Alarm am See – Polizeiruf 110 Episode 15 #Crimetime 808 #Polizeiruf #Polizeiru110 #DDR #Hübner #Lindt #See #Alarm

Crimetime 808 - Titelfoto © Fernsehen der DDR / ARD

Sport muss nicht immer Mord sein, manchmal bleibt es beim Versuch

„Alarm am See“ ist der dritte Polizeiruf aus der Frühzeit der Serie hintereinander mit Sportkontext, den wir rezensieren. Zuvor waren wir auf der Trabrennbahn mit „Siegquote 180“ und dann beim Regattasegeln mit „Gesichter im Zwielicht“, in dem der Sport allerdings nicht so eine zentrale Rolle spielt wie in „180“ und in „Alarm am See“, der mit sehr schönen Aufnahmen vom Eissegeln aufwarten kann. Was es sonst zum Film zu schreiben gibt, steht in der -> Rezension.

Handlung (Wikipedia)

Kurz vor einem internationalen Wettkampf im Eissegeln trainiert eine Studentenmannschaft in einem Mannschaftslager. Die Mannschaft befindet sich gerade auf dem Eis, als plötzlich aus ihrer Unterkunft starker Rauch dringt. Als sie zum Haus kommen, steht es bereits in Flammen. Der Hausmeister Krenzel stürzt sich dennoch in das Haus und rettet den Koffer von Mannschaftskapitän Klaus Grabowski. In dem Koffer befindet sich eine Grafik, die Klaus nach eigener Angabe noch nie gesehen hat: Es handelt sich um eine Grafik von William Hogarth. Die Grafik wurde sechs Wochen zuvor dem Sammler Sander gestohlen. Bis zur Klärung des Falls darf Klaus das Land nicht verlassen. Damit steht sein Start beim Pokalwettbewerb auf dem Spiel, zu dem die Sportler in drei Tagen abreisen müssten. Klaus startet im Zweiersegler mit Richard Friebel, der nun ersatzweise mit dem sportlich schlechteren Kurt Löwe trainieren soll. Aus Solidarität mit Klaus verweigert Richard sich aber.

Bei einer Röntgenuntersuchung stellt Leutnant Leissig fest, dass sich unter der Hogarth-Grafik eine weitere, gelöschte Grafik Hogarths befindet. Oberleutnant Jürgen Hübner und Leutnant Helga Lindt, die mit dem Fall betraut wurden, stellen sich nun die Frage, ob es sich bei der Grafik möglicherweise um eine Fälschung handeln könnte. Wurde die kleinere Grafik nach Hogarths Tod gelöscht, kann die größere nur falsch sein. Jürgen Hübner erfährt zudem, dass die Grafik A Harlot’s Progress Teil einer Grafikreihe ist. Die restlichen Teile befinden sich in Privathand in eben der Stadt, in der die Mannschaft ihren Wettbewerb hat. Jürgen Hübner beauftragt den Kunstkenner Dr. Elsholz, eine mögliche Katalogisierung der gelöschten Grafik ausfindig zu machen. Zudem beauftragt er Sander, ein Gutachten über die Echtheit seiner Hogarth-Grafik zu erstellen. Die Ermittlungen ergeben, dass der Brand im Mannschaftshaus auf einen technischen Defekt zurückzuführen ist und nicht gelegt wurde.

Klaus findet heraus, dass der gerettete Koffer zwar dem Inhalt nach seiner war, der Koffer selbst jedoch ausgetauscht wurde. Seiner besaß eine charakteristische Schramme. Er findet ihn in einem Schuppen und gerät in eine Schlägerei mit Hausmeister Krenzel. Bevor Klaus seinen Fund der Polizei melden kann, hat bereits Krenzel der Polizei Bericht erstattet. Er gibt an, dass Klaus den Koffer stehlen wollte und zuvor die Schramme eingeritzt habe. Klaus wird mutlos und glaubt nicht, dass die Wahrheit ans Licht kommen wird. Krenzel wiederum manipuliert beim Abschlusstraining Klaus’ Eissegler, wodurch er manövrierunfähig wird. Klaus stürzt mit dem Segler, bleibt jedoch unverletzt.

Sander schreibt in seinem Gutachten, dass die kleinere Grafik von Hogarth selbst gelöscht wurde, der die große Grafik anschließend selbst auf demselben Papier anfertigte. Dr. Elsholz hingegen bringt in Erfahrung, dass die kleinere Grafik noch bis 1944 in Katalogen geführt wurde und seither als verschollen galt. Im letzten Museum, das die Grafik in seinem Besitz hatte, arbeitete 1944 auch Sander. Jürgen Hübner erscheint bei Sander, als der Krenzel wegen des misslungenen Grafik-Schmuggels rügt. Krenzel wird festgenommen und auch Sander inhaftiert. Er wollte dem ausländischen Sammler die von ihm selbst gefälschte Grafik für viele Tausend Mark verkaufen. Das Original war ihm nie gestohlen worden. Er hatte es hinter einem anderen Bild verborgen.

Der Fall wird rechtzeitig geklärt und Klaus kann mit seinen Kameraden zum Wettkampf reisen.

Zusatzinfo (Wikipedia, a. a. O.)

Nach der Fertigstellung erschien der Film der Abnahmekommission zu langatmig, zum Teil verwirrend und zu wenig spannend. Daraufhin wurde er mehrfach überarbeitet und gekürzt. Grundlegende gestalterische Mängel konnten damit aber nicht mehr beseitigt werden. Der Film erlebte seine Fernsehpremiere am 15. April 1973 im 1. Programm des DDR-Fernsehens, allerdings nicht als Teil der Reihe Polizeiruf 110, für die er ursprünglich produziert wurde. Vielmehr wurde er in einer mit 54 Minuten ungewöhnlich kurzen Version ohne Polizeiruf-Vorspann im Nachmittagsprogramm gesendet. Ausschlaggebend für die Entscheidung, den Film aus der Reihe Polizeiruf 110 herauszunehmen, waren letztlich die Bedenken hinsichtlich der technischen und künstlerischen Qualität des Filmes. Dennoch wurde er nachträglich in die offizielle Polizeiruf-110-Sendekartei des DDR-Fernsehens aufgenommen. Die Erstsendung blieb die einzige Ausstrahlung von Alarm am See im Fernsehen der DDR. Erst am 16. Oktober 2001 wurde der Film als Teil der Reihe Polizeiruf 110 im MDR-Fernsehen ein zweites Mal gesendet und seitdem in unregelmäßigen Abständen wiederholt. Bei den Wiederholungen wird er mit Serienvorspann ausgestrahlt.

Rezension

Und er ist der Mediathek der ARD aufrufbar, wo wir ihn entdeckt haben. Im Grunde ist das, was oben steht, bereits ein wesentlicher Teil der Rezension. Die Kürze haben wir zwar geschätzt, aber das einzige echte Plus des Films sind die Aufnahmen, die das Eissegeln als einen waghalsigen Sport erscheinen lassen und die sehr winterliche Atmosphäre. Wir hatten lange Zeit Mühe, die Sportler auseinanderzuhalten und wer wie mit wem zusammen fährt oder nicht, vor allem, weil sie zu Beginn alle in der gleichen Montur auftraten. Außerdem hat sich uns bis zum Schluss nicht erschlossen, was der Versuch, Grabowski mindestens zu verletzen, mit der gestohlenen Grafik zu tun hat. Und hiermit noch etwas zur Grafik:

Bei der im Film vorgeblich gestohlenen, jedoch in Wirklichkeit gefälschten Grafik handelt es sich um William Hogarths zweite Tafel der Reihe A Harlot’s Progress. Die Reihe besteht aus sechs verschiedenen Grafiken; im Film wird sie allerdings als Teil eines achtteiligen Grafikzyklus’ genannt.

Es hätte ein wunderbarer Film werden können. Schon die gepfiffene Melodie zu Beginn hat bei uns direkt eine Assoziation in Richtung „Die Abenteurer“ mit Alain Delon und Lino Ventura ausgelöst, wenn auch etwas langsamer im Rhyhtmus, aber in beiden Fällen handelt es sich um abenteuerlich wirkenden Sport: Hier Flugakrobatik, dort Eissegeln als ständiger Kampf im Grenzbereich, an der Grenze zum Umkippen. Die kundige, stark dokumentarisch angelegte Gestaltung dieses Milieus mit echten Fahrtaufnahmen war ein toller Einstieg – der leider eine ziemliche Enttäuschung folgte. Ja, es ist eine logische Erklärung, dass der Film stark gekürzt wurde und deshalb so unrund wirkt. Selbst in diesen 54 Minuten sind aber immer noch Längen enthalten, während wichtige Verknüpfungen fehlen. Deshalb hat uns die Zusatzinformation, die in der Wikipedia nachzulesen ist, nicht überrascht – auch wenn wir „Kürzung“ nicht immer sofort mitdenken, wenn Filme unmotivierte Sprünge aufweisen, dramaturgisch und vom Rhythmus problematisch sind sowie wichtige Informationen nicht enthalten. Dass einzelne Szenen, wie das Draufhalten auf Hübners Gesicht an mindestens zwei Stellen, zu lang wirken, hat eben auch damit zu tun, dass die Proportionen des Films verschoben wurden.

Bei Polizeirufen der DDR-Zeit kommt es eher selten vor, dass wir „Thema verschenkt“ in den Katalog der Mängel aufnehmen müssen, aber in diesem Fall muss man das leider sagen, weil es uns leid tut um die stimmungsvollen Momente, die der Film hat – sie werden gekontert dadurch, dass man Mühe hat, zu folgen und sich zudem anstrengen muss, die Sportler auseinanderzuhalten. Immerhin hat man den Film aber nicht aus dem Verkehr gezogen und ihm dann doch den üblichen Vorspann verpasst. Es zum letzten Mal derjenige der ersten Stunde. Jemand wählt auf einem schwarzen Telefon die 110 und in der Polizeidienststelle wird abgehoben, beide Akteure sind nicht im Bild. Bereits für den Vorgänger „Gesichter im Zwielicht“, den ersten Farbfilm der Reihe, wurde der  neue Vorspann entwickelt, der viel aktionsreicher wirkt, mit Polizei-Judo, Sprüngen von Einsatzwagen etc. Er wurde ab dem 16. Polizeiruf auch für Schwarz-Weiß-Filme der Reihe verwendet.

Nachdem in „Ende einer Mondscheinfahrt“ (Polizeiruf Nr. 11) erstmals Leutnant Vera Arndt auch mit Oberleutnant Hübner zusammen ermittelte, kam Leutnant Lindt zwar noch einmal zum Einsatz, schied dann aber aus der Reihe aus. In „Blutgruppe AB„, ihrer ersten Zusammenarbeit mit Hübner, konnte sie noch mit einfühlsamer Fragetechnik am Krankenbett eines Vergewaltigungsopfers punkten, aber in „Alarm am See“ geht sie als Skihaserl-Undercover-Agentin in der allgemein mangelnden Logik und Stringenz des Films unter.

Finale

Zu allem war der Film auch noch vorhersehbar. Es ist halt leider in den ersten Jahren immer so gewesen, dass ein privater Sammler von Kunst eine zwielichtige Figur sein musste. Woher das viele Geld? Und wie kann es angehen, dass künstlerisch wertvolle Gemälde in einem Privathaus herumhängen, anstatt der Öffentlichkeit zugänglich zu sein? Ganz falsch sind diese Überlegungen nicht, gerade, wenn man bedenkt, zu welchen Auswüchsen es auf dem Kunstmarkt inzwischen gekommen ist. Hier ist von 120.000 Mark der DDR die Rede, die allein die Grafik wert sein soll, die ja nur eine von acht aus einem Zyklus darstellt. Während einer Szene beim Sammler und Fälscher Sander in der Wohnung wird aber gefragt, warum man anstatt der Grafik nicht das wertvollere Gemälde, das links daneben hängt, hat mitgehen lassen. Aufgeklärt wird das nicht, aber die Schätze in dieser Wohnung müssen wirklich beachtlich sein. Dafür hätte eine Oma lange stricken und ein aufrechter Werktätiger Jahrhunderte arbeiten müssen. Ohne für andere Dinge etwas auszugeben.

Wir sehen hier auch Andreas Schmidt-Schaller in seiner ersten Polizeiruf-Rolle. Aber noch nicht, wie später, als Leutnant Grawe, sondern als verdächtiger Eissegler Grabowski.

Tut uns sehr leid, wegen der stimmungsvollen ersten Minuten des Films, aber hier ist die bisher niedrigste Bewertung für einen Polizeiruf 110 angebracht.

5/10

© 2020 (Entwurf 2019) Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Regie Jerzy Bednarczyk
Jan Laskowski
Drehbuch Jerzy Bednarczyk
Jan Laskowski
Gerhard Branstner Szenarium
Produktion Fred Retzlaff
Musik Wolfgang Pietsch
Kamera Jan Laskowski
Schnitt Sylvia Desch
Besetzung

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