Intermezzo (Intermezzo, a Love Story, USA 1939) #Filmfest 166

Filmfest 166 A

2020-10-30 FF 0166 Intermezzo USA 1939 Text

Was ist von einem Film zu halten, der schon im Titel darauf hinweist, dass es sich um eine Liebesgeschichte handelt, der nur 70 Minuten lang ist und von einem ziemlich unbekannten Regisseur namens Gregory Ratoff verantwortet wurde? Vielleicht, dass man Ingrid Bergman, die als Nachfolgerin ihrer Landsfrau Greta Garbo gesehen wurde, vorsichtig aufbauen wollte. Eher ungewöhnlich, in jenen wilden Hollywoodjahren, aber immerhin möglich, da Schauspieler*innen, meist für sieben Jahre, fest an Studios gebunden waren und diesen bezüglich der Rollen folgen mussten, sie zu spielen waren. Meine Idee von der vorsichtigen Einführung spiegelt sich hier:

Frank S. Nugent von der New York Times lobte Produzent Selznick dafür, dass er für das Hollywood-Debüt von Ingrid Bergman solch einen ruhigen Film ausgesucht habe, der sanft gespielt und inszeniert sei.[3]

Weniger ruhige Filme hatte Selznick im selben Jahr auch produziert, zum Beispiel „Vom Winde verweht“. Für viele Filmhistoriker gilt das Jahr 1939 als das beste aus der klassischen Zeit, dem „Golden Age of Hollywood“, in dem die Traumstadt kommerziell und künstlerisch einen bis dahin nicht gekannten Höhepunkt erreichte. In der Tat sind in jenem Jahr einige herausragende Filme produziert worden, Meilensteine, der größte Sprung mindestens seit 1935, das ich in einer anderen Rezension als das Jahr, in dem der Tonfilm erwachsen wurde, bezeichnet habe, fand statt. Dass Ingrid Bergman gerade in jenem Jahr nach Hollywood kam und nachfolgend einer der größten Stars werden sollte, ist typisch, wenn auch eher Zufall – aber die Konkurrenz unter den Studios war enorm, und man muss bedenken, dass Selznick im selben Jahr auch Vivien Leigh „entdeckte“, seine Scarlett O’Hare in „Vom Winde verweht“.

Judy Garland wurde bei MGM durch „The Wizard of Oz“ zum Star, John Wayne schaffte den Durchbruch in John Fords „Stagecoach“, James Stewart in „Destry Rides Again“, den wir kürzlich rezensiert haben und vor allem in „Mr. Smith Goes to Washington“, den wir demnächst vorstellen werden. Mit „Die Frauen“ spielte bei MGM das hochkarätigste Ensemble von – sic! – Frauen der bisherigen Filmgeschichte zusammen, ohne dass ein einziger Mann im Bild notwendig gewesen wäre, um das Werk abzurunden. Greta Garbo lachte erstmalig in Ernst Lubitschs „Ninotchka“, Charles Laughton war nie zuvor so unheimlich und düster wie in „The Haunchback of Notre Dame“, Henry Fonda tat das genaue Gegenteil und spielte so edel wie nie ein Hollywood-Darsteller zuvor in „Drums along the Mohawk“, obwohl es sich um einen Pionierwestern im rauen Outback handelt, und ich hätte beinahe vergessen, dass die 1940er-Ikone der Wartime-Movies, Greer Garson („Mrs. Miniver“, 1942) ebenfalls bekannt wurde in dem gefühlvollen „Goodbye Mr. Chips“ an der Seite von Robert Donat.

Bette Davis übertraf sich in „The Old Maid“ selbst, William Wyler inszenierte den düster-romantischen „Wuthering Heights“ mit niemand geringerem als Laurence Olivier, der ein Jahr später Alfred Hitchcocks „Rebecca“ mit düsterem Glanz erfüllen sollte. Hitchcock selbst traf mit seinem letzten englischen Film „Jamaica Inn“ ausgerechnet in diesem besonders guten Jahr nicht so recht den Geschmack der Kritiker und des Publikums. Des Weiteren schaffte Humphrey Bogart beinahe den Durchbruch im großen Abgesang auf das Gangsterkino, „The Roaring Twenties“, oder es wäre möglich gewesen, wenn James Cagney ihn nicht noch einmal übertroffen hätte und das Traumpaar der Warner Brothers, Erol Flynn und Olivia de Havilland, war gleich zweimal zu sehen, in „The Private Lives of Elizabeth and Essex “ und in „Dodge City“, wobei in Ersterem harte Konkurrenz bestand, denn Bette Davis spielte Elizabeth I. von England.

Die Spitzenfilme waren teilweise schon in Farbe gedreht und hatten großartige Production Skills, wunderbare Filmmusiken, waren fantasievoll, spritzig oder hochdramatisch, sogar episch, fast jedes Genre feierte Höhepunkte, und es waren mehr Stars auf der Leinwand zu sehen, als Sterne am Himmel stehen. Dann kam die Kriegszeit und verengte das Panorama. Einige männliche Stars gingen zu den Streitkräften, einige weibliche zur Truppenbetreuung, die Produktionen wurden etwas weniger aufwendig, aber der Verlust an Möglichkeiten war relativ – Hollywood blieb weltweit die unangefochtene Nr. 1 im Zelluloidbusiness – zumal sich mögliche Konkurrenten ebenfalls im Krieg befanden.

Das alles habe ich nur geschrieben, um so zu schließen: Im Vergleich zu all den anderen genannten Filmen ist „Intermezzo“ geradezu eine Miniatur und bedeutende Werke aus anderen Ländern, wie etwa Jean Renoirs „Die Spielregel„, habe ich gar nicht erwähnt bzw. nur diesen einen Film beispielhaft.

© 2020, 1989 Der Wahberliner, Thomas Hocke

Regie Gregory Ratoff
Drehbuch George O’Neil
Produktion David O. Selznick für Selznick International
Musik Robert Russell Bennett,
Max Steiner
Kamera Gregg Toland,
Harry Stradling Sr.
Schnitt Francis D. Lyon
Besetzung

 

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