Der Sturz der Eliten als Rettung aus der Ökokatastrophe? #climatechange #FfF #Capitalism #HWO

Niemand soll sagen, wir hätten es nicht angekündigt. Haben wir hier nämlich getan. Als wir den Artikel in eigener Sache schrieben, hatten wir schon im Blick, dass das Alternativmagazin „Rubikon“ ein Special mit gewiss sehr dezidierten Beiträgen zum Thema Ökologie und Kapitalismus macht. Wir beginnen mit der Ansprache zum Special, die Herausgeber Jens Wernicke schriftlich niedergelegt hat und die am 12. Oktober 2019 erschien – während die Beitragsreihe schon lief. Wir werden also von dort aus erst einmal einige Tage zurückgehen.

Der komplette Titel des Beitrags ist noch einmal offensiver formuliert als unsere obige Version, aber wir wollen ja auch niemanden erschrecken, sondern zögerliche und umnebelte Menschen ganz sanft an die Wahrheit heranführen – Scherz, muss in ernster Lage auch mal sein:

Die Planeten-Zerstörer

„Die Erde zu retten, heißt die herrschenden Eliten zu stürzen“ lautet das Motto des Rubikon-Specials „Die Öko-Katastrophe“, das im Zeitraum vom 8. bis 19. Oktober 2019 erscheint.

Und weiter:

„Bei den Themen Umweltzerstörung und globale Erwärmung herrscht mediales Totalversagen in unserem Land: Die Mainstream-Medien plappern zuhauf das niveaulose Geschwätz der tonangebenden Politiker nach, übersehen den Ernst der Lage sowie des Pudels Kern. Gelegentlich schwärmen sie sogar von Geo-Engineering oder einer Kohlendioxidsteuer — Maßnahmen also, die niemandem helfen, sondern die Misere nur weiter vertiefen werden. Nicht viel anders sieht es bei den alternativen Medien aus. Bis auf wenige Ausnahmen fallen sie immer häufiger auf die lähmende, spaltende und demagogische Propaganda weiter Teile der herrschenden Eliten herein und schließen sich der Einschätzung an, nicht die Zerstörung unser aller Lebensraumes, sondern die Umweltbewegung sei das zu bekämpfende Problem. Wieder einmal bestätigt sich, was Noam Chomsky, einer der bedeutendsten Intellektuellen unserer Zeit, auf den Punkt gebracht hat: „Die Massenmedien im eigentlichen Sinn haben im Wesentlichen die Funktion, die Leute von Wichtigerem fernzuhalten. Sollen die Leute sich mit etwas anderem beschäftigen, Hauptsache, sie stören uns nicht.“ Doch darauf wollen wir vom Rubikon es nicht beruhen lassen. Dafür ist die Lage zu ernst. Unser Slogan lautet: Wir berichten über das, was in den Massenmedien nicht zu finden ist. Wir widmen daher ab heute dem Thema „Die Öko-Katastrophe“ eine sich über mehrere Tage fortsetzende Sonderausgabe, die die klügsten und kritischsten Stimmen zur Sache in sich vereint. Denn es ist höchste Zeit, der allgemeinen Desinformation und Lethargie ein Ende zu setzen. Zeit, Tacheles zu reden. Zeit für Wahrheit, Klarheit und einen Journalismus, der diesen Namen verdient.“

Es ist nicht so, dass wir uns von jedem Satz oder von allem, was im folgenden Beitrag steht, direkt angesprochen fühlen und das Beispiel mit dem gesellschaftlichen Konsens gegen Recht ist u. E. nicht ganz geglückt. Einige andere Probleme haben wir nicht. Wir sind beispielsweise nicht gegen Greta Thunberg, nur, weil sie teilweise die falschen Unterstützer*innen hat, solange sie für die richtigen Ideen eintritt. Wir weisen höchstens darauf hin, dass die falschen Personen und Kräfte sich ihrer bemächtigen wollen. Wir versuchen jenseits von „Heilsfiguren“ schon gar nicht, ökologische Notwendigkeiten mit (pseudo-) wissenschaftlichen Zirkuskunststücken zu widerlegen bzw. den Klimawandelleugnern Raum zu geben, was wir mit deren Besprechung in diesem Magazin ja tun könnten, sogar abwägend-kritisch . Und schon gar nicht sind wir hiergegen:

Was wir dringender denn je brauchen, ist der plurale, basisdemokratische, außerparlamentarische, egalitäre Kampf vieler für Umwelt und wirkliche Demokratie — gegen Umweltzerstörung und Elitenherrschaft!

Wir erleben ja in Berlin gerade wieder, wie der Parlamentarismus alles solange zerredet, bis nur noch die Unterstützung der Kapitalinteressen übrig ist. Wer uns regelmäßig liest, wird es bemerkt haben: Wir sehen den Kampf gegen den #Mietenwahnsinn als integralen Bestandteil eines größeren Kampfes an. Die Herbst-Winter-Offensive soll das vermehrt herausstellen.

Der Kampf gegen die Spekulation ist nur derzeit der sichtbarste Ausdruck dieses weitreichenderen Kampfes in unseren Städten. Er ist sehr konfrontativ, wenn auch nicht wie vor 40, 50 Jahren. Er kann nicht, wie viele der „Zerstörer“ es bezüglich Fridays for Future versuchen, über den Kopf der Jungen hinweg geführt werden, denn in der Stadtgesellschaft sind auch viele erfahrene Menschen aktiv, die wissen, dass die Jungen Recht haben. Es gibt zu wenig Solidarität, das ist leider wahr, aber das ändert nichts an der Richtigkeit dieses Kampfes. Gerade nicht. Denn die Vereinzelung ist ja ein Problem, die durch neoliberales Gedankengut massiv befördert wird und natürlich auch den Bezug zum größten für uns erreichbaren Ganzen, der Erde und ihrer Belange, zerstört. Wir fliegen zwar ein wenig hin und her, aber wir erforschen dieses Ganze nicht mehr gedanklich. Wir haben weder Achtung davor, noch erkennen wir seine Grenzen an. Was ist nun mit den Eliten, die progressiv wirken und doch nur im Kopf haben, wie sie mit dem green Business ihre Taschen weiter vollstopfen können? Ist es der falsche Karren, mt ihnen zu kooperieren? Sie haben ja nun einmal die Macht.

Wenn sich jetzt jemand meldet wie in der legendären Individualisten-Mainstreammenschen-Szene von „Das Leben des Brian“ und sagt: Nee, ich nicht. Ich bin ökokompatibel!, während alle anderen betroffen nicken, dann werden wir das nicht ignorieren. Aber wenn zu viele sich melden und genau das behaupten, dann wissen wir, es herrscht im Publikum ein ziemlich grandioses Maß an Unehrlichkeit vor. Das muss zuerst weg: Sich selbst nicht ehrlich zu machen, in Umweltbelangen. Sich ehrlich machen heißt nicht, dass man von heute auf morgen verhaltensperfekt sein muss. Aber zu erkennen, wo die Probleme auch in uns selbst liegen und vor allem, sich selbst als fehlerhaftes, aber lernendes – genau – Ökosystem zu begreifen und zu verstehen, dass unsere Unfähigkeit, uns selbst ernst zu nehmen, etwas mit der Abhängigkeit zu tun hat, in der wir uns von den Mächtigen halten lassen, kann schon viel Erkenntnisgewinn bringen. In diesem Sinne starten wir heute in den Umweltteil der Winter-Herbst-Offensive.

Noch ein Zitat, genauer gesagt ein Zitat-Zitat – von Václav Havel:

„Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.“

Das Havel-Zitat haben wir wegen einer aktuellen Social-Media-Diskussion speziell für das Heimart-Schreibkollektiv hinzugefügt.

TH

Anmerkung: Dass wir oben einen größeren Abschnitt als üblich zitiert haben, liegt daran, dass alle Rubikon-Beiträge unter einer 4.0-Lizenz erscheinen. Wir dürfen sie ohne Bearbeitung, aber in Gänze, weiterverbreiten. In der Regel tun wir das nicht, es kann in Einzelfällen aber vorkommen.

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