„Alteingesessenes Berliner Unternehmen verdrängt Künstler*innen in Kreuzberg“ @gloreiche36 – #glo6bleibt #Glogauer6 #Kreuzberg #HDay2020 #HousingActionDay2020 #WohnenistMenschrecht #KeinHausWeniger #Mietenwahnsinn #Verdrängung

Weg von Corona, wenigstens für eine Stunde – und Fokus auf den Mietenwahnsinn. Die Mieter*innen-Initiative „@gloreiche36„*, die wir als einer besonders aktiven mietenpolitischen Gruppen in der Stadt kennengelernt haben und die sich in der Gruppe der „200 Häuser“ engagiert, hat heute auf Twitter einen offenen Brief versendet, den wir hier gerne abbilden möchten. Es geht darin um den gefährdeten Fortbestand einer Ateliergemeinschaft in der Glogauer Straße 6 in Berlin-Kreuzberg, die mit einer 70prozentigen Mieterhöhung konfrontiert ist.

*(Eigenschreibweise „GloReiche“ = „gloreiche Nachbarschaft“, Glogauer und Reichenberger Straße in Berlin-Kreuzberg im berühmten früheren Bezirksteil „SO 36“)

Hier zum Tweet und hier ist der Text und sind die Infos im Web zu finden. Wir gliedern in:

  • Info zur Lage
  • Vorstellung der Ateliergemeinschaft
  • Offener Brief der GloReiche 36
  • Hinweis auf eine Online-Petition zum Verbleib der Ateliergemeinschaft, die wir zur Unterzeichnung empfehlen.
  • Kurzkommentar von uns.

    Info zur Lage

„Alteingesessenes Berliner Unternehmen verdrängt Künstler*innen in Kreuzberg

„In den letzten Jahren hat sic
h die Marktsituation in unserer Stadt im positiven Sinne dynamisch entwickelt. Diese Entwicklung blieb nicht ohne Einfluss auf den Mietmarkt für Gewerbeflächen, insbesondere auch in Kreuzberg.“ So begründete die Arnold Kuthe Immobilienverwaltungs-GmbH im Herbst 2019 ihre Mieterhöhung von 70 Prozent für eine Gewerbeeinheit in der Glogauer Straße 6 in Kreuzberg. Mehr als 15 Euro pro Quadratmeter sollte die Ateliergemeinschaft, die die Räume nutzt, nun zahlen. Mieten in dieser Höhe sind allerdings für Künstler*innen keinesfalls realisierbar. Daraufhin kündigte Kuthe den Mietvertrag zum 31.05.2020.

30 Mitunterzeichner*innen und wir fordern: Rücknahme der Kündigung, Wiederaufnahme der Verhandlungen und einen fairen, langfristigen Mietvertrag für die Ateliergemeinschaft.“

Die Ateliergemeinschaft

Wir sind eine Gruppe von Künstlern und Designern, die hauptsächlich mit Film und Video arbeiten. Wir sind seit 2006 in der Atelieretage und haben im Herbst trotz Staffelmiete eine Mieterhöhung um 70% erhalten. Wir haben darauf mit einem Brief reagiert. Danach hatten wir mehrere Treffen mit einem Mitarbeiter der Firma Kuthe. Er versprach uns mehrfach, dass er uns entgegenkommen wurde mit einem neuen Angebot, was er später aber zurücknahm mit der Begründung „keine Sonderbehandlung erteilen zu können“. Im Dezember haben wir eine Kündigung erhalten für den 31.05.2020.

Die bisherige Entwicklung der Miethöhe kann man hier ablesen – sie lässt bereits eine Fast-Verdreifachung während der letzten 15 Jahre erkennen, aber der nun geforderte Sprung auf 15,50 Euro / m² ist für die Mieter*innen untragbar.

2006: 3,40 €/qm (Staffelmietvertrag), 2013: 5,50 €/qm (Staffelmietvertrag), 2017: 8,50 €/qm (Staffelmietvertrag), 2020: 9,20 €/qm bis Mai 2020 (Staffelmietvertrag), ab Juni 2020: 15,50 €/qm.

Gemäß diesem Artikel des Berliner Tagesspiegels waren die Mitglieder der Ateliergemeinschaft auch bereit, die Staffel weiterhin fortzuführen, oder, so lesen wir heraus, sogar etwas höher zu gehen, aber knapp 70 Prozent Mieterhöhung auf einen Schlag kann begreiflicherweise ein Künstlerkollektiv nicht stemmen. Das Bezirksamt wollte sich, heißt es weiter, mit den Künstler*innen solidarisch zeigen, aber Verhandlungen mit den Vermietern sind gescheitert.

Offener Brief 

An die
Arnold Kuthe Immobilienverwaltungs-GmbH
Brunsbütteler Damm 120-130
13581 Berlin 

Eigentümerin des Gebäudes Glogauer Straße 6

Sehr geehrter Herr Freymuth, sehr geehrter Herr Bialas, sehr geehrter Herr Curth,

die Ateliergemeinschaft, bestehend aus Clemens von Wedemeyer, Laura Horelli, Joa Herrenknecht, Heba Y. Amin und Raphael Grisey, hat sich an uns als Nachbarschaftsinitiative gewandt, da sie akut von Verdrängung bedroht ist. Erst forderten Sie eine 70%ige Mieterhöhng, um dann nach erfolglosen Verhandlungen die Kündigung zum 31.05.2020 auszusprechen.

Wir stehen in engem Austausch und erleben die Ateliergemeinschaft als Teil einer gewachsenen Kreuzberger und auch Berliner Struktur. Kuthe, als alteingesessenes Berliner Familienunternehmen mit unzähligen Immobilien, hat eine Verantwortung gegenüber den Menschen und der Stadt. Dieser kommen Sie aktuell allerdings leider nicht nach.

Darum fordern wir Sie auf

  1. Die Kündigung sofort zurückzunehmen
  2. Verhandlungsgespräche über den Verbleib der Ateliergemeinschaft in der Glogauer Straße 6 wiederaufzunehmen und
  3. einen fairen, langfristigen Mietvertrag für die Ateliergemeinschaft vorzulegen.

Gehen Sie mit gutem Beispiel voran, wie es auch schon die Eigentümer des Hauses in der Reichenberger Straße 86 getan haben, und sorgen Sie für den aktiven Erhalt der Kunst- und Kulturstruktur in Berliner Kiezen und vor allem in Kreuzberg.

Die GloReiche Nachbarschaft

Für eine soziale Stadt und gegen Verdrängung

Mitunterzeichner des offenen Briefes an die Arnold Kuthe Immobilienverwaltungs-GmbH 

***ENDE Einleitungstext, offener Brief, Unterzeichner*innenliste***

Artists‘ Studio Under Threat! Glogauer 6 bleibt!

Jetzt Online-Petition unterschreiben. Für den Verbleib der Künstler*innen in unserem Kiez. Ihr könnt auch die ausgelegten Unterschriftenlisten in der Bäckerei Filou, MiniSpar, Five Elephant und Zad Falafel (alle in der Reichenberger Str.) nutzen. #glo6bleibt #Glogauer6 #Kreuzberg 

Kommentar

Kreuzberg ist bezüglich der Zahl und der Vielfalt von wohnungspolitischen Initiativen so gut vernetzt wie kein anderer Bezirk in Berlin, aber trotzdem sind häufig Gentrifizierungen zu beobachten und Gentrifzierungsversuche abzuwehren. Der Berliner Mietendeckel ist bisher so gestaltet, dass er Gewerbemieter*innen nicht schützt, nun tritt die Corona-Krise hinzu, die Kleingewerbe und Künstler*innen besonders hart trifft.

Morgen hätten sich alle, die im Kampf gegen den Mietenwahnsinn zusammenarbeiten, auf der großen Demo getroffen in Berlin getroffen, die nun auf ein noch unbestimmtes Datum verlegt wurde. Aktionen wird es trotzdem geben, aber „inhouse“, im Wesentlichen: Scheppern gegen die Stille, die Corona verursacht, dagegen, dass die Probleme auf dem Häusermarkt vergessen werden, weil man nicht mehr auf der Straße dagegen protestieren kann.

Das Thema hat nichts an Aktualität verloren und wird nach der Krise mit noch mehr Nachdruck angegangen werden müssen als bisher. Es gibt kein Einhalten, keine wenigstens temporäre Solidarität der Immobilienwirtschaft, wie man am drohenden Schicksal der Ateliergemeinschaft in der Glogauer Straße 6 in Kreuzberg sieht. Dieses Herausquetschen des letzten Talers aus Menschen, nur um die Profite immer weiter zu steigern, das es gemäß dem Spin gewisser uns bekannter Vermieter-Kampagnenaccounts, die sich in den sozialen Netzwerken tummeln, gar nicht gibt, stellt leider in vielen Fällen die Realität dar.

Ob Startups, wie im Tagesspiegel Artikel erwähnt, für eine solche Atelier-Etage in einigen Monaten noch 22 Euro / m² aufbringen können oder wollen, wird sich also zeigen, zuletzt war die Lage in der Tat noch so, dass auch sie immer mehr Probleme damit hatten, bezahlbare Räume in den Innenstadtbezirken zu finden. Zehn Jahre ununterbrochener Preissteigerung haben wir nun hinter uns, hoffen auf eine Wende, aber es ist offensichtlich, dass jetzt noch möglichst hohe Mieten durchgesetzt werden sollen. 

Man kann den Housing Action Day auch mit Videos zum Thema bereichern, fällt uns gerade ein – und die Menschen in der Glogauer 6 sind doch (auch) Videokünstler*innen.

Heute unsere Solidarität mit der Ateliergemeinschaft Glogauer Straße 6!

TH

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