Der goldene Oktober ist vorbei #DerWahlberliner #Statistik

Liebe Leser*innen,

wir müssen reden. Über den Wahlberliner. Bzw. das Blog „Der Wahlberliner“. Im September und wiederum im Oktober hatten wir die jeweils besten Monate bisher, was Ihren und euren Zuspruch angeht. Nachdem wir uns Ende Februar beinahe selbst außer Gefecht gesetzt hatten, mit dem WB-Lockdown für eine Woche und im Juli Krisenstimmung herrschte, weil es zu langsam wieder aufwärts ging bzw. gegenüber Juni sogar wieder rückwärts, haben wir jetzt drei Steigerungen in Folge gesehen, was wir aus Gründen das Augenmaßes nie anzielen. Deshalb bleibt unsere Referenz für den November weiterhin der August, nicht einer der beiden letzten herausragenden Monate. Im Oktober haben wir vor allem die bisher höchste Leser*innenzahl bei weitem übertroffen und eine Gesamtsteigerung erreicht, obwohl unser Markenzeichen, die Vor-Ort-Berichte von Mieter*innen-Events, sich auf einen einzigen reduziert haben (während des „ersten Lockdowns“ gab es gar keine, das hat natürlich auch zum „Einbruch“ beigetragen).

Entwicklung Der Wahlberliner seit dem Start im Juni 2018

Das gibt mir aber die Gelegenheit für ein ganz herzliches Dankeschön! Wir haben im Oktober auch das Gesamtjahr 2019 übertroffen, ich glaube, es war am 29. des Monats. Alles, was im November und Dezember kommt, ist ein Bonus und wir können über Verbesserungen und neue Ideen nachdenken. Eine davon dreht sich um das Thema „Mietenwahnsinn“ in Berlin, aber dazu ist Hilfe oder Zuarbeit notwendig, das Projekt schaffe ich nicht alleine. Deswegen immer die Ruhe und Start ganz sicher noch nicht zum Jahresbeginn 2021, weil ich zuvor zwei andere Arbeiten fertigzustellen habe.

Wir sind im Oktober erheblich weitergekommen bei der Aufarbeitung des Filmfests. Viele werden das nicht so gemerkt haben, denn diese Arbeit wird nicht via Twitter promotet, damit unser Erscheinungsbild dort, wo uns vor allem Menschen wegen unserer politischen Beiträge folgen oder mit uns verbunden sind, nicht zu unausgeglichen wirkt. Wir werden vermutlich im November diese Nacharbeit, die wir viel zu lange vor uns hergeschoben haben, abschließen und uns dann wieder mehr auf Tagesaktuelles konzentrieren können.

Dass es überhaupt möglich war, diesen Rückstand abzutragen, lag eben daran, dass Sie, dass ihr dem Wahlberliner so viel Interesse entgegengebracht habt, dass wir nicht „pushen“ mussten, um unsere Zugriffsziele zu erreichen und zu übertreffen. Das hat uns viel Freiraum gegeben, viel Spaß gemacht, aber wir müssen und wollen trotzdem wieder mehr zurückgeben an diejenigen, die uns mit tollen Informationen versorgen, die uns akzeptiert haben als Dokumentare oder gar als Mitglieder einer kämpfenden Mieter*innenbewegung. Einer Bewegung, die wir von ganzem Herzen unterstützen und in der wir so viele wunderbare Menschen kennenlernen durften.

Da wir auch den Vergleich mit deren Gegnern haben, können wir mit Fug sagen: Die interessanten und menschlich angenehmen Typen sind diejenigen, bei denen nicht Gier überwiegend das Denken bestimmt. Das ist nun keine bahnbrechende Erkenntnis, aber es geht ja auch darum, wie in unserer Gesellschaft Erfolg definiert wird und wie wir uns persönlich in diesen vielen Interessenkonflikten aufstellen, ohne uns zu verbiegen und welche Entscheidungen wir treffen – mithin, was uns wichtiger ist: Knete oder Menschen.

Die meisten, die wir nun kennengelernt haben, sind sehr wohl erfolgreich in ihren Jobs und sozial gesehen, aber sie bereichern sich nicht und leben nicht auf Kosten anderer. Das ist es, was ich als Erfolg auch deswegen ansehe, weil persönliches Streben und ethisches, notabene altruistisches Denken bei diesen Menschen in der Balance sind. Mehr oder weniger natürlich, es gibt keine vollkommene Position oder Lebensführung.

Aber was sie tun, ist nie so fragwürdig und in dem Maße zu kritisieren wie bei jenen, die sich darauf verlassen, dass es die Bescheidenen und Nachdenklichen gibt, mit deren Beiträgen sie ihre immer gigantischeren Profite einheimsen können. Ohne eine Mehrheit, die das Augenmaß wahrt, wäre das gar nicht möglich. Anders ausgedrückt: Wären alle Menschen wie die Vermieter und wollten alle Vermieter sein, gäbe es keine Vermieter.

Dass sich Mieter*innen für ihre Bereitschaft, sich solidarischer zu verhalten, auch noch anmachen lassen müssen, nur, weil es ihnen irgendwann zu viel wird mit einem Preisauftrieb, der in keiner Relation mehr zur Qualität des ihnen zur Verfügung stehenden Wohnraums steht, dass sie sich von Politiker*innen und Social-Media-Trollen beschimpfen, verarschen und verhöhnen lassen müssen, weil andere sich mit dem, was sie erarbeitet haben, die Taschen vollstopfen, dem werden wir uns weiterhin und hoffentlich wieder vermehrt entgegenstellen. Das knappe Gut Wohnraum muss anders bewirtschaftet werden, partizipativ, solidarisch, gemeinwohlorientiert. Es gibt dafür mehrere spannende Formen und ich hoffe, wir kommen 2021 dazu, uns mehr mit der Forschung an Zukunftsmodellen zu befassen. Sicher ist das noch nicht, aber dranbleiben ist wichtig.

Vielen Dank für Ihre / eure Unterstützung durch das Lesen unserer Beiträge und fürs Lesen dieses kleinen Statements in eigener Sache! In diesem Sinne halten wir unsere Motivation aufrecht!

Thomas Hocke, Berlin, 01.11.2020

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