Blinde Wut (Fury, USA 1936) #Filmfest 160 DGR

Filmfest 160 A "Die große Rezension"

2020-08-14 Filmfest ADer Lack der Zivilisation in Flammen

Fritz Lang ist einer der größten Regisseure. Wuchtige Dramen, kühne Gesellschaftsportraits, extravagante Bildsprache und das Fehlen von Intimität zeichnen besonders seine frühen Werke aus. Ein großer Kopf und Visionär, dessen teutonisch-militärische Art, mit dem Stab und den Schauspielern umzugehen, am Set berüchtigt war und dessen Werke durch einen Reichtum an Details und Subtext hervorstachen, der in den USA teilweise nicht erkannt wurde. Vielleicht war das gut so.

Nach „Rancho Notorious“ (1952) rezensieren wir mit „Fury“ den zweiten Film von Fritz Lang. Es ist sein erster nach der Emigration von Deutschland in die USA.

Dass ausgerechnet das Glamourstudio MGM Fritz Lang für seinen ersten US-Film verpflichtete, mag nicht verwundern, bei der Reputation durch „Metropolis“ oder „M“, die der Mann nach Hollywood mitbrachte. Aber offenbar war man sich nicht in vollem Umfang bewusst, wen man sich einhandelt. Beinahe wäre der Film nicht herausgekommen, denn wohl kaum ein Werk zuvor hat den  Kleinstadtamerikaner so negativ dargestellt wie dieses.

„Fury“ hat einen Nachhall bis in die sozial engagierten Filme der späten 50er und frühen 60er Jahre, in denen ebenfalls vor Gericht gegen bornierte Kleinbürger, gegen Hass und Intoleranz zu Felde gezogen wurde. Noch ist das, was hier gezeigt wird, nicht leicht verdaulich. In der Version dieser Kritik von 2011 war die Bemerkung zu lesen, der Film sei von ausländischen Nutzer*innen der IMDb höher bewertet als von US-Nutzer*innen. Das stimmt zwar 2020 immer noch, der Abstand beträgt aber nur 0,1/10 und außerdem gibt es keine signifikanten Unterschiede zwischen den Altersklassen und den beiden ausgewiesenen Geschlechtern, den Zuspruch und die Ablehnung des Films betreffend. Weiterhin hat Fury keinen ausgewiesen hohen Anteil von Null-Punkte-Bewertungen, wie er bei sehr kontroverse Filme meist zu erkennen ist (Fury kommt hier nur auf 0,8 Prozent).

Alle späteren Filme von Fritz Lang in den USA und am Ende seines Lebens- und Werkszyklus auch wieder in Deutschland, waren weniger rau, die Kritik bleib versteckter, die Bilder wurden weniger schockierend. Für uns ist „Fury“ nicht nur einer der wichtigsten Filme von Fritz Lang, sondern auch einer der Filme, die zum Canon gehören. Seine Gestaltung und sein Inhalt sind gleichermaßen sensationell für die Zeit seiner Entstehung und man kann über MGM sagen, was man will – das Studio, das man so gerne mit Familienfilmen und schönen Musicals in Verbindung bringt, hat Mut bewiesen, als es diese soziale Anklage auf die Amerikaner losließ. Später hat Fritz Lang mehr mit den Warner Brothers zusammengearbeitet, die aufgrund ihrer Bereitschaft, realistätsnähere und kritische Filme zu machen, die kongenialeren Partner für ihn waren.

Handlung

Katherine Grant und Joe Wilson sind ein Paar. Doch Joe verdient nicht genug, um eine spätere Familie zu ernähren. Daher nimmt Katherine einen Posten als Lehrerin in Strand, Illinois an. Dies hat zur Folge, dass sich das Paar für ein Jahr trennen muss, da Joe in Chicago bleibt. Es findet ein reger Briefkontakt statt und der Tag des Wiedersehens rückt näher. Joe macht sich auf den Weg zu Katherine, wird aber unterwegs in der Stadt Strand festgenommen und der Entführung eines Mädchens bezichtigt. Ohne die Möglichkeit der Rechtfertigung sperrt ihn der Sheriff ein und verbietet ihm Kontakt zu seinen Brüdern oder Katherine.

Das einzige Indiz sind Erdnüsse, die in seiner Tasche gefunden wurden; auch am Tatort hat die Polizei welche gefunden. Wie ein Lauffeuer geht das Gerücht in der Stadt um, dass der Entführer gefasst worden sein soll. Trotz der dürftigen Beweislage werden die Bewohner der Stadt von einem Mann, der sich selbst als Streikbrecher bezeichnet, aufgeputscht und bilden einen Mob. Die aufgebrachte Menge versammelt sich vor dem Gefängnis und überwältigt schließlich den Sheriff und seine Gehilfen. Da sie aber trotzdem nicht an Joe rankommen, brennen sie das Gebäude nieder. Katherine, die durch Zufall von der Verhaftung erfahren hat, trifft gerade noch rechtzeitig ein, um Joe am Zellenfester des lichterloh brennenden Gebäudes zu sehen.

Kurz darauf werden die echten Kidnapper gefasst, die Unschuld von Joe steht fest. 22 angebliche Anführer des Mobs werden vor Gericht gestellt und des Mordes an Joe angeklagt. Tatsächlich hat Joe den Brand überlebt. Er konnte mit Verbrennungen unbemerkt über eine Regenrinne entkommen. Völlig verbittert und voller Rachegelüste hält er sich nun mit Hilfe seiner Brüder versteckt. Diese nehmen als seine Angehörigen am Prozess als Ankläger teil. Während des Gerichtsverfahrens wird deutlich, das die Bewohner der Stadt zusammenhalten.

Sie verschaffen sich gegenseitig Alibis und sogar der Sheriff kann plötzlich keinen der Angeklagten identifizieren. Daraufhin erklärt der Staatsanwalt dem Gericht, dass Lynchjustiz in den vergangenen 49 Jahren insgesamt 6.010 Menschen in Amerika das Leben gekostet hätte. Nur 765 dieser Morde wären vor Gericht gekommen, weil sich die Mitbürger geweigert hätten, die Täter zu identifizieren. Nur um diese beschämende Tatsache aufzuzeigen, hätte er all die für ihn sinnlosen Zeugen aufgerufen. Er würde sie nun als Lügner brandmarken.

Was weder die Stadtbewohner noch deren Verteidigung gewusst hatten: Der Kameramann einer Wochenschau hatte die Szenen vor dem Gefängnis gefilmt. Die Vorführung des Films erschüttert auch die Mobteilnehmer. Die Verteidigung zieht nun in Zweifel, dass ein Mord vorliegt, weil man Joes Leiche nicht gefunden hat. Katherines Schilderung ihrer Beobachtungen überzeugt noch nicht. Joe schickt dem Richter einen anonymen Brief mit einem teilweise geschmolzenen Ring und einer Nachricht, dass er ein Bürger Strands sei und den beigelegten Ring bei den Aufräumarbeiten im Gefängnis gefunden hätte. Katherine identifiziert den Ring als Joes. Der Beweis ist erbracht.

Allerdings hat Katherine mittlerweile auch Zweifel am Tod ihres Verlobten bekommen, da sie unter anderem in der anonymen Nachricht einen Rechtschreibfehler entdeckt, den sie aus Joes Briefen an sie kennt. Sie folgt seinen Brüdern heimlich zu Joe und versucht ihn zu überreden, seine Rache aufzugeben. Doch Joe ist voller Hass und will Rache dafür, dass ein Mob einen Unschuldigen im Gefängnis verbrennen wollte. Katherine verlässt ihn. Bald erkennt Joe, dass er zu weit gegangen ist. Der Gedanke, Katherine zu verlieren, lässt ihn fast den Verstand verlieren.

Am nächsten Tag wird das Urteil verlesen. Fast alle Angeklagten werden schuldig gesprochen und damit zum Tode verurteilt. Während des darauf folgenden Aufruhrs taucht Joe im Gericht auf. In seiner Rede vor Gericht erklärt er: „Das Gesetz weiß nicht, dass viele Dinge, die mir wichtig waren – alberne Dinge, wie der Glaube an Gerechtigkeit, die Vorstellung, dass alle Menschen zivilisiert sind, und das Gefühl des Stolzes auf mein Land, das anders sei als all die anderen – das Gesetz weiß nicht, dass diese Dinge in jener Nacht in mir verbrannten.“ Er sei nicht hier, um das Leben der Angeklagten zu retten, denn sie würden ihm absolut nichts bedeuten. Er sei seinetwegen hier, damit ihn die Ereignisse nicht mehr verfolgen würden und er mit Katherine glücklich werden könne.

In der Schlussszene ist Joe wieder mit Katherine vereint und küsst sie.

Einflussnahme

In der Einführung haben wir MGM gelobt, dass es diesen Film mit Fritz Lang als Regisseur auf die Beine gestellt hat. Aber die Produzenten haben auch Einfluss auf das Konzept genommen, wir nennen die wichtigsten Punkte und bewerten sie.

  • Lang wollte ursprünglich einen Film über ein schwarzes Opfer eines Lynchmobs drehen. Dies wurde ihm von MGM jedoch nicht gestattet.

Zweifelsohne wäre die Anklage noch einmal härter gewesen – und realistischer. Die meisten Lynchopfer waren (und sind, wenn man die heutige Polizeigewalt einrechnet) Afroamerikaner. Aber wir meinen, es war, ob beabsichtigt oder nicht, richtig, einen Weißen als Opfer zu nehmen. Auf die damaligen Amerikaner hat das sicher noch beeindruckender gewirkt, dass es ein Mann aus der „Mehrheitsgesellschaft“ war, wenn auch ein eher einfacher Mann, dem dies alles widerfähr. Der stille oder offene Rassismus vor allem der südlichen US-Amerikaner, der bis heute weiterlebt, wird dadurch weniger angesprochen. Es gibt keinen inneren Antrieb zu betrachten, der mit dem Begriff „Rasse“ in Verbindung gebracht werden kann – zwanzig Jahre vor dem Aufstehen der Bürgerrechtsbewegung. Hier stehen ganz pur Menschen ähnlicher sozialer Herkunft gegeneinander.

  • Die Kussszene am Schluss – ein typisches Hollywood-„Happy-End“ – wurde angehängt, weil der Produktionschef darauf bestand. Lang mochte diese Szene nie.

Zweifellos wäre der Film ohne das versöhnliche Ende noch konsequenter gewesen, aber MGM hatte eben im Sinne seiner eher sanfte Linie die Akzeptanz des Publikums im Auge, und für die Verbreitung des Filmes unter der Ägide eines großen Studios auf konventionellen Vertriebswegen war die Schlussszene möglicherweise unumgänglich, zumindest im Jahr 1936, als der Film erschien.

  • Blinde Wut war der erste in Hollywood gedrehte Film von Fritz Lang nach seiner Emigration in die Vereinigten Staaten im Jahre 1934. Lang hatte Deutschland schon 1933 aufgrund der Machtergreifung der Nazis verlassen und war zuerst nach Frankreich gezogen, wo er auch den Film Liliom drehte.

Fritz Lang war 1936 neu in den USA und Irving Thalberg, der damalige MGM-Produktionsschef, der durchaus künstlerisch dachte und seinen Top-Filmemachern viele Freiheiten gewährte, wusste, was man noch gerade tun konnte und was nicht. Wie man ein Risiko einging, ohne den Erfolg eines Filmes von vornherein zu vereiteln und die Prämissen des größten Studios der Filmstadt zu verletzen, das hat er z. B. mit den Marx-Brothers exerziert, die er ein wenig geglättet hatte, nachdem sie zu MGM gekommen waren, ohne sie ihrer Identität zu berauben. Leider verstarb Thalberg 1937 sehr früh und MGM wurde ohne ihn mehr als nur eine Spur konservativer.

  • Fritz Lang wollte aus Joe einen Anwalt machen, aber die Produzenten wollten einen Arbeiter, und so wurde Joe ein Automechaniker.

Auch diese Entscheidung finden wir richtig. Ein Rechtskundiger wäre in dieser Lage bei weitem weniger effizient gewesen. Was immer einem Anwalt auch widerfährt, er hat die rhetorischen Mittel, um sich zu wehren und ist zudem ein Teil des Justizsystems. Die Rolle von Spencer Tracy in „Fury“ war nicht nur ausgezeichnet auf seinen Typ zugeschnitten, sie ist auch prototypisch. In vielen Gerichtsfilmen gibt es die Verteilung, dass ein unschuldiger, einfacher Mann in die Mühle der Justiz oder des Mobs kommt und ein versierter Verteidiger oder – in Fury – Staatsanwalt seine Partei ergreift. In „Die zwölf Geschworenen“ waren es einer dieser zwölf, der dem Angeklagten, den alle anderen schon innerlich verurteilt hatten, eine Chance gab. Ähnlich die Konstellation im wunderschönen „To Kill a Mockingbird“, in dem das Opfer dann, der Zeit gemäß (1962) ein farbiger Amerikaner sein konnte.

Diese Art von Filmen lebt auch davon, dass das Opfer nicht eine zu hochstehende und der Selbstverteidigung in irgendeiner Weise fähige Person sein darf, deren Fähigkeiten die Sympathie aus Mitleid, die der Zuschauer empfindet, teilweise wieder dadurch aufhebt, dass er blendend pro domo argumentieren kann und dadurch keinen Opfertyp mehr darstellt.

(Die Punkte, in denen das Studio Einfluss genommen hat, sind wieder aus der WIKIPEDIA entnommen und von uns kommentiert worden).

Themen im Thema

1933 war Fritz Lang aus Deutschland emigriert und die Machtergreifung der Nazis und die Differenzierung des Fritz Lang von einer durchaus konservativen Grundgesinnung in seiner deutschen  Zeit ist in „Fury“ ebenso deutlich spürbar wie die amerikanischen Themen der Zeit – Lynchjustiz war in den USA tatsächlich weit verbreitet, die unter II. genannten Zahlen, die im Film erwähnt werden, waren mit Sicherheit real. Das zeigt auch, dass die USA nur relativ gesehen ein zivilisiertes Land waren und dass der Holocaust in Deutschland es lange Zeit verhindert hat, dass andere Nationen sich mit ihren eigenen Schwächen und ganz ählichen Phänomenen auseinandersetzen mussten. Es war die Singularität der perfekten Vernichtungsmaschine in den deutschen Konzentrationslagern, die es ermöglichte, dass der alltägliche Rassismus und die Gewalt in weniger konzentriert wirkenden Dimensionen in anderen Ländern unter den Teppich zu kehren.

Man muss es den USA zugute halten, dass sie sich häufig sehr offensiv und in guten  Zeiten auch sehr kritisch mit ihrer eigenen Gesellschaft und deren Gewaltbereitschaft auseinandergesetzt haben. 1934, in der Zeit des New Deal unter dem Präsidenten Franklin Delano Roosevelt, begann eine solche Zeit. Das Land wollte sauber werden und aufräumen mit seiner wilden Vergangenheit. Die Gangsterfilme wurden moralisch, der Film im Ganzen bekam eine erste Form von politischer und auch moralischer Korrektheit auferlegt, niedergelegt im „Hays Cod“, der just 1934 als verbindlich in Kraft trat. Mithin – der Film wurde zensiert. Aber die späten 30er waren auch die erste Zeit jener wundervollen Demokratie-Lehrfilme wie „Mr. Smith Goes To Washington“ (1939).

Fritz Langs „Fury“ hingegen war ein beunruhigendes Gegenstück. Erst mehr als 20 Jahre später, in der heraufdämmernden Zeit des Civil Rights Movement, traute man sich wieder, ähnliche Sozialanklagen auf die Leinwand zu bringen, gerne in Form von Gerichtsdramen („Anatomie eines Mordes“, 1960, „Wer den Wind sät“, 1959).

  1. Bedrückende Kompromisslosigkeit

„Fury“ kennt keine Verwandten. Kleinstadtbürger, Politiker und Vollzugsbeamte der Justiz werden gleichermaßen an den Pranger gestellt, auch die Medien bekommen ihr Fett weg. Man sitzt heute noch   staunend, angesichts dieser gewiss nicht maximal differenzierten, aber umso wirkungsvollerern Darstellung. Und mit dem heutigen Wissen und der heutigen Schulung im Umgang mit Politik und deren Hintergründen, den Medien und deren Mechanismen, kann man nur sagen: In wenigen Minuten und Bildern, in wenigen Sätzen und Handlungen hat Fritz Lang in „Fury“ seine Figuren alles sagen lassen, die Kamera alles zeigen lassen, was zu sagen und zu zeigen ist. Da ist keine Spur von Idealismus, alles wirkt zynisch und roh. Und damit zu einem unumgänglichen Effekt:

Der überragenden Modernität von „Fury“. Die blanke Verworfenheit des Mobs, die eiskalte Berechnung der Politiker, die Sensationsgier der Medien, das hat viele Jahrzehnte übersprungen, in denen man gewillt war, die Welt besser zu machen und in einem besseren Licht zu sehen und ist zurückgekehrt in unsere Zeit, in der wir uns bewusst sind, wie wahr das alles ist und wie auch heute wieder billige Interessenprotektion, die Zeigegeilheit der allpräsenten Medien und eine Gesellschaft, die zu jedem Mobbing bereit ist, sofern es die eigene Person nicht juristisch in Gefahr bringt, so deutlich präsent sind, wie sie in „Fury“ gezeigt werden und damals auch als Information für viele Menschen sicher etwas Neues waren.

Der vorherige Absatz aus der 2011er Version dieses Textes haben wir beinahe unverändert übernommen – und das große Nachdenken darüber, wie sich die Dinge seitdem entwickelt haben, kann nicht ausbleiben: „Fury“ wird immer aktueller.

Fritz Lang war schon vor seiner Zeit in den USA (1934 bis 1956) pro-amerikanisch eingestellt, auch pro-britisch. Viele seiner positiven Figuren schon in den deutschen Filmen kommen aus diesen Ländern. Vielleicht ist es ihm gerade deshalb möglich gewesen, einen so überragend sozialkritischen Film zu drehen wie „Fury“. Allerdings ist „Fury“ auch das einzige Werk von solcher Schärfe, eine zweite Attacke auf das Befinden des amerikanischen Brutalspießers wie diese hätte seine Karriere wohl nicht überlebt. Auch „Fury“ ist nach unserer Ansicht nicht unbedingt förderlich gewesen, wenn man es von dieser Warte; jenseits künstlerischer und sozialer Aspekte sieht.

  1. Menschen undMassen

Wir sind oft zwiespältig eingestellt, wenn es um Indvididualismus und Gemeinschaft geht. Ohne Gemeinschaft und Sinnstiftung durch Symbole der Gemeinschaft kann die Welt nicht überleben, aber nur das kritische Individuum ist in der Lage, kein manipulierbares und manipulatives Element einer verwilderten Masse als Negativbild der Gemeinschaft zu werden. Solidarität ist notwendig, hat aber nichts mit Gleichschaltung zu tun. Nachdenkliche Menschen wissen, dies ist durchaus ein Dilemma, das jeden Tag bewusste Entscheidungen fordert und um so Vieles anstrengender ist, als ein dumpfes, archaischen Trieben folgendes Herdentier auf der einen Seite oder ein misanthropischer, selbstbezogener und selbstgerechter Einzelgänger zu sein.

Joe Wilson, der Protagonist in „Fury“, ist ein guter Mann, der eine Familie gründen will, der seine bockigen Brüder zu anständigen Menschen formt, ein kleines Geschäft aufbaut und damit alles tut, um Teil der Gemeinschaft zu sein. Dann gerät er in die Mühle und wird von einer Masse als Negativbild der Gemeinschaft beinahe vernichtet. Kein Outlaw, der sein Recht auf eine besondere Lebensweise fordert und sich dadurch verdächtig macht, sondern jemand, der niemandem einen Anlass bietet, ihn zu verfolgen, wird zum Opfer. Das einzige, was ihn abhebt ist, dass er nicht aus dem Ort stammt. Das macht den Film verstörend. Das Femde, wie harmlos auch immer es sich zeigt, wird abgestoßen und ist in Gefahr, nicht etwa gefährlich.

Man stelle sich vor, wie 1936 Menschen in Kleinstädten wie dem hier gezeigten Ort Strand ( ein grandioser Name) in den Kinosälen saßen und sich selbst mit verzerrten Gesichtern sahen, so, wie die Angeklagten später im Gerichtssaal, als die Wochenschau gezeigt wird, die sie im Moment ihrer Schande zeigt. Unter anderem werden die Bilder, die zeigen, wie nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges deutsche Bürger*innen von US-Truppen durch die Konzentrationslager geführt wurden, um ihre Schande zu fühlen, lebendig.

„Fury“ ist also nicht nur aktuell, er war damals auch prophetisch. Alles, was kommen und grausame Wirklichkeit werden sollte, ist im Kleinen vorgezeichnet. Diese Kleinstadt Strand, in welcher Joe Wilson gestrandet war und, wenn es nach dem Willen der Bürger gegangen wäre, im Feuer umgekommen wäre, ist ein kleines Reich des Terrors. Heute noch unscheinbare Idylle, morgen Bühne für rasende Bestien, die einzeln friedlich sein mögen, aber in der Masse und durch dubiose Subjekte aufgewiegelt, jeden Anstrich von Zivilisiertheit verlieren.

  1. Expressionismus als Verstärker und verschiedene Stilmittel

Unvergesslich, die Bilder der vor Lust am Lynchen verzerrten Gesichter vor loderndem Feuer in der Nacht, dämonisch angeleuchtet in schnellen Schnitten – das ist der deutlichste Anteil des expressionistischsten deutschen Erbes in „Fury“, aber auch ohne diesen sind Szenen dabei, die atemlos machen. Jeder mag seine eigenen Traumata gespiegelt sehen, jeder ein anderes Bild für immer in sich aufnehmen. Für uns war es die Kameraeinstellung, in der eine Mutter, in der Menge stehend, mit hysterisch verzücktem Gesichtsausdruck ihr kleines Kind über den Kopf hochhält, damit es besser sehen kann, wie der Mann in den Flammen des Gefängnisses umkommt. Wer im Rettungswesen oder bei der Autobahnpolizei tätig ist, dem werden Momente wie dieser nicht unbekannt erscheinen, auch wenn sie nicht ganz so dramatisch ausgeleuchtet, nicht durch subjektive Darstellungselemente der Filmkunst pointiert werden. Wir haben neben dem Bild des Mannes (links) die Videosequenz eingespielt, welche die erschütterndsten Szenen des Films – und damit auch seine expressionistischen Momente – enthält:

Inhaltlich gibt es Motive bei Lang, die immer wiederkehren. Menschenjagd und menschliche Verstecke, Gruppendynamik versus Verlorenheit des Individuums, um nur einige zu nennen.

Aber auch optisch kann man in Langs Werk gewisse Elemente entdecken, die immer wieder zu sehen sind, über Jahrzehnte hinweg. Eine Treue den eigenen Auffassungen von der Kunst gegenüber, jenseits aller Moden, die uns sehr für Lang einnimmt – auch deshalb, weil er sie so einfließen lässt, dass sie deutlich erkennbar sind, ohne den speziellen Stil eines Filmes zu zerstören. In Fury passen die gespenstischen Gesichter in der oben erwähnten Szene hervorragend zur Atmosphäre, in „Rancho Notorious“ sind die schnellen Schnitte über die Gesichter der mordverdächtigen Verbrecher zwar ungewöhnlich, aber wirken inhaltlich konsequent und nicht wie Manierismen oder wie bloße Zitate aus früheren Werken.

Eine ganz starke Szene zeigt Spencer Tracy als Joe Wilson, wie er der Hölle entkommen ist und in eine leere Kneipe geht, in der Musik spielt. Eine Anordnung mit eckigen, sperrig wirkenden Tischen, auf denen Stühle auf dem Kopf aufgestellt sind, Fluchtpunktperspektive, in der Mitte der Gang, ein einsamer Weg bis zur Bar für das einsame Individuum, von dem zu diesem Zeitpunkt niemand weiß, dass es noch lebt. Konsequenterweise ist der Raum leer, erst der (farbige) Barkeeper kann von Tracy Notiz nehmen – und stellt die Musik ab, als Tracy einen Drink bestellt. Dass Lang diese Szene mit einer besonderen Optik unter suggestivem Einsatz geometrischer Formen augestattet hat, verfehlt nicht seine Wirkung. Die Vereinsamung des im Wortsinn durchs Feuer gegangenen Mannes, der sich vone einem sozial integrierten Wesen zum Rächer wandelt, hätte man auch anders symbolisieren können, diesen entscheidenden Moment auch dadurch zeigen, dass Tracy wie ein Unsichtbarer durch eine Menge wandelt, aber Lang hat den für unsere Begriffe expressionistischeren Weg gewählt – nämlich die gesamte Szene kalt und reduziert zu filmen – sie wirkt hauptsächlich durch ihre strenge Komposition auf den Zuschauer.

Überhaupt ist Fritz Lang ein Freund von Raumkompositionen und geometrischen Figuren. Gestalterisch ist er, wie viele Immigranten, den meisten in den USA geborenen Regisseuren, die mit dem Nickelodeon und dem Klamottenkino der frühen Jahre groß geworden sind, ein Stück voraus, das zeigt sich auch in anderen Momenten.

Technische Gegenstände wie Zapfsäulen, Radios, Filmausrüstungen, wie sie in „Fury“ gezeigt werden, haben immer grafische Wirkung. Lang setzt auf solche Details, die realistisch wirken, ohne es tatsächlich zu sein. Vielmehr sind sie Symbole. Die Zapfsäulen der Wilson-Brüder für den Willen einer arbeitenden Klasse, es nach oben zu packen, auf dem Weg über ein für damalige Verhältnisse modernes Business. Das Radio und die Kameras für die Faszination, die Macht und die Gefahr, die von Massenmedien und ihrer Fähigkeit zur Manipulation ausgehen. Die Werke von jemandem, der die Wirkung der Bildsprache und der Rhetorik so kannte wie Lang, der gewiss alle Mechanismen der Nazi-Propaganda, aber auch der suggestiven Bilder Hollywoods zu durchschauen in der Lage war, können  auf ihre Bildsprache hin untersucht werden, weil diese nicht zufällig ist, sondern etwas ausdrücken will.

  1. Der Einfluss des Drehbuch-Mitautors Bartlett McCormack

Zur Zeit von „Fury“ war Langs einst enge Zusammenarbeit mit seiner Frau Thea von Harbou kein Thema – um US-Filme zu drehen und US-Themen zu adaptieren, war er auf erfahrene Fachleute aus den Staaten angewiesen. Ein solcher Fachmann war der Dramatiker und frühere Zeitungsjournalist Bartlett McCormack. Seine Themen wie politische Korruption und sogar die Protektion des Mobs gegen Unschuldige haben „Fury“ zusätzlich Brisanz verliehen. Es sind nicht nur die Kleinstädter, die sich zu Bestien entwickeln, die schockieren.

Es ist auch das politische System, das ihnen den Schutz verleiht, unter dem es sich so leicht von zivilisiertem Verhalten zu lösen vermag. Der Gouverneur hält die Nationalgarde zurück, weil ihm sein politischer Berater sagt, sie gegen Lynchjustiz einzusetzen, sei nun einmal eine beim Wähler unpopuläre Angelegenheit. Wie wahr das in den 30ern gewesen sein muss, sagen uns die Bilder aus den 50er und 60er Jahren, als die Bürgerrechtsbewegung es endlich erreichte, dass die Polizei endlich zum Schutz der Recht von farbigen Amerikanern eingesetzt werden konnte. Aber wie die Menschen im Süden darauf reagiert hatten und wie weite Teile der Polizei mit diesem Kurs nicht klarkamen, das ist eindrucksvoll dokumentiert und die beklemmenden Bilder von Hass und Rassismus korrespondieren  mit den Mobszenen aus „Fury“; kennzeichnen diese Sequenzen nachträglich als erschreckend wirklichkeitsnah. Dass Rassenthemen in „Fury“ nicht vorkommen, lag nicht an McCormack, der diese in anderen Werken durchaus behandelte, sondern, wie oben erklärt, am Einfluss des Studios MGM.

Gleichwohl fällt auf, dass es in Langs „Fury“ eine Reihe von Afroamerikanern gibt, die nur kurz auftreten, aber bereits sehr modern wirken. Nicht dumm bzw. auf blöde Art lustig oder fies oder alles davon, wie im damaligen amerikanischen Film üblich, sondern geradezu auf heutige Weise politisch korrekt, attentiv, frei von Vorurteilen und man findet in diesem Mob, der sich gegen Langs Held Joe Wilson bildet, keinen Farbigen. Wir meinen, auch das ist durchaus realistisch. Wir messen den Angehörigen welcher Gruppe auch immer nicht auf naive Weise zu, dass sie frei von niederen Instinkten ist, aber als Protagonisten in Lynchszenen waren Farbige, die selbst häufig von Lynchjustiz betroffen waren, nicht glaubwürdig und dass sie, um im weißen Amerika eine Chance zu haben oder einfach, weil sie so waren, von Lang freundlich und intelligent gezeigt werden, sagt um die Ecke einiges über seine und des Drehbuchautors Bartlett McCormack Absichten und Ansichten als im amerikanischen Sinn liberale Persönlichkeiten aus. Der Begriff vom „White Trash“ kam u. E. erst später auf, aber „Fury“ zeigt ihn in seiner ganzen Brutalität und geistigen Armut.

  1. Figuren und Namen

Der Sheriff, der Joe Wilson, den All-American-Boy (dessen Freundin Katherine Grant das All-American Girl ist), festnimmt, heißt Thaddus Hummel (gespielt von Edward Ellis) – erkennbar ein Mann deutscher Herkunft. Er lässt sich sozusagen von seinem Deputy ein wenig treiben, setzt Wilson aufgrund fadenscheiniger Indizien fest, besteht aber immer auf der Unabhängigkeit der Justiz und ihrer Vollzugsorgane. Er verteidigt das Gefängnis gegen den anrennenden Mob, wird dabei sogar verletzt. Aber vor Gericht kann er sich nicht mehr erinnern, wer ihn angegriffen hat, obwohl ganz offensichtlich ist, dass er sich an alle Teilnehmer am versuchten Lynching erinnern konnte. Das ist ebenfalls ein mehr als ernüchternder Moment des Films. Eine Zeitlang dachten wir, wo bleibt in diesem Verfahren der Sheriff und wollten bereits einen bösen Flaw à la Tatort-Drehbuch konstatieren – da kommt er doch noch in den  Zeugenstand und verhält sich dann so kleinmütig und feige. Ordnung ja, eine gewisse persönliche Integrität und Pedanterie ebenfalls – aber nicht die Verteidigung von Demokratie und Recht gegen allzu großen Widerstand. Auch sein Verhalten ist eine Allegorie auf das vieler Bürger während der einsetzenden Nazizeit, die Lang noch in Deutschland miterlebt und deren Fortentwicklung er in den USA verfolgen konnte.

Dann ist da sein geschwätziger, wichtigtuerischer Deputy Bugs Meyers. Auch sein Nachname klingt deutsch, aber in Wahrheit eher deutsch-jüdisch oder mittelosteuropäisch-jüdisch. Ausgerechnet bei MGM (sowohl der Inhaber Louis B. Mayer als auch der begnadete Produzent Irving Thalberg waren jüdischen Glaubens) eine Figur, die alles andere als ein Held ist und eine Zeitlang eher auf der Seite des Mobs zu stehen scheint? Nach dem Holocaust wäre das wohl nicht mehr möglich gewesen, aber in den 30er Jahren? Ganz sicher sind wir uns bei der Interpretation dieser Figur nicht, aber der Name klingt nun einmal nicht irisch, englisch oder italienisch. Der Mann wird übrigens gespielt von Walter Brennan, den wir in dieser sehr schlanken und noch recht jungen Variante beinahe nicht erkannt hätten – er hat später so wundervolle Sidekicks für Humphrey Bogart, John Wayne und James Stewart abgegeben, dass wir uns nur schwer daran gewöhnen konnten, wie er hier einen wenig einnehmenden Charakter verköpert. Was nicht bedeuten soll, dass er den Meyers schlecht spielt.

Die Leute aus dem eigentlichen Mob haben hingegen alle „WASP“-Namen, wie die soziale Randfigur „Bubbles“ Dawson (Bruce Cabot), ebenso wie die Leute auf der anderen Seite, wie der einzige wirklich integere Staatsvertreter, der Bezirksanwalt Adams (Walter Abel).

Als letzte Figur wollen wir Katherine Grant, Joe Wilsons Freundin beleuchten. Zusammen mit Staatsanwalt Adams ist sie die wirklich positive Figur des Films, die Lichtgestalt, die auch in 1936 schon recht gut ausgeprägter MGM-Manier entsprechend schön ins Bild gesetzt wird. Vielleicht einen Tick zu schön, im Vergleich zu der Art, wie „Fury“ sonst bezüglich seiner Bildsprache gearbeitet ist, aber es ist okay. Sie ist nicht nur ein gutes Mädchen, sie ist loyal durch alle Situationen hindurch; zunächst, als ihr Joe American kein Geld hat, dann, als er das Wiedersehen lange hinauszögert und sogar, als sie merkt, wie der nach dem Lynchmordversuch von seinem Wesen abgespaltene Wilson sie benutzt. Sie ist gebildeter als er, sie arbeitet als Lehrerin in einer Kleinstadt wie Strand, um mit Wilson zusammen etwas aufzubauen. Sie ist nicht nur ein gutes, sondern auch ein modernes Mädchen, ohne nur eine Sekunde lang in ein Rollenklischee zu fallen.

Fritz Lang hat in einigen seiner Filme Frauen Denkmäler gesetzt, auch wenn die Heldinnen nicht immer so rein waren wie Silvia Sidney als Katherine Grant in „Fury“. Er hat sie sehr oft als interessante, manchmal auch vielschichtige Figuren auf den Bildschirm gebracht. Dass Frauen auch im Lynchmob von „Fury“ gut vertreten sind, lenkt nicht von Langs frauenfreundlicher Weltsicht ab, sondern gehört zur Steigerung der Wirkung des Films. In Western zum Beispiel sind Frauen nie fanatische Mitglieder solcher Mobs, sondern allenfalls snobisisch und engstirnig und mit Scheinmoral gesegnet. Aberauch hier lügt „Fury“ sicher nicht, wenn er Klatschbasen und angesichts der Gewalt verzückte weibliche Gesichter in der Menge zeigt. Auch hier verweisen wir auf die Realität: Die Lust am Desaster anderer ist gender-neutral. 

Finale

„Fury“ ist für uns einer der größten amerikanischen Filme der 30er Jahre, seiner Zeit in vielen Aspekten voraus, sehr stark in der Bildsprache und überwiegend sehr gut in den schauspielerischen Leistungen, auch wenn diese den Film nicht dominieren. Trotz der wichtigen Einzelschicksale ist „Fury“ kein Schauspielerfilm. Gleichwohl ist Spencer Tracy ein kapabler Protagonist, der die Mittel hat, den Joe Wilson zunächst als guten Kerl und dann als im Feuer gewandelten Rächer überzeugend zu spielen. So überzeugend, dass diese Wandlung schon ein wenig auf Rollen wie die Titelfigur in „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ (1940) hindeutet. Dr. Jekyll geht am Schluss aber an seinen Experimenten zugrunde, Joe Wilson findet sich selbst wieder und verbreitet die Botschaft, dass Rache kein Motiv ist und der Rächer sich mit dem Mob, dem er ausgesetzt war, gemein macht.

Die Haltung des Filmes ist zutiefst demokratisch und humanistisch, ohne sich an das Publikum anzubiedern. Wenn man vom versöhnlichen Schluss absieht, ist „Fury“ eines der kompromisslosesten Werke seiner Zeit, wir bewerten ihn heute, ebenso wie 2011, sehr hoch und nehmen ihn in den (vorerst virtuellen) Kanon der Filme auf, die man gesehen haben muss, wenn man über Kino einerseits und Gesellschaft und Moral andererseits sprechen will.

© 2020, 2011 Der Wahlberliner, Thomas Hocke 

Regie Fritz Lang
Drehbuch Bartlett Cormack, 
Fritz Lang
Produktion Joseph L. Mankiewicz
für Metro-Goldwyn-Mayer
Musik Franz Waxman
Kamera Joseph Ruttenberg
Schnitt Frank Sullivan
Besetzung

1 Kommentar

  1. Moin,

    eigentlich müßte ich ja erst mal den Film ansehen, bevor ich hier was zu schreibe, aber ich weiß, das es manchmal besser ist, die aufgekommenen Gedanken sofort und ohne großes Abwägen aufzuschreiben.
    Diese Ausführungen basieren also auf ihrer Inhaltsangabe des Films und ihren Kommentierungen dazu.

    Ich finde die Figur des Joe Wilson als viel zu positiv dargestellt!
    Der Mann lebt nur noch für seine zwar verständlichen Rachegefühle, nimmt dabei aber in Kauf, daß dadurch Männer, die zwar sicherlich seine Tod wollten, aber eben nicht „erfolgreich“ waren, über das Maß ihrer tatsächlichen Schuld hinaus bestraft werden. Man muß auch nicht unbedingt sehr christlich sein, um dabei nicht an den Bibelspruch „Mein ist die Rache, sprach der Herr!“ zu denken.
    Und man muß – noch mehr als ihm – den Brüdern und Katherine vorwerfen, daß sich ebenfalls schuldig machen!

    Auch der Sheriff bekommt meiner Meinung nach auch ein bißchen zu viel Fett ab.
    Das ist ein Mann, der in diesem Dorf, in dieser Gemeinschaft lebt und weiß, daß im Normalfall die Leute eigentlich gute und gesittete Menschen sind. Ich glaube, daß es ihm mit seinem Gedächtnisverlust weniger um seine eigene Zukunft im Dorf geht, sondern eher um das irgendwie mögliche Weiterbestehen dieser Gemeinschaft. Ja, er weiß, daß Joe Wilson einem Lynchmord zum Opfer gefallen ist, aber er kann ihn ja durch nichts mehr in der Welt lebendig machen.
    So als Analogie dazu ist mir die letzte Szene aus dem Film „Der Mann, der Liberty Valance erschoß“ eingefallen. Auch da müßten die Journalisten ja die Geschichte richtig stellen, aber sie entscheiden sich bekanntermaßen dagegen.

    Nun gut, zum Ende hin zieht Joe Wilson doch noch die Reißleine, aber was wäre gewesen, wenn seine Braut ihn nicht quasi dazu gezwungen hätte. Also eben nicht der Gerechtigkeit wegen!

    Grüße

    Norbert

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