Rebland – Tatort 1138 #Crimetime Vorschau 27.09.2020 DAS ERSTE 20:15 Uhr #Tatort #Schwarzwald #Berg #Tobler #SWR #Rebe #Land

Crimetime Vorschau - Titelfoto © SWR, Benoit Linder

Die Rezension zum Tatort ist da – hinter diesem Link.

Es kann nur besser werden?

Nachdem der fünfte Fall der Schwarzwälder Ermittler Friedemann „Frieda“ Berg (Hans-Jochen Wagner) und Franziska Tobler (Eva Löbau) vom Publikum geradezu zerfetzt wurde (siehe Meinungen zur 1121. Tatort-Folge „Ich hab im Traum geweinet“), ist der Folgefall im umso klassischeren Whodunit-Erzählstil angelegt: In „Rebland“ wird eine Frau auf dem nächtlichen Nachhauseweg am Fuße der Weinhänge überfallen, brutal bewusstlos geschlagen und vergewaltigt. Das Opfer kann sich an nichts erinnern, und doch kann die Kripo im SWR-Krimi drei Verdächtige ausmachen. Alle drei Herren verweigern allerdings die freiwillige DNA-Reihenuntersuchung – einer von ihnen aus gutem Grund? (Redaktion Tatort Fans)

2020-09-27 Tatort 1138 Rebland Der schlechteste Fall aller ZeitenDas klingt ja schon fast, als ob es keiner von den dreien war. An der Zerfetzung von „Ich hab im Traum geweinet“ hatte ich mich seinerzeit nicht beteiligt, sondern den Film auf seine Weise gemocht. Deswegen bin ich auch nicht so darauf angewiesen, dass jetzt alles wieder konventionell läuft.

Aber was die regelmäßigen Tatort-Zuschauer in die Plattform „Fundus“ hineingeschrieben und die Punkte, die sie dort vergeben haben, das war nicht nett, wie man in der Abbildung eines Tabellenausschnitts sehen kann: Tobler und Berg haben es fertiggebracht, den nach Meinung jener Fans schlechtesten aller bisherigen Filme zu machen. Nun ist es nicht so, dass sich das gebührenfinanzierte Fernsehen von der Meinung der Zuschauer stets maximal beeindrucken lässt, aber in diesem Fall muss ich wirklich sagen: Das stimmt nicht. Der Film war eben komplett anders, so sehr, dass er eines der beiden Experimente darstellen sollte, das die ARD sich künftig pro Jahr noch auf dem Tatort-Sendeplatz gönnen will.

Blöd nur, dass die Übergänge zwischen konventionell und experimentell fließend sind und sich die Maßstäbe selbstverständlich im Laufe der Zeit verschieben. Der SWR hat es allerdings auch drauf, zwischen dem Wandeln in sehr eingetretenen Pfaden und Werken, die mehr als gewöhnungsbedürfig sind, heftig zu springen. Das kann bei Lena Odenthal wahrnehmen, zwischen deren mittlerweile eher langweilige Fälle immer mal wieder ein Impro-Tatort rutscht und nun auch im Schwarzwald. Einzig die Stuttgarter Lannert und Bootz erhalten immer wieder mal schicke Drehbücher, die sowohl hohen Anforderungen gerecht als auch progressiv genannt werden können.

Was meint die Redaktion von Tatort Fans zum neuen Fall? Sie findet ihn unlogisch, die Figuren aber spannend (Meinung 1, drei Sterne) oder eher zum wegdämmern (2 Sterne). Mein Gefühl: „Ich hab im Traum geweinet“ kann „Rebland“ mit diesen Attributen Funduslisten-rangmäßig nicht unterbieten.

Allerdings geht es nicht sehr hoffnungsfroh weiter: Christian Buß vom Spiegel hatte ursprünglich eine Überschrift gewählt, die lautete „Zu 30 Prozent geglückt“ und folgerichtig drei von zehn Punkten vergeben. Jetzt heißt es „Prozente und Promille“. Für die Verhältnisse des Autors eher eine uninspirierte Überschrift (hätte von mir sein können), die darauf hindeutet, dass er die Vorab-Rezension nicht mit maximalen Glücksgefühlen verfasst hat.

Während alles, was ich bisher lesen konnte, eher nach etwas zu wenig von allem klingt, findet der SWR-Mediencheck: Dieser Tatort übertreibt! Eigentlich ein schönes Thema für einen Tatort und trotzdem übertreibt die Geschichte an vielen Stellen. Beispielsweise verlieren alle Verdächtigen, die den DNA-Test nicht machen, ihre Existenz. Verdächtigt von den Nachbarn, Kollegen und Freunden. Hier wird der Datenschutz vom Drehbuch allerdings oft etwas zu plump, realitätsfern und eifrig über das Leid der Opfer gestellt. Davon abgesehen bleibt der Krimi unauffällig und brav, leider auch, was die Schauspieler angeht. Dem Tatort fehlt es an überragenden Szenen und einprägsamen Momenten – und leider auch an Humor.

Nun ja, wenn die letzten Sätze berücksichtigt, kommt es auf dasselbe hinaus: Es fehlt eher etwas. Immerhin noch drei Elche von Fünfen für das hauseigene Produkt. Nur Tittelbach-TV bleibt eisern auf der positiven Seite, wie meistens, und vergibt 4,5/6 (nach unserem Schema 7,5/10). Allerdings ist Tittelbach-TV nicht nur darauf abonniert, positive Details herauszuheben, sondern auch sehr detailreich über einen Film zu berichten:

Eine Vergewaltigung, drei Verdächtige und übereifrige Kommissare: Die „Tatort“-Folge „Rebland“ mit dem famosen Schwarzwald-Team Eva Löbau und Hans-Jochen Wagner beackert das Spannungsfeld Datenschutz und innere Sicherheit. Eine erweiterte DNA-Analyse, bei der auch Merkmale wie Alter, Haut-, Augen- und Haarfarbe erhoben werden, durfte bis Dezember 2019 in Deutschland nicht durchgeführt werden. In „Rebland“ nutzen die Kommissare dennoch solche Erkenntnisse, um den Täter zu überführen – was auch für das Leben Unschuldiger erhebliche Konsequenzen hat. Starkes Buch und überzeugende Darsteller in einem konventionellen, aber spannenden und zum Nachdenken anregenden Krimifall.

Wir resümieren also, dass offensichtlich wieder eine Datenschutzmauer gefallen ist. Doch angesichts der Tatsache, dass in Tatorten und speziell in Polizeirufen auch Fundamente des Rechtsstaates wie das Verbot der erneuten Anklage bei neuen Erkenntnissen zulasten des einstigen Angeklagten infrage gestellt werden, braucht man sich über kleine Vorwegnahmen in Sachen Datenschutzrückbau nicht zu wundern. Wehe dem, der unschuldig in die Mühlen der zu immer mehr Durchgriffen berechtigten Exekutive und, nachfolgend, der Justiz gerät. Und was sagt die Arbeitsgemeinschaft?

Autorin Nicole Armbruster und Regisseurin Barbara Kulcsar entfalten im „Tatort: Rebland“ die Auswirkungen einer Tat, die die Psyche des Opfers belastet, deren Untersuchung aber auch im Leben der Verdächtigen und ihrer Angehörigen Spuren hinterlässt. Zwischen diesen Polen bewegen sich die Kommissare mit ihren Ermittlungen und erliegen dabei einer Versuchung, die inzwischen keine mehr wäre, da mit einer Reform zum Jahreswechsel auch in Deutschland die erweiterte Merkmalsuntersuchung möglich wurde. Eva Löbau, Hans-Jochen Wagner und Steffi Kühnert, Victoria Trauttmansdorff als Opfer, das keines sein will, sowie Roman Knižka, Fabian Busch und Marek Harloff als Verdächtige, die Unterschiedliches zu verbergen haben, lassen die Wirkung dieser Ermittlungen lebendig werden.

Sagen wir’s deutlich: Ein Film wurde von der Realität eingeholt und das hätte man vielleicht auch schon absehen können, als er gedreht wurde, denn noch fallen Gesetze hierzulande nicht vom Himmel wie die Zehn Gebote. Doch die psychischen Auswirkungen der erweiterten Merkmalsuntersuchung ändern sich durch deren Erlaubtsein nicht.

Handlung

Auf dem Heimweg von einem Weinfest im Kaiserstuhl wird Radiomoderatorin Beate Schmidbauer, eine Freundin von Kripochefin Cornelia Harms, von einem unbekannten Täter bewusstlos geschlagen und vergewaltigt. Zwar kann die DNA des Mannes sichergestellt werden, aber Franziska Tobler und Friedemann Berg finden in den Datenbanken keine Entsprechung. Cornelia Harms geht der Fall nahe, angesichts der Indizienlage kann sie ihrer Freundin trotzdem nur wenig Hoffnung machen, dass der Täter ermittelt wird.

Als allerdings aus dem Elsass die Nachricht kommt, dass dort ein Mann mit identischer DNA seit Jahren wegen Vergewaltigung und Totschlags gesucht wird, bauen Franziska und Friedemann auf eine Zusammenarbeit. Denn den französischen Kollegen liegt eine erweiterte DNA-Merkmalsuntersuchung vor. Mit deren Erkenntnissen über Alter, Haut- und Augenfarbe könnten sie konkrete Verdächtige ins Visier nehmen.

In Deutschland ist das noch nicht gestattet, trotzdem nutzen Friedemann Berg und Franziska Tobler diese Erkenntnisse und fokussieren sich damit auf drei Verdächtige. Keiner der drei ist bereit, DNA-Proben abzugeben. Gleichzeitig bleiben die hartnäckigen Nachforschungen der Polizei nicht ohne Auswirkungen auf ihr Leben.

Besetzung und Stab 

Hauptkommissar Friedemann „Frieda“ Berg – Hans-Jochen Wagner
Hauptkommissarin Franziska Tobler – Eva Löbau
Kommissariatsleiterin Cornelia Harms – Steffi Kühnert
Radiomoderatorin Beate Schmidbauer – Victoria Trauttmansdorff
Chefin der französischen Kriminalpolizei – Isabelle Menke
Streifenpolizist Mario Lewandowsky – Marek Harloff
Streifenpolizistin Christine Liebermeister – Bärbel Schwarz
Ingenieur Klaus Kleinert – Fabian Busch
Friseurmeister Victor Baumann – Roman Knižka
seine Ehefrau Carmen Baumann – Tjadke Biallowons
Frau Ketterer – Susanne Marie Wrage
Günni – Pascal Simon Grote
Kundin – Katharina Walther
Yara – Sarah Melis
u.a.

Drehbuch – Nicole Armbruster
Regie – Barbara Kulcsar
Kamera – Stefan Sommer
Szenenbild – Juliane Friedrich
Schnitt – Susanne Heller
Ton – Tom Doepgen
Musik – Ephrem Lüchinger

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