Der Räumungsprozess gegen das autonome Jugendzentrum Potse in Schöneberg / @drugstoreberlin @Potse_Berlin #Besetzen #drugstorelebt #potsebleibt #wirbleiben #gentrifidingsbums #Mietenwahnsin #Verdrängung #ZRV #Zwangsraeumung #NeueBerlinerLinie

Vielfach haben wir über die autonomen Jugendzentren Potse und Drugstore in Schöneberg geschrieben,  in einem eigenständigen Beitrag zuletzt am 2. Juli 2019, sie seitdem mehrfach erwähnt, insbesondere, wenn es um Zwangsräumungen ging.

Am 2. Januar hat das JuZ nun eine Pressemitteilung abgegeben, die wir hier unverändert zeigen – in Form eines Twitter-Threads. Hier der Link dazu. Es geht dabei um den Räumungsprozess, der am 8. Januar ansteht. Im Anschluss noch ein paar zusammenfassende Worte von uns, um den Anschluss an vorausgegangene Artikel herzustellen.

FireShot Capture 235 - Potse auf Twitter_ „@annalist @ak_hipp @garethmetik @MariaKotsev @mir_ - twitter.com

Potse ist das älteste Jugendzentrum Berlins, ein autonomer Freiraum für Jugendliche in schwierigen persönlichen Situationen, aber auch ein Stück der linken Kultur, die Berlin auszeichnet.

Oder sollte man schreiben – ausgezeichnet hat, bis der Immobilienhype, bis die Gentrifizierung und eine Politik gezielter neoliberaler Anschläge auf das Milieugerüst das Besondere dieser Stadt endgültig vernichtete?  

Wir haben es so erlebt: 2018 war das Jahr der Kündigungen, dies Kündigungswelle setzte sich 2019 fort, es war aber auch das Jahr der Zwangsräumungen, aber auch der Anschlussbesetzungen (im Anschluss an vom Vermieter aus Renditegründen beendete Mietverträge) und das Jahr des Protests, des Zusammenschlusses der bedrohten Projekte und der Unterstützung durch Teile der Stadtgesellschaft. 

2020 wird das Jahr der Entscheidung werden. Kann ein Kern partizipativer, linker Projekte erhalten werden? Wird es endlich Schutz auch für Gewerbemietraum geben? Werden wir die Politik endlich dazu bewegen, sich zu bewegen – gegen den  vernichtenden Strom des freidrehenden Kapitals? 

Bei der Potse wurde von bezirklicher Seite fast alles falsch gemacht, was man falsch machen kann, das Interesse an Jugendarbeit im Schöneberger Norden scheint in der Tat nicht besonders groß zu sein.  Durchgängige politische Unterstützung erfuhren die Verteidiger*innen der beiden Jugendzentren im Grunde nur von der LINKEn, aber das reichte nicht, um die Existenz von Potse und Drugstore zu sichern. Drugstore, das „Schwesterzentrum“ lebt mittlerweile im Exil anderswo in der Stadt.

Auf einer Solidaritätsveranstaltung kurz vor dem Jahreswechsel 2018/2019 waren wir zugegen und haben seitdem einen Eindruck davon, wie mangelnder politischer Wille dazu führt, dass unsere Kieze immer mainstreamiger und langweiliger werden. Und teurer, selbstverständlich. Es ging dabei nicht um das, was zu diesem Zeitpunkt an konkreten Hürden für eine Umsiedlung für Potse und Drugstore bestand, sondern darum, dass man den Fortbestand nicht viel früher gesichert hat und die Kündigung, die Besetzung, die drohende Räumung auf diese Weise verhinderte. Wir hoffen, dass es eine adäqute Ersatzraumlösung für Potse und Drugstore geben wird – vielleicht inklusive Wiedervereinigung. 

TH

2019-05-17 Mieter kämpft um diese Stadt Häuserkampf Zuletzt hatten wir im Vorfeld der Bezirksverordnetenversammlung vom 19. Juni 2019 über das Autonome Jugendzentrum Potse berichtet, das immer noch seine Räume in der Potsdamer Straße 180 besetzt hält.
Damals sollte das AJZ ein Thema des Abends sein und wir hatten um Unterstützung vor Ort gebeten. Wir kennen noch keine Ergebnisse, aber am 30. Juni kam es (erneut) zu einem Polizeieinsatz gegen das besetzende Kollektiv, zu dem sich die Potse umgehend in Form einer Pressemitteilung geäußert hat, dazu bitte diesen Link öffnen.  
Wir nehmen die Gelegenheit wahr, um den Verlauf des des Abends anhand von Tweets der Potse nachzuzeichnen: 

Und hier noch eine Meldung vom 28. Juni, die wir super fanden und als Titelbild verwendet haben:

Wir bitten als Schöneberger weiterhin um Unterstützung für eine der letzten Einrichtungen dieser Art und es tut uns sehr leid, dass die Bezirks- und Landespolitik hier auf eine wirklich beispiellos negative Weise zusammenwirken, um das Weiterwirken der Potse mit den Angeboten, die für ihren Betrieb unerlässlich sind, zu gewährleisten – wozu unbedingt der Konzertbetrieb gehört, der die Auswahl von Ersatzräumlichkeiten für das AJZ eingrenzt. Schade finden wir auch, dass Potse und Drugstore evtl. getrennt werden, indem der Trägerverein des Drugstore jetzt die (Zwischen-) Nutzung der Potsdamer Straße 134/146 akzeptiert hat, die ebenjenen Betrieb nicht erlaubt.

In unserem vorletzten Beitrag hatten wir darüber nachgedacht, wie es wäre, wenn beide Jugendzentren ins alte Straßenbahndepot in der Belziger Straße einziehen und damit zu unserem Kiez gehören würden. Wir fänden das eine interessante Lösung, aber im Moment hören wir nichts davon, dass irgendetwas vorangeht, obwohl doch eine Kulturnutzung des Depots geplant ist. Was wäre aber Kultur ohne Jugendkultur?

Es gibt sicher im künstlerischen Bereich vieles, was einmalig und erhaltenswert ist, dazu gehören auf jeden Fall Potse und Drugstore. Das Drama um die beiden Einrichtungen verfolgen wir jetzt, seit wir uns durch unseren Parteibeitritt Ende 2016 wieder aktiver am politischen Geschehen teilnehmen – und man kann Strukturen natürlich auch dadurch beschädigen und zerstören, dass man keine zukunftssichernden Lösungen finden und alles in de Schwebe lassen will. Zielt die Politik darauf ab? Das Kapital will Fakten schaffen und wird irgendwann die Zwangsräumung durchsetzen wollen.

Schade, dass wir nicht schreiben können, dann wählen wir die Partei von Herrn Schworck, dem Jugendstadtrat, nie wieder, wenn das passiert. Weil wir das noch nie getan haben. Aber es geht auch um 2RG, und daran liegt uns durchaus etwas – dass die jetzige Stadtregierung sich endlich um die Menschen und nicht nur um „Investoren“ kümmert. Dafür ist sie angetreten und daran erinnern wir heute wieder.

Helft endlich der Potse und dem Drugstore, Leute!

TH

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