Die goldene Zeit – Tatort 1120 #Crimetime Vorschau 09.02.2020 DAS ERSTE 20:15 Uhr #Tatort #Falke #Grosz #NDR #Bundespolizei #Zeit #golden

Crimetime Vorschau - Titelfoto © NDR, Christine Schroeder

Die goldene Zeit ist vorüber

„Die goldene Zeit auf St. Pauli – gab es die überhaupt? Oder sind die Erinnerungen verklärt, die der Tatort-Hauptkommissar Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) von seinem früheren Dasein als Türsteher im Hamburger Vergnügungsviertel hat? Sein alter Mentor und väterlicher Freund Lübke, den der Ermittler im Zuge seiner Mordermittlungen auf dem Kiez wiedertrifft, leidet deutlich unter dem Wandel, dem St. Pauli seit Jahrzehnten schon unterworfen ist …“, schreibt die Redaktion von Tatort Fans einleitend zum 7. Film der Bundespolizisten Torsten Falke und Julia Grosz.

Das schoss uns auch sofort durch den Kopf: Gab es dieses „goldene Zeit“ jemals? Vielleicht, wenn man die Reeperbahn mit der Folklore in Verbindung bringt, die sich seit Hans Albers mit ihr verbindet, die aber immer schon etwas Wehmütiges hatte („Große Freiheit Nr. 7“, 1944 oder „Auf der Reeperbahn nachts um halb Eins“ (1954)). Bundespolizist Falke kehrt ebenfalls in die Vergangenheit zurück, denn er hat in jungen Jahren mal als Türsteher gearbeitet.

Nachdem zuletzt einige Tatorte Premiere feierten, die in seltenem Einklang bei Publikum und Kritik gut ankamen, liegt die Hürde für eines der besten aktuellen Ermittlerteams nun etwas höher, es geht darum, den guten Start der Reihe ins Jahr 2020 mit Filmen wie „Unklare Lage“ oder „Monster“ fortzuführen.

Die Redaktion von Tatort Fans ist verhalten positiv: Ein Hauch von „Léon, der Profi“, Logiklöcher, gute Weiterentwicklung des Verhältnisses Falke-Grosz.

Im SPIEGEL ergänzt Christian Buß unseren Informationsstand: „Allein drei Serienprojekte über die großen Tage der Reeperbahn sind in der Entwicklung. Am weitesten fortgeschritten ist wohl die Produktion der „Hindafing“-Schöpfer, die den Arbeitstitel „Luden“ trägt und ebenfalls in die Achtzigerjahre zurückschaut. Damals lag das Rotlichtgewerbe noch überwiegend in deutschen Händen“ und vergibt starke 8/10 für „Die goldene Zeit“.

Für mich bleibt zwar nicht diese, dafür viele andere Fragen offen. Da wäre mehr drin gewesen, wenn Falke schon quasi in seinem Wohnzimmer ermittelt. Aber wirklich viel über seine Kiez-Vergangenheit erfahren wir nicht„, befindet hingegen SWR 3 und vergibt nur zwei von fünf Elchen. Einiges weist wohl doch darauf hin, dass man der Stimmung und den Figuren Vorrang eingeräumt hat vor der Stringenz der Handlung – kein gerade neues Phänomen.

Ob da die alten Zeiten und die Luden-„Ehre“ nicht arg nostalgisch verklärt werden, sei mal dahingestellt, aber aus dem Spannungsfeld von Vergangenheit und Gegenwart wird in diesem Kiez-Krimi weitgehend überzeugend Kapital geschlagen.“ (…) Aber: „Die Huren von heute – alles freie, selbstbestimmte Sex-Arbeiterinnen?“, fragt sich Thomas Gehring in Tittelbach-TV. Das müssten wir Menschen fragen, die sich politisch mit der Sexarbeit befassen, die gibt es in unserem Umfeld und wir wohnen nur ca. 2 Kilometer von der Berliner Kurfürstenstraße entfernt. Gerade in einer Zeit starker, strikt hierarchisch aufgebauter Unterweltstrukturen dürfte man die Frage aber auch ohne Tiefenkenntnisse des Milieus verneinen können.

Filmstarts.de zieht folgendes Fazit: „Spannender und routiniert in Szene gesetzter Kiezkrimi, dessen etwas kitschig geratene Geschichte über weite Strecken in geordneten Bahnen verläuft.“

Soweit unsere kleine Vorab-Kritiken-Übersicht, am Sonntagabend wissen wir mehr und in den Tagen darauf wird unsere Rezension zum 1120. Tatort erscheinen. Apropos Verklärung und Nostalgie: Viel Musik mit hohem Nostalgiefaktor gibt es offenbar in diesem Film auch, gemischt mit neueren Werken.

Handlung

Ein Auftragsmord im Rotlicht-Milieu erschüttert den Hamburger Kiez. Während der Ermittlungen trifft Thorsten Falke auf seinen alten Bekannten Lübke und wird mit seiner eigenen St.-Pauli-Vergangenheit und persönlichen Erinnerungen an seine Zeit als jugendlicher Türsteher konfrontiert.

Julia Grosz ist angesichts von Prostitution und modernem Menschenhandel jede nostalgisch Kiez-Verbundenheit fremd. Gemeinsam jagen sie den Auftragsmörder und seine Hintermänner, bevor der schwelende Krieg im Rotlicht-Milieu eskaliert. Dabei entpuppt sich Falkes alter Freund und Mentor Lübke, ein Kiez-Urgestein, mehr und mehr als trickreicher Gegenspieler.

Playlist, Besetzung und Stab 

Rolling Stones – „Sympathy for the Devil”
Daddy Yankee – „Gasolina”
J. Balvin – „Mi Gente”
Luis Fonsi – „Despacito”
J. Balvin, Nicky Jam – „X”
Kim Carnes – „Bette Davis Eyes”
Erasure – „Always”
RAF Camora, Bonez MC – „An ihnen vorbei“
Kalim – „Sig Sauer“
Kalim – „Kopfkrieg“
Morten Harket „Can’t Take My Eyes Off You”
Juliane Werding – „Am Tag, als Conny Kramer starb“

Hauptkommissar Thorsten Falke – Wotan Wilke Möhring
Oberkommissarin Julia Grosz – Franziska Weisz
Ermittler Thomas Okonjo – Jonathan Kwesi Aikins
„Kiez-Baron“ Egon Pohl – Christian Redl
sein Sohn Johannes Pohl – Till Butterbach
seine Tochter Carolin Sehling – Deborah Kaufmann
Michael Lübke – Michael Thomas
der Junge Matei Dimescu – Bogdan Iancu
Ex-Prostituierte und Kneipenbesitzerin Katharina Vanas – Jessica Kosmalla
Roman Kainz, Leiter im „LoveDome“ – Roland Bonjour
Voica Barbu, Neuling im „LoveDome” – Emma Drogunova
Prostituierte – Nadine Isabelle Albers
Krenar Zekaj, Boss der Albaner – Slavko Popadic
Torben Falke, Sohn des Kommissars – Levin Liam
Hostelangestellte Carla Klier – Gisa Flake
Psychologin – Odine Johne
Kiez-Bewohner – Tom Wald
u.a.

Drehbuch – Georg Lippert
Regie – Mia Spengler
Kamera – Moritz Schultheiß
Szenenbild – Dorle Bahlburg
Schnitt – Linda Bosch
Ton – Matthias Wolf
Kostümbild – Tina Eckhoff
Musik – Marc Fragstein

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