dramaturgie des Films ist gut, aber nicht so mörderisch, wie die vermutlich über 30  Toten vermuten lassen, die sich im Laufe von 91 Minuten ansammeln. Die gezeigte Gewalt ist weniger dominant als diese  Zahl vermuten lässt. Und wir meinen, sie ist eine Metapher, dazu schreiben wir aber mehr in der -> Rezension.

Dafür wird der inneren Konflikt gleich durch zwei Figuren personifiziert, Glyn McLintock (Stewart) und Emerson Cole (Arthur Kennedy), die sich begegnen, eine Zeit zusammenbleiben – und sich dann für unterschiedliche Wege entscheiden. Unter dem Druck der Ereignisse spaltet sich die einst differenzierte Gesamtpersönlichkeit der beiden als Gaunerduo in die gute Seite (McLintock) und die böse (Cole) auf.

Schöne Landschaftsaufnahmen, einen jungen Rock Hudson kurz vor dem Durchbruch mit „Was der Himmel erlaubt“ (1954) gibt es auch zu sehen, ebenso wie eine sehr hübsche, aber als „Love Interest“ von McLintock sowohl als auch Cole nicht überzeugend eingebundene Figur. Dafür, dass der Film so reich an Figuren ist, sind diejenigen von McLintock und Cole sehr gut herausgearbeitet, denn der Film ist ja nicht überlang, sondern passt gut in das Format, das Universal als eines der „Minor Studios“ in schönem Technicolor bewältigen konnte.

Handlung

Die USA Mitte des 19. Jahrhunderts. Es ist die Zeit der großen Trecks nach Oregon. Der ehemalige Bandit Glyn McLyntock aus Missouri wird von einem Siedlertreck als Führer angeheuert. Auf dem Weg nach Westen trifft der Treck Emerson Cole, ebenfalls ein Bandit, der in McLyntock den Banditen erkennt. Er ist der einzige, der das Geheimnis McLyntocks kennt, und schließt sich dem Treck an, nachdem McLyntock ihn vor der Lynchjustiz als Pferdedieb gerettet hatte.

Cole zeigt sich als große Hilfe für den Treck, als dieser von Indianern angegriffen wird. Laura Baile ist die Tochter des Treckchefs Jeremy Baile. Sie wird bei dem Angriff der Indianer von einem Pfeil verletzt. Als der Treck Portland erreicht, bleiben sie, damit die junge Frau sich erholen kann. Cole verlässt in Portland den Treck. Von der aufblühenden Stadt verspricht er sich Reichtum, und gleichzeitig will er in der Nähe der schönen Laura bleiben. Während der Genesung Lauras bemüht sich der Treck um Verpflegung und sucht nach geeignetem Siedlerland in Oregon.

Der Winter naht, und die bestellte Verpflegung wird lebensnotwendig. Doch die Lieferungen bleiben aus, da ein Goldrausch in Oregon die Preise für Lebensmittel drastisch erhöht hat.

Handlung aus der WIKIPEDIA.

Die letzten beiden Absätze haben wirdurch eine eigene Beschreibung ersetzt,  denn sie geben die Handlung fehlerhaft wieder und werfen damit ein falsches Licht auf die Motivation der Charaktere.

McLintock will die Lebensmittel aus Portland holen, er hält das seinerzeit im Sommer abgeschlossene Geschäft mit dem Händler war abgeschlossen, unabhängig davon, ob sich die Verhältnisse mittlerweile geändert haben, durch die Goldfunde. Der will ihm die gezahlten 5.000 Dollar zurückgeben, weil er die Sachen jetzt für wesentlich mehr Geld verkaufen kann. McLintock löst die Sache mit Gewalt, hat aber die zwielichtigen Hafentypen schon angeheuert, lässt von ihnen die Waren bereits auf die „River Belle“ bringen, während er noch mit Hendricks, dem Händler, spricht; verschifft sie und die Leute, die er eingestellt hat, müssen auch dabei bleiben, weil sie anstelle der vorgesehenen Männer des Händlers die Lebensmitteln nun ins Siedlungsgebiet bringen sollen. Cole geht mit und hilft McLintock, auch die genesene Laura ist dabei – und Trey Wilson.

Dieser hat sich allerdings nicht in Laura verliebt, wie oben angegeben, die zu dem Zeitpunkt Coles Freundin ist, sondern in deren blonde Schwester Marjie, was auf Gegenseitigkeit beruht, er hat damit ein eigenes, starkes Motiv, sich auf die Seite der Siedler und damit auf McLintocks Seite zu stellen. 

Dass Cole die Bande von schmierigen Figuren geradezu in seine Gewalt bringt, um die Lebensmittel unterwegs an Goldsucher zu verkaufen, ergibt sich erst unterwegs,als man zufällig den Goldsuchern begegnet, die ebenfalls unter Lebensmittelnot leiden. Erst die 100.000  Dollar, welche die Goldsucher für die paar Wagen voller Güter zahlen wollen, lässt Cole umkippen. Das Ganze war keineswegs in Portland schon so geplant.

Rezension

In den frühen Fünfzigern kehrte der gereifte James Stewart dorthin zurück, wo er vor dem zweiten Weltkrieg seinen ersten großen Erfolg gefeiert hatte, in „Destry Rides Again“ (1939) – in den amerikanischen Westen.

Er sah sich nackter Gewalt gegenüber, ritt über den Todespass, kam aus Laramie und kam in Berührung mit der berühmten Winchester 73 – und er überstand die Meuterei am Schlangenfluss.

Das Los eines Westernhelden ist, Tod und Gefahr und jedwede existenzielle Gefahr ins Auge zu fassen und dem Guten zum Sieg zu verhelfen. Das tut in „Bend of the River“ auch James Stewart, einst ein Verbrecher, der sein Leben hinter sich lassen will.

Da trifft er schon zu Beginn des Films auf sein alter ego Emerson Cole, den er aber vorher nicht kannte, auch das wird in manchen Inhaltsangaben falsch dargestellt. Vielmehr hat man voneinander gehört, das ist in den Verbrecherkreisen im Westen so üblich. Ein schlechter Ruf eilt voraus und es ist immer ein Risiko, sich neu zu definieren. Selbst in einem Land, das so sehr das ständige Sich-neu-Erfinden zelebriert wie die USA und in dem Geschichten epischer Statur möglich sind, die das enge Europa gar nicht bieten kann.

Wie zum Beispiel, dass jemand beschließt, neu anzufangen und dafür sein Leben abstreift wie einen zerschlissenen Anzug und sich ein neues sucht. Interessant ist, dass McLintock nicht den Namen gewechselt hat, denn das ist ja ein häufiges Symbol dieser Helden, die aus ihrer eigenen Asche emporgestiegen sind zur Erkenntnis und zum Guten. Das hat man hier wohl bewusst ausgelassen – vielleicht, weil die Beibehaltung zeigen soll, dass James Stewart als Glyn McLintock zu seiner Vergangenheit stehen will und für das geschätzt, was er jetzt ist. Ein aufrechter Mann.

Risiko ist immer. „Wie man sich entscheidet, es ist ein Risiko“, sagt Cole in der vielleicht besten Dialogszene des Films zu McLintock und in dem Moment glaubt man, Cole würde weiter an dessen Seite streiten. Zuvor haben sie darüber diskutiert, was geschehen würde, wenn die Siedler wüssten, dass ihr treuer und für sie kämpfender Treckbegleiter ein Ex-Verbrecher ist. Denn der Chef der Siedler hat sehr strenge Ansichten zu Gut und Böse und hält Menschen für unwandelbar. Schön das Symbol des faulen Apfels, von dem McLintock nicht glaubt, dass es für Menschen geeignet ist.

Der Film hat die Größe, beide Varianten auszuspielen, auch das gab es zu der Zeit noch nicht häufig. Spannend ist nicht nur die Handlung selbst, sondern auch, wie werden Cole und McLintock den Versuchungen der hohen Summen widerstehen, die plötzlich im Spiel sind, seit in Oregon Gold gefunden wurde. Überhaupt wird in diesem Film mit für damalige Verhältnisse riesigen Dollarsummen operiert – gespiegelt von einer hohen Zahl von Todesfällen.

Aber das muss wohl so sein, denn nur so ist zu verstehen, warum die Versuchungen so groß sind, der Einsatz so hoch und wie standfest, wie gewandelt man sein muss, um eine klare Linie zu wahren und das eigene Leben für die geringeren materiellen Aussichten einzusetzen. Am Ende gewinnt McLintock die Achtung der Siedler vollständig und die Liebe von Laura Baile. Das wirkt ein wenig über den Kamm gezogen, die vorherige Zuneigung zu  Cole wirkt glaubwürdig, der schnelle Umschwung wirft ein etwas schiefes Lichta auf die Figur. Aber am Ende muss es ja passen, also Schwamm über diese Wechselhaftigkeit, auch der Vater wandelt ja seine Ansicht – hält das aber zunächst geheim.

Geld gegen Ehre. Es ist wunderschön zu sehen, wie in amerikanischen Filmen immer wieder das negiert wird, was das Land groß gemacht hat: die Geldgier. Es gewinnt immer derjenige, der sich für die Aufrichtigkeit und die Liebe oder welche Wert auch immer entscheidet und Geld vernichtet Menschen, die nur ans Geld glauben. Das ist natürlich eine grandiose Manipulation von meist einfachen Kinozuschauern durch Unternehmer, die mit diesen Filmen seinerzeit Unsummen verdient haben – die Mogulen der Hollywood-Studios, zu denen auch die Universal Pictures gehörten, die sich unter anderem mit den Mann / Stewart-Filmen auf den Weg machten, um mit den Major Studios (MGM, Warner, 20th Century Fox) auch im Anspruch zu konkurrieren.

Die Tatsache, dass man arm, aber ehrlich der Held ist, das ist eine Essenz vieler amerikanischer Filme, gerade in Western mit ihren archaischen Lebensumwelten lässt sich dieses Prinzip, wie viele andere, exemplarisch und frei von modernen Grautönen und undurchschaubaren Strukturen zeigen. Der Western macht es möglich, Gut und Böse klar zu trennen und es in existenziellen Situationenen, die lebenswichtige Entscheidungen bedingen, gegeneinander antreten zu lassen. In „Bend of the River“ ist das besonders stark herausgearbeitet. Sogar so stark, dass man die Hauptfiguren von Stereotypen ein wenig lösen konnte und sie so gestalten, dass die Dramturgie nicht nur durch äußere Ereignisse bestimmt wird, sondern auch dadurch, wie sie sich immer neu beweisen müssen.

Gemeinschaft und Individuum. Das ist in den Mann /  Stewart-Filmen ein besonderes Kennzeichen, diese Versuchung und Erwiderung. In „Nackte Gewalt“ wird Stewart vom zynischen Kopfgeldjäger zu einem Mann, der wieder lieben kann, in „Über den Todespass“ vom Einzelgänger zu einer Stütze der Gemeinschaft – ebenso wie hier, aus der Position des Outlaws. Das sind Varianten desselben Prinzips. Ein Mann wird erst wertvoll, wenn er sich läutert und aufgeht im größeren Ganzen. Desperados, die heimkehren, und das ist sogar möglich, signalisieren die Filme.

Sie stehen damit im Kontrast zu anderen Mustern, die damals stark en vogue waren, in denen die Charaktere statisch bleiben und am Ende die Gemeinschaft wieder verlassen, sie nur berühren und nicht assmiliert werden – wie Allan Ladd im großartigen „Shane“ von 1953. Der amerikanische Film, auch der Western, ist durchaus nicht eindimensional und die amerikanische Pionierlandschaft eignet sich wunderbar als Projektionsfläche für verschiedene Botschaften. Doch um Gut gegen Böse geht es beinahe immer und das Ergebnis ist bis in die 60er Jahre hinein klar.

You’ll be seeing me! Das ist die Schlüsselszene des Films, und diejenige, in der am meisten über die Glaubwürdigkeit des Zwischenmenschlichen entschieden wird. Hier wird McLintock von der Bande überwältigt, die er selbst angeheuert hat. Cole macht sich das zunutze und entscheidet sich gegen ein anderes Leben – und gegen die Liebe. Sind 100.000 Dollar es wert? Diese Westerntypen waren Risikogänger, heute wären sie wahrscheinlich Unternehmer im Elektroauto-Business. Die Szene zeigt etwas, das man so oder so bewerten kann – Ansichtssache. Die Motiation, die den schlechten Teil von Cole siegen lässt, die  halten wir für glaubwürdig, 100.000 Dollar etwa um 1850 sind nach heutigem Maßstab viele Millionen; seine zähneknirschende, andere und sich selbst verachtende Art für gar nicht schlecht gespielt.

Dass er McLintock am Leben lässt, das ist der Knackpunkt. Sehen wir eine Figur, die nicht ganz einheitlich zum Bösen gewechselt und vor dem Äußersten zurückschreckt oder ist es nur dramaturgisch notwendig, dass McLintock hier nicht das Zeitliche segnen muss? Schwierig zu entscheiden, auch in späteren Szenen merkt man, dass Cole davor zurückschreckt, McLintock auf die einfache Art zu erledigen. Die hohe Interpretation ist die, dass in ihm noch ein Funken Ehre übrig ist, so, wie in McLintock, in seinem verwegenen Reden und Handeln, auch noch etwas von dem einst gesetzlos und ruchlos agierenden Menschen übrig ist. Dass er dem anderen entgegenschleudert, dass er ihn stellen wird, das ist schon ganz schön grenzwertig und sicher nicht klug.

Aber wie hätte man den  Helden besser aus der Taufe heben können als in dieser nicht sehr realistischen Szene? Herrlich, ihn so von unten zu fotografieren, gegen den unendlichen Himmel gerichtet. James Stewart war groß gewachsen, aber aus der Perspektive seines Kontrahenten, der auf dem Pferd sitzt, hätte er von oben abgelichtet werden müssen – und da hätte dieses Drohen mit Vergeltung wohl eher lächerlich gewirkt, jedenfalls bei Weitem nicht so heroisch. Die Bildperspektive verlässt die neutrale Haltung, dominiert diesen Moment und macht das, was sich hier abspielt, erst einigermaßen plausibel, soweit es die Figuren und deren Interaktion betrifft.

In jener Minute wächst der Mann McLintock über jede Vorsicht, über sich selbst, ebenso übers normalmenschliche Maß hinaus und der andere kann nicht durchziehen (und die Bande hält ihn auch  nicht dazu an, seltsamerweise). Das Mittel der pathetischen Überhöhung wird verwendet – nicht unbedingt typisch für die Mann / Stewart-Filme, aber für die Zeit, in der die Filmfiguren und die Filme selbst immer gigantischer wurden auf eine Art, die es zuvor nie und danach niemals wieder gegeben hat – nicht einmal in den USA.

Anzumerken bleibt noch, dass diese Szene von James Stewart gut gespielt ist und vielleicht nicht perfekt im Pathos, aber sie wirkt wohl auch deshalb gut, weil Jimmy Stewart als der eher bedächtige, oft etwas ironische Typ nicht darauf abonniert ist, große Worte so aufgewühlt auszusprechen wie hier – das Ungewöhnliche daran verstärkt den Effekt.

Julie Adams of the Black Lagoon. No matter what you do, you can act your heart out, but people will always say, „Oh, Julie Adams – Creature from the Black Lagoon.“

So kann es kommen, wenn ein Schauspieler, eine Schauspielerin mit einer prägnanten Rolle identifiziert wird, wie Julia Adams mit der von einem seltsamen Biest entführten Frau in „Schrecken des Amazonas“ (1954), der sie berühmt machte – und ihre Karriere auf der großen Leinwand quasi beendete.

Wieviel sie hätte ohne diesen Film leisten können, kann man nur vermuten, aber es erlaubt uns einen Blick auf die Frauen in den Stewart / Mann-Filmen. Sie hat in „Bend of the River“ (Foto: Stewart / Adams) die undankbare Aufgabe, auf den falschen Mann zu setzen und dan glaubwürdig in wenigen Minuten zum richtigen zu wechseln – von Cole zu McLintock. Mit einer solchen Rolle kann man keine Karriere machen, wie überhaupt die Mann / Stewart-Filme nicht frauenfreundlich sind. Auch in anderen der Serie sind die Frauen ebenso Wandlungen unterworfen wie die Männer, aber das eine folgt aus dem anderen und ist nicht etwa ein autarker Vorgang, als solcher wird ja McLintocks Entscheidung fürs settle down dargestellt.

Für die sehr bekannte Janet Leigh war ihre wenig glamouröse Rolle in dem Mann / Stewart-Film  „Nackte Gewalt“ (1953) kein Meilenstein, ebensowenig für Ruth Roman ihre in „Über den Todespass“ (1954).

Jetzt könnte man meinen, dass Western generell nicht geeignet sind, um Schauspielerinnen Raum und Entwicklung zu geben. Dem ist nicht so. Marlene Dietrich konnte mit „Destry Rides Again“, ebenfalls an der Seite von James Stewart, ihre ins Stocken geratene Karriere wieder ankurbeln. Jennifer Jones wurde durch „Duel in the Sun“ berühmt, obwohl der Film im Ganzen ein großartiger Flop war. Marylin Monroe wurde in „River of no Return“ beinahe an die Grenzen zur ernsthaften Schauspielerin geführt, Angie Dickenson kam heraus in „Rio Bravo“, Katherine Hepburn stellte ihr Verhältnis zu Spencer Tracy in „Sea of Grass“ in einen epischen Kontext. Grace Kelly rettet ihrem Mann, dem Sheriff Will Kane in „High Noon“ das Leben, indem sie gegen ihre Glaubensüberzeugungen schießt. Es gibt mehr Beispiele, in denen Frauen starke Rollen in Western spielten. Die Mann / Stewart-Filme halten solch dankbare Rollen nicht vor, sie sind richtige Männerfilme, das ist eines ihrer sehr traditionalistischen Elemente.

Und das Schicksal von Julia Adams ein Beleg dafür, dass das Studio, das über die Besetzung von Rollen mit Vertragsschauspielern entschied, oft einseitige Festlegungen treffen konnte, die letztlich in die Sackgasse führten. Dem System hat das am Ende auch geschadet, der Firma Universal nicht, denn alles in allem waren die Mann / Stewart-Filme gut und erfolgreich.

Finale

„Bend of the River“ ist ein stark gefilmter und gespielter Western, der auch heute noch seine dramatischen und menschlich-psychologischen Qualitäten hat. Das große Tableau ist gar nicht einfach zu handeln, in 95 Minuten, Anthony Mann hat das aber gut gemeistert, ohne sich zu verlieren, auch dank eines starken Drehbuchs von Borden Chase. Nicht alles ist komplett stimmig, aber der Eindruck, einen guten Film gesehen zu haben, bleibt. Er hat auch starke emotionale  Momente wie den Dialog von McLintock und Cole über das Risiko einer jeden Entscheidung, was die Sichtweise verwehrt, eine Entscheidung zum Guten könnte eventuell sicherer sein als eine zum Bösen. Da dieser Aspekt entfällt, stehen sich die Prinzipien Auge in Auge gegenüber – und Entscheidungen sind nicht verfälscht durch hintergründige Überlegungen über die Korrespondenz von Moral mit Bequemlichkeit.

77/100

© 2019, 2011 DerWahlberliner, Thomas Hocke

Regie Anthony Mann
Drehbuch Borden Chase
Produktion Aaron Rosenberg
Musik Hans J. Salter
Kamera Irving Glassberg
Schnitt Russell F. Schoengarth
Besetzung

 

 

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