Die große Parade (The Big Parade, USA 1925) | 4 Empfehlungen | #Filmfest 189

Filmfest 189 B "Concept IMDb Top 250 of All Times" (8)

Prototyp des epischen Kriegsfilms

„The Big Parade“ ist der erste epische Film über den Ersten Weltkrieg und weitere sollten folgen, von diesem größten Erfolg für das damals neu gegründete Hollywood-Studio MGM bis zu „Vom Winde verweht“ beeinflusst, wie etwa „Im Westen nichts Neues„, den wir auf dem Filmfest bereits vorgestellt haben.

Allgemein gilt „The Big Parade“ als Antikriegsfilm, verzichtet auf Ressentiments gegenüber einer Partei, wie sie aber auch eher für Filme über den Zweiten Weltkrieg üblich waren oder für solche über den Ersten Weltkrieg, die nach dem zweiten entstanden. Manche Darstellungen im Kino scheinen Ewigkeitswert zu besitzen, wie man daran sieht, dass sich heute noch mehrere Filme aus dieser Zeit in der IMDb Top 250 befinden.

Darüber will ich mich aber gar nicht beklagen, weil ich finde, dass neuere Filme nicht nur in dieser Liste teilweise krass überbewertet sind, nur, weil sich die Technik verbessert hat. Freilich muss an Stummfilme auch in ihre Zeit stellen, wenn man sie bepricht, sonst kommt es unweigerlich zu einem technischen Minus gegenüber aktuelleren Produktionen. Das gilt ebenfalls für die Ausgereiftheit der Dramaturgie, überwiegend für das Schauspiel usw. – nicht aber für die Innovationen, für das Bahnbrechende, das manche dieser Filme zeigten oder für den künstlerischen Gesamtwert.

Insofern ist „The Big Parade“ also ein Bahnbrecher, auch, weil er als Großprojekt angelegt war (das zweite von MGM nach „Ben-Hur“), an dem sich bis heute aufwendige Kriegsfilme durchaus orientieren – oder an jenen, die sich „The Big Parade“ zum Vorbild genommen haben und die Flamme sozusagen weitertrugen. Vielleicht können wir einmal ein Special mit Filmen über den Ersten Weltkrieg zeigen, inklusive Meisterwerken wie „Die große Illusion“ und „Wege zum Ruhm“. Doch all diese Filme haben ihre Tücken und konnte man 1925 schon etwas drehen, was den zu Recht hohen Anspruch an einen Antikriegsfilm erfüllt, wo nicht einmal heutige Filme das können?

Die Kritiker*innen sind etwas vorsichtiger geworden, als sie es beim Erscheinen des Films waren. Das Gefühl fürs Exorbitante, das die Menschen seinerzeit außer Atem gebracht hat, ist angesichts heutiger Medien und ihrer Rezeption etwas verloren gegangen, wodurch das Inhaltliche mehr hervortritt.

Wir empfehlen vier Rezensionen, zwei deutsche und zwei amerikanische, zu diesem Werk. An den Film ist gar nicht so leicht heranzukommen, deswegen habe ich darauf verzichtet, zu ihm die erste eigens fürs „Concept 250“ verfasste Kritik zu schreiben und „Sunrise“ von F. W. Murnau (1927) vorgezogen. Die Kritiker, deren Text ich mir angeschaut habe, vergeben in Deutschland 7 (Tom Schünemann, Filmsucht) oder 8 von 10 Punkten (Michael Scheck, Filmklassiker aus Hollywood), in den USA Grade B+ (Dennis Schwartz, Ozus‘ World Movie Reviews, die ich immer gerne heranziehe, wenn es um einen schnellen Überblick geht) oder keine Bewertung (Time Out), aber lassen es nicht an Skepsis fehlen im Detail fehlen, freilich nicht, ohne dem Film als einem besonderen Werk die Referenz zu erweisen.

Die Kampfszenen werden als nicht mehr auf der Höhe bemängelt (was eben doch eher für eine sehr retrospektive Betrachtung spricht), aber auch Sentimentalitäten, peinlichen Humor und Amerikanismen haben die Verfasser der von uns empfohlenen Texte entdeckt. Die IMDb-Wertung ist heute immer noch sehr hoch, würde jedoch nicht mehr für eine Platzierung unter den Top 250 ausreichen.

IMDb-Wertung: 7,9/10
Kritiker: 7 oder 8 von 10, B+, keine Wertung

Regie King Vidor
Drehbuch Harry Behn
Produktion Irving Thalberg
Musik William Axt
Maurice Baron
David Mendoza
Kamera John Arnold
Charles Van Enger
Schnitt Hugh Wynn
Besetzung

 

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