PROTEST-Hoffest der Elsenstraße 74 in Neukölln – gegen Spekulation und VERDRÄNGUNG! Die Reportage mit 42 Fotos und etwas Text @derjochen @Else74bleibt @HeimatNeue @BoeckerMda @u67bleibt @CorinthStr53 @HedIntern @housingforalleu u. v. a. #Mietenwahnsinn #WohnenistMenschenrecht #KeinHausWeniger #Vorkaufsrecht #

Am 24. Februar endet die Frist für das bezirkliche Vorkaufsrecht (Aufruf-Artikel) für die Elsenstraße 74 und am 15. Februar haben die Bewohner*innen ein Hoffest veranstaltet. Wir waren vor Ort, trafen auf eine super solidarische und künstlerisch engagierte Hausgemeinschaft und auf einige Menschen, die wir bereits kannten.

Wir teilen den Artikel in Bericht, Fotoreport und Presseerklärung der Else 74.

  1. Bericht

Kann man unter solchen Umständen, unter dem Druck, unter dem die Bewohner*innen der Elsenstraße 74 stehen, ein Hoffest machen? Oh ja, man kann. Und wie! Das Wetter war schön, der Hof war voll, die Musik toll und – alles war made by Else 74. Die vielen Transparente, das Buffet und die Sänger wohnen auch im Haus. „Johnny G. Hipster“ (Johannes Sievers) und „Oh Love“ („Oh Love“ ist nicht nur ein bekannter Popsong, sondern wurde für den Künstler gewählt, weil er Olaf heißt). Die beiden Sänger, die beide auch gut mit der Gitarre unterwegs sind, sorgten für eine interessante Mischung von Titeln, die kämpferisch war, hin und wieder aber auch ein wenig ins Nostalgische tendierte. Wir fanden’s toll, weil beide Komponenten unsere eigene Stimmung in diesen Tagen ausdrücken. Johnny G. Hipster und Oh Love wandelten unter anderem Schlagergut in Protestsongs gegen Spekulation und Verdrängung um oder tauchten in die klassische Rock-, Pop- und Beat-Ära ein. „Our House in the middle of the Street(s)“ ist auch auf einem Plakat zu finden, das wir auf den Fotos noch sehen werden – wie die Künstler und die Hausgemeinschaft. Vor allem gegen Abend kam, unterstützt durch die Nebelmaschine von „Telekollegen“, die die Technik bereitstellten, echtes Disco-Feeling auf, dieses findet sich ebenfalls auf den Fotos wieder.

Wer war dabei, um die Mieter*innen der Else 74 zu unterstützen? Die @HeimatNeue natürlich, in Person ihres Sprechers Daniel Diekmann, der sich, wie immer, der Fragen von Menschen annahm, die unter Gentifizierungsdruck stehen.

Der Berliner Mieterverein war vertreten, ebenso die SPD im Bezirk Neukölln, u. a. mit Dr. Nicola Böcker-Giannini, MdA, die in der kommenden Woche die Verkündung des Mietendeckels im Gesetzblatt erwartet (Stichtagsmiete ist nach wie vor der Stand vom 18.06.2019) sowie Hakan Demir, dem Vorsitzenden der SPD Neukölln-Rixdorf.

Wir sprachen über Chancen dieses mächtigsten Mieterschutzinstruments, das bisher in einem deutschen Bundesland geschaffen wurde, seit vor 30 Jahren die Wohnungsgemeinnützigkeit in einem Anfall politischer Umnachtung aufgegeben wurde und über wohnungspolitische Probleme der Berliner Vergangenheit.

Einer hat gefehlt, wir hätten ihn so gerne einmal live bei einer Ansprache an Mieter*innen erlebt: Der Neuköllner Baustadtrat Jochen Biedermann. Den Grund für seine kurzfristige Absage hat er selbst per Twitter benannt. Gute Besserung! Neukölln ist nach Friedrichshain-Kreuzberg der Bezirk, in dem am häufigsten das Vorkaufsrecht zugunsten städtischer Wohnungsbaugesellschaften ausgeübt wird.

Wir trafen weiterhin die großartig motivierten Menschen aus der Urbanstraße 67 (@u67bleibt), die gerade versuchen, die Berliner „Samwer-Häuser“ zu einer Gemeinschaft zu schmieden und die Initiative der Corinthstraße 53, die zum Kreis der „200 Häuser“ (@200Haeuser) zählt, die bereits verkauft wurden und nun aus der Umwandlung, die sie ereilt hat, das Bestmögliche machen und die Verdrängung in Grenzen halten wollen. Wir erfuhren dabei das eine oder andere, was uns vermuten lässt, dass das Ende der Preis-Fahnenstange und damit der Spekulationsmöglichkeiten langsam am Horizont erscheint. Ja, bitte!, möchten wir beifügen. Das Berliner Bündnis Mietenwahnsinn war neben der @HeimatNeue mit der „Hedonistische Internationale“ (@hedIntern) vertreten.

Mit dem, was wir über das Haus erfahren haben, halten wir uns vorerst etwas zurück. Wir bedanken uns sehr für das Vertrauen, das es uns erleichtert, eine eigene Einschätzung der Lage vornehmen und sie kommentieren zu können, z. B. nach dem 24. Februar. Wir kennen die Mietpreise, den Kaufpreis des Hauses, den „four Real Estate“ zahlen will, die Wohnfläche, Details des Zustands und der Ausstattung, Optionen im Verhandlungspoker und wissen, dass die Mieter*innen bereit sind, einiges zu tun, um den Ankauf durch eine städtische Wohnungsbaugesellschaft zu unterstützen.

Wir meinen in Kenntnis dieser Eckdaten: Es soll ein Vorkauf sein! Das, was wir wissen, lässt uns hoffen, dass, ob mit oder ohne die Landesförderung, die bis zu 10 Prozent des Kaufpreises betragen kann, eine freundliche städtische Gesellschaft ja! zur Elsenstraße 74 sagt und zusammen mit den Mieter*innen ein neues Kapitel aufschlägt. An das Haus schließt übrigens die Elsenstraße 75 an, die im vergangenen Jahr den Sprung in die Kommunalisierung geschafft hat

Erklärt hat uns das, was sich nicht aus den Darstellungen auf der Webseite der Else 74 ergibt, Katrin, die sich für die Pressearbeit der Hausgemeinschaft engagiert. Sie hat auch darüber berichtet, wie Menschen aus Friedrichshain nach Neukölln und in das Haus Elsenstraße 74 kamen, die dem Verdrängungsdruck im Next-Hipster-Quartier nach dem Prenzlberg nicht mehr standhalten konnten.

Wir erinnern uns gut, weil wir insbesondere die Ecke Rigaer- und Schreinerstraße und den Kiez um die Simon-Dach-Straße herum recht gut kennen und Anfang der 2010er mitbekamen, wie rasant die Gentrifizierung dort verlief. Mittlerweile hat sie längst Neukölln erreicht und ehemals gemütliche, einfache Ecken wie den Schillerkiez und den Reuterkiez, in dem wir selbst in unserer ersten Berliner Zeit gewohnt hatten, in einem Tempo verwandelt, das nicht eine natürliche, sozial ausgewogenen Veränderung spiegelt, sondern von radikaler Umwälzung zulasten der Mehrheitsbevölkerung kündet. Nun hat die Welle also auch den Harzer Kiez, der bisher keiner der ganz bekannten Namen im Immobilien-Poker von Berlin war, erreicht. Vor allem die Sorge vor der Umwandlung treibt die Mieter*innen der Elsenstraße 74 um. Deshalb noch einmal eine Forderung aus dem Aufruf-Artikel: Der Mietendeckel bedingt zwingend, dass auch die Umwandlungen im Milieuschutzgebieten gestoppt werden können!

2. Die große Fotoreportage

Die Bilder enthalten weitere Beschreibungen.

3. Pressemitteilung der Hausgemeinschaft der Elsenstraße 74

zu finden auch auf der Homepage:

Pressemitteilung

Gentrifizierung im Harzer Kiez – Else 74 bleibt!

In Zeiten, in denen Berlin für die internationale Immobilienbranche eine Goldgrube ist, befürchten
viele Hausgemeinschaften ihr Heim zu verlieren.

WIR NUN AUCH!

„Der Fokus liegt auf klassischen Mietshäusern (hier entweder Objekte mit überdurchschnittlichen
Renditemöglichkeiten oder mit Potential für Leerstand) …“

• four real GmbH (Ankaufsprofil für Berlin)

Wie wir erfahren haben, wurde unser Haus (Elsenstraße 74) an das WienerImmobilienunternehmen four real GmbH verkauft, die in den letzten sechs Jahren mindestens ein Wohnhaus im Kiez gekauft, entmietet und in Eigentumswohnungen umgewandelt hat.
Da es bislang keine Äußerungen von Seiten des Investors zur Zukunft unseres Hauses gibt, sind wir
in höchstem Maße verunsichert. Unser Kiez ist noch recht unberührt. Nach dem Verkauf der Elsenstr.75 im letzten Jahr, trifft es nun auch uns. In Gesprächen mit Nachbarn aus dem Kiez, stellt man fest, dass auch sie von den üblichen Verdrängungstechniken betroffen sind.

Wir sind eine kleine Hausgemeinschaft – so bunt wie Neukölln selbst. Wir gehören hier hin und
bleiben hier!

DIE ZEIT IST KNAPP!

Der Bezirk hat noch bis 24. Februar 2020 die Möglichkeit, das Vorkaufsrecht zu prüfen und geltend
zu machen. Um die ohnehin angespannte Mietsituation in Berlin etwas zu entspannen, fordern wir
den Bezirk auf hier im Kleinen ein Zeichen zu setzen.
Vorkaufsrecht nutzen – Kiezstruktur erhalten!

Zu diesem Zweck veranstalten wir am 15. Februar 2020 ab 13.00 Uhr ein Hoffest in der Elsenstraße
74, 12059 Berlin.

Was wir erreichen wollen:

• Ein Bewusstsein für die Veränderungen in unserem Kiez und Vernetzten der Nachbarschaft
• Engagement von Politiker*innen des Bezirks Neukölln und der Stadt Berlin für langfristige Lösungen zu bezahlbarem Wohnraum und damit auch konkret unserem Haus und solange die nicht vorhanden sind: Nutzung des Vorkaufsrechts vor allem bei Häusern, die Gefahr laufen in Eigentum
umgewandelt zu werden. Die Bauflächen in Neukölln sind begrenzt – Wohnraum muss für alle zugänglich bleiben
• Übernahme unseres Kaufvertrages durch eine städtische Wohnungsbaugesellschaft, eine Genossenschaft, eine Stiftung oder eine Privatperson, die sich für sozialverträgliches Wohnen in Berlin
engagiert.

ENDE PM

TH

Aufrufartikel vom 14.02.2019

Bitte geht morgen alle zum Hoffest gegen Verdrängung, das die Bewohner*innen der Elsenstraße 74 in Berlin-Neukölln veranstalten!

  • 15.02.2020, ab 13 Uhr

Der Hintergrund: Unser Haus wurde von der four real GmbH aufgekauft, die nach eigenen Angaben ihren Fokus auf “Objekte mit überdurchschnittlichen Renditemöglichkeiten oder mit Potenzial für Leerstand” hat. Das klingt für uns nicht nach einem neuen Eigentümer, der das Wiener Modell in die Stadt trägt. Die Frist für die Ausübung des Vorkaufsrecht durch die Stadt endet am 24. Februar 2020, schreiben die Bewohner*innen auf ihrer Webseite.

160 Briefe an Mieter*innen, für deren Häuser die Ausübung des bezirklichen Vorkaufsrechts geprüft wird, hat der Neuköllner Stadtrat Jochen Biedermann gestern verschickt. Dabei handelt es sich ausschließlich um Häuser im Schillerkiez im Nordwesten von Neukölln.

Die Bewohner*innen der Elsenstraße 74 sind also nicht dabei, denn sie liegt dicht bei unserem ersten Wohnort in Berlin, das war am Eingang zum Reuterkiez, die Gegend wird gerne Kreuzkölln genannt.

Für die Else 74 läuft die Frist für die Ausübung des Vorkaufsrechts also am 24.02.2020 ab. Dazu fiel uns gestern beim Nachdenken über das Haus, den Kiez, den Mietenwahnsinn ein Mini-Gedicht ein.

Das Jahr ist jung, die Kassen sind voll
Ein Vorkauf der Else wäre doch toll!

Beim Lesen der Homepage der Else 74 sahen wir, dass auch eine Mieter*innenpartei im Haus sich in gereimter Form dargestellt hat.

Wer sind die Bewohner*innen? Sie schreiben über sich selbst:

Wir sind die Hausgemeinschaft der Elsenstraße 74. Unser Haus besteht aus ca. 20 Wohneinheiten. Wir Bewohnerinnen kommen aus verschiedenen Ländern der Welt – aus Südamerika, Nordamerika und Europa. Wir gehen vielfältigen Beschäftigungen nach, sind Arbeiterinnen, Handwerkerinnen, Studierende, Angestellte und Künstlerinnen. Viele von uns leben mit unseren Familien hier. Einige schon Jahrzehnte lang. Viele kennen sich persönlich und das Zusammenleben im Haus ist von gegenseitiger Unterstützung geprägt.

Und was wünschen sie sich? Es steht wiederum auf der Webseite zu lesen:

  • Übernahme unseres Kaufvertrages durch eine städtische Wohnungsbaugesellschaft, eine Genossenschaft, eine Stiftung oder eine Privatperson, die sich für sozialverträgliches Wohnen in Berlin engagiert,
  • Wohnungen in Mietobjekten statt Spekulationsobjekten,
  • Bezahlbaren Wohnraum für alle,
  • Engagement von Politiker*innen des Bezirks Neukölln und der Stadt Berlin für langfristige Lösungen zu bezahlbarem Wohnraum und damit auch konkret unserem Haus und solange die nicht vorhanden sind: Nutzung des Vorkaufsrechts vor allem bei Häusern, die Gefahr laufen, in Eigentum umgewandelt zu werden. Die Bauflächen in Neukölln sind begrenzt – Wohnraum muss für alle zugänglich bleiben,
  • mehr Transparenz auf dem Wohnungsmarkt: Immobilienunternehmen sollten mit Unterzeichnung des Kaufvertrages den geplanten Verwendungszweck der Immobilie offenlegen / Mieter haben ein Recht auf Aufklärung!

Wir hoffen sehr, dass Jochen Biedermann neben seinen Aufgaben im Schillerkiez auch ein Herz für die Else 74 hat.

Bei den Nachbarn aus der Elsenstraße 75, die wir „Eichhörnchen-Haus“ genannt hatten, hat es nämlich im vergangenen Jahr geklappt mit der „Ausübung des bezirklichen Vorkaufsrechts zugunsten Dritter“, wie es präziser heißt, das Haus ist nun Teil des kommunalen Wohnungsbestandes von Berlin.

Der Besuch der Webseite des Hauses lohnt sich, unter anderem kann man mehr über einzelne Mieter*innen lesen und im Fotoalbum die Entwicklung des Else-74-Logos nachvollziehen, Plakate und das Haus anschauen und wie derzeit in der Nachbarschaft Werbung fürs morgige Hoffest gemacht wird. Hier ein schönes Plakatbeispiel:

Unser Forderungen, die über den aktuellen Mieter*innenschutz hinausgehen, sind nach wie vor:

  • Milieuschutz auch für kiezbasiertes Kleingewerbe,
  • Umwandlungsverbot in Milieuschutzgebieten, allgemein Erschwerung der Umwandlung in Eigentum,
  • ein Transparenzregister für Grundbesitz, das unzugängliche Schachtelkonstruktionen nachvollziehbar macht,
  • Verbot von Eigenbedarfskündigungen,
  • Enteignung von privaten Immobilien-Großkonzernen.

Wir hoffen morgen für die Else 74 auf gutes Wetter und viele Besucher*innen!

Heute erklären wir unsere Solidarität mit den Menschen, die in der Elsenstraße74 in Berlin-Neukölln wohnen!

TH

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