Mad Max 2 – Der Vollstrecker (Mad Max 2: The Road Warrior, AU 1981) #Filmfest 268

Filmfest 268 A

2020-08-14 Filmfest AMad Max II – Der Vollstrecker (Originaltitel: Mad Max 2: The Road Warrior) ist ein australischer Actionfilm aus dem Jahr 1981. Der Film entstand unter der Regie von George Miller und setzt die Geschichte des Polizisten Max Rockatansky aus Mad Max fort. Am 27. August 1982 erschien der Film in den deutschen Kinos und 1983 auf Video.

Hier zur Rezension von „Mad Max“.

Die Handlung setzt drei Jahre nach den Ereignissen von Mad Max ein. Die Zivilisation ist inzwischen zusammengebrochen, die Suche nach Energie in Form von Treibstoff ist zum Lebensinhalt geworden. Ein Liter Benzin ist wertvoller als ein Menschenleben. Max Rockatansky fährt mit seinem modifizierten Ford XB Falcon GT Hardtop V8 Interceptor Pursuit Special als Racheengel durch Schrottwüsten und Geisterstädte, immer auf der Suche nach Treibstoff.

Es ist nichts so fernliegend, sich Filme anzuschauen, die vom Zusammenbruch der Zivilisation handeln, wenn es weitergeht, kann man damit einen fortgeschrittenen Prepper-Status errerichen. Aber 1981 deutete noch nicht so viel darauf hin, dass es mal so kommen würde, wie es derzeit aussieht und der Grund für Filme wie „Mad Max“ lag darin begründet, dass die Zeit fürs Actiokino heutiger Prägung reif war. Nicht, dass es heute mit den Filmen so viel anders wäre, im Gegenteil, aber damals war das Publikum saturiert und musste sich ca. zehn Jahre lang auch kritische Filme anschauen, wenn es mitreden wollte – dagegen stemmten sich zunächst Spielberg und Lucas und dann der gesamte Zeitgeist der frühen Reagan-Ära. Kein Wunder, dass der  zweite Mad-Max-Film auch erheblich mehr Krawall bietet als der erste. Wie haben wir uns dazu gestellt? Es ist in der -> Rezension nachzulesen.

Handlung

Der Ex-Polizist Max fährt mit seinem Ford Interceptor ziellos durch ein postapokalyptisches Ödland und muss sich des Angriffs einer marodierenden Bande erwehren. Dabei entdeckt er eine liegengebliebene Zugmaschine. Ein kleines Musikspiel ist das einzig Brauchbare, was er in ihr findet. Am nächsten Morgen wird Max von einem Tragschrauberpiloten in eine Falle gelockt, nachdem er sich dessen scheinbar verlassenem Fluggerät genähert hat. Mithilfe seines Hundes gelingt es Max jedoch, den Piloten zu überwältigen. In Todesangst erzählt dieser ihm von einer zur Festung ausgebauten Raffinerie, in welcher es Benzin in Massen geben solle. Der von akuter Treibstoffknappheit bedrohte Max nimmt den Piloten gefangen und macht sich mit ihm auf den Weg zu besagter Raffinerie.

Dort angekommen, werden beide Zeugen eines fortwährenden Belagerungszustandes: Vor der Festung patrouillieren dutzende Gesetzlose auf ihren Motorrädern und in ihren Autos, um einen möglichen Ausbruch der Bewohner zu verhindern und selbst in die Raffinerie und damit in den Besitz des Öls und Benzins zu gelangen. Als am nächsten Tag Spähtrupps der Belagerten abgefangen werden, ergreift Max seine Chance, befreit einen Verletzten und bringt ihn zur Raffinerie zurück. Er gelangt so in die Festung. Allerdings stehen ihm die Raffineriebewohner sehr misstrauisch gegenüber und nachdem der Verletzte stirbt, ist auch Max’ Abmachung mit ihnen, welche ihm Benzin in rauen Mengen zusicherte, obsolet. Max’ Auto wird beschlagnahmt und er selbst zum Gefangenen.

Wie es weitergeht, ist in der Wikipedia nachzulesen.

Rezension

Zwischen der Sichtung des ersten Teil der Trilogie (1979), dessen Rezension beim Wahlberliner und des zweiten liegt mehr Zeit als zwischen den Filmen selbst. Dass wir uns kaum noch an Details von TEil 1 erinnern konnten, liegt aber daran, dass wir zu dieser Art von Filmen keinen optimalen Bezug haben. Deswegen mussten wir unsere Rezension aus dem Jahr 2012 noch einmal lesen, um Vergleiche ziehen zu können.

Schon damals haben wir es bei einer Kurzkritik belassen, das erleichtert uns die Entscheidung, unserem Bauch zu folgen und auch dieses Mal keine Eloge auf einen Streifen zu verfassen, der zwar in den frühen 1980ern gewiss neue Maßstäbe in Sachen Autocrashs gesetzt hat, dem man auch anmerkt, dass das zehnfache Produktionsbudget gegenüber dem ersten Teil zur Verfügung stand und das immerhin zu einer Art Ölraffinerie im australischen Outback geführt hat, aber es geht vor allem darum, lehrbuchhafte, rasante Action zu zeigen, und das macht der zweite Teil natürlich besser als der erste. Es gibt viel mehr Explosionen und Kollisionen.

Wir sind ein paar Jahre weiter, die Zivilisation, die im ersten Teil noch rudimentär vorhanden war, gibt es nicht mehr. Hübsch stilisiert zerfällt die Welt in Punk-Rocker mit bösesten Charakteren und in eine Art wehrhafter Restkultur, die noch so viel Öl fördern will, dass sie ins Paradies abhauen kann. Schon dessen Vorhandensein ist, logisch betrachtet, Unsinn, wie das ganze Szenario, in dem um jeden Tropfen Benzin gekämpft wird, die Rocker aber ihre Maschinen im Leerlauf röhren lassen, als koste die Gallone 10 Cent.

Der emotionale Aufhänger war im ersten Teil die Familie von Max, jetzt ist es ein kleiner, verwilderter Junge, der nicht sprechen, dafür aber mit Bumerangs umgehen kann. Mit ihm zieht Max, nachdem beinahe alle guten und bösen Figuren ihr Ende gefunden haben, zu den anderen und sie fahren mit einem Schulbus und genug Benzin in Tonnen an Bord zu jenem fernen Strand, an dem es wohl auch kein Öl, aber immerhin mehr Wasser geben müsste, als in dieser trostlosen, von Wracks übersäten Landschaft, die wir in diesem Werk sehen. Hoffentlich hat die Filmcrew das alles nach Drehende wieder weggeräumt.

Grundsätzlich sind dystopsiche Szenarien gut geeignet, um der Fantasie freien Lauf zu lassen und eine Poesie des Lebens nach dem Untergang zu erschaffen. Viele Science-Fiction-Filme bedienen sich dieser Möglichkeiten und einige davon gehören zu unseren Lieblingen. Allerdings ist „Mad Max – der Vollstrecker“ kein SF im engeren Sinn, denn es gibt in ihm keine neuartige Technik oder eine Gesellschaftsform, die man als utopisch bezeichnen kann. Im Gegenteil, er ist absolut rückwärtsgewandt. Wir schrieben bereits in der Rezension zum ersten Teil, es handele sich um einen Western auf Rädern. Inzwischen hat sich der Westen zu einer Pionierlandschaft zurückentwickelt, in der es keine Ordnungshüter mehr gibt, sondern sich die Guten und die Bösen alleine gegenüberstehen, mit ungleichen Waffen ausgestattet, versteht sich. Wobei die Guten nicht so hundertprozentig gut sind, wie die Bösen böse sind. Der Kampf ums Überleben hat einige Spuren in den Charakteren zurückgelassen, das muss auch Max erfahren, weil der Chef der Ölförderer kurzerhand eine Absprache cancelt, die ein nunmehr verblichenes Mitglied seiner Gemeinde mit Max getroffen hat.

Trotzdem sieht dieser seine Zukunft bei diesen Leuten und führt einen Truck heran, mit dem man das Öl transportieren will. Lächerlich allerdings, dass all das, was man gefördert hat, am Ende auf den hinten Rängen eines Schulbusses Platz findet.

Was „Mad Max“  zumindest von guten Western unterscheidet: Die Figuren sind schrulliger, aber psychologische Feinheiten sucht man vergebens. Selbst der Ex-Cop wirkt als Typ sehr monoton, obwohl genug Zeit gewesen wäre, ihm mehr individuelle Eigenschaften mitzugeben und ihn nicht nur darauf zu reduzieren, dass er kein Ziel hat, wie man im Ölbohrlager feststellt. Der einzige Charakter, der ein wenig Spaß macht, ist der Tragschrauberpilot Pappagallo, der sich Max unbedingt anschließen möchte, ihn im Endkampf mit den Rockern unterstützt und schließlich sogar rettet. Obwohl es nicht mitgeteilt wird, gehen wir davon aus, dass er sich dadurch ebenfalls einen Platz im Paradies erarbeitet hat.

Finale

Hatte der erste Teil von „Mad Max“ immerhin noch etwas wie einen langsamen, familienorientierten Part gezeigt, ist im Nachfolgefilm alles schneller, einheitlicher, fetziger geworden. Außerdem soll es eher der zweite Teil gewesen sein, der Mel Gibson bekannt gemacht hat, weil der erste in den USA kaum wahrgenommen wurde. Er sieht jetzt auch mit seinem Mehrtagebart schon markanter aus und wie es sich für einen Actionhelden gehört, wird er mehrmals so schwer verletzt, dass er als Normalmensch nicht hätte weiterfahren und –kämpfen können. Dass genau sowas passiert, das schätzen die Amerikaner in ihrer unerschütterlichen, gleichermaßen naiven wie bedrohlichen Art, die menschlichen und alle übrigen Ressourcen für unendlich zu halten.

Unsere Wertung bleibt noch einmal ein wenig hinter der für den ersten Teil  zurück, obwohl wir anerkennen, dass die Action ganz hübsch vorangekommen ist. Damit bleiben wir übrigens ein gutes Stück unter dem Metascore zurück, der in der IMDb gelistet ist – offenbar war die zeitgenössische Kritik ziemlich fasziniert von so viel guter Kamera-Arbeit und dies hat zu einer Durchschnittsbewertung von 79/100 geführt. Da sind Filme schlechter weggekommen, die eindeutig mehr zu bieten haben als trashige Action, die man trotz ihrer für damalige Verhältnisse beachtlichen Brutalität bald wieder vergessen hat.

57/100

© 2020 (Entwurf 2015) Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Regie George Miller
Drehbuch George Miller,
Brian Hannat,
Terry Hayes
Produktion Byron Kennedy
Musik Brian May
Kamera Dean Semler
Schnitt David Stiven,
Tim Wellburn,
Michael Chirgwin
Besetzung



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