UPDATE – Besetzung auf dem Dragoner-Areal zugunsten der Jugendzentren Potse und Drugstore dauert an + Neu- und Anschlussbesetzungen, Berliner Linie: Kommentar | TL #Housing 45 | @Potse_Berlin @drugstoreberlin #r2g #potsebleibt #dragibleibt #drugstorelebt #b2806 #Berlin #besetzen #Mietenwahnsinn #KeinHausweniger #WohnenistMenschenrecht #wirbleibenalle #WohnungistkeineWare

Timeline #Housing #45 | 2020-06-29 | 11:30 CEST, Update zu TL Housing 44

Das gesstern um 13:12 Uhr auf dem Dragoner-Areal besetzte Haus ist weiterhin in der Hand der Aktivist*innen – das meldete #besetzen um 1:19 heute früh. Das gilt bereits als erster Erfolg, denn Neubesetzungen sind (siehe hier) in letzter Zeit gerne auch am selben Tag geräumt worden.

01:19 Uhr – Die Übernachtung ist geschafft!

Gegenwärtig sieht es so aus, als sei die Räumung geplant – noch vor 13 Uhr. Wir bleiben aber dran.

Wie kommt es, dass in Berlin so schnell geräumt wird, obwohl schon 2018 eine Mehrheit der Berliner*innen dafür war, Besetzungen als legales Mittel im Kampf um bezahlbaren Wohnraum anzusehen? Vor ziemlich genau zwei Jahren, am 5. 6. 2018, hat die Taz dazu einen aufschlussreichen Artikel verfasst.

Er handelt von der „Berliner Linie“, die in der Tat eine Räumung von Neubesetzungen binnen 24 Stunden vorsieht, zumindest generell. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller und Innensenator Andreas Geisel setzen diese Linie aber auch um, während die Grünen und die Linken in der Koalition sie gerne abschaffen bzw. ändern und Besetzer*innen mehr Raum geben würden.

Anhand der Besetzung auf dem Dragoner-Areal, die, salopp geschrieben, niemandem weh tut und darauf aufmerksam machen soll, dass die autonomen Jugendzentren Potse und Drugstore von der Politik bei der Suche nach guten Ersatzräumen für ihre jetzige Bleibe in der Potsdamer Straße 180 im Stich gelassen werden, zeigt sich, warum die „Berliner Linie der Vernunft“ heute nicht mehr vernünftig ist. Als sie 1981 eingerichtet wurde, galt es nicht nur, Neubesetzungen zu verhindern, sondern vor allem, bestehende Besetzungen zu legalisieren, also Mietverträge für die Bewohner*innen von weit über 100 Häusern auszustellen, die damals besetzt waren. Das wiederholte sich nach der Wende noch einmal im Ostteil der Stadt – aber seitdem sieht es schlecht aus.

Als wir unsere Update zu schreiben begannen, sah die Lage so aus.

Hinzu kommen mittlerweile sogenannte Anschlussbesetzungen, die zwangläufig anders behandelt werden müssen, weil Menschen nach Ablauf ihrer Mietverträge weiterhin in ihren Häusern und Räumen verbleiben.

Dazu zählt auch die Potse, eines der beiden erwähnten Jugendzentren. Einige Mitglieder des Kollektivs halten ihre bisherigen Räume bis heute besetzt. Das Gleiche gilt für die Neuköllner Kiezkneipe Syndikat, für linke Projekte wie die Liebigstraße 34 oder Häuser mit spekulativem Leerstand wie die Habersaathstraße 40-48.

Es braucht dringend eine bessere, humanere Linie nicht nur bei Zwangsräumungen, die Menschen in die Wohnungslosigkeit treiben, sondern auch bei Besetzungen, vor allem, wenn sie einen so klar politisch zu begrüßenden Hintergrund haben, wie jetzt auf dem Dragoner-Areal. Dass das Gelände dem Land Berlin gehört und im Dialog mit den Bürger*innen entwickelt werden soll, spielt dabei durchaus keine unbedeutende Rolle.

Die Eigentümerin BIM (Berliner Immobilienmanagement GmbH) ist eine Immobilienfirma der Stadt und hat das Gelände 2018 vom Bund erworben, um es vor der üblichen Kommerzialisierung zu bewahren und Kultur, nachhaltiges Wohnen und Arbeiten im Sinne der Kreuzberger Kiezlagen um das Areal herum zu ermöglichen. Wir fänden es blamabel für die Politik in unserem Bezirk, wenn die Clubs von Schöneberg nach Kreuzberg umziehen müssten, aber immerhin wäre deren Ansiedlung auf dem Dragoner-Areal vielleicht eine Lösung.

Einige Tweets der Gruppe „Dragi bleibt“, die aktuell das Haus auf dem Dragoner-Areal besetzt hält, wenden sich direkt an die Politik, an die Koalition R2G, die nach deren Ansicht ihre Wahlversprechen von 2016 nicht einhält und die partizipative Mitgestaltung der Stadt dort verunmöglicht, wo sie mit am wichtigsten ist: Beim Erhalt einer eigenständigen, autonomen Kultur, Reste von dem, wofür Berlin einmal berühmt war und von der das Image der Stadt heute noch profitiert. Wir grüßen die Besetzer*innen:

Das Aktuellste: Die Berliner Linie wurde um 13:12 Uhr geknackt.

Heute unsere Solidarität mit „Dragi bleibt“ und mit Potse und Drugstore!

TH

Timeline #Housing #44 | 2020-06-28 | 18:00 CEST

Liebe Leser*innen,

heute wurde auf dem Dragoner-Areal in Berlin-Kreuzberg ein Haus von Aktivist*innen besetzt, die neue Räume für die von der Politik im Stich gelassenen autonomen Berliner Jugendzentren Potse und Drugstore aus Schöneberg erlangen wollen.

Auf diesem Twitter-Account „Dragi bleibt“ der Aktivist*innen kommen in kurzen Abständen alle wichtigen Nachrichten zum Vorgang zusammen.

Der erste Tweet des Accounts „Dragi bleibt“, der die Besetzung meldete, wurde heute um 13:12 Uhr verfasst.

Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Hinweisbeitrages um 18 Uhr sieht es aus, als wenn das Haus auf dem Dragoner-Areal, das der Berliner BIM gehört, also kommunal ist, geräumt werden soll.

Wir haben über die beiden Jugendzentren bereits mehrfach berichtet, die in unserem Wohnbezirk Schöneberg und in der Nähe unseres Kiezes liegen.

Die Potse hält dort weiterhin ihre bisherigen Räume in der Potsdamer Straße 180 besetzt, da bisher keine adäquaten Ersatzräume gefunden wurden. Die Politik hat auf ganzer Linie dabei versagt, ein wichtiges Element der Berliner Jugendkultur zu erhalten – und wird sich wohl auch heute nicht solidarisch zeigen.

Um 19:07 Uhr ist die Räumung offensichtlich noch nicht erfolgt.

Am Samstag vor einer Woche endete die Demo „Shutdown Mietenwahnsinn“ vor Potse und Ex-Drugstore, hier unser Report, den wir zusammen mit der @HeimatNeue erstellt haben.

Über eine spontane Besetzung haben wir zuletzt in der TL Housing #11 geschrieben. Die harte Linie des Senats, Neubesetzungen sofort wieder räumen zu lassen, ist dort dokumentiert.

Zum Dragoner-Areal haben wir uns u. a. hier geäußert.

Dieser Sonderbeitrag wird später per Verlinkung in unsere Doku-Timeline Housing integriert.

TH

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