Der Ort, von dem die Wolken kommen – Polizeiruf 110 Fall 379 / #Crimetime Vorschau Sonntag, 15.09.2019 DAS ERSTE 20:15 Uhr // #Polizeiruf110 #Polizeiruf #München #BR #Eyckhoff

Crimetime Vorschau - Titelfoto © BR / Roxy Film GmbH, Marco Nagel 

Die Neue und die großen Fußstapfen

Nach Edgar Selge und Matthias Brandt einen der ARD-Premiumkrimis tragen zu müssen, ist eine schwierige Aufgabe. Schön, dass Verena Altenberger sich dieser Aufgabe stellt und als Elisabeth „Bessie“ Eyckhoff neue Akzente setzen wird. In einem Zeitalter, in dem wir über Reduktion reden müssen, ist das vielzitierte Hineintreten in große Fußstapfen ein Bild geworden, das zu hinterfragen ist. Vielleicht muss man sie nicht ausfüllen und möglicherweise sind kleinere Füße sehr attraktiv und werden in den größeren Abdrücken gut sichtbar. Außerdem gibt es, strikt betrachtet, ein weiteres Problem mit diesem Bild: Mit dem Wandern in oder auf den Spuren von Vorgängern entsteht kein neuer Weg.

„Der Ort, von dem die Wolken kommen“ ist im Vorfeld von der Kritik schon recht ordentlich gelobt worden, aber München hat als Polizeiruf-Stadt auch einen Ruf zu verteidigen, dessen Bedeutung wir erst in diesem Jahr kennenlernten. Neun Jahre nach der Aufnahme der Arbeit an der „TatortAnthologie“ hatten wir uns im März entschlossen, auch die Parallelreihe „Polizeiruf 110“ zu rezensieren. Inklusive der Filme aus der DDR-Zeit.

Dabei sind wir darauf gestoßen, dass der Bayerische Rundfunk sich in den letzten Jahren damit hervorgetan hat, die im Durchschnitt besten Polizeirufe zu produzieren. Den NDR sehen wir mit den Rostock-Polizeirufen auf Rang 2. Der West-Ost-Ost-Sender RBB, der aber stark vom früheren SFB (Berlin-West) geprägt ist, folgt auf dem Fuß – und der MDR hat die meisten Schwierigkeiten, seinen Polizeirufen ein Gepräge zu geben, das man, sagen wir, als erträglich ansehen kann. Allerdings gilt das erst seit dem Abgang der beliebten Kommissare Schmücke / Scheider.

Wir halten die Münchener Polizeirufe jüngeren Datums auch für besser als die aktuellen Tatorte vom selben Sender, die über Jahre hinaus ein hervorragendes Renommee genossen und, zusammen mit Frankfurt (Ära Dellwo / Sänger) das Bild moderner Sonntagabendkrimis maßgeblich mitbestimmten. Aber es gab eine Verschiebung, man widmet dem Polizeiruf in München offenbar sehr viel Aufmerksamkeit, besonders bei der Auswahl der Drehbücher und der Regisseure, während die Produzentin, welche die Tatort-Cops Batic und Leitmayr behutsam „aufgebaut“ und an die Spitze geführt hat, leider verstorben ist.

Das alles kann man im Hinterkopf haben und abrufen, wenn man sich am Sonntagabend vor den Fernseher setzt, muss man aber nicht. Man kann auch „werkimmanent“ kritisieren.

„Die Neue“ ist eine Streifenpolizistin (im Rang einer Oberkommissarin) und damit ein Einzelfall unter allen aktuellen Tatort- und Polizeiruf-Ermittler*innen, die „Leitenden“ sind normalerweise als Kriminalauptkommissar*innen in einem städtischen Morddezernat oder gar beim LKA angesiedelt sind, zwei von ihnen arbeiten für die Bundespolizei. Das neue Konzept könnte sein, dass die Polizistin dichter an den Episodencharakteren „dran“ ist als üblich. Allerdings wird das persönliche Eingebundensein häufig dadurch hergestellt, dass die Film-Ermittler*innen bei der Falllösung auf Menschen aus ihrem privaten Umfeld treffen. Viel häufiger als in der Realität denkbar.

Michael Proehl, Verfasser des Skripts zum außergewöhnlichen HR-Tatort „Im Schmerz geboren“ (Tatort-Folge 920) und Thomas Korte schrieben die Vorlage zum Einstand der neuen Kommissarin Elisabeth „Bessie“ Eyckhoff für den Polizeiruf 110 des Bayerischen Rundfunks. Die Inszenierung übernahm Florian Schwarz, der ebenfalls am Tatort-Projekt „Im Schmerz geboren“ beteiligt war. Der Fernsehkrimi erhielt 2015 in der Kategorie „Fiktion“ den begehrten Grimme-Preis, heißt es bei Tatort Fans.

Zumindest für uns ist das eine Empfehlung. Wenn wir oben den Tatort Frankfurt in der Zeit Dellwo-Sänger erwähnten, heißt das nicht, dass der HR nach der schrittweisen „Normalisierung“ dieser Schiene kein preisverdächtiges Eisen mehr im Feuer hätte – „Im Schmerz geboren“ ist neben dem Klassiker „Reifezeugnis“ der zweite Tatort, den wir bisher mit 10/10 bewertet haben.

Der Film mit dem poetischen Namen „Der Ort, von dem die Wolken kommen“ wird der vierte Polizeiruf 110 sein, den wir nach seiner Fernsehpremiere rezensieren – insgesamt haben wir mittlerweile ca. 1/4 der bisher produzierten 379 Polizeirufe sowie ca. 2/3 aller Tatorte angeschaut und rezensiert. Etwa die Hälfte dieser Kritiken ist noch „lagernd“. Die Texte werden schrittweise veröffentlicht – vornehmlich im Wege von Wiederholungen der betreffenden Filme.

TH

Handlung

Ein verwahrloster Junge gibt Polizeioberkommissarin Elisabeth „Bessie“ Eyckhoff und ihren Kollegen Cem und Maurer Rätsel auf. Woher er kommt, weiß man nicht. Diverse Wunden und Hornhaut am Gesäß deuten auf Misshandlung und ein Kerker-Dasein hin. Da der Junge, der sich Polou nennt, kaum spricht, müssen Bessie und ihre Kollegen unkonventionelle Methoden anwenden, um Licht ins Dunkel zu bringen und Polous Peiniger zu überführen.

Polou wird hypnotisiert. Schnell glaubt man zu wissen, dass weitere Kinder in großer Gefahr sind. Die Ermittlungen nehmen eine dramatische Wendung, als im Laufe der Recherchen eine geheimnisvolle Frau im Krankenhaus erscheint, die versucht, Polou zu töten.  

Der erste Fall für Verena Altenberger als Elisabeth Eyckhoff im „Polizeiruf 110“ aus München:

Die Münchner Polizeioberkommissarin Elisabeth „Bessie“ Eyckhoff und ihre Kollegen Cem (Cem Lukas Yeginer) und Maurer (Andreas Bittl) ermitteln im Fall des verwahrlosten, verwundeten Jungen Polou (Dennis Doms): Als dieser in Lebensgefahr gerät, gibt Bessie alles, um seine Herkunft ausfindig zu machen.

Besetzung und Stab

Elisabeth Eyckhoff „Bessie“Verena Altenberger
Wolfgang MaurerAndreas Bittl
Cem HalacCem Lukas Yeginer
PolouDennis Doms
StrasserNorman Hacker
Dr. KutayKatja Bürkle
Stationsschwester MilliXenia Tiling
Sandra WalitzaLucy Wirth
Silke FabianAnja Schiffel
Dr. Sa’ediLeonardo Nigro
WalitzaPaul Wolff-Plottegg
YodokLouis Eitner
Junge WalitzaMaximilian Kucherov
Mädchen WalitzaMichelle Pferinger
BusfahrerRichard Hentschel
Mädchen KlinikMiriam Meier
Verwirrte alte FrauRosemarie Krause
KrankenschwesterÖzge Delioglan
Streifenpolizist GerdMarc Philipp Kochendörfer
Musik:Sven Rossenbach, Florian van Volxem
Kamera:Julian Krubasik
Buch:Thomas Korte, Michael Proehl
Regie:Florian Schwarz

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