Das Geheimnis der gelben Narzissen (D / DK 1961) #Filmfest 72 #EdgarWallace

Filmfest 72 A "Special Edgar Wallace" (6)

London in Echt, aber auch typisch britisch?

Alle Edgar Wallace-Filme, die wir uns für den Wahlberliner angeschaut haben, haben wir bisher in einer bisher einmaligen Aktion standardisiert und in das nachfolgende Schema gebracht (siehe ausführlicher dazu die erste Wallace-Rezension zu „Der Frosch mit der Maske“.

„Das Geheimnis der gelben Narzissen“ ist die siebte deutsche Nachkriegsverfilmung eines Romans des britischen Kriminalschriftstellers Edgar Wallace und zeigt insofern eine Besonderheit, dass die ausführende Rialto des Dänen Preben Philipsen erstmalig tatsächlich mit einer englischen Firma, der Omnia, zusammengearbeitet hat. Diesem Umstand verdanken wir die Tatsache, dass es viel mehr echtes London zu sehen gibt als üblich, denn viele Szenen sind erkennbar in der britischen Hauptstadt entstanden.

Handlung (+ Infos: Wikipedia)

Großalarm bei der Londoner Polizei: Ein offensichtlich wahnsinniger Mörder hat innerhalb kürzester Zeit drei junge Frauen umgebracht. Jedes Mal hinterlässt der Täter einen Strauß gelber Narzissen am Ort des schrecklichen Geschehens.

Oberinspektor Whiteside übernimmt die Ermittlungen. Jack Tarling, ein Agent einer internationalen Fluggesellschaft, und der geheimnisvolle Chinese Ling Chu glauben allerdings nicht an die Tat eines Einzelnen. Erst recht nicht, als sie nur knapp einem Bombenanschlag entkommen, der eine gerade erst entdeckte Lieferung geschmuggeltes Heroin vernichtet.

Immer mehr scheint sich der Verdacht der beiden zu bestätigen, dass die rätselhafte Mordserie in Zusammenhang mit dem Drogenhandel steht. Oberinspektor Whiteside hält zunächst an seiner These fest, bis auch seine Spuren in einen verruchten Club und zu dessen Besitzer, einem reichen Londoner Geschäftsmann, führen.  

Infos

  • Ursprünglich hatten Waldfried Barthel (Constantin Film) und Preben Philipsen (Rialto Film, Prisma-Filmverleih) Das Geheimnis der gelben Narzissen unter der Regie von Harald Reinl als sechsten Edgar-Wallace-Film nach Der grüne Bogenschütze Da die erste Fassung des Drehbuchs von Egon Eis mehrmals umgearbeitet wurde, begann man zuerst mit der Produktion des Films Die toten Augen von London. Nach Reinl sah man nun Jürgen Roland als Regisseur von Das Geheimnis der gelben Narzissen vor. Heinz Drache und Elke Sommer sollten die Hauptrollen spielen.
  • Preben Philipsen hatte seit Anfang 1960 Kontakt mit dem britischen Autor Basil Dawson, den er über Penelope Wallace Dawson machte Philipsen wiederum mit den Filmproduzenten Steven Pallas und Donald Taylor von Omnia Pictures in London bekannt. Rialto Film, seit 1961 mit Horst Wendlandt als Mitgesellschafter, und Omnia Pictures einigten sich schließlich auf eine Koproduktion des Films Das Geheimnis der gelben Narzissen. Basil Dawson sollte nun auf Basis des ersten Buches von Egon Eis ein englisches Drehbuch schreiben. Dabei wurden Handlung sowie Personennamen der Romanvorlage in Teilen wesentlich verändert. Die deutsche Übersetzung schrieben Horst Wendlandt und Gerhard F. Hummel.
  • Schließlich engagierte man den abwechselnd in London und Hamburg lebenden ungarischen Regisseur Ákos von Ráthonyi, der die Aufgabe hatte, an den jeweiligen Drehorten zwei Sprachfassungen mit zum Teil anderen Schauspielern zu filmen. In der englischsprachigen Version The Devil’s Daffodil sah man William Lucas statt Joachim Fuchsberger, Penelope Horner statt Sabina Sesselmann und Colin Jeavons statt Klaus Kinski in den Hauptrollen. Alle anderen Darsteller spielten in beiden Versionen. Christopher Lee wurde für die deutsche Fassung nicht synchronisiert, er ist in ihr mit seiner eigenen Stimme zu hören. Es war der einzige in Schwarzweiß gedrehte Edgar-Wallace-Film von Rialto Film, in dem Eddi Arent nicht mitwirkte. Der Film wurde in den Shepperton Studios in Middlesex gedreht und enthält als einer der wenigen deutschsprachigen Edgar-Wallace-Filme ausschließlich Außenaufnahmen aus London.
  • Ingrid van Bergen singt in diesem Film das Lied Bei mir ist alles nur Natur (Musik: Keith Papworth, Text: Ute Kuntze-Just), das in der englischen Version I Haven’t Got a Thing to Hide heißt.[1]
  • Der Film wurde von der FSK ohne Schnittauflagen ab 16 Jahren freigegeben. 1991 folgte die Freigabe ab 12 Jahren. Der im Fernsehen lange Zeit komplett in Schwarzweiß ausgestrahlte Film ist inzwischen wieder mit dem originalen Farbvorspann zu sehen. Der bereits dritte Edgar-Wallace-Film des Jahres 1961 avancierte zu dem bis dahin erfolgreichsten Beitrag der Filmreihe und löste damit den erst vier Monate zuvor gestarteten Film Die toten Augen von London Das Geheimnis der gelben Narzissen war der letzte deutsche Film, der von Prisma-Film verliehen wurde. Im August 1961 ging das Unternehmen im Constantin-Filmverleih auf, was die Arbeitsteilung der beteiligten Produzenten deutlich verbesserte.

Rezension

Der siebte Streich der passionierten Wallace-Verfilmer aus Deutschland, Dänemark und dieses Mal auch aus England hat trotz seiner offensichtlichen Beliebtheit an der Kinokasse nicht den Kultcharakter wie einige andere Werke der Reihe. Aber der ureigene Stil der Wallace-Filme war 1961 noch nicht fest herausgebildet und man wusste noch nicht, wer unter den zahlreichen Regisseuren, die sich an und in der Reihe versuchen würden, diejenigen sein würden, die das schaurig-humorige Image dieser Filme am meisten prägen sollten.

Akos von Rathony, der „Das Geheimnis der gelben Narzissen“ machte, war es nicht. Durch sein Pendeln zwischen Deutschland und England war er prädestiniert, einen Zwei-Nationen-Film zu machen, der nach einem filmhistorisch gesehen sehr alten Muster funktionierte: Man nehme dasselbe Drehbuch, dieselben Settings – teilweise zumindest – und liefere zwei Versionen des Stoffes, für Deutschland eine mit hierzulande beliebten Schauspielern, für Großbritannien eine mit teilweise unterschiedlichem Personal. Im Grunde stammt diese Vorgehensweise aus den frühen Tonfilmtagen, als Versionen auch deshalb gedreht wurden, weil eine Synchronisation noch nicht möglich war, nebenbei wurde auch damals schon der Effekt genutzt, dass man nationale Stars einsetzen konnte, um den Erfolg im jeweiligen Land zu sichern. Heute eine kaum denkbare Methode. Ob es in der britischen Version des Films auch diesen immerhin rechtsgelenkten Mercedes der damals brandneuen Heckflossen-S-Klasse gibt, dieses geniale Muster frühen Product Placements, der an einer Dialogstelle zu allem Überfluss noch als schöner Wagen gelobt wird?

Auto hin oder her, im Ganzen sollte „Das Geheimnis der gelben Narzisen“ britischer wirken als diejenigen Wallace-Adaptionen, die höchstens ein paar Archivbilder von London zeigen. Schon die deutschen Schauspieler wie der ziemlich unbritisch wirkende Joachim Fuchsberger in der wichtigsten Rolle sorgen aber dafür, dass man nie den Eindruck hat, man sei wirklich jenseits des Ärmelkanals. Selbst dann nicht, wenn tatsächlich dort gedreht wird. Zu allem Überfluss spielt Christopher Lee auch noch einen Chinesen anstatt einen Engländer. Ja, das hat er als Fu-Manchu auch getan, aber gerade fürs kontinentale Publikum wirkt das nun auf doppelte Weise übersetzt, zumal, wenn er die Europäer   um mindestens einen Kopf überragt und auch sonst ziemlich unchinesisch wirkt. Dass die zarte Lotosblume, die früh ihr Leben lassen muss, seine Schwester sein soll, quittiert man unwillkürlich mit einem Hochziehen der Augenbrauen, und das ist nur einer von vielen Tatbeständen, die etwas irritieren.

Vor allem aber fehlt diesem wohl britischsten Wallace-Film der Schwarzweiß-Ära und unter Rialto-Ägide gedreht der Humor, und das ist nun wirklich kurios. Dafür ist er einer der brutalsten und hat einen der höchsten Bodycounts. Wir haben leider anfangs das Mitzählen verpasst, weil wir nicht damit gerechnet hatten, bei einem relativ frühen Wallace schon auf Rekordjagd gehen zu können, aber zweistellig ist die Zahl der Opfer des Narzissen-Narzissten und seines ausführenden Werkzeuges allemal. Sicher ist der Film insofern schaurig-spannend, als es immer viel mehr Todesfälle gibt, als gerade zu erwarten wären, die Erwartungen werden demnach übertroffen. Aber eine gewisse Gleichförmigkeit des Geschehens ist nicht von der Hand zu weisen, zudem erschließt sich häufig nicht, warum diese Menschen nun sterben müssen und vor allem, warum jemand, der im Grunde nur andere aus dem Weg haben will, sie immer mit einem Zeichen ausstattet, als handele es sich um einen Ritualmörder. Den Rauschgiftgeschäften jedenfalls, die Raymond Lyne betreibt, kann diese auffällige Inszenierung von Todesfällen nicht guttun.

Dass Klaus Kinski der Mörder ist, das Werkzeug, der in Raymond auf pathologische Weise vernarrte Outsider, hätte man sich schnell denken können – wenn die Filmer nicht zu einem üblen Trick gegriffen hätten. Denn der Mann, der mit der Strumpfmaske und im rustikalen Strickpulli herumläuft, ist eindeutig nicht Klaus Kinski, sondern wesentlich kräftiger und größer und außerdem dunkelhaarig, soweit man das in den kurzen Einstellungen, in denen er sichtbar ist, erkennen kann. Im Grunde ähnelt dieser Typ keinem der wichtigeren Nebendarsteller, sodass wir zwischenzeitlich dachten, es kann nur der Chauffeur sein oder der Barmann vom Club … Columbia oder ähnlich, wir können uns an den Namen nicht mehr genau erinnern. Die Zuschauer auf diese Weise zu linken, lässt ein wenig in mehr auf die Mentalität der Filmemacher blicken, als diese es sich vermutlich vorgestellt haben.

Diese Mentalität kommt auch in einer ziemlich ruppigen Inszenierungsweise zum Ausdruck, die wir allerdings auch schon in einigen anderen Wallace-Filmen wahrgenommen haben: Die Übergriffigkeit von Handlungen und noch mehr von Dialogen wirft ein schräges Licht auf das Menschenbild der Verantwortlichen und erinnert uns daran, dass Kritiker die Wallace-Filme nicht selten als faschistisch bezeichnet haben. Damit waren oftmals andere Elemente gemeint, etwa Aussagen, die sich politisch deuten lassen, die Darstellung von Hierarchien usw., aber ein unangenehmer, sehr traditioneller Ton herrscht auch hier teilweise. Und seltsam, wieder wird er vor allem in den Szenen mit Fuchsberger sichtbar (es könnte aber auch Heinz Drache sein, der ursprünglich als Tarling vorgesehen war); und hier vor allem in seinem Umgang mit dem chinesischen Freund, der schrecklich unelegant und wenig egalitär wirkt. Wenn man will, kann man die Ausgestaltung dieses Freundesgespanns auch als rassistisch ansehen. Außerdem trägt er oftmals trotz seiner Anwesenheit wenig zu den Ermittlungen bei, weil er immer irgendwie zu spät kommt, sogar zu seiner eigenen Rache für die ermordete Schwester. Der Wunsch, einen beliebten britischen Schauspieler mitwirken zu lassen, der außerdem so gut Deutsch sprach, dass er nicht synchronisiert werden musste, ist weder für die Handlung noch für die Stimmung oder den Humor ein Gewinn.

Typische Merkmale von Edgar Wallace-Filmen gemäß Wikipedia (kursiv) und unsere Anmerkungen zum jeweiligen Film:

  • Regie: (…)Kein Regisseur hat den Stil der Edgar-Wallace-Filme mehr beeinflusst als Alfred Vohrer. Der erfahrene Synchronregisseur inszenierte 14 Filme der Serie, darunter Klassiker wie Die toten Augen von London, Das Gasthaus an der Themse und Der Hexer. Die leicht übertriebene Schauspielführung und die pointierte Schnitt- und Zoomtechnik sind für praktisch alle Film- und Fernseharbeiten Vohrers typisch. Nicht viel weniger Einfluss auf die Serie hatte Harald Reinl, zu dessen fünf Edgar-Wallace-Filmen das erste Werk zur Reihe Der Frosch mit der Maske sowie die Höhepunkte Die Bande des Schreckens und Der unheimliche Mönch zählen. Akos von Rathony und Helmuth Ashley (jeweils ein Film) wurden hingegen mit der Inszenierung von Wallace-Filmen beauftragt, um innerhalb der Serie neue Akzente zu setzen und mit dem eigentlichen Stil der Serie bewusst zu brechen.
    • Ob 1961 bereits die Brechung eines Stils gewünscht war, der gerade erst begann, sich herauszubilden, wagen wir mit einem Fragezeichen zu versehen. Wir glauben, dass von Rathony eher wegen seiner Vertrautheit mit beiden Produktionsländern und damit der Fähigkeit, die englischsprachige und die deutsche Variante gleichermaßen zu inszenieren, eingesetzt wurde.
  • Darsteller: Die Besetzung mit bewährten Schauspielern in ähnlichen Rollen war typisch für die Edgar-Wallace-Verfilmungen. Zu den meist reifen und besonnenen Ermittlern zählten Joachim Fuchsberger (13 Filme), Heinz Drache (acht Filme), Siegfried Lowitz (vier Filme), Harald Leipnitz (drei Filme) oder Klausjürgen Wussow (zwei Filme). In den weiblichen Hauptrollen waren meist attraktive, junge Schauspielerinnen wie Karin Dor (fünf Filme) (…) zu sehen. (…) Komische Rollen übernahmen Eddi Arent (23 Filme), Siegfried Schürenberg (16 Filme) und Hubert von Meyerinck (vier Filme) (…).
    • Joachim Fuchsberger ist in den Edgar Wallace-Filmen eine Institution, das erkennen wir an, auch wenn wir mit seinem Stil immer noch nicht warm geworden sind. Eddi Arent jedoch fehlt jedoch hier erstmalig in einem Wallace-Film der Rialto-Produktion, und das merkt man leider. Die Idee war wohl, dass Christopher Lee mehr oder weniger für den Comic Relief sorgen sollte, aber das funktioniert nicht sehr gut, zumal seine Figur erheblich in die Narzissen-Morde involviert ist. Ansonsten gibt es in diesem Film keine Figur, die auch nur annähernd für Humor sorgt, was zum Beispiel auch auf Polizeiseite möglich wäre. Die Filme, in denen sowohl Eddi Arent als auch Siegfried Schürenberg als Sir John von Scotland Yard spielen, sind daher heute nicht zu Unrecht als besonders kultig angesehen – wenn auch nicht nur wegen dieser Kombination, sondern wegen der gesamten selbstironischen, teilweise selbstreflexiven Inszenierung („Der Hexer“; „Neues vom Hexer“).
  • Titel: Die Filmtitel, die meist den Romantiteln entsprachen, sollten beim Publikum eindeutige Assoziationen mit dem Genre des Edgar-Wallace-Films hervorrufen. So verbarg sich hinter vielen Titeln ein eindeutiger Hinweis auf den Hauptverbrecher des Films (Der grüne Bogenschütze, Der Zinker, Der Mönch mit der Peitschea.).
    • Hier wurde eine andere Variante gewählt, die auf eine Besonderheit im Wege der Mordausführung hindeutet, was dem Erfolg des Films keinen Abbruch tat.
  • Handlung: Die Handlungselemente der Edgar-Wallace-Filme waren ähnlich angelegt. So drehte sich das Geschehen vordergründig um einen meist fantasievoll maskierten Hauptverbrecher. Im Gegensatz zum Psychothriller war hierbei das Entlarven des bis zum Finale unbekannten Verbrechers entscheidend (Whodunit). Die Motive der Verbrecherfiguren waren meist Habgier, Rache, Erbschleicherei sowie Mädchen- und Drogenhandel.
    • Die Motivlage ist in diesem Wallace-Film seltsam überzogen, weil die Morde von jemandem begangen werden, der gar kein eigenes materielles Motiv hat und mit der exorbitant auffälligen Ausführung sogar die Ziele seines Chefs, der in der Tat illegal Geld mit Drogenhandel verdient, in Gefahr bringt. Ein wirklich professioneller Killer würde weniger töten und vor allem keine Spuren legen, die eine Serie überhaupt erst erkennen lassen. Die ersten Opfer sind zwar alle im oben erwähnten Club tätig, aber mit der Zeit scheint deren Wahl immer wahlloser zu werden.
  • Handlungsorte: Der (hauptsächliche, A. d. Verf.) Handlungsort war, wie in den Romanvorlagen, fast immer London und Umgebung, wobei sich die Akteure vorwiegend in alten Schlössern, Herrenhäusern oder Villen bewegten. Auch verruchte Nachtlokale, düstere Blindenheime, Irrenanstalten und finstere Kellergewölbe waren beliebte Haupt- und Nebenschauplätze der Handlung. In späteren Filmen kamen Mädchenheime und -pensionate hinzu. Die tatsächlichen Drehorte befanden sich aufgrund geringerer Produktionskosten jedoch selten in Großbritannien sondern in Deutschland. So dienten vor allem Straßen in Berlin und Hamburg. (…) Als Kulisse für London-Szenen. Für die nötige Authentizität in den Filmen sorgten oft allein Archivaufnahmen Londons, die man in die Filme einfügte.
    • Natürlich wird auch hier wieder in Deutschland gefilmt, was sich an Interieur-Details gut festmachen lässt, aber mindestens ein Teil der Außenaufnahmen wurde tatsächlich in England gefertigt. Schlösser gibt es nicht, aber einen niedlichen kleinen und recht sparsam eingerichteten Club, der uns vermittelt, wie einfach das Leben in den frühen 1960ern sein konne, wenn man sich aufs Wesentliche konzentrierte – zum Beispiel auf eine Bar, die sich selbstverständlich auch zur Seite schieben ließ und verdeckte Räume freigab.
  • Vorspann: Die meisten Edgar-Wallace-Filme begannen mit einem spektakulär in Szene gesetzten Mord. Dann folgte der Vorspann des Films, der ab 1961 (bis auf zwei Ausnahmen) farbig gestaltet war (der Rest des Films war Schwarzweiß). Schon die Gestaltung der Namensnennung mit blutroten oder giftgrünen Buchstaben sollte einen spannenden Film ankündigen. Um der Serie einen noch höheren Wiedererkennungswert zu verleihen, wurde der Vorspann der Wallace-Filme ab 1962 mit aus dem Off erklingenden Schüssen und dem Satz „Hallo, hier spricht Edgar Wallace“ eröffnet. (…)
    • Offenbar hat der Film bereits einen farbigen Vorspann, der aber bei der von uns angesehenen Ausstrahlung nicht enthalten war (viele Filme werden heute wieder mit den Original-Vorspannen ausgestrahlt). Die Schüsse, die von Alfred Vohrer höchst selbst gesprochenen Sätze gibt es noch nicht, zumal er hier nicht Regie geführt hat.
  • Musik: Besonders prägnant gerieten auch die Soundtracks der Filme, vor allem die oft reißerische und eingängige Titelmusik. Die Musik von insgesamt 18 Filmen der Serie stammt von Peter Thomas, der mit seinen phantasiereichen Arrangements und modernen Aufnahmetechniken der markanteste und dominanteste Komponist der Serie war. Während die Soundtracks von Martin Böttcher (fünf Filme), Willy Mattes (zwei Filme) oder Peter Sandloff (ein Film) eher aus zeitlosem Orchestersound mit Easy-Listening-Charakter bestanden, griffen Heinz Funk (drei Filme) und Oskar Sala (ein Film) auch auf neue Techniken der elektronischen Musik und experimentelle Kompositionen zurück.
    • Keith Papworth ist uns als Filmkomponist leider kein Begriff und die Musik zu „Das Geheimnis der gelben Narzissen“ ist nicht signifikant, sondern typisch für die frühen 1960er, wobei durchaus noch Klänge der 1950er enthalten sind, zum Beispiel die Perkussionsinstrumente, die in den USA seit etwa den späten 1940ern bei moderat jazzigen Scores gängig waren.

Erwähnenswert ist vielleicht, dass die Kamera von Desmond Dickinson geführt wurde, der nach dem Zweiten Weltkrieg in einigen wichtigen Filmen als Chefkameramann tätig war, vor längerer Zeit haben wir einmal die hervorragende Komödie „Ernst sein ist alles“ gesehen, die er visuell gestaltet hat. Vor allem aber kennen wir ihn, weil er die drei letzten der vier Miss-Marple-Filme mit Margaret Rutherford aufgenommen hat – wobei man konstatieren muss, dass diese zwar angemessen gruselig sind und viel britischen Flair beinhalten, aber die Kameraführung ist sicher nicht das prägnanteste Merkmal dieser Werke. Einen stilistischen Zusammenhang mit dem kurz zuvor entstandenen Wallace-Film nur aufgrund der Optik der Krimis hätten wir sicher nicht ermitteln können, wenn wir nicht nicht in Dickinsons Internet-Biografie darauf gestoßen wären.

Fazit

„Das Geheimnis der gelben Narzissen“ ist für uns kein herausragendes Exemplar der Wallace-Serie, sondern wirkt eher beliebig. Nur einige bekannte Schauspieler und die exorbitante Mordserie sind typisch. Wie schon bei der Kamera-Arbeit: Hätte man den Film ohne Vorspann abgespielt, wären wir eher durch die Handlung als durch die Stilistik darauf gekommen, dass es sich um ein Produkt der mittlerweile legendären Rialto-Constantin-Verfilmungen von Romanen des englischen Krimischriftstellers handelt. Aber auch die Werke, die eher konventionell sind und damit gerade nicht dem Schema der Spitzenwerke unter den genannten Adaptionen entsprechen, definieren natürlich die Reihe im Ganzen, ihren Kern, die Ausnahmen, die Grenzen.

Unsere Wertung: 61/100

© 2020, 2019 (Entwurf 2015) Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Regie Ákos von Ráthonyi
Drehbuch Basil Dawson,
unter Mitarbeit von
Donald Taylor,
Deutsche Dialoge: Horst Wendlandt und Gerhard F. Hummel
Produktion Horst Wendlandt,
Preben Philipsen,
Steven Pallos,
Donald Taylor
Musik Keith Papworth
Kamera Desmond Dickinson
Schnitt Peter Taylor
Besetzung

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s