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Wir wollen nach dem Wochenende des Grauens in Berlin hoffen, dass es nicht auch eines der Abenddämmerung für die Vernunft der Mehrheit war. Eine weitere Aufarbeitung ist jedenfalls unumgänglich, wie die nicht abebbende Diskussion über die Deutung vor allem der Geschehnisse am vergangenen Samstag (#b2908, Chronologie #Corona 75 bis 79) zeigt.

Wir machen nach diesen Ereignissen einen Break, aber aus technischen Gründen, weil sich der WordPress-Editor aufgrund der Länge der bisherigen Chronologie nur noch schwer bedienen lässt – und verweisen für alle Corona-Lage-Artikel bis zur Ausgabe 74 auf diesen Link (den Lagebericht 74).

FireShot Capture 177 - Coronavirus Update (Live)_ 26,239,051 Cases and 868,425 Deaths from C_ - www.worldometers.infoAls wir zuletzt die Weltlage in Sachen Corona referiert haben, stand die Infektionsrate bei 16,6 Millionen Menschen, jetzt hat sie die Marke von 26,2 Millionen seit dem Ausbruch der Pandemie überschritten. Die Zahl der Toten, die am Corona-Virus oder mit ihm verstorben sind, liegt aktuell bei 868.000. Die letzte größere Nachricht, die viele Medien aufgriffen, betraf die Überschreitung der Todeszahl 800.000, die Überschreitung der Marke von 25 Millionen Infizierten hingegen hat nur ein geringes Echo ausgelöst.

Bei der Zahl der täglichen Neuinfektionen hat sich in den letzten Wochen nicht viel verändert. Sie liegt konsequent unter 300.000 und über 200.000, meist über 250.000 (gestern bei 286.000). Es sind auch immer noch dieselben Länder, die die höchsten Gesamt-Infektionszahlen aufweisen. Die USA liegen vorne mit 6,29 Millionen, Brasilien folgt mit 4,01 Millionen, Indien kommt auf 3,85 Millionen.

FireShot Capture 180 - India Coronavirus_ 3,872,670 Cases and 67,669 Deaths - Worldometer_ - www.worldometers.infoEine Verschiebung hat es aber insofern gegeben, als Indien mittlerweile die höchsten Zahlen aufweist, gestern erstmals über 80.000 Neuinfektionen an einem Tag. Dies bedeutet, dass Indien, nicht, wie man vor einiger Zeit befürchten musste, die USA, das erste Land sein könnten, das die Grenze von 100.000 Neuinfektionen pro Tag überschreitet. Auf eine recht unauffällige, aber auch durch den stetigen Anstieg bedrückende Weise schiebt dieses zweitbevölkerungsreichste Land der Erde bei den Infektionszahlen nach vorne und treibt die weltweiten Infektionszahlen nach oben. Zunächst stiegen die Zahlen Indiens monatelang eher gemächlich, dann im Juni und Juli sehr stark, jetzt linear. Die Zahl der Toten verharrt allerdings bei etwa 1.000 pro Tag (gestern 1.026). In Indien melden, ähnlich wie in Deutschland, die Bundesstaaten die Zahlen einzeln, sodass sie über den Tag allmählich anwachsen.

Hierzulande wird dieses Drama in Indien nicht sehr ausgiebig besprochen – vielleicht, weil es angsichts der Bevölkerungsgröße von fast 1,4 Milliarden Menschen und dem, was vor einigen Monaten in den USA zu sehen war, mit Todeszahlen, die pro Tag mehr als dreimal so hoch waren, schon dem Gewöhnungseffekt anheimfällt. In den Vereinigten Staaten wird man es wohl schon als Erfolg ansehen, dass die Rate der Neuinfektionen nun regelmäßig unter 50.000 pro Tag liegt (gestern 41.211).

FireShot Capture 186 - United States Coronavirus_ 6,293,957 Cases and 190,039 Deaths - World_ - www.worldometers.infoWir weisen aber schon länger darauf hin, dass die USA nicht etwa eine zweite Welle hatten, sondern dass das Virus von Ost nach West und südwärts gewandert ist, von den ursprünglichen Hotspots New York und weiteren Oststaaten hin zu großen Flächenstaaten wie Florida Texas und Kalifornien, die weiterhin bei den Neuinfektionen vorne liegen. Sie haben aber ihren Peak wohl mittlerweile überschritten.

FireShot Capture 183 - California Coronavirus_ 721,893 Cases and 13,339 Deaths (COVID-19 ) -_ - www.worldometers.infoBeispielhaft haben wir eine Grafik für den Bundesstaat Kalifornien abgebildet. Wenn also Präsident Trump verkündet, das Virus sei im Griff, ist das, relativ gesehen zu den höchsten Zahlen an Neuinfektionen und besonders an täglichen Todesmeldungen, die es bisher gab, nicht komplett falsch, ändert aber nichts daran, dass das Mindset der USA, wie es sich unter Trump zeigt, und das dortige Gesundheitssystem sich in der Corona-Krise nicht bewährt haben.

Ob es in den USA wirklich zu einer zweiten Welle kommt, wird sich nun eher daran erweisen, wie es in nächster Zeit z. B. in New York aussieht. Kürzlich kam es hier erstmals wieder zu einem Anstieg auf 1.330 Neuinfektionen pro Tag. Trotzdem ist das noch keinesfalls vergleichbar mit den Spitzenzeiten, mit über 11.000 Neuinfektionen täglich. Noch mehr zurückgegangen sind in New York die Todesfallzahlen, die gegenwärtig im niedrigen zweistelligen Bereich pro Tag liegen.

FireShot Capture 189 - Japan Coronavirus_ 69,001 Cases and 1,307 Deaths - Worldometer_ - www.worldometers.infoWenn man die Kontinente betrachtet, lag gestern Asien mit über 109.000 Neuinfektionen pro Tag und damit ca 38 % der weltweiten Meldungen vorne. Das ist vor allem Indien zu verdanken, siehe oben. In Japan beispielsweise, wo vor längerer Zeit bereits von einer zweiten Welle berichtet wurde, sieht es aber jetzt wieder besser aus, denn die zweite Welle, die in der Tat wesentlich stärker war als die erste, ebbt ab. Insgesamt hat Japan mit über 100 Millionen Einwohnern nicht einmal die Infektionszahl von Schweden (12 Millionen Einwohner) erreicht. Andere asiatische Länder, die besonders gut durch die Krise kamen, wie etwa Südkorea oder Taiwan, hatten noch keinen signifikaten Anstieg der Infektionen zu verzeichnen, der auf eine zweite Welle hindeuten würde. Dort hatte man sehr frühzeitig und sehr konsequent gehandelt, um die Infektionen einzudämmen und liegt damit aktuell weitaus besser als irgendein europäischer Staat.

Überall jedoch hat die Zahl der Todesfälle in der zweiten Welle bzw im letzten Monat bei weitem nicht mehr die Höhe erreicht wie im April oder Mai, schon gar nicht gemessen an den Infektionszahlen. Es ist ein weltweites Phänomen, dass die Zahl der Todesfälle in Relation zu den Infektionen sinkt. Deswegen sind Erklärungen, wie sie immer mal wieder von Medien abgegeben werden, besonders, wenn sie sich sich nur auf die Situation in Deutschland und die erstaunlich wenigen hiesigen Todesfälle beziehen, schwierig oder nicht hinreichend (zum Beispiel hier).

Sicher hat sich der Umgang mit der Krankheit verbessert, das Wissen darüber, wie behandelt werden muss, sind die Infizierten im Schnitt jünger als zu Beginn der Krise und kommen besser durch die Krankheit, es wird mehr getestet, aber das allein kann diesen sehr deutlichen Rückgang nicht erkläre. Daher liegt die Erklärung auf der Hand, dass das Virus an „Kraft“ bzw. Letalität verloren hat. Ob dies wirklich stimmt, wollen wir im Moment hier nicht diskutieren, sondern warten weitere Berichte ab. Die weltweiten täglichen Todesfallzahlen liegen gegenwärtig zwischen 4.500 und 6.000. Im April wurden  höhere Zahlen erreicht, aber bei wesentlich weniger neu gemeldeten Infektionen pro Tag.

Aus Südamerika gab es kürzlich vor allem die Schlagzeile, dass Peru mit außerordentlich hohen Zahlen zu kämpfen hat, und mittlerweile als etwas größeres Land mit 880 Toten pro einer Million Einwohner nun das EU-Land Belgien überholt hat, dass bisher in dieser Statistik vorne lag. Allerdings ist darauf hinzuweisen, dass andere Länder wie Kolumbien und Argentinien mittlerweile ebenfalls stärker betroffen sind, also quasi aufholen.

FireShot Capture 192 - Coronavirus Update (Live)_ 26,239,051 Cases and 868,425 Deaths from C_ - www.worldometers.info

Die weltweit höchsten Todeszahlen hatte Brasilien gestern mit 1.290 vor den USA mit 1.090 und Indien mit 1.026. Afrika zeigt weiterhin erstaunlich geringe Corona-Infektions- und Todeszahlen.

FireShot Capture 195 - Spain Coronavirus_ 479,554 Cases and 29,194 Deaths - Worldometer_ - www.worldometers.infoUnd wie sieht es mit Europa aus? Eigentlich hätten wir da eine besonders gefährliche Zahl voranstellen müssen.

Gestern wurden in Spanien 8.581 Neuinfektionen festgestellt, das ist eindeutig eine zweite Welle. Deswegen hat die Bundesregierung eine Reisewarnung für ganz Spanien ausgegeben, nachdem diese zuvor nur für einzelne Regionen galt. Aber auch hier ist die zweite Welle nicht mehr mit Todesfallzahlen wie im März bis Mai zu vergleichen, sondern erreicht anstatt fast 1000 nur noch ca 30 bis 50 (gestern 42). Bei der Zahl der Neuinfektionen gab es einen auffälligen Rückgang etwa zehn Tage lang, der wirkt, als habe man die Fallzahlen in der Zeit bewusst niedrig halten wollen, um zu verhindern, dass die Touristen abermals ausbleiben – doch es wurde nicht besser. Das ist natürlich nur eine Interpretation, aber auffällige Zahlen fordern Interpretationen heraus.

In Russland hingegen, das von „Worldometers“ komplett zu Europa gerechnet wird und kürzlich die Millionenmarke bei den Fallzahlen überschritten hatte, ist die Lage zumindest stabil. Aus Frankreich, dass für einige Tage der europäische Hotspot dargestellt war, wurden gestern allerding ebenfalls 7.082 neue Fälle und 25 Todesfälle vermerkt. Vermutlich muss bald wieder, wie schon einmal, die Statistik revidiert werden damit Frankreich wieder hinter Deutschland zurückfallen kann.

FireShot Capture 198 - Germany Coronavirus_ 247,926 Cases and 9,395 Deaths - Worldometer_ - www.worldometers.infoDamit zu Deutschland. Wir hatten allerdings vorgestern 1.497 neuen Infektionsfälle, gestern waren es 1.390. Die Zahl der Todesfälle stieg von 7 auf 12. Dies sind auch keine sehr guten Zahlen.

Das Problem: Selbst wenn die Zahlen weiter ansteigen sollten, einen beinahe kompletten Lockdown wie von März bis Mai wird es wohl nicht mehr geben können. Irgendwann müssen Insolvenzen wieder gemeldet werden, derzeit ist die Meldepflicht ausgesetzt. Dann wird es schon aufgrund des ersten Beinahe-Lockdowns zu einer Pleitewelle kommen, das ist absehbar, auch wenn das Kurzarbeitergeld weiter verlängert wird, damit die GroKo die nächste Bundestagswahl im Jahr 2021 gut übersteht.

Die tatsächliche Beschäftigungslosigkeit in Deutschland lag immer weit über der offiziellen Arbeitslosenzahl, aber der Gap dürfte sich corona-bedingt nicht nur vergrößern, es wird auch viele offizielle Arbeitslose geben, die von den nach Rückkehr zur Insolvenzanzeigepflicht kollabierenden Unternehmen entlassen werden müssen.

In einem Artikel des Handelsblatts wurde Zahl der „Zombie-Unternehmen“ in Deutschland gestern auf mindestens 550.000 geschätzt. Darunter dürften allerdings auch welche sein, die schon durch die extreme Niedrigzinspolitk seit Jahren über Wasser gehalten werden, ohne noch konkurrenzfähig im klassischen Sinne zu sein.

Wir müssen uns also darauf verlassen, dass die Todesfallzahlen in Relation zu den Infektionszahlen relativ niedrig bleiben und es nicht wirklich zu einer zweiten Welle kommt. Die derzeitigen Zahlen weisen eine solche Tendenz, siehe Grafik oben, noch nicht aus. Neben den schon genannten Gründen wird beispielsweise darüber diskutiert, wie sich die zurückgehenden Temperaturen im Herbst auswirken werden und die Mutmaßung, dass diese die Infektionszahlen antreiben werden, steht im Raum.

Trotzdem sind wir gegenwärtig weit davon entfernt, die Zahlen vom März oder April wieder zu erreichen, als es täglich bis zu 300 Tote gab. Mittlerweile kommen auch aus der zuständigen Politik erste Meldungen, dass man im März bis April vielleicht etwas zu scharf vorgegangen ist. Wenn der Gesundheitsminister das sagt, wird vermutlich etwas dran sein. Sollte man meinen, denn eine nicht unerhebliche abweichende Meinung besagt weiterhin, dass nur das damals halbwegs konsequente Handeln zu den jetzt vergleichsweise niedrigen Zahlen geführt hat.

Wir sind nun sehr gespannt, wie sich die Politik in der aktuellen Lage verhalten wird. Die Infektionszahlen sind gestiegen, jeder Tote ist einer zuviel, aber eine Überlastung des Gesundheitssystems ist keineswegs abzusehen. In solchen Momenten kommt es auch ein bisschen darauf an, flexibel zu sein. Wir haben Karl Lauterbach z. B. gerne zugehört oder ihn gelesen, als er im März und April gar nicht genug warnen konnte. Einige Maßnahmen hätten wir sogar früher ein- oder durchgeführt, als sie dann beschlossen und umgesetzt wurden. Aber man muss jetzt auch erkennen, dass es an der Zeit ist, etwas mehr Ruhe reinzubringen.

Nichts deutet darauf hin, dass die Lage in Deutschland in den nächsten Wochen dramatisch wird. Allerdings handelt die Politik bisher adäquat. Die meisten Einschränkungen sind längst wieder aufgehoben und es geht nur noch darum, inwieweit eine MNS-Pflicht (Mund-Nasenschutz-Pflicht) besteht, ganz wenige Arbeitgeber, wie unserer, arbeiten immer noch mit verkürzten Präsenzzeiten und wir diskutieren mittlerweile darüber, ob das in der vergleichsweise rigorosen Form noch notwendig ist, die uns überwiegend ins Homeoffice zwingt. Fairerweise sei gesagt, dass bei uns andererseits erhöhte Schutzpflichten bestehen.

Maskenpflicht hingegen: Wer sich diesen Stofffetzen nicht fürs Gesicht hängen, keinen Schnutenpulli anziehen mag, obwohl es Herbst wird und damit die Pullis eh wieder hervorgekramt werden, wer diese Lappalie ernsthaft als eine Einschränkung der Freiheit empfindet, das Tragen eines MNS nicht einmal als ein Zeichen des guten Willens akzeptiert und selbst den Schutz anlegt, wer absolut keine Solidarität aufbringen kann, sollte prüfen, ober er noch am linken gesellschaftspolitischen Diskurs teilnehmen kann. Dummerweise sieht es mit der Selbstreflexion gerade bei denjenigen, die das objektiv nicht mehr können, häufig nicht so gut aus.

Am 3. Oktober soll es schon wieder eine große Anti-Corona-Demonstration geben, die Frage stellt sich nun aber langsam wirklich, wogegen? Wenn man sieht, was in anderen Teilen der Welt los ist, können wir froh sein, dass wir nicht die dortige Situation haben, sonst würde das hier in einem vollkommenen Chaos enden. Denn ob man etwas leugnen kann, hängt nicht nur von der persönlichen Betroffenheit und nicht nur von der Größenordnung und der Relevanz der Tatsache für uns alle ab, sonst sondern vom Mindset dessen, der die Realität ausblendet. Hätten wir also hier in Deutschland nicht 10.000 sondern 100.000 Tote und wären die Abwehrmaßnahmen dementsprechend schärfer und wären länger aufrechterhalten worden, würden dieselben Menschen denselben Quatsch von einer Corona-Diktatur behaupten und uns übrigen damit die Kritik an tatsächlich demokratiefeindlichen Tendenzen erschweren, die langfristig zu betrachten sind.

Es versteht sich von selbst, dass bei „nur“ 9.393 Toten, die es bisher hierzulande gegeben hat, die mit Corona verstorben sind, die Sterbefallzahlen gegenüber den Vorjahren nicht gigantisch angewachsen sind. Das ist in anderen europäischen Ländern, die 30.000 und mehr Tote zu beklagen haben, bei geringerer Bevölkerungszahl, jedoch anders. Wir haben es aber nicht am besten gemacht, siehe oben, südostasiatische Länder – oder China, in dem die Pandemie begann. China rechnet jedoch mittlerweile zu den Ländern, die wieder auf Expansionspfad sind. Wirtschaftlich gesehen ist das für den Westen eine ziemlich prekäre Situation. Darüber werden wir uns noch an anderer Stelle äußern. Jetzt hoffen wir erst einmal, dass die Pandemie abflaut, und dass vor allen die Todesfallzahlen weiter zurückgehen.

TH

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