Shalako (GB / DE 1968) #Filmfest 220

Filmfest 220 A

2020-08-14 Filmfest ADer einzige Western

Aus irgendeinem Grund hatte ich im Kopf, der Film sei aus dem Jahr 1975. Vielleicht, weil Sean Connery damals schon ein etablierter Schauspieler jenseits seiner Rolle als James Bond war, vielleicht, weil Peter van Eyck sichtlich gealtert wirkt und auch Brigitte Bardot in bestimmten Einstellungen nicht mehr ganz jung, vielleicht auch wegen der Haltung des Films und einem Spin, der in den 1970ern vergleichsweise häufig vorkam. Worum es dabei geht und warum das letztlich nicht ausreicht, um einen Film den 1970ern zuzuschreiben, erklärt die -> Rezension

Handlung

Eine aus europäischen Adeligen bestehende Jagdgesellschaft wird von ihrem schurkenhaften Reiseführer Bosky Fulton in ein Reservat von Apachen geführt. Der erfahrene Trapper Shalako erkennt die prekäre Lage und handelt mit den Indianern eine Frist aus, innerhalb derer die Gruppe aufbrechen muss. Doch diese denkt nicht im Geringsten daran, ihren vielversprechenden Jagdausflug zu beenden, und Shalako versucht nun Hilfe vom nächsten Militärposten zu holen.

Die Indianer greifen später tatsächlich das Lager an, wobei zahlreiche Wagen abbrennen und es Opfer auf beiden Seiten gibt. Shalako, der das Geschehen aus der Ferne beobachtet hat, kann die Indianer durch von ihm verursachte Rauchzeichen weglocken. Fulton zeigt nun sein wahres Gesicht und stiehlt der Gruppe, die durch den Angriff schon geschwächt ist, Geld, Pferde, Proviant und Wasser und überlässt sie somit dem sicheren Tod. Doch erneut kommt Hilfe von Shalako, der die Europäer zu einem Hochplateau führt, wo es Wasser gibt und alle für einige Zeit in Sicherheit sind. Ihnen kommt dabei zu Hilfe, dass Shalako in kluger Vorahnung einige Vorräte verstecken ließ. Außerdem können sie die Spuren, die Fulton und seine Leute hinterlassen, benutzen, um ihre Flucht vor den Indianern zu verbergen.

Die Apachen stellen Fultons Leute und bringen sie alle um. Danach kommt es zum Angriff auf Shalako und die Europäer, was erneut zu Opfern auf beiden Seiten führt. Chato, der Sohn des Häuptlings, duelliert sich in einem Speerkampf mit Shalako, den dieser gewinnt. Der Häuptling lässt die Gruppe darauf ihres Weges ziehen.

Rezension

Die ersten, harschen Einstellungen wirken wie an den damals grassierenden Italo-Western angelehnt, ebenso einige Panorama-Aufnahmen, in denen die Figuren nur ganz aus der Ferne zu sehen sind. Was ein kleines Problem darstellt, denn 3 Sat hat zwar in HD gesendet, aber offenbar nur abspieltechnisch, nicht den Film selbst betreffend. Man muss in der hellen Landschaft schon genau hinschauen, um zu erkennen, dass in den letzten Sekunden die Gräfin ihr Pferd wendet und nicht ihrer Reisegesellschaft weiterhin folgt, sondern sich für Shalako entscheidet. 1968 eben.

Unmöglich, dass Sean Connery zu der Zeit das Mädchen nicht kriegt. Okay, später war es fast genauso unmöglich, er hat dann aber auch Rollen gespielt, in denen das Mädchen gar keine so zentrale Rolle spielt. Der Film wurde, nebst einigen anderen, zum 90. Geburtstag von Connery ausgestrahlt, in dem Bemühen, mal etwas anderes von ihm zu zeigen als „Dr. No“, „Liebesgrüße aus Moskau“, „Goldfinger“ (den ich allerdings immer wieder mit Vergnügen schauen kann, in ihm hat Connery auch schon einmal mit Honor Blackmann als legendäre „Pussy Galore“ zusammen gespielt), „Thunderball“, „Man lebt nur zweimal“ und „Diamantenfieber“. Ach ja, und den köstlichen Nachzügler „Sag niemals nie“, der seinerseits ein Remake von „Man lebt nur zweimal“ war.

Connery hat in der Tat sehr gute weitere Filme gemacht, darüber sind heute wohl alle einig, aber 1968 war das noch nicht ganz abzusehen, obwohl er schon in Hitchcocks „Marnie“ gespielt hatte (1964) und dort viel obsessiver und düsterer wirkte als in den Bond-Filmen. Als Westerndarsteller hatte er sich ohnehin nicht profiliert, „Shalako“ blieb sein einziger Dreh in diesem Genre. Ich finde, er passt da genauso gut rein wie viele andere Darsteller, die ganz verschiedene Dinge gemacht haben, aber es ist auch nicht seine Darstellung, die an dem Film irritiert.

Interessant und für mich schon auf die 1970er deutend ist beispielsweise die Darstellung des deutschen Barons (van Eyck), der als einzige Figur eine Wandlung vom arroganten Adeligen und Offizier hin zu einem guten Kumpel und wertvollen Mitglied der Gefahrengemeinschaft durchmachen darf (das Mädchen kriegt er trotzdem nicht, es gehört nun mal Shalako). Diese Entwicklung eines Deutschen erinnerte mich an „The Eiger Sanction„, den ich kürzlich angeschaut habe, nicht nur wegen des Bergsteigens, aber in diesem Agententhriller war Clint Eastwood der Hauptakteur, nicht Sean Connery. Was sagte zeitgenössische Kritiker in Deutschland zu dem Film?

Das Lexikon des internationalen Films urteilte, es handle sich bei dem Film um einen „aufwendig produzierten Star-Western“. Der Film setze in erster Linie auf „Action und Spannung“, verliere sich jedoch in „äußerlich-grausamer Abenteuerlichkeit“. Die Produktion verschenke die „Gelegenheit zum psychologischen Drama“.[5] Joe Hembus urteilte: „Ein originelles und historisch sorgfältig recherchiertes Sujet, das zu einer unordentlichen und lachhaften Starparade entartet ist.“[6]

Diese wenig euphorischen Meinungen haben sich bis heute erhalten – in der IMDb kommt „Shalako“ nur auf 5,6/10, und das liegt sicher nicht nur an der leider immer etwas unauthentisch wirkenden spanischen Landschaft, sondern sicher auch daran, dass der Film weder als klassischer, spannungsgeladener US-Western durchgeht, noch als Spätwestern, in dem die Entzauberung des Mythos vom alten Westen viel deutlicher stattzufinden hat als hier, wo eigentlich ein Missverständnis der Grund allen Übels ist: Die Europäer werden von einem amerikanischen Banditen in die Irre geführt und bekommen Stress mit den ansässigen Native Americans, weil sie in deren Reservat eingedrungen sind. Am Schluss bewahrt ein Duell die überforderten Europäer vor einem Totalschaden, die sympathischsten überleben knapp. Das Lanzenduell zwischen dem jungen Apachen und Shalako leidet ein wenig darunter, dass ich zuletzt Filme von Akira Kurosawa gesehen habe – in ihnen wird derlei wesentlich zünftiger und ausführlicher zelebriert und viel besser choreografiert.

Das Grundmuster des Films ist sehr, sagen wir mal, erprobt: Ein Westerner nimmt sich einer Gruppe in Gefahr an und bringt diese irgendwie durch, dass er dadurch eine hübsche Frau für sich gewinnt, kann nicht ausbleiben. Der Anführer ist, falls die Besetzung international ist, immer ein Amerikaner, wenn auch hier durch einen Briten … ups, durch einen Schotten verkörpert. Es ist kein einziges originelles Handlungselement zu bewundern und die Figuren sind recht stereotyp, die Breitwandaufnahmen zwar auf der Höhe der Zeit, aber nicht so individuell dramatisiert, wie es die – sic! – Italo-Western zu der Zeit konnten – etwa „Spiel mir das Lied vom Tod“, der im selben Jahr entstand und einen ganz anderen Wumms hat. Jetzt verwende ich das Wort auch schon, obwohl es bald in der Mottenkiste mit der Trend-Hashtag-Sommermode von 2020 landen dürfte.

Finale

Die Figuren und auch die Lovestory sind nicht besonders berührend und man merkt durchaus, dass Regisseur Edward Dmytryk 1968 über den Zenit seines Könnens hinaus war, den er eigentlich zweimal erreichte: 1944 mit „Murder, my Sweet“, einem herausragenden Film noir, und 1954 mit „The Caine Mutinity“, in dem Humphrey Bogart noch beeindruckender spielt als üblich.

Es ist trotz der Idee mit dem Dinner in der Wüste und einigen halbwegs exzentrischen Europäern eine Routineproduktion, in der auch Connery noch nicht zeigen kann, was er außerhalb der Bond-Reihe drauf hat. Interessanterweise eine britisch-deutsche Coproduktion, an der von deutscher Seite Atze Brauners CCC-Film aus Berlin beteiligt war. Offenbar hallte immer noch nach, dass er dem Konkurrenten Horst Wendlandt die Geniestreiche der Wallace- und der Karl-May-Serie neidete versuchte, in beiden Genres auch etwas hinzukriegen. Von der Besetzung war dies bei „Shalako“ fraglos möglich, aber es kam kein besonderes Ergebnis dabei heraus.

58/100

© 2020 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Regie Edward Dmytryk
Drehbuch J. J. Griffith
Hal Hopper
nach einem Roman von Louis L’Amour
Produktion Euan Lloyd
Artur Brauner
Musik Robert Farnon
Kamera Ted Moore
Schnitt Bill Blunden
Besetzung

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